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Die Stimme · 1937-02-12 · Heft 619 (12.2.1937) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 619 (12.2.1937)
Date
1937-02-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 619 Wien, Freitag, IX. Februar 1937 1* Adar 5697 10. Jahrgang 5Stimme JÜDISCHE ZEITUNG 120.000 Mann stehen zur Verteidigung bereit! Tel-Aviv, 8. Februar. (Palcor.) In der gestern begonnenen Konferenz der Histadrufjh erklärte Ben Gurion, die Zeit der Prüfung sei noch nicht vorüber; es sei notwendig, alle Kräfte ziu mobilisieren, um diio ökonomische und physische Verteidigung zu sichern. In diesem Zusammenhänge erwähnte Ben Gurion, daß 120.000 Mann im Alter von 20 bis 45 Jahren bereit stünden, um die jüdischen Positionen im Lande zu verteidigen. Er schilderte die jüdischen Leistungen und die Tätigkeit der gegenwärtigen Exekutive, die in der Geschichte fortleben werde, und erklärte, daß die Zukunft des Hafens von Tel-Aviv gesichert ist. Zehn entscheidende Jahre Ben Gurion behandelte sodann die Frage der Beziehungen zu den Arabern und zu E n g 1 a li d. Er erläuterte die Aufgaben der Königlichen Kommission und erklärte, daß die nächsten zehn Jahre eine entscheidende Periode der jüdischen Geschichte darstellen werden. Die Hauptfrage, die von der Königlichen Kommission entschieden werden müsse, sei die, ob jüdische Einwanderung nach Palästina durch wirtschaftliche oder politische Momente bedingt werden soll; im ersten Fall würde alles von der Fähigkeit der Juden abhängen, Möglichkeiten für größere Absorption zu schaffen. Sollte die Kommission jedoch im Sinne der politischen Momente entscheiden, so werden wir einen entschlossenen Kampf führen. Histadruth gibt arabische Zeitung heraus Ben Gurion wandte sich dann dagegen, daß in den Kreisen der Histadruth die öffentliche Sabibathruhe nicht genügend eingehalten werde. Der Vorsitzende der Konferenz teilte mit, daß die Histadruth in den nächsten Tagen fruit der Herausgabe einer Zeitung in arabischer Sprache beginnen wird. Gegen den binationalen Gedanken Jerusalem, 10. Februar. (JTA.) In der Rede, die der Vorsitzende der Exekutive cler Jewish Agency, David Ben Gurion, auf der Versammlung des Hauptrats der Histadrut in Tel Aviv am Sonntag gehalten hat,, erörterte er auch die Beziehungen zwischen Juden und Arabern in Palästina und die. Ziele der arabischen Bewegung. Von den arabischen Nationalisten Palästinas, so führte er aus, werde die Vorherrschaft im Lande angestrebt, obwohl die palästinensi- S3hen Araber nur das Rechthätten, als nationale Einheit in Palästina zu bestehen. Die letzten Unruhen hätten ihre Ursache hauptsächlich in dem primitiven und unkonstruktiven Charakter des arabischen Nationalismus, der nicht einmal davor zurückgeschreckt sei, Banden aus dem Ausland zur Teilnahme an dem Aufruhr aufzufordern. Der binationale Gedanke entstelle das Wesen des.Zionismus, dessen Aufgabe der Aufbau des jüdischen Palästina sei. . m Neuheit „llfe 0.06 mm11 Fuhrer's Stahlwarenfabrik, Wien IV. Administrativ-Komitee des Jüdischen Weltkongresses in Wien Paris,^ 8..Februar. (JTA.) Wie vom Büro die nach Krakau einberufen worden war, des Jüdischen Weltkongresses mitgeteilt nicht in Krakau, sondern in Wien, und wird, wird die Sitzung des Administrativzwar am 20. und am 21. Februar, ab- Konaitee des Jüdischen Weltkongresses gehalten werden. Paris, 10. Februar. (JTA.) Die Havas-> Agentur meldet aus Jerusalem: In Palästina; lebt die Terrorbewegung neuerlich auf. Mohammedaner und Christen haben unter der Devise „Christus und Mohammed“ eine Vereinigung gebildet, welche die zionistische Politik bekämpfen und ein Aufblühen des Judentums verhindern will. Ibn Saud gegen den Mekka-Kongreß Jerusalem, 11. Februar. (Palcor.) König Ibn Saud hat den Vorschlag des Mufti auf Einberufung eines Araberkongresses in Mekka während der Zeit der Pilgerfahrt abgelehnt, da es nicht wünschenswert sei, Politik mit Religion zu mischen. Nach Mitteilungen, die das arabische Komitee durch die ihm nahestehenden Journalisten lanciert, sollte