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Die Stimme · 1936-01-08 · Heft 609 (8.1.1936) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 609 (8.1.1936)
Date
1936-01-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Vh 5Stimme V. ». f». 20 8 ORBIS billige Reisen nach POLEN Nr. 609 JÜDISCHE ZFTTUNG all Wien, Freitag, 8. Jänner 1937 85. Tewetfi 5697 10. Jahrgang Was bereitet sich in Palästina vor? Von M. y. Ben-gavriel (Jerusalem) Nach einigen Monaten eines bewaffneten Frieden« ist die Situation im Land wieder eine derartige, daß man jeden Tag mit neuen Ausbrüchen rechnet. Tägliche Überfälle auf den Landstraßen gehen Hand in Hand mit einer überaus großen Zahl von Erpressungen mit der Waffe in der Hand. Diese Erpressungen aber werden, und gerade das ist da« Bedenkliche, von Arabern an Arabern ansgeführt, von Bandenmitglieclern an reichen Arabern, die nicht geneigt sind, den Fonds „für alle arabischen Zwecke“ zu unterstützen. Man spricht heute im arabischen, wie im jüdischen Lager schon ganz offen davon, daß die Unruhen bald wieder losbrechen werden. Nur das Datum, des.Ausbruches ist'strittig. Manche behaupten, daß der neue Aufstand sofort nach Abreise der Königlichen Kommission beginnen werde, während andere wieder mit einem Beginn nach Beendigung der Orangensaison rechnen, an deren ungestörten Ablauf ja nicht allein die Juden, sondern, auch die Orangen-Effendis im Obersten Arabischen Rat interessiert sind. Es gibt aber auch Leute, die behaupten, daß der Aufstand bereits begonnen habe, daß die täglichen Überfälle nichts anderes als systematische Vorpostengefechte der Freischärler seien. In kurzen Zügen dargestollt, ist die Situation im Lande etwa folgende: Die arabischen Zeitungen führen eine maßloso Hetze gegen Juden und Engländer m fordern offen die Wiederaufnahme des £.,<£•« Da neben geht eine religiöse Propaganda in den Moscheen, die wieder das alte Märchen gebraucht, daß die Juden sich ansohicken, die Omarmoschee und den Tempelplatz zu erobern, dlie aber, als neue Note, sich auch gegen die Christen wendet und immer offener panislamäsoh wird Es hat daher den Ansoheiu, daß es sich, was beim letzten Aufstand weniger erkennbar war, um eine Zusammenarbeit panarabiseher und panmohammedanischer, also politischer und religiöser Propaganda handelt. Diese Agitation beschränkt sieh nicht auf Palästina. Sendboten des Obersten Arabischen Rates arbeiten in Transjordanien und im Irak und bereiten einen Propagandafeldzug während der PiiLgereadison in Mekka vor, der sich offen gegen England richtet. Der Eindruck, daß der Kampf gegen die zionistischen Ansprüche in Palästina nur als Vorwand für den Krieg gegen England gilt, wird immer klarer und die Rede des Führens der palästinensischen Banden, Fauzi Kaukadji, die er dieser Tage in Baghdad hielt, läßt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. „Wir werden die Engländer aus allen arabischen Ländern vertreiben und werden sie ins Meer werfen“, sagte dieser Mann, der vom Irak aus einen neuen Aufstand in Palästina vorbereitet. Dieser Kaukadji ist es auch, der die Gelder sammelt; wie es heißt, nimmt er nur gemünztes Gold, und or dirigiert auch die sein* umfangreiche Waffeneinfuhr nach Palästina. Unternehmen im Falle eines neuerlichen Aufstandes nicht angegriffen würden. Die hebräische Presse bringt diese Fakten täglich der Regierung zur Kenntnis und forciert sie auf, nicht nur dem Zustand