Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 615 (29.1.1937)
- Date
- 1937-01-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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^Stimme JÜDISCHE ZEITUNG 'V--. ■' Nr. 615 Wien, Freitag. 29* Jänner 1957 » 17* Schwat 5697 10. Jahrgang ORBIS mm POLEN Abfahrt i Jede 14 Tage Anmeldungen: Polnisches Reisebüro „ORBIS“ lv KlrntnerstraBe 41, R 21-6-78 Oesterreich. Verkehrs-Büro I, FrladrlehstraBa 7, B 27-500 L eraban 20, U 20-0-53 Im Hexenkessel Edens besorgte Frage, wohin der Glaube an Rasse und Nationalismus Deutschland und die Welt führen müsse, wird von dem Wortführer des Dritten Reiches kaum so beantwortet werden, wie dies der englische Minister und mit ihm alle seine Zuhörer erhoffen. England ist einer jener Staaten, denen die deutsche Theorie viel zu schaffen gibt, weil sie wie Ekrasit wirkt. Der weite Bau des Imperiums ist nicht einheitlich geführt, die großen Dominien sind fast schon vollkommen selbständig; Südafrika ist nicht bloß bereits ein eigenständiger Staat, sondern es hat die Maxime von Rasse und Nationalismus vollständig aufgenommen. In Südafrika ist ein Einwanderungsgesetz erlassen worden, das sich zugestandenermaßen gegen die jüdische Einwanderung richtet und sie angeblich zum Schutze des Arbeitsmarktes vollkommen einstellt. Es mag sein, daß der Beschluß unter dem Druck der Propaganda zustandegekommen ist, die auch in der Union von den zugereisten Deutschen betrieben worden ist 7— die Tatsache besteht, daß ein englisches Dominium einen offen antijtidischen Akt gesetzt hat. Das ist eine Tatsache, die nicht nur vom jüdischen Gesichtspunkt aus zu werten ist; die Theorie von Blut und Rasse hat in die englische Anschauung eine breite Bresche geschlagen, und dies in einem Land, dessen Entwicklung ohne Einwanderung und Mitarbeit von Juden nicht denkbar wäre. Es ist ein weißes Element, das betroffen wird, und das hat für die Farbigen, die schon im Weltkrieg den Kampf von Weißen gegen Weiße mit ihrer freudigen Neugier beobachtet haben, seinen besonderen Reiz, und was gegenwärtig in Indien, das eben zum erstenmal die Wahlen zur gesetzgebenden Versammlung durchführt, in Reden und Zeitungen gegen die englische Herrschaft gesagt und geschrieben wird, liest sich meist wie aus dem „Völkischen Beobachter“. Rasse, Blut, Boden — sind die Schlagworte. Sie sind die Folgen der Geduld und Unterstützung, die England dem deutschen Nationalsozialismus gewährt hat, und wenn das Hakenkreuz morgen den vierten Jahrestag der Machteinsetzung feiert, so mag es auch dankbar der englischen Hilfe gedenken. Es ist vier Jahre lang so gegangen, daß die politische Kraft der Völker, ihre wirtschaftliche Leistung gegenüber der großen Gefahr, die von Berlin kam, zurückgestellt werden mußte. Anstatt die Wirtschaft zu bessern, mußte das Steuergeld an Rüstungen gesetzt werden; und weil diese Mittel für die Konsolidierung der Wirtschaft fehlten, ist die Krise überall ärger geworden, und weil diese Mängel durch die deutsche Propaganda benützt wurden, sind überall die nationalistischen Tendenzen gestärkt worden, ist überall die Jugend von der Romantik der Uniform, der Kleidung wie des Wortes und des Geistes, erfaßt worden. In Europa so gut wie außerhalb des Kontinents. In asiatischen Staaten und in Afrika greift diese syphilis germanica um sich, in ihrem Zeichen marschieren in Spanien arabische Truppen, gegrüßt von deutschen Offizieren, gegen Spanier, geführt von russischen Offizieren, die es versinnbildlichen, wie sehr der militante Kommunismus dem Hakenkreuz gleicht, in der Ideologie der Totalität und in der Methodik. Lehrt dies nicht auch der Moskauer Prozeß, bei dem Karl Radek auf der Anklagebank sitzt, jener Radek, der den Schlageter als einen Soldaten der Revolution besungen hat, jener Radek, der in den Jahren des Hitlerschen Großbetriebs mit dem Grafen Reventlow über den „Nationalbolschewismus“ verhandelt hat. Ist nicht dieser Moskauer Prozeß eine Projektion des Prozesses um den Reichstagsbrand? Aber das Hakenkreuz, das heute die europäische Entwicklung unter Druck hält, geht auf moralische Eroberung aus und hat sich den Schrecken vor dem Bolschewismus vorgespannt. Natürlich arbeitet es vor allem die jüdische Seite heraus und so ist Bolschewismus nur eine andere Bezeichnung für Judenhaß geworden. Allerorten schießen antikommunistische Büros aus dem Boden und stellen sich, wahrscheinlich für viel Geld, in den Dienst der Berliner Heilslehre. Und dieses Treiben ist so raffiniert aufgezogen, daß ihm auch die katholische Kirche sich