dieser Kongreß den Kampf gegen die Juden proklamieren. Die arabische London-Abordnung Jerusalem, 8. Februar. (JTA.) Aus arabischen Kreisen verlautet, daß der Beschluß des Obersten Arabischen Ausschusses, nach London eine Abordnung zu entsenden, endgültig sei. An der Spitze der Delegation wird der Mufti, Haj Amin e 1 ,Hussein i, stehen; ihr vv erden weiter der arabische christliche Bischof Hadjar aus Haifa, der Sekretär des Obersten Arabischen Ans$rteö&es A u n i B e y Abdul H a d i, der Führer der moslemitißchen Jugend Jamal Hussein!, der Verwandte des Mufti Shibli Jamal und der christliche Araber Alfred Rock angehören. Die Abordnung werde die Aufgabe haben, in London gegen den Zionismus zu arbeiten, wobei der Mufti die Losung ausgeben wird: es gelte, die heiligen Stätten der Moslems g e g en di e Juden zu verteidigen. Wie „Dawar“ mitteilt, hat der Mufti den Bischof Hadjar dadurch für die Teilnahme an der Delegation gewonnen, daß er' ihm einzureden wußte, das jüdische Aufbauwerk bedrohe die heiligen Stätten des Christentums. Der Mufti habe es auch bei Hadjar du rohgesetzt, daß er Italien und Frankreich besucht und unter dien dör- Der Staat im Staate In Berlin ist eine neue Stelle zur „Betreuung des Auslandsdeutschtums“ errichtet. worden, deren Leiter in den Fragen seines Amtes Sitz und Stimme im Reicliskabinett hat und auch dem Außenminister Instruktionen erteilen kann. Aufgabe dieser Stelle ist zunächst die Kontrolle der Tätigkeit und Gesinnung von etwa 18 Millionen Ausländsdeutschen, ihre Evidenzhaltung und ihre Benützung für die unterschiedlichen Zwecke der Regierung. Die „Deutsche Allgemeine Zeitung“ teilt aus den Weisungen des neuen Amtes u. a. mit: „... jeder Deutsche muß sich auch verpflichten, außer Berichten über seine Betätigung im Ausland auch noch regelmäßige Schilderungen über seine persönlichen Beobachtungen der dortigen Verhältnisse an die Parteileitung zu schicken. In den Ländern, in denen man dem deutschen Nationalsozialismus Verständnis entgegenbringt, wird es sich der Deutsche zur Pflicht machen, mit den entsprechenden Bewegungen jeneT Staaten stets enge Fühlung zu halten.“ Das ist einerseits die Aufforderung zur Spionage, andrerseits der Auftrag zur aktiven Einmengung in die inneren Verhältnisse der Wohnländer. Diese Ausländsdeutschen unterstehen von nun ab einer straff arbeitenden Zentralstelle in Berlin, die auf diese Weise dem Dritten Reich die Möglichkeit schafft, die schon bisher geübten Praktiken der Spitzelei, der politischen und wirtschaftlichen Ausspähung und der Feme mit der Präzision eines gut geölten Uhrwerkes au vollenden. Die Ausländsdeutschen werden als „Kolonien“ des nationalsozialistischen Reiches bezeichnet und als solche in jedem Sinne zu wirken haben. Das ist genau das, was der militante Antisemitismus den Juden vorwirft. Es wird wieder eine These au>s den „Weisen von Zion“ verwirklicht, indem diese deutschen Kolonien »um Staat im Staate ausgestaltet und unter Berliner Kommando gestellt werden. Für die Staaten, die mit dieser Einrichtung beglückt werden, ergeben sich mannigfache Gefahren. Ihr gesamtes Leben gerät unter Berliner Aufsicht. Die Zentralstelle erhält Einblick in diie subtilsten Vorgänge und das Reich .gelangt dazu, wann es nur will, sich einzumengen und unter, dem Titel des Minderheitenschutzes, zu dem sich Hitler in seiner Reichstagsrede demonstrativ bekannt hat, allerlei Forderungen zu stellen. Das gibt wieder die Gelegenheit zur Erzeugung von Konflikten und von Beunruhigungen der Öffentlichkeit, die sich an der Hand immer neuer antisemitischer Treibereien mühelos hervorrufen lassen. Wenn sich die Regierungen diese neue Art von Sprengminen gefallen lassen,;eo kommen sie von einer Krise in die andere; wenn sie sich dagegen wehren — nun, dies will wohl Berlin, das dann wieder mit der! Gleichberechtigung, mit der Ehre des deutschen Volkes und ähnlichen Standardwaren seines nationalen Basars arbeiten kann. Freilich geraten, da Aktion Reaktion auslöst, auch die deutschen Minderheiten zwischen die Mühlsteine; aber sie sind für Berlin nichts anderes, als Objekte einer unersättlichen Gier und eines tödlichen Hasses gegen die internationale Sittlichkeit. Die europäische Politik ist seit denn Jahne 1933 einer ununterbrochenem Reizung aus- Ben Gurlon: gesetzt. Aber es belastet sie mit aller Schuld, daß sie von diesen Provokationen nicht ungewarnt betroffen worden ist. Die Völker rings um das Dritte Reich haben die nationalsozialistische Judengesetzgebung geduldet, die ihnen klar und deutlich ihr eigenes Schicksal im Falle des Unterliegens anzeigt; sie haben die Eingriffe in Österreich ruhig so lange mitangesehen, bis der Kam,zier Dollfuß ermordet wurde; sie haben die Zerreißung des Friedensvertrages, den Einmarsch in das Rheinland hingenoinmen und so jeden weiteren Akt der Illegalität und. des Paktbruohes moralisch gestützt. Inzwischen haben die deutschen Agenten im Orient gegen England und Frankreich geschürt, haben das Unternehmen der eidbrüchigen spanischen G<eneräle unterstützt, bis dann das Reich selbst bei hellem Tage mit militärischen Mitteln in den Bürgerkrieg eingriff und seine Soldaten zu Landsknechten degradierte. In Rumänien, in Jugoslawien, in der Tschechoslowakei ist der Bazillus der Gestapo auifgietroten und überall arbeiten diese Emissäre vor allem mit der Entfesselung anti jüdischer Orgien. Kein Staat hat sieh so zur Wehr gesetzt, wie das notwendig gewesen wäre; kein Staat hat eine internationale Polizeiaktion gegen dieses Mordsystem angeregt, die schon durch ihre Ankündigung Millionen von Sklaven in Deutschland den Mut zur Tat gegeben hätte. Man spricht mit dem Dritten Reich auf dem Fuße der gleichen Geltung, obzwar es keinen Tag Vorbeigehen läßt, ohne neuerliche Beweise, daß Recht nur ist, was „dem Volke“ nützt, wobei unter Volk das 'System zu verstehen ist, und diese Beweise liegen vor allem in der Behandlung der Juden, die jede Achtung vor Menschenrecht und Menschenwürde vermissen läßt. Es 'ist klar, daß die Aufgabe, die den Auslandsorgianisationen der nationalsozialistischen Partei zugewiesen wird, sich zunächst in einer Verstärkung des antijüdischen Terrors äußern wird und daß sie hiezu sieh der von Berlin ausgegebenen. Parole von dem ideologischen Kreitzzug gegen den Orthodoxen Rabbiner Amerikas gegen Parität New York, 10. Februar. (JTA.) Der stell-* vertretende Vorsitzende des Verbandes der orthodoxen Rabbiner der Vereinigten Staaten und Kanadas, Rabbi Jacob Levin-! son, gibt bekannt, daß er der Königlichen Kommission für Palästina im Namen von 300 orthodoxen Rabbinern Amerikas eine Entschließung zugesandt habe, in der der Grundsatz der politischen Parität abgelehnt und gegen jeden Versuch einer Minderung der jüdischen Rechte in Palästina Protest erhoben wird. „Christus und Mohammed" Bolschewismus bedient. In dem Lärm, der um eine gefälschte Darstellung der Tatsachen entstanden ist, sollen die wahren Absichten der Hakenkreuz-Anbeter getarnt werden. Sie wollen vom Judenhaß aus die ganze Struktur der abendländischen Welt zerschlagen und alles unter Berliner Diktat stellen. Die von dem Berliner Blatt mitgeteilten Weisungen sprechen sehr deutlich, so klar wie das hölzerne Pferd, in dessen Inneren sich die Griechen nach Troja schlichen. Man hörte in Troja das Waffengeklirr, aber man achtete dessen nicht, und dann ging Troja zugrunde. Alle Staaten müssen jetzt erkennen, daß durch die neuen Weisungen der Berliner Zentralstellen der Kampf gegen den europäischen Geist in die Bevölkerung der Staaten selbst vorgetragen wird und daß Europa und die ganze Welt von der braunen Flut bedroht ist, gegen die die Mississippi- Katastrophe nur eine harmlose Spielerei ist. Dem Staat im Staat muß vorgebeugt werden. ZIONISTISCHER LANDESVERBAND FÜR ÖSTERREICH um präzise halb 9 Uhr abds. Vortrag Dr. Josef Kastein vor seiner RQdcrelse nadi Palästina über „Jeremias, der Geist der Jüdischen Prophetie“ im Offenbadisaal, IV., Treitlstraße 3 (Porrhaus) Karten erhältlich: Zionistischer Landesverband, Wien, l„Marc-Aurel-Straße5 - Telephon U 22-2-11

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