der öffentlichen Unsicherheit endlich ein Endo zu machen, wozu genüg Militär im Lande ist, sondern auch endlich der arabischen Mord- und Aufstandpropaganda entgegemzutreten. Di% Regierung aber hüllt sich in ein merkwürdiges Schweigen und erschöpft ihre Tätigkeit in militärischen Vorbereitungen und auch damit, nach jedem überfall Militär an den Tatort zu senden. Sie publiziert keine Aufklärungsschriften, benützt auch nicht das dazu sehr geeignete Radio, und wenn auch vor einigen Tagen die gesamte arabische Presse clos Landes für einige Zeit verboten wurde, ist von einer systematischen Gegenarbeit von dieser Seite her nichts zu verspüren. Es ist daher selbstverständlich, daß die Wirtschaft des Landes in entsprechender Weise reagiert. Der einzige Wirtschaftszweig, der ungestört bleibt, ist der Orangenexport, und dies nur, weil die früher gemachten Investitionen gebieterisch eine volle Ausnützung der Exportsaison verlangen. Es ist symptomatisch, daß in. den letzten Tagen die arabischen Orangenexporteure von gewissen arabischen Stellen dio Weisung bekamen, die Saison, die gewöhnlich hundert Tage dauert, zumindest auf achtzig zu reduzieren, woraus geschlossen werden kann, daß mit Beendigung der Ernte der neue Aufstand beginnen soll. Um so wahrscheinlicher, als ja die Orangenleute im Obersten Rat den Streik bei Beginn der Emtesaison abbrechen ließen. Palästina stellt, so ist zu befürchten, vor neuen, schweren Erschütterungen. Die arabische Kaufmannschaft, besonders die christ- Miche, die ungeheuren Schaden im letzten Aufstand erlitt, steht unter schwerem Druck einer sehr agilen Schichte jugendlicher Agitatoren und kann sich nicht rühren. Die Juden aber, deren Wirtschaft natürlich' gleichfalls, wenn auch Ausmaß litt, stehen vor nicht im gleichen der bitteren Not- Abfahrt t jede 14 Tage Anmeldungen: Polnisches Reisebüro „ORBIS“ I., Kärntnerstraße 41, R 21-5-78 Oesterreich. Verkehrs-Büro 11., Frledrlchatraße 7, B 27-500 I., Graben 20, U 20-0-53 Wendigkeit, mit der Möglichkeit eines neuen Defensivkrieges rechnen zu müssen. Die Stimmung im jüdischen Lager verdolmetscht am besten ein Artikel der letzten Tage, im „Davar“, in dem cs heißt: „Wir wollen von ganzem Herzen den Frieden, aber wenn die Regierung nicht wissen wird, Kinder und Frauen zu schützen — wir werden es wissen. Wir bieten die Hand zum Frieden, aber wenn es sein muß, .werden wir uns nicht nur verteidigen, sondern auch in en t sp r eehender Weise antworte n.“ Auch darauf reagierte die Regierung nicht. Es ist daher vielleicht keine falsche Erklärung dieser „policy of masterly inaot-ivity“, um ein Wort Disraelis zu gebrauchen, wenn man annimmt, daß die Regierung am Ende ihrer diplomatischen Möglichkeiten, das Palästina-Problem zu lösen, angelangt ist, miid nun den Weg der ultima ratio gehen will: nach einem neuen Bürgerkrieg mit Gewalt eine radikale Lösung des Problems der einen oder der andern Seite anfzuzwingen. Die Frage, welche Seite dies sein wird, die Juden oder die Araber, werden wohl die Tatsachen beantworten, die sich während dieser neuen Auseinandersetzung, vor der Gott dieses schwer g e n u g g e p r ii f t e Land behüten werden. m o c r ig e b e n Zerfall der arabischen Front? Die Geld Sammlung für den arabischen Kampffonds geht fast offen vor sich, auf alle Fälle so, daß die Regierung davon Kenntnis hat. So hat der Oberste Arabische Rat eiuo Steuer von zehn Mil pro ausgeführte Orangenkiste