Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 606 (24.12.1936)
- Date
- 1936-12-24
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Softe 4 Oft STIMM! Nr. 606 — Wien, Donnerstag, 24. Dezember 1996 Demarche des Weltkongresses beim Völkerbund In einem an den Völkerbundausschuß für die Reform des Vöikerbundpaktes gerichteten Memorandum hat das Exekutivkomitee des Jüdischen Weltkongresses, der Nachfolger des „Comite des Dölegations Juives“ bei der Friedenskonferenz, an die wichtige Mitwirkung dieser Organisation bei der Ausarbeitung des Systems des Minderheitenschutzes im Augenblick der Gestaltung des Völkerbundpaktes erinnert. Angesichts der ernsten Lage, in der sich die Juden augenblicklich in einer ganzen Reihe von Ländern befinden, verlangt das Exekutivkomitee die Anwendung mehrerer Entschließungen und Wünsche der Völkerbund voll Versammlung. Diese Entschließungen und Wünsche beziehen sich 1. auf die Innehaltung der Völkerbundgrundsätze durch die Signatarmäcbte der Minderheltenverträge sowie durch die Mitgliedstaaten des Völkerbundes, die keine gesonderten Verträge abgeschlossen haben; 2. auf die obligatorische Annahme derartiger Verpflichtungen durch Staaten, die in den Völkerbund einzutreten wünschen. In diesem Zusammenhang und bei Erörterung der Frage der Universalität des Völkerbundes weist das Memorandum auf die Tatsache hin, daß Deutschland bei seinem Eintritt in den Völkerbund im Jahre 1926 über ein durchaus befriedigendes System zum Schutze der Minderheiten verfügte. Diese Lage hat sich seither grundlegend geändert. Im gegenwärtigen Deutschland sind 500.000 Juden, deutsche Staatsbürger jüdischer Rasse, die einst genau dieselben Rechte hatten wie die anderen deutschen Staatsangehörigen, einfach zu einer Minderheit gestempelt worden, ohne daß man ihnen Minderheitsrechte gäbe. Das Exekutivkomitee spricht die Hoffnung aus, daß für den mit dem Studium der Völkerbundreform beauftragten Völkerbun lausschuß Universalität des Völkerbundes identisch ist mit universeller Innehaltung und Respektierung der Minder beitenrechte. Das Exekutivkomitee des Jüdischen Weltkongresses stellt ferner fest, daß die fanatische Hetze einer Großmacht gegen die Juden nicht nur ihres Lan.ies, sondern gegen die Juden auch in anderen Ländern unvereinbar ist mit der Aufgabe des Völkerbundes und der Anwendung der im Völkerbundpakt niedergelcgten Grundsätze. Amerikas Christen für das jüdische Palästina „Alle Hindernisse müssen beseitigt werden" New York, 16. Dezember. Eine in ihrer Art einzig dastehende Konferenz der führenden Persönlichkeiten der Protestantischen und der Katholischen Kirche Amerikas, in der über die wachsende Bedeutung des jüdischen Nationalen Heims als Zufluchtsort für die verfolgten Juden Europ.v beraten wurde, fand heute in New York statt. Die Konferenz wurde vom amerikanischen Pro-Palästina-Verband einberufen, dessen Vorsitzender Charles Russell ist. William Green, Präsident der Arbeiterorganisation Amerikas, richtete ein Schreiben an die Konferenz, in dem er darauf hinweist, daß das Palästina-Mandat von den Völkern der Welt bestätigt und durch ein besonderes Abkommen zwischen Amerika und Großbritannien anerkannt wurde. Diese Tatsache rechtfertige die Erwartung, daß die Mandatarmacht nichts unternehmen wird, was auch nur annähernd als Bruch des den Juden und der ganzen Welt gegebenen feierlichen Versprechens, die Tore Palästinas für das jüdische Volk offen zu halten, gedeutet werden könnte. Die Arbeiterorganisation Amerikas bestehe darauf, daß das Abkommen zwischen Amerika und Die Vorgänge in China rufen wieder die Erinnerung an die gelben Juden von Kai-fung-fu wach. Die erste Nachricht über China finden wir im jüdischen Schrifttum bei Jesaias (49, 12): „Siehe, diese sollen von fern kommen, diese von Norden und diese von Westen und diese aus dem Lande Sinim.“ Woher die chinesischen Juden stammen, läßt sich nicht feststellen. Nach der Inschrift in Kai-fung-fu siedelten sich die Juden in dieser Stadt zur Zeit der Han-Dynastie, zwischen 206 vor Christus und 221 nach Christus an. Kai-fung-fu, auch als Pienchow, Fung-King oder Pienlang bekannt, liegt in der Provinz Honan, 400 Meilen südlich von Peking. Dort wurden die Überreste einer Synagoge und Gemeinde gefunden. