Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 621 (19.2.1937)
- Date
- 1937-02-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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^Stimme JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 621 Wien, Freitag. 19« Februar 1937 8. Adar 5697 10. Jahrgang Ben Gurions Palästina für alle Juden! Tel-Aviv, 16. Februar (JTA.). Zu der Idee eines binationalen Sta-atee nahm der Vorsitzende der Exekutive der Jewish Agency, David Ben G u r i o n, in einer zweiten Rede, die er auf der Hißtadruth-Tagung in Tel-Aviv hielt, Stellung. In dem ersten Teil dieser Rede, die sieh mit den Beziehungen zwischen Juden und Arabern befaßte, betonte Ben Gurion vor allem den G rund&atz, daß Palästina Sache des gesamten jüdischen Volkes und nicht nur derjenigen Juden sei, die bereits in dem Lande leben. Der Schwerpunkt seiner Ausführungen lag in der Hervorhebung des wesentlichen Unterschieds zwischen den jüdischen und den arabischen Ansprüchen auf Grund des Mandate. Es gebe eine Entstellung des zionistischen Gedankens, die sich hinter Formeln, wie „p olitische Parität“ und „binationaler Staat“ verberge. Diese Entstellung rühre von der falschen Auffassung her, daß die jüdischen und die Neuheit „llfe 0.06 mm“ ' Fuhrer's Stahlwarenfabrik, Wien IV. arabischen Ansprüche gleicher Art seien, während in Wirklichkeit die Juden ihre Rechte auf Grund des Mandates nicht von der Tatsache herleiten, daß einige von ihnen Landeseinwohner sind — das Recht dieser, in Palästina zu leben, habe nicht einmal der Mufti in Abrede gestellt —, sondern von der Tatsache, daß sie Juden sind, und daß der historische Anspruch des gesamten jüdischen Volkes auf seine alte Heimat anerkannt worden ist. Nicht das sei das Problem, wie die Rechte derjenigen Juden, die Einwohner Palästinas sind, geschützt werden sollen, sondern w i e die Tore des Landes für diejenigen offen gehalten werden sollen, die noch nicht Einwohner Palästinassind. In der am Montag nachmittags durchgeführten Aussprache bemängelte es das Mitglied des Hauptrates, Itzhaki, daß die Mitglieder der Histadruth, die vor der Kgl. Kommission auftraten, nicht uneingeschränkte Einwanderung gefordert haben. Der Delegierte Aba Ghuschi aus Haifa schilderte die antizionistische Propaganda unter den Arabern und den Terror, dem diejenigen ausgesetzt sind, die sich dieser Bewegung nicht anschließen wollen. Aba Chuschi und andere Redner warfen der Histadruth vor, daß sie nicht genügend Aktivität in a r a b i s c h e n K r e i s e n entfalte. einfach hinnehmen dürfe, ohne die andere Seite gehört zu haben. Sidebothams Ruf nach zionistischer Einigkeit habe auf ihn stark gewirkt. Er sei sich der Bedeutung der zionistischen Einigkeit wohl bewußt und habe sogar schon vor einigen Monaten seinen früheren zionistischen Freunden eine Konferenz am Runden Tisch vorgeschlagen, da er hoffe, vielleichtauchinZukunft wieder mit ihnen auf freundschaftlichem Fuße zu stehen. Der Schrein des Rabbi Meir beraubt Jerusalem, 15. Februar. (Palcor.) In Tiberias wurde der Schrein von Rabbi Meir Baal- Han e s s erbrochen und beraubt Das Grabmal des Rabbi Meir befindet sich in der nächsten Nähe der Thermen. Über dem Grab erhebt sich die Synagoge, in der zahlreiche Ampeln, davon viele von sehr hohem künstlerischem Wert, brennen, die als Votivgeschenke gespendet worden sind. Im Betraum sind immer Andächtige anwesend, so daß der Einbruch wohl nur in der Nacht vorgenommen werden konnte. Jüdische „Illegale" aus Palästina deportiert Jerusalem, 16. Februar. (J.T.A.) Der englische Richter in Safed verurteilte wegen illegaler Einwanderung vier jüdische junge Leute im Alter von 11 bis 16 Jahren sowie drei ältere Juden und zwei jüdische junge Leute aus Syrien zu verschiedenen Strafen und nachherlger Landesverweisung. Abduliah will König von