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Die Stimme · 1937-02-05 · Heft 617 (5.2.1937) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 617 (5.2.1937)
Date
1937-02-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Qta iJ v.b.fc. '‘Stimme Nr. 6x7 JÜDISCHE ZEITUNG Wien, Freitag, f. Februar 1937 Z4- Sehwat *697 SO« Jahrgang ORBIS billige Reisen nadi POLEN Abfahrt 1 Jacfe 14 Taga Anmeldungen: Polnisches RelsebOro „ORBIS“ l„ Kärntnerstrafla 41, R 21-5-78 Oesterreich. Verkehrs-Büro L FriadriohltraOs 7, B 27-500 l„ Qraben 20, U &-0-53 Die Wehleidigen In der niederösterreiiohisoben Stadt Melk ist kürzlich ein ans öffentlichen Mitteln besoldeter Posten unter Bedingungen ausgeschrieben worden, die die Bewerbung eines jüdischen Beamten unmöglich machen sollten. Der Einwand eines Wiener jüdischen Blattes, daß hier ein Verstoß gegen die von der Verfassung gewährleisteten Gleichberechtigung der Juden vorliege, wurde von der Wiener „Reiohspost“ unwirsch mit der Berufung auf Shylock abgetan. Nun ist Shylock keine Person aus der politischen Tatsachenwelt, sondern die Figur aus der Phantasie eines englischen Dichters Und für die Beurteilung von Dingen des De bens: ungefähr gleich dem Meere, das nach Shakespeare in Böhmen sich ausdehnt. Wenn das Recht eines Staatsbürgers ver letzt wird, der hier in Österreich sein Stu ditun absolviert hat und sich hierüber durch ein Zeugnis ausweisen kann, und der hier in Österreich Steuern, zahlt, so hat die jii disohe Gemeinschaft dae Pflicht, für ihn ein zutreten, weil sedhe Ablehnung nicht aus Motiven der beruflichen Eignung, sondern wegen der Abstammung geschieht. Das erfolgt in Österreich sehr” häufig, und es ist daraus das System entstanden, das von der „Essener Zeitung“ als der „Antisemitismus aiuf Gummisohlen“ gelobt und gepriesen worden ist. Dieser Mangel an Loyalität, der dem jüdischen Bürger immer nur und bloß die Matrik unter die Augen hält hat sich eine, umfassende Praxis entwickelt. Aber es ist ein Irrtum, wenn man glaubt,.: daß sich die jüdische Bevölkerung mit dieser Übung. durch Gewöhnung abfin den wird. Solange Österreich als. Rechtsstaat gelten will, solange -die Verfassmig besteht, solange wir hier nicht nach nume nus clausus, auch nicht nach numerus nullus zur Leistung der Steuerpflicht verhalten werden, wird das Judentum ohne jeden Unterschied Bich gegen die zur Politik erhobene . Mentalreservätjon verwahren und öffentlich darüber sprechen. Ob das nun den Pächtern der Bodenständigkeit genehm äst oder nicht. Sie siimd sehr empfindlich, die Herren von der antijüdischen Front. Sie haben sich so ein Konzept zurechtgelegt, daß ‘ „darr Jud“, der nun einmal mit allen Sünden und Mängeln belastet werden darf, dazu auch noch schweigen soll. Sie haben sich die Formel gebildet — wider besseres Wissen —, daß der Jud ein Bolschewik ist, und darnach formt sich ihr Tun und Lassen, was sich auch in den diversen Arierparagraphen usw. ausdrückt, wobei uns weniger das Faktum an sich interessiert, als die beleidigende Absicht, die im solchen Dingen steckt. Wenn Juden hiezu Stellung nehmen, so wiiad ihnen * onbgegengehalten, daß sich eben ein „arischer“ Verein konstituiert hat. Es ist eäm inoimandergreifendes Räderwerk, das' den Juden die Ehre, die Arbeit und das Brot nehmen will und außerdem wird auch noch ein Maulkorb im Bereitschaft gehaltem. Diese sehr fedin organisierte Tätigkeit ist nicht von beute. Aber sie ist intensiver geworden und sie fordert sogar die Anerkennung des Staates. Die Boykotthetze geht bie sehr hoch hinauf und machte alle Korrektheit der Regierung illusorisch. Diese Sorte Antisemitismus ißt dom neuen deutschem Ungeist zm verdanken, der draußen spr Macht gekommnem. ist, seine