widerstandslos hiiigegeben hat. Rom weiß ja in diesen Dingen besser Bescheid, aber es ist vom Nationalsozialismus zurtickgedrängt worden und muß um die verlorenen Seelen ringen. Es führt — bis auf wenige Ausnahmen — nicht den Kampf gegen die Rassentheorie, die eine der tragenden Säulen des Christentums angreift, sondern es akzeptiert diese Lehre und sucht sie für sich zu adaptieren. Man sehe zum Beispiel die christlich-katholische Presse in Österreich, in Polen, in Ungarn durch Ein wichtiger kolonisatorischer Vorstoß im östlichen Emek Jesree! Photographien, während eines Tages tropischen Regens aufgenofflmen, einmalige Dokumente von geschichtlichem Wert. (Aufnahmen des Keren Kajemeth, Jerusalem.) Der 5. Jänner 1937 wird ein denkwürdiger Tag in der Geschichte der jüdischen Kolonisation bleiben. Die wegen der Unruhen lang verzögerte Besetzung der dem Keren Kajemeth Leisrael gehörigen Böden in der Jordan-Gegend nahe Beth.Schean hat an diesem Tage stattgefunden wnd es ist .damit eine fruchtbare -und wichtige Landstrecke dem jüdischen ' Kolonisations-Werk neu angeschlossen worden Eine Festungsmauer wächst aus dem Schlamm. Die neue Siedlung ist kastellartig angelegt, ln aufgeweichtem Boden wurden in wenigen Stunden Betonmauern und Bastionen errichtet. Unser Bild zeigt die halbfertige Anlage. Das Auto ist im Schlamm festgefahren, die Pferde stehen bis zu den Knien im Sumpf. Die Gründer des Meschek Hassadeh. Die Mitglieder der Kwuzah Hassadeh und die jüdischen Hilfspolizisten am Abend des denkwürdigen Tages, an dem die befestigte Form gebaut wurde, die fortan ihre Heimstätte sein wird. KREUZ-KINO Tel. R 24-2-18 * 4, */.6, 7.8, 7.10 DER SENSATIONELLE ABENTEUERFILM HerrinderDschangel mit dem neuen Filmstar DOROTHY LAMOUR RAY MILLAND, AKIM TAMIROFF Original-Version Ein Paramount-Fllm LUXPALAST-KINO Telephon A 25-5-12 ★ 5, 7, 9 und man findet den rassischen Antisemitismus in seiner klarsten Form. Bei dieser Konkurrenz bleibt die katholische Bewegung im Hintertreffen, denn der Nationalsozialismus hat die bessere Kehle und die stärkere Lunge. Aber auf diese Weise wird das Bild der wahren Lage der Welt verfälscht, wird kein Fehler korrigiert und der Schluß ist immer: noch mehr Rüstung, noch mehr Kriegspsychose. Daß an allem der Jud’ schuld ist — das wissen wir. Der Jud’ ist Bolschewik, er ist Freimaurer (die so schreien, wissen nichts über Bolschewiken und nichts über Freimaurer), der Jud’ ist bald das raffende Kapital, bald der Streikhetzer. Je nachdem. Aber die Juden haben im Toben dieser Hetze, die schon seit fast einem halben Jahrhundert läuft, sich dazu entschlossen, ihre Kraft für sich einzusetzen und sich selbst ihre Heimr Stätte einzurichten. Was tut Europa? Es will den Juden auch diesen Weg verlegen und führt die Mörder der Wüste gegen sie. Dieses Attentat wird und kann nicht gelingen. Aber hat schon jemals so ein europäischer Politiker darüber nachgedacht, was es heißen würde, ein 17-Millionen-Volk in die letzte Verzweiflung zu treiben? Die jüdische Jugend ist heute im größten Teil Europas zur Arbeitslosigkeit verurteilt und sie würde in den Radikalismus und in die Anarchie getrieben, wenn nicht der Zionismus wäre, der ihr ein fruchtbares Ideal gegeben hat. Das Judentum hätte alles Anrecl * darauf, daß sich alle Staaten zusammentun und mithelfen, diese jüdische Jugend aus dem Hexenkessel zu reißen. Die Staaten tun dies nicht. Die Menschheit Europas, die die geistige Führung der Welt für sich arrogiert, wendet die Lüge vom jüdischen Bolschewismus an, um den Pogrom zu sanktionieren. Neuheit „llfe 0.06 mm11 Führer’* Stahlwarenfabrik, Wien IV« Unruhen in Haifa Jerusalem, 26. Jänner. (Havas.) Gestern ereigneten sich in Haifa zwischen jüdischen und arabischen Arbeitern schwere Schlägereien, in deren Verlauf zehn Personen mehr oder weniger schwer verletzt wurden. Araber gehen nicht zur Königskrönung Jerusalem, 28. Jänner. Amin Abd El Hadi, Mitglied des Obersten Moslemischen Rates, der als Vertreter der Araber Palästinas eino Einladung zur Krönung Könige Georg VI. erhalten und zunächst auch angenommen hatte, hat eich unter dem Einfluß des Mufti entschlossen, dio Einladung abzulehnen mit der Begründung, daß der Oberste Moslemische Rat deren Annahme als schädigend für die Interessen de« arabischen Volkes betrachten ■ müsse. ZIONISTISCHER LANDESVERBAND FÜR ÖSTERREICH_ Vortrag Dr. Josef Kastein „Jeremias, der Geist der jüdischen Prophetie“ Im Oflenbadisaal, IV., Treltlstraße 3 (Porrhaus) Karlen erhaitlidi: Zionistischer Landesverband, Wien, I., Marc-Aurel-StraBe 5 . Telephon U 22-2-11