Palästina werden Wedgwood für neue Jüdische Legion London, 16. Februar (Palcor.). Auf einem Bankett zur Feier der Gründung der Jüdischen Legion rühmte Oberst Wedgwood die Leistungen der Legion während des Weltkrieges und erklärte, daß bei entschlossenem Willen die Möglichkeit bestehe, die Ordnung in Palästina wiederherzustellen und zu erkalten. Eine neue Jüdische Legion werde dringend herbeigesehnt. Mr. Amery sagte, er wisse nicht, ob es nicht klug wäre, dem englischen Militär eine Art Volkelegion im Nahen Osten und dem Mittelmeer-Gebiet hinzuzufügen, wobei die jüdischen Siedler in Palästina einen wesentlichen Bestandteil dieser Legion bilden würden. Er sprach in anerkennenden Worten über die Leistungen der Jüdischen Legion während des Krieges und wies besonders auf Hauptmann Tmmpeldor hin. In diesem Zusammenhänge drückte er sein Bedauern darüber aus, daß das Andenken eines so tapferen Mannes mit Vorfällen, wie sie kürzlich in Jerusalem sich ereigneten, verknüpft sein sollte. Solche Handlungsweise mache wederdem Namen Trumpeldor noch dem Zionismus Ehre. Mr. Herbert Sidebotham sagte, er sei überzeugt, daß ein jüdisches Palästina für England ebenso wichtig ißt wie für die Juden. Was die Revisionisten angehe, so könne er nicht umhin, seine Mißbilligung auszudrücken über die Ereignisse, die sich kürzlich in Jerusalem zutrugen. Seiner Ansicht nach müßten derartige Vorfälle für den Zionismus schädlich sein. Er glaube, daß in der jetzigen Zeit alle Zionieton sich zu einer Front zusammonschließen sollfc e n. Oberstleutnant Patterson sagte in seiner Antwortrede, daß es zwischen Juden und Arabern niemals zu Konflikten kommen würde, wenn es eine gerechte und feste Regierung gäbe. Er hielt die Neuschaffung eines jüdischen Regimentes für äußerst notwendig. Jabotinsky antwortete auf die Bemerkungen der Herren Amery und Sidebotham. Er sagte, daß man Meldungen nicht Bei den von Triest abgehenden Schiffen der italienischen Linien ist auch in diesem Frühjahre wieder eine starke Nachfrage nach Palästina zu beobachten. Es ist daher wichtig, sich rechtzeitig Plätze zu sichern. Neben den ständigen Abfahrten — jeden Mittwoch — und jeden zweiten Samstag, wird auf die ermäßigten Gruppenfahrten hihgewiesen, die als Jerusalem, 17; Februar, Die hebräische Zeitunjg „Haboker“ veröffentlicht heute ein angebliches Geheimmemorandum des Emirs Abdullah von Transjordanien an den Oberkommissär für Palästina und Transjordanien, in dem die Befürchtung ausgesprochen wird, daß es zu neuen, außerordentlich heftigen Unruhen kommen werde. Abdullah fordere anschließend, man solle ihn zum Herrscher von Palästina und Transjordanien machen. „P o s s a c h r e i s e“ am 16. März und als „Frühjahrsinformationsr eis e“ am 13. April ab Wien geführt werden. Gute Plätze und alle Auskünfte: Palestine Express Vertretung, Reisebüro City, Dr. I. H. Körner, Wien, I., Kohlmarkt 8, Tel. U 26-4-29 Italienische Schiffahrtsgesellschaften, Wien, I., Kärntnerring 6, Tel. U 47-5-60. E Geht Wauchope doch? London, 15. Februar. Entgegen einem Dementi des Colonial Office weiß der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph“ dennoch zu melden, daß Wauchope nicht mehr nach Palästina zurückkehren, sondern durch einen Zivilisten ersetzt wer- Arabische Notabein verlangen Schutz Jerusalem, 17. Februar. Eine Delegation von arabischen Notabein aus Haifa, darunter auch Mitglieder der Taha-Fami- 1 i e, hatte oine Unterredung mit dem Gouverneur und erhob Protest gegen den Terror, zu dessen Unterdrückung die Regierung die schärfsten Maßnahmen ergreifen sollte. Die Delegation erklärte, daß auch diejenigen Araber, die sich an dem Streik beteiligt hatten, nunmehr der ganzen " Angelegenheit Wichtige Mitteilung für Palästina-Touristen den wird. Ein Grund für die Rückberufung läge darin, daß man nicht gut zwei Militärs, General