Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 607 (31.12.1936)
- Date
- 1936-12-31
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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MH» en sTtMMi Nr. 607 — Wien, Donnerstag, 31. Dez. 1986. Palästina — letztes Bollwerk Europas I Der Vortrag Essad Beys im „Ring der Altherrenverbände“. Ein orientalischer Publizist warnt europäische Juden vor dem drohenden Erwachen des Morgenlands; welch groteske Ironie der Weltgeschichte! Und doch schenken wir dem pathosfreien, strengsachlichen Überlegungen Essad Beys (der kürzlich auch in einem Buche, „Allah ist groß“, seine Gedanken über den Aufbruch Vorderasiens niedergelegt hat) volles Vertrauen. Ist Europa eich dessen bewußt-, fragt er, daß die mohammedanischen Länder, obwohl nach dem Weltkrieg für den Islam alles verloren schien und es nach dem Friedensschluß kein wirklich unabhängiges Land in Vorderasien gab, seither auf Kosten der Macht Europas einen verblüffenden Aufschwung genommen hat? Kemal Pascha besiegte die Griechen, Reza Schah befreite Persien, Ibn Saud gründete das großargibische Reich, in den letzten anderhalb Jahrzehnten ging allmählich fast alles verloren, was die europäischen Mächte als Erbschaft nach dem „kranken Mann“ (der Türkei) sich ergattert hatten, Drusen, Araber, Rifkabylen sind imstande, erfolgreich den beiden größten Militärmächten, Frankreich und England, zu trotzen, die Türkeit befestigt ihre Meerengen — der Orient steht in Flammen! Als gefährlichster Gegner Europas, weit gefährlicher als die nach der europäischen Kultur orientierten Staaten Türkei und Persien, erscheint die panarabißche Föderation, die sich unter der Führung des zielbewußten Ibn Saud vorbereitet. Essad Bey kennzeichnet das reaktionäre Regime dieses Araberhäuptlings, das Koranstrenge mit moderner Technik verbändet, das einzig Beten und Exerzieren gestattet, als eine Art arabischer Kirchenstaat. Wieder kann, wie vor anderthalb Jahrtausenden, der Vorstoß Asiens nach Europa von hier ausgehen; das Bündnis des Islams, der wieder zu einer „Religion des Schwertes“ geworden, mit der gelben und der braunen Rasse gegen das Abendland liegt im Bereiche der Möglichkeit — in der nächsten Zukunft kann eine gigantische asiatische Welle das müde Europa überfluten, falls es sie nicht mit äußerster Energie abhält, indem es seine asiatischen Positionen verteidigt. Eine solche Position, ja vielleicht sogar das Bollwerk Europas im Nahen Osten, ist Palästina, das wie eine geballte Faust den Zusammenschluß des arabischen Reiches zu einer Großmacht mit 25 Millionen Einwohnern verhindert. Nicht der Verlust eines Siedlungslandes erbittert die Araber — Palästina ist verhältnismäßig klein —, aus der Tatsache, daß es Brückenkopf ist, daß in Haifa die öh öhrenleitung und die Straße von Mossui endigen, aus der geopolitischen Lage, aus der strategischen Stellung Palätsinas ergibt sich der Konfliktstoff. Fällt Palästina, dann ist der Araber Herr über das gesamte riesige Landgebiet zwischen Kairo und Bagdad. Daher die heftigen Widerstände der Araber gegen ein jüdisches Palästina, daher die Proklantierung Jerusalems zur „Heiligen Stadt“ (in Wirklichkeit sind einzig Mekka und Medina heilige Städte des Islams), wofür El Hussein! nach den Worten Essad Beys „wie ein Reklamechef“ Stimmung macht, um den Vorwand für einen „heiligen Krieg“ parat zu haben. Denn ein Palästina mit kompakter jüdischer Bevölkerung verhindert diesen erträumten panarabischen Zusammenschluß; ein Aufgeben dieser wichtigsten der europäischen Positionen in Vorderasien hätte aber den moralischen Zusammenbruch des europäischen Kolonialsyßtems überhaupt zur Folge. Der totgeglaubte Islam ist wieder auf dem Vormarsch, die europäischen Staaten, insbesondere die Mandatarmächte, haben sich zu entscheiden, ehe es zum Handeln zu spät ist!... Br. Alfred Werner. Else und David Nebenzahl danken auf diesem Wege allen Organisationen, Freunden und Bekannten für die ihnen anläßlich ihrer silbernen Hochzeit zugekommenen Glückwünsche. Vom Stadtschulrat gtn. Gewissenhafte SCHULERHORT Schulnachhilfe CENTRAL II., TaborstraS« 9 B Sprachen Musik Ttltphon U14-908 Sport ■ü Einei-sTuiaG ^vAv.v.v.v.v.v.v.