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Die Stimme · 1937-02-02 · Heft 616 (2.2.1937) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 616 (2.2.1937)
Date
1937-02-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
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!Stimme JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 616 Wien, Dienstag, i. Februar 1937 « 2t. Schwat 5697 io. Jahrgang PURIM uh» PESSACH ”4 E RE Z ISRAEL auf Hin- und Rückfahrkarten vom 17. Februar bis 20. Märe von Triest und Genua nach Haifa mit den vor* züglichen Dampfern , Marco Polo*, ,Esperia‘ ,Galilea‘, ,Gerusalemme‘ Auskünfte ADRIATICA S. A. LLOYD TRIESTINO GENE RALAGE NTU R Wien, I„ Kärntnerring 6, TeL U 47-5-60, und Reisebüros Shertoh und Ben Gurion zur Läget Wir müssen stark sein! Jerusalem, 31. Jänner. (JTA.) Am 23. und 24. Jänner fand in der Haifaer Gartenstadt Hadarhacarmel die Landeskonferenz des Rates der palästinensischen Arbeiterpartei in Anwesenheit von etwa 180 Delegierten aus allen Teilen des Landes statt Mosche S h e r t o k und Ben Gurion hielten ausführliche Referate über die gegenwärtige politische Lage, in denen sie darlegten, welche Mittel angewandt werden müssen, um den Angriff auf die jüdische Aufbauarbeit in Palästina abzuwehren. Mosche Shertok bezeichnete den jetzigen 'Augenblick als eine Atempause, die ee ermögliche, sich Rechenschaft über .dten bisher gegangenen Weg zu geben. Noch mehr aber über den Weg, der noch zu gehen sein werde. Wir haben, eo führte er aus, nicht nur unsere Positionen auf dieser Front gehalten, sondern es ist une auch gelungen, auf einer Reihe wichtiger Gebiete unsere Kraft zu festigen. Wohl sind Opfer gefallen. Wenn wir aber eine allgemeine Bilanz ziehen, so kann kein Zweifel darüber bestehen, daß die Gesamtheit aus dieser Prüfung für die Zukunft gestärkt hervorgegangen ist, selbst wenn sie an einzelnen Punkten geschwächt wurde. Wir halten jetzt Rückschau über die Ereignisse. Die Schlacht ist noch nicht beendet und eist in etwa zwei bis drei Monaten werden wir wissen, wo wir stehen. Obwohl wir von der Regierung niemals aktive Unterstützung erfahren haben, gab sie uns doch die Möglichkeit, durch eigene Kraft Fortschritte zu erzielen; eine volle Auswertung dieser Kräfte hat sie aber nicht zugelassen. Der Redner erörterte sodann die interna ti ona 1 e Verpf 1 ichtungskraft des Mandates. Zum jüdisch-arabischen Problem bemerkte er, daß für die arabischen Nachbarländer Palästinas jetzt eine völlig neue Situation geschaffen worden sei. Für sie sei die Zeit vorüber, in der man mit nationalen Vorbehalten spielen konnte. Jetzt hätten sie die Aufgabe, Massenbedürfnisse zu befriedigen, Arbeit zu schaffen. <Je mehr die wirtschaftliche und staatliche Kraft der Juden in Palästina wachsen werde, um so näher werde die Möglichkeit der Verständigung mit den arabischen Nachbarn sein. Unsere Aufgabe, erklärte Shertok, besteht darin, das Maximum unserer Kräfte zu entfalten und unseren Abwehrkampf gegen den Versuch, die Einwanderung einzuschränken, auf der ganzen Welt zu verstärken. Ben Gurion skizzierte kurz die allgemeine Lage in der Welt und erklärte, daß die jüdische Aufbauarbeit in Palästina ihre Kräfte aus tiefen menschlichen und sittlichen W u r z e 1 n ziehe. Es wäre aber unvernünftig, zu erklären, daß man keine Kraft brauche, um die sittlichen Ideale zu verteidigen. Ohne Kraft würden diese Ideale zu Schande und Spott. ' Der Gedanke des Friedens zwischen Juden und Arabern sei eine der organischen Grundlagen