erste Uißprungsstätte aber in Österreich hat. An den Hochschulen Österreichs ist zur Zeit der Monarchie dieses Gift der Verhetzung, der Überwertigkeit der deutschen Nation erzeugt worden. Die niohtdeutsohen Völker sind seither selbständig geworden, gebliebem sind die Juden, an denen sich der Rassemhlödsimn aus tobt. Aber wir auf unserem Recht, wir schweigen nicht und werden alles an wenden, was uns die Verfassung einschließlich der a/us dom Friedensvertrag übernommenen Bestimmungen am Mitteln der Gegenwehr an die Hamid gibt. Jfotma SHEARER HOWARD EllTE OPERN i. Selig Brodetsky: Das ganze Volk muß mobilisiert werden! klar zu sein, daß die britische Nation zu einer Zeit, in der so viel von der Heiligkeit der Verträge gesprochen werde, und wo die gesamte britißche öffentliche Meinung empfinde, daß internationales Leben nur möglich sei, wenn Vereinbarungen anerkannt werden, Abmachungen einhaltem werde, die eie freiwillig eingegangen ist und vor zwanzig Jahren mit so viel Enthusiasmuß unterzeichnet hat. Es sei undenkbar, daß das englische Volk sein Versprechen einschränken werde. . Eine Gefahr bestehe in dieser Hinsicht im Zusammenhang mit der Auslegung des Mandats. Prof. Brodetsky nahm im weiteren London, 3. Februar. (JTA.) Die Zionistische Vereinigung von Großbritannien und Irland hielt in London eine Massenversammlung ab, in der die kritische Situation in Palästina von verschiedenen Rednern einer eingehenden Betrachtung unterzogen wurde. Professor Selig Brodetsky, der Leiter des politischen Departements der Exekutive, wies darauf hin, daß die eigentliche kritische Lage nicht in Palästina, sondern nach Rückkehr der Königlichen Kommission in London vorhanden sei. Der Kampf um die Rechte der jüdischem Nation werde vor dem Forum der Weltöffentlichkeit ausgetragen und vor allen Dingen vor der britischen öffentlichem Meinung. Das jüdische Volk in der ganzem Welt'sehe sich vor die Frage gestellt, wie die nationalen Rechte der jüdischen Nation gesichert werden könnten. Es sei lächerlich, annehmen zu wollen, daß man den Kampf um diese Rechte allein durch Beiträge zu einem Fonds austrage. Es müsse vielmehr die Kraft des ganzen Volkes mobilisiert werden, und zwar sowohl für das konstruktive Werk in Palästina als auch für-den. großen Kampf, der bevorsteht. Die wich- . tigste Waffe in diesem Kampfe ist der Jischuw. Ohne diö Untereuohungsergebnisse der Königlichen Kommission vorwegnehmen zu wollen, scheine es. dooh, sagte Brodetsky, »Laßt die Juden nach J e r u s a 1 e m, 1* Februar. (JTA.) Der jetzt in Palästina weilende Führer der englischen Unabhängigen Arbeiterpartei J. McGovern, hätte eine Radioansprache über seine Ein1 drücke in Palästina halten sollen. Die Rede wurde verboten, well McGovern eine freie jüdische Einwanderung nach Palästina fordern wollte. Verlauf eedner Rede auf die Ereignisse im Vorderen Orient, im Libanon und Alexamdrette Bezug. Man sage im Völkerbund, daß man eine ßolohe große Zahl von Türken in Alexandrette nicht unter der Herrschaft der Syrier verbleiben lassen könne, oder daß man es auch nicht zulassen könne, daß die Christen des Libanon durch Andensgläubige unterdrückt werden. Prof. Brodetsky sagte: „Was nicht gut genug ist für die Christen des Libanon und die Türken in Alexandrette, das ist sicherlich ebenso wenig gut für die Juden in Palästina. Wir haben das volle Recht, der englischen Regierung, deren Außenminister Eden sieh mit diesem Fragen innerhalb des Völkerbundes in Genf befaßt, zu sagen, die jüdische Nation erwartet von ihr, daß für sie das gleiche Prinzip der internationalen Gerechtigkeit amgewemdet werde. PURIM » PESSACH EREZ I SRAEl 25 % ERMÄSSIGUNG auf Hin- und Rückfahrkarten vom 17. Februar bis 20. März von Triest und Genua nach Haifa mit den vorzüglichen Dampfern,Marco Polo*, ,Gsperla* ,Galilea‘, ,Gerusalemrae* A u . 