%v.v.vAv.v.v.y»v.vy.v.v.y.*>-*-'>-,>^v» Mitteilungen An den beiden vergangenen Sonntagen haben wir wieder fleißig für Mifa.1 Bizzaron gearbeitet. Sonntag, den 3. Jänner, wollen wir nun unseren fleißigen Mitarbeitern eine genußreiche Abwechslung bieten und besuchen das Jüdische Museum. Professor Dr. Jakob B r o n n e r, Kustos dee Museums, wird selbst die Führung leiten und uns interessante Funde aus der jüdischen Vergangenheit — die sich in Fülle im Jüdischen Museum, das die meisten von euch noch nicht kennen, befinden, zeigen und erklären. Ladet eure Eltern zu diesem Besuche auch ein. Auch eie werden eich für die Dokumente der jüdischen Vergangenheit und Gegenwart interessieren. Treffpunkt: 11 Uhr vormittags vor dem Hause Marc-Aurel-Straße 5. Eintrittspreis: Für Erwachsene 30 Groschen, Kinder 10 Groschen, für unbemittelte Kinder frei. * Die Richterin Deborah unter der Dattelpalme Von Theodor Herzl. (Rückübersetzt von L. Grünwald.) „Jetzt“, eprach die Richterin, „ziehet euch alle zurück. Den Beschuldigten will ich nun allein erforschen. Dann werde ich das Urteil fällen.“ Alle Versammelten und auch der König verließen den Saal. „Komm näher zu mir“, sprach sie zu dem Beschuldigten. Er näherte 6ie.h ihr. „Blicke rings umher“, flüsterte sie ihm zu, „und schaue, ob kein Mensch außer uns hier ißt.“ „Wir beide sind allein hier“, antwortete der Jüngling und blickte sie etaunond an. „Höre mich also, mein wahrer Amitai — oder sei wer du auch seist! Du siehst: dein Leben und dein Glück — in meine Hand sind eie gegeben. Ein Wort aus meinem Mund und ee fällt dein Kopf — ein Wörtchen — und die Königskrone prangt auf deinem Haupte. Versprichst du mir, daß du mich zur Frau nehmen wirst — so bißt du morgen schon — König!“ Amitai lachte und sprach: „Das ist Deborah die Richterin? Die Weise, die Rechtliche! — Und ich wußte es nicht! Zuerst gefielst du mir wirklich mit deinen strengen und richtigen Reden — aber jetzt — weiche von mir — blinde Betrügerin!“ „Was, du weiseet mich ab?“ rief Deborah mit zitternder Stimme. „So ißt es. Verachten tu’ ich dich und dein Urteil. Die Königskrone will ich erlangen mit Reinheit und Recht und nicht durch Bestechung und Betrug! Nun geh’ — und fälle mein Urteil!“ Nachdruck verboten. Ulfe sftiefen und lernen dabei etwas Hebräisch 13. Spiel: Adam steh auf! Spielregel: Die Kinder stehen in einer Reihe. Ein einzelnes steht ihnen in größerer „Daß werde ich tun“, sprach eie und läutete mit einem Glöckchen. Da erschien der König mit seinem Hofstaat und jeder setzte eich auf seinen Platz. „Fandest du bereits die Wahrheit, Riehterin Deborah?“ fragte der König. „Ich fand sie“, antwortete Deborah mit erhobener Stimme, „und sogleich will ich sie euch verkünden: Dieser Jüngling ist — Amitai, unser wahrhaftiger Herr und K ö n i g!“ Und eie beugte die Knie vor ihm und küßte die Eißenketten auf seinen Füßen. Alle Anwesenden waren vor Bestürzung und Schrecken wie gebannt, nur der König raffte ßich schnell auf. „Abscheulicher Betrug!“ donnerte seine Stimme. „Diese beiden da haben sich verabredet, ihren Betrug mit der Maske des Gerichtes zu bedecken. Führt eie hinweg! Und diese blinde Hexe leget in die Grube neben das Verließ dieses schändlichen Frevlers!“ Ein scharfes Urteil. Einige Wochen eaßen die beiden im Gefängnis, dann wurden sie vor die Richter gebracht. Der weise Ratgeber, der dem König empfohlen hatte, Deborah zur Richterin zu wählen, leitete diese Gerichtsverhandlung und vollzog die böse Absicht des Königs, indem er über beide das Todesurteil fällte: Amitai sollte gehängt — und Deborah, die auf das Geheiß des Königs der Hexerei beschuldigt wurde — sollte lebend verbrannt werden. Und es kam ein lieblicher Frühlingstag, als die zwei Verurteilten zur Richtstätte geführt wurden. Auf zwei Wagen brachte man sie zur Stadt hinaus. Deborah fuhr zuerst, und