der Bewegung. Man dürfe nicht sagen, daß es keine Aussichten für einen solchen Frieden gebe, man dürfe sich aber auch von diesen Aussichten nicht die Augen verblenden lassen. Die j üdische Wirklichkeit in Palästina sei nicht weniger bedroht als es die menschlichen Freiheiten in manchen Ländern sind. Wir sind, -schloß Ben Gurion, nicht Melier gekommen, um zu kämpfen. Wir müssen aber kämpfen, um unsere Aufbauarbeit zu schützen. Die letzte Entscheidung in dem kommenden Kampf hängt von uns selbst ab. Lustiger Abend und Hausball im WEGHUBER uiiiJJiJjjiiimiimijmmijjiuimjiimiiiiiiimiiijjiiiiiiiimiiiiiiJiiiiiiiMiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiJiniiiimiiiiiiiiiiiiiiiim s wirken u. a. mit: Komiker Kraidlf Opernsängerin LSa Beyer, Prof. Hahn usw. u. d. KapeSle Isy Geiger Rechtzeitige Tischbestellungen B 31-0-38 erbeten Beginn 9 Uhr abends ☆ Bürgerliche Preise Einschränkung de London, 29. Jänner. (JTA.) „Manchester Guardian“ bringt eine längere Mitteilung seines Palästina-Korrespondenten, in welcher erklärt wird, die Behandlung des Palästina-Problems erfordere die fähigste und erfahrenste Beamtenschaft, welche der britische Koloiiialdienst überhaupt stellen kann; denn es handele sich darum, Fehler der Vergangenheit wiedergutzumaohen und die Zukunft ziu sichern. Nach einer Zusammenfassung der jüdischen und arabischen Aussagen vor der Königlichen Kommission kommt der Korrespondent zai der folgenden Schlußfolgerung: Man hat hier das Gefühl, daß die Königliche Kommission, wenn sie nicht überhaupt das Mandat in seiner jetzigen Form als unanwendlbar denunziert, eine schärfere Ber Einwanderung? Schränkung der jüdischen Einwanderung empfehlen wird. Die hohe Autorität der Königlichen Kommission gibt ihren Schlußfolgerungen ein solches Gewicht, daß eine Opposition gegen eine von ihr empfohlene Eiiiwanderuiigspolibik eine Aufgabe danstellt, welche, die äußerste Anstrengung der Judonheit erfordern würde. Vierzig Prozent luden Jerusalem, 29. Jänner. (JTA.) In einer Konferenz der Arbeiterpartei in Haifa erklärte der Vorsitzende der Exekutive der Jewish Agency, David Ben Gurion, daß man zwar sowohl in Palästina als auch in London großen Gefahren gegenübenstehe, keineswegs aber deshalb ziu verzweifeln brauche. Wir erleben, so führte der Redner aus, den großen und tragischen Konflikt zwischen zwei Kräften: der dynamischen Kraft der Juden und der statischen Kraft der Araber. Wir müssen uns bemühen, unsere potentielle Stärke in aktive Kraft zu verwandeln, die imstande ist, den Angriff der Opposition abzuweisen. In der Konferenz teilte Berl Locker mit, in britischen amtlichen Kreisen habe man schon vor langer Zeit Pläne ausgearbeitet, die die Begrenzung der jüdischen Bevölkerung Palästdnas auf 40 Prozent der Gesamtbevölkerung vorsehen. Es dürfe nicht vergessen werden, daß auch die Juden in der Diaspora eine erhebliche Kraft darstellen. Die letzte Entscheidung aber werde davon abhängen, wie stark der Jisobuw selbst sei. Man müsse auch die jüdische öffentliche Meinung in England und in Amerika mobilisieren. . 11'^11' üi iill P . ftotel Tausch auf dm Kflrmet mi Sfrifiaswl von TeWossef, (Zu unserem Artikel über Leogpld Krakauer yn Innern d, Bfotieel Neuheit „llfe 0.06 mm" Führer*» Stahlwarenfabrik, Wien IV« Die Himmler-Moral General Himmler, der oberste Chef der Gestapo und der Totenkopfscharen im Dritten Reich, hat vor wenigen Tagen die Grundsätze des neuen Deutschen Rechtes kundgetan, das mit Mitteln, „deren öffentliche Erörterung sich verbietet“, den Kommunismus und alle reaktionären Umtriebe verfolgt. Zu diesen Mitteln zählen die Konzentrationslager, „in denen die Untermenschen, vielfach Juden und Halbjuden, gefangen gehalten werden.