8 k U „n. f te: ADRIATICA S. A. - LLOYD TRIES TINO GENERALAGENTUR Wien, I., Rärntnerring 6, Tel. U 47-5-60, und Reisebüros Der beanstandete Passus lautet: „Die Juden haben Geniales an konstruktiver Äufbauenergie in Palästina geleistet. Die Juden brauchen eine Heimstätte, die als ihre Heimat anerkannt ist und in welcher sie und ihre Kinder und Kindesk'i'hidier eine nationale Zuflucht finden. Palästina braucht mehr solcher Männer und Frauen wie diejenigen, die wir hier gesehen haben. Statt sie zu vertreiben oder vor ihnen die Tore Palästinas verschlossen zu halten, raten wir euch: Laßt in Palästina eine unbeschränkte Zahl Juden ein! Sie werden den Arabern Kultur und Zivilisation bringen.“ Ein anderer Passus in dieser Rede lautet: „Wenn Personen, die hohe Stellungen bekleiden, wenn Effendis versuchen, Araber und Juden gegeneinander auszuspielen, weil sie von einer Hebung des sozial-kulturellen Standards der Arbeiter und Fellachen eine Minde rung ihrer Macht befürchten, so müssen solche Versucheunter Anwendung des Gesetzes in seiner ganzen Strenge und Härte vereitelt werden. Palästina hat Raum für beide Gemeinschaften, die sieh auf der Grundlage gegenseitiger Freundschaft und gemeinsamer Arbeit und Fortschrittes des .Landes einigen können.“ Für den Aufbau Erez Israels: Kongreß aller amerikanischen Juden New York, 3. Februar. (JTA.) Die Vorbereitungen zu der großen Palästina-Konferenz, die am Sonnabend, den 6. Februar, abends, in Washington feierlich eröffnet wird, sind in vollem Gange. In New York und anderen jüdischen Zentren des Landes fanden die Delegiertenwahlen bei größter Beteiligung statt. Zu der Tagung, die im Mayflower-Hotel in Washington abgehalten wird, werden Tausende Delegierte und Gäste aus allen Teilen der Vereinigten Staaten erwartet. Die bevorstehende Landeskonferenz der vereinigten Palästina-Aktionen wird die größte Kundgebung'" für Palästina-Aufbau sein, die jemals in den Vereinigten Staaten stattgefunden hat. Es sollen auf dieser Konferenz umfangreiche Pläne ausgearbeitet werden, die eine stärkere Beteiligung des amerikanischen Judentums an den Aufbauarbeiten in Palästina sichern. Sämtliche nationalen jüdischen Verbände und Orden Amerikas werden auf der Tagung vertreten sein« Wauchope nach London berufen Jerusalem, 30. Jänner. (Palcor.) Wie Palcor von zuverlässiger Seite erfährt, wird der High Commlssioner sieh Ende Februar nach London begeben. Die in deT Presse verbreiteten Meldungen, daß Sir Arthur Wauchope nicht nach Palästina zurüokkebrem wird, entbehren jeder Grundlage. Neuheit „Ille 0.06 mm“ Fuhrer's Stahlwarenfabrik, Wien IV« Wieder drei Morde Jerusalem, 3. Februar. Der 31jährige Chauffeur Mendel M i n t z aus Kfar Avihail im Etnek Hefer wurde am Lenkrad eines Lastwagens auf der Jaffa—Haifa-Chaussee von zwei Arabern angeschossen und tödlich getroffen. Er hinterläßt ein fünfjähriges Kind. Ein englisch-jüdischer Ansiedler wurde Montag abends in einem Lastkraftwagen auf der Fahrt durch die Ebene von Scharon von zwei bewaffneten Arabern angehalten und erschossen. Leonard Stein kandidiert für das Unterhaus London, 2. Februar. (JTA.) Der bekannte Londoner jüdische Rechtsanwalt und Rechtsberater der Jewish Agency, Leonard Stein, der vor kurzem von der königlichen Kommission über die juristische Interpretation des Mandates vernommen wurde, ist von der Liberalen Partei als Unterhauskandidat für den Wahlkreis Wh.iteohapel in Aussicht genommen worden. Die Kandidatur Leonard Steins ist in einem Schreiben von Innenminister Sir John Simon warm unterstützt worden,

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