eine dichte Reiterschar, gezogene Schwerter in den Händen, umgab sie. Auf dem Richtplatz erhob sich schon ein großer Scheiterhaufen, und neben ihm stand ein Galgen. Eine zahlreiche Menschenmenge stand ringsherum. Die Wachtposten hatten große Mühe, freie Bahn für die Verurteilten in dieser großen Menge 7,u schaffen. Mehr als eine Frau ließ ihre Tränen fließen und mehr als ein Jüngling knirschte mit den Zähnen beim Anblick dieser geliebten Gestalten, die im Frühling ihres Lebens dom Tode entgegengingen. Als die Verurteilten auf dem Richtplatz standen, wurden sie um ihre letzten Wünsche befragt. Amitai bat, man möge ihm erlauben, die Hand Deborahs zu küssen. Deborah erbat sich eine Harfe, um vor ihrem Tode ein letztes Mal zu spielen. Und ihren Bitten wurde willfahrt. Die Menge, die zu Tausenden und Zehntausenden angewachsen war, sah von weitem, wie Amitai sich mit bescheidener Anmut Deborah näherte und innig ihre Hände küßte. Weinen ertönto aus der Volksmenge und die Wachtposten erzürn- Entfernung (aber auf Hörweite) gegenüber und ruft nun den Namen eines der Kinder, z. B.: „Michael steh auf!“ — „Um wieviel Uhr?“ fragt das Kind. „Um neun Uhr“, antwortet das erste. Kind. So macht Michael jetzt neun Schritte in der Richtung zum ersten. Wer ihn zuerst erreicht, nimmt selbst den Platz des Rufers ein. Das Spiel kann auch in einem großen Saal oder Korridor gespielt werden. Adam, Bteh auf Eva, steh auf Um wieviel Uhr Um eins Um zwei Um drei Um vier Um fünf Um sechs Um sieben Um acht Um neun Um zehn Um eff Um zwölf adam kam cbawah küml b’Sjeo echa-Ä b’achat blschtajim b'scbalosch b’arbah b'chamescb b'schesch b’schäwa b’schmonäh b’teschah b’ässär B’achat ässreh Blschtejm ässreh Mp Dl« ' TT VMS mn .W 1PKS (*nrow •- i pStfa T J yrnu «hana "T 1 VW* - : yatfa - Y t njitttfa * i jrctäa -.., YY I iryp**» *) Da „Sohtth“ weibliches Hauptwort ht, folgen die Ordnongiaahlm mit weiblicher Endung. ten sich und fluchten und sie drängten die brausende Masse nach rückwärts. Dann wurde Ruhe geboten. Tiefe Stille schwebte über dem großen Platz. Tausend Augen blickten auf Deborah, als sie die Harfe zur Hand nahm und so tief war die Stille, daß sogar das Gezwitscher der Vögel im Frühlingshimmel hörbar war. Ein lieblicher Ton von Deborahs Harfe durchdrang die Luft. Ein Ton so fein und bebend, daß er in die Tiefe jedes Herzens schnitt und es auf wühlte: es war das Lied Amitais. Und das Lied schwoll an und endigte voll Kraft: Amitai ist nicht gestorben, Nicht ertrunken, nicht verdorben! Mit dir steigt, o Königssohn, Recht und Wahrheit auf den Thron. Plötzlich — als ob beim Anhören dieses Liedes der Geist des Wahnsinns in die Menge gefahren wäre — ergoß sie sich wie mächtige Wasserfluten über die Wächter und Soldaten und vertrieb sie. Die Berittenen warf sie von den Pferden herunter und jagte sie auseinander. Und die beiden Gefangenen setzte sie in Freiheit. „Es lebe Amitai, unser König!“ schrie das Volk aus froher Seele. (Fortsetzung folgt.) «miiimimfitimmnimitiniiiiiiiimiiiiiiimimmi/imiiiimmmminmimmmmimm/miiiiiiiiinijn Rätselecke Das große Preisrätsel: Dies ist das 15. Bild des großen Preisrätsels. Wenn ihr nun alle 15 Bilder ausgeschnitten und mit den Namen der Personen, die dargestellt wurden, versehen habt (und. zwar: links mit deutschen, rechts mit hebräischen Buchstaben), so sendet eie an die „Kinclor-Stinune“, I., Marc-Aurel-Straße 5. Und zwar bis zum 31. Jänner 1937. Wer die richtigen Lösungen von allen 15 Bildern einschickt, kann einen schönen Preis gewinnen. 1. Preis: Ein Photoapparat. 2. Preis; Ein Buch. 3. Preis: Eine Schallplatte mit dem Emek- Lied. 4. Preis: Ein Quartettspiel „Große Männer des jüdischen Volkes“.;.^Vv Biblisches Rätsel Etwas für unsere bibelfesten Kinder zum Nachdenken: Wer wollte alle Juden vernichten und kam dadurch an den Galgen? Scherzrätsel Ich sag dir nicht, was ich dir sage. Was ich dir sage, sag ich dir Nur darum, daß du selber sagst mdr, Was ich nicht selbst dir sage... * Auflösung des letzten Rätsels: Brief mH Siegel.