“ Diese Konzentrationslager, die nach Himmlers Angabe nicht aufgehoben werden, sind eine deutsche Erfindung. Sie sind von den Offizieren der deutschen Schutztruppen in Deutsch- Südwestafrika eingerichtet worden, als sich der Kolonialkrieg gegen die Hereros zu lange hinzog, und in diesen Lagern ist ein ganzes Volk verhungert und verdurstet. Von diesem deutschen Kolonialkrieg spricht man heute nicht mehr, und der Führer und Reichskanzler behauptete darum, Deutschland habe nie einen Kolonialkrieg geführt. Er hat in derselben Rede den Schutz der Minderheiten gefordert, in dröhnenden Worten, als verkünde er eine neue Ethik. Und die Welt, die nach einer Woche eines maßlosen propagandistischen Trommelfeuers neugierig dem Berliner Führer zuhörte, brachte die Grundsätze des Hitler und jene des Himmler in Verbindung: Wie behandelt Deutschland die jüdische Minderheit? Als Untermenschen in Konzentrationslagern. So wie die Hereros und die Witbois. Und dieses Dritte Reich erhebt Anspruch auf Kolonien, dieses Dritte Reich, in dem es einen 30. Juni 1934 gegeben hat (dem dann der 25. Juli in Wien folgte), protestiert gegen den Moskauer Prozeß und die Anwendung des Skopolamins, protestiert gegen die Verleihung des Friedenspreises an Ossietzky, einen „abgestraften Zuchthäusler“, der demnach mit den Leuten von Potempa auf eine Stufe gesetzt wird. Dieses Dritte Reich hat seine jüdische Minderheit für vogelfrei erklärt, stellt sie außer Gesetz und Recht, stößt sie aus der Verfassung hinaus und fordert dann die Gleichberechtigung. Jedes zweite Wort des Hitler gilt diesem Anspruch, den er allerdings nicht unter Berufung auf die in seinem Reich geltende Himmler-Moral vertritt, sondern auf das Heer. Und der Führer eines Staates, in dem mit Mitteln gearbeitet wird, deren öffentliche Erörterung sich verbietet, eines Staates, in dem eine halbe Million jüdischer Menschen noch ärger lebt alsseinerzeit die Witbois, spricht im Reichstag seinen Dank dem Allmächtigen aus, der geholfen habe, dieses Wunder zu vollbringen — daß nämlich alle Völker rings um Deutschland sich bewaffnen, um vor irgend einer „Überraschung“ oder „vollzogenen Tatsache“ sich zu sichern. Zwar hat Hitler ausgesprochen, daß die Zeit der Überraschungen vorbei ist — eine sehr erstaunliche Erklärung eines Regierungschefs — aber sicher ist sicher. Allerdings darf man Hitlers Preis des Friedens nicht unterschätzen. Er ist für den Frieden, denn er kann keinen Krieg wagen, er darf die Millionen der versklavten Arbeiter nicht bewaffnen... und die 99 Prozent, die für Hitler gestimmt haben, würden am Tag der Mobilmachung ein ganz anderes Bild zeigen. Herr Hitler hat gar gewaltig gegen die internationale Clique der Brunnenvergifter gewettert. Er hat damit jene gemeint, die auf das Marokkoexperiment aufmerksam gemacht haben. Nun ist es zwar nicht so ausgeschlossen, daß die bezüglichen Nachrichten aus dem Geld der Gestapo bezahlt worden sind, um dem Dritten Reich die Gelegenheit zu schaffen, sich als die verfolgte Unschuld zu präsentieren. Aber was sind denn alle Behauptungen der publizistischen Wachposten über die Hitlerpolitik gegen eine einzige Nummer des Streicherschen „Stürmer4* gegen eine einzige Ausgabe der „Essener Nationalzeitung“ (die in ihrer Aufmachung

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