auf die mohammedanischen und von sieben Mil auf die christlichen Planfcagenbesitzer gelegt, dio mit allen Mittelrl eingetrieben wird. In den Dörfern aber erzählt man, daß eine Anleihe von dreißigtausend Pfund, die die Regierung dem Fellachen zwecks Ankaufs von Saatgut gewährte, zum Ankauf von Waffen verwendet wurde. Ja, es heißt sogar, daß eine große Gesellschaf t mit internationalem Kapital (die Irak-Petroleum-Gesellsohaft. Dio Redakt.) dem Kampfausschuß eine Anleihe gab, unter der Bedingung, daß ihre palästinensischen Jerusalem, 3. Jänner. (Palcor.) Die Frage der Stellungnahme zur Kommission ist nach wie vor von brennendem Interesse für die arabischen Führer, unter denen sich die Tendenz bemerkbar macht, die Koalition zu sprengen und zur ursprünglichen Selbständigkeit der verschiedenen Parteien zurückzukehren. Die dem Muf ti g e g n e ri s c h e n Gr up p e n erklären, daß ihre Vertreter nach Rückkehr der Delegation vor der Kommission erscheinen werden, was immer der endgültige Beschluß des Obersten Komitees auch sein mag. (Wie berichtet, soll Sidkey Kommission bereits ertu äm an anderer Stelle D a j a n i vor der schienen sein.) Die Bemühungen der Delegation, einen f r uf der Köni g e zu erlangen, in em die W i d e r r u f u n g des Bo y M o 11 s verlangt werden sollte, sind an der Erklärung der Könige gescheitert, daß sie keinen Anlaß fiir eine öffentliche Aktion sehen, da sie vor der Proklamierung des Boykotts nicht zu Rate gezogen worden seien. RABENSTEINER TANZINSTITUT l.( PARKRING 16 (EINGANG: HEGELGASSE 3) TELEPHON-NUMMER: R 21-8-29 BEGINN NEUER KURSE MONTAG, DEN 11. JÄNNER 1937 Für Anfänger von V28—9 Uhr. Für Fortgeschrittene von 9—11 Uhr. Kurstage: Montag und Freitag. Kursdauer: 15. April 1937. Kurshonorar: S 15*—. Einschreibungen täglich ab 10 Uhr vormittags. Leser der „STIMME" 20% Ermäßigung. Privatstunden zu jeder Tageszeit. Perfektion jeden Sonn- und Feiertag Vs 8—11 Uhr, Entree S 1*20 inkl. Garderobe Tanzmusik: EL1TE-KIDDIS. Steppun<;erricht. Brodetsky: „Wir müssen kampfbereit sein!" Warschau, 4. Jänner (JTA). I11 einer Sitzung des Zentralkomitees der Zionistischen Organisation Polens machte das Mitglied der Zionistischen Weltexekutive Prof. Selig Brodetsky in einem zweistündigen erschöpfenden politischen. Referat Mitteilungen über die politischen Vorgänge der letzten sechs Monate und über die nach Beendigung der Arbeiten der Königlichen Kommission zu unternehmenden neuen politischen Aktionen. Zwecks Unterstreichung dieses politischen Kampfes muß das ganze Judentum mobilisiert werden. In einer speziellen Sitzung wurde die Frage der W e 11 v e r e i n i g u n g d e r Allgemeinen Zionisten erörtert. Im Rahmen einer Pressekonfere n z führte Brodetsky unter anderem aus: Wir stehen jetzt vor wichtigen Problemen. Man :icht von einer möglichen Erneuerung des arabischen Terrors. Wir unterhandeln in London und Jerusalem über Schutz und Sicherheit für den Jischuw. Von jüdischer Seite wird alles getan, um. sich durch neue arabisch0 Überfälle 'nicht ii b e t r a e c h 0 n zu lassen. Ich habe den Eindruck, daß auch die Regierung gegen solche Eventualitäten wachsam u n >d I e r ü <s t e t ist. 1 Wir haben vor der Kommission das jüdische Problem im Weltmaßstab entwickelt, Die Lage der Juden in der ganzen Welt wird jetzt eine wichtigere Rolle als bisher für den Zionismus spielen. Das Hauptgewicht legen wir auf die Einwanderung, dann auf die Bodenfrage, dann auf unsere Beziehung zu den Arabern. Wir ändern nicht unsere Prinzipien in der Araber frage, es muß schließlich und endlich zu einer engeren Zusammenarbeit kommen, hierzu sollen entsprechende Organe geschaffen werden. Der Bericht der Kommission wird in den nächsten Monaten vorlieg'en. Wir müssen daun zu einem schweren »politischen Kampf bereit sein. Ich bin nicht Pessimist, aber kampfbereit muß man sein. Wir stellen in der Welt eine gewisse politische Macht dar. Von unseren 410.000 Juden in Palästina und ihrer glänzenden nationalen Disziplin erwarten wir viel. Hinsichtlich der Gespräche zwischen den Ministem Beck und Eden in London sagte Brodetsky, dio volle Gleichberechtigung der Juden in ihren Wohnländern dürfte nicht angetastet wer den, dabei aber ist es nützlich, wenn verschiedene Regierungen auf. England zugunsten unserer Sache in Palästina einen Druck ausüben. Brodetsky erwähnte die Pressemeldungen, daß jetzt an den Hochsehulen der S 0 wj e 111 n i 0 11 Hebräisch als . Studienfach erlaubt ist, und sagte, dies allein bedeutet noch nicht eine Änderung zum Guten. Zwischen der Zionistischen Exekutive und Sowjetvertretern halben Verhandlungen wegen Änderung der Beziehungen zum Zionismus und Hebräisch stattgefunden. m Jeden Samstag, Sonnu. Feiertag Bpi Konzert. Tanz und Stimmungsmusik Kapelle IST GEIGER (Hinter dem Deutschen Volkstheater) Beginn 8Uhr abends. Bürger!« Preise Jerusalem, 6. Jänner. Herr M. S m i- Ja n s k y erschien, vor der Königlichen Kommission in einer geschlossenen Sitzung. Die hebräische Tageszeitung „Dawar“ berichtet, daß Smilansky vorgeschlagen haben soll, daß bei der Festsetzung der Einwanderungs-Schedule auf der Basis der Absorptionsfähigkeit Palästinas nur 75 Prozent der Zertifikate an Juden gewährt, , die restlichen 25 Prozent dagegen für die Beschäftigung von arabischen Arbeitern reserviert werden mögen. „Dawar“ fordert Herrn Smilansky auf zu erklären, ob diese Wiedergabe seiner Aussagen richtig ist. Der arabische Terror Jerusalem, 5. Jänner. (Palcor.) Eine Räuberbande, die sich gerade anschickte, die Insassen von acht Autos, die sie zu halten gezwungen hatte, auszurauben, wurde von einer Polizeipatrouille 'überrascht. Die Polizisten machten von einem Schnellfeuergewehr Gebrauch. Einer der Räuber blieb tot, die übrigen retteten sich durch Flucht. Die Banditen; die ihre Tätigkeit bisher auf die Hauptstraßen beschränkten, haben nunmehr angefangen, die Seitenstraßen unsicher zu machen. In der Siedlung- Kfar Hahoresch wurden zum zweiten Male seit Anfang dieser Woche mehrere Bä u m e umg er is s en. Araber besetzen jüdischen Steinbruch Jerusalem, 3. Jänner. (Palcor.) Jüdische Arbeiter, die heute morgens in einem Steinbruoh in Migclal Zcdek zur Arbeit eintrafen, fanden den Platz von 80 Arabern belagert, die eine drohende Haltungeinnalunen und die Beschäftigungarabischer Arbeiter im Ausmaße Von 50 Prozent forderten. Polizei und Truppen wurden herbeig-eholt, um die Araber zu entfernen. Mosllms und Christen Jerusalem, 3. Jänner. (Palcor.) Das Auto des christlichen Arabers Emil G h 0 r y, Leiter des arabischen Propagandabüros in London, der gestern in Jerusalem edntraf, wurde gestern nachts angeziindet. Zu dem Raubüberfall bei Nazareth wild jetzt bekannt, daß die beiden Opfer, zwei christliche Araber aus Nazareth, von den Banditen um 190 Pfund beraubt wurden. i

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