Wauchope und General Dill, an der Spitze eines Mandatslandes belassen kann, da sich ihre Tätigkeit an manchen Stellen überschneide. müde seien. Falls die Regieoamg nicht imstande sei, Schutz gegen die Terroristen zu gewähren, so würden sie gezwungen sein, eine Selbstschutz-Organisation zu bilden; sie seien gern bereit, die Regierung bei ihren Maßnahmen au unterstützen. Die Taha-Familie wird seit einiger Zeit von den Terroristen verfolgt, da sie sich weigerte, für die Aufstandsbewegung Geld berzugeben. %) > fred dsbouM. ginger «misik: OiAMPAGNEfcSTIMAAUNG VOM ANFANG BIS ZUM ENDE E1ITEI. OPERN L iiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiHiniiiiiiiiiiiiimiiiiimiiiiiniiiimiiiiiiiiiiiinimiiiiimiiiiiimmiimiiiiiTimai Nationales Heim oder Parteiheim Herr Ben Gurion, der Vorsitzende der Exekutive der Jewish Agency, hat in einer Rede auf der Histadruth-Tagung in Tel-Aviv den Grundsatz betont, daß Palästina eine Angelegenheit des gesamten jüdischen Volkes ist und nicht nur . derjenigen Juden, die bereits im Lande leben. Die Tore des Landes müßten für diejenigen offen gehalten werden, die noch nicht Einwohner Palästinas sind. Herr Ben Gurion hat diese Äußerungen in einer Polemik gegen die Aussagen der Araber vor der Kommission getan und es wird wohl keinen Zionisten geben, der diese Meinungen nicht bedingungslos teilen würde. Aber man muß weitergehen und Herrn Ben Gurion fragen, was er unter jüdischem Volk versteht und ob seine Erklärungen sich auf alle Juden beziehen, die in Palästina an dem Aufbau des jüdischen Heimes mitarbeiten wollen. Die Partei, der Herr Ben Gurion in führender Stellung angehört, die sozialdemokratische Partei, ist innerhalb des Jischuw die regierende Partei. Sie ist damit auch die verantwortliche Partei. Aber die Ausübung ihrer Verantwortung entspricht in keiner Weise den Grundsätzen, zu denen sich Herr Ben Gurion bekennt. Was seine Partei mit Zuhilfenahme der Teilung in politische Partei und Gewerkschaft tut — die Führer sind die gleichen Personen —, läuft letzten Endes auf das gleiche Geleise wie die arabische Propaganda. Der Mufti will die Juden von Palästina fernhalten, die sozialdemokratische Partei will die Juden, die sich nicht sozialdemokratisch organisieren, nicht zur Arbeit zulassen. Die Histadruth ist wohl der Ansicht, daß Palästina das Eigentum der Zweiten Internationale ist; sie hat den Geßlerhut aufgestellt und sie dekretiert: Arbeit bekommt nur der, der ein Mitgliedsbuch der Histadruth hat. Wer es nicht hat oder nicht haben will, der mag arbeitslos herumstehen oder wieder auswandern. Wohin? Nach Deutschland, nach Polen, nach Rumänien? Palästina schließt ihn aus, das Land, in dem sich das jüdische Nationalheim erheben soll, das Heim des ganzen jüdischen Volkes. Man muß nicht erst von der Zeit sprechen, in der dies geschieht. Draußen steht der Feind. Täglich ereignen sich Terrorakte, Überfälle, Morde. Alle Berichte stimmen darin überein, daß eine neue Kampagne der arabischen Gegner vorbereitet wird; die Untersuchungskommission tagt in London und ihre mißgünstige Haltung verschärft sich weiter. Es besteht also ein Zustand, der die festeste und geschlossenste Haltung des Judentums, vor allem aber des Jischuw, erfordern würde. Das steht in allen Zeitungen Palästinas, das wird in allen Reden der verantwortlichen Leiter der Politik und der Arbeit unterstrichen — aber die Histadruth ist in ihrer täglichen Praxis zur rigorosesten Anbetung des Parteibuch-Fetischs gelangt, und sie ändert ZIONISTISCHER LANDESVERBAND FÜR ÖSTERREICH um präzise halb 9 Uhr abds. Vortrag Dr. Josef Kastein vor seiner Rückreise nach Palästina über „Jeremias, der Geist der Hldischeit Prophetie“ Im Olfenbachsaal, IV., Treltlstraße 3 (Porrhaus) Karten erhältlich: Zionistischer Landesverbend, Wien, I., Marc-Aurel-Straße 5 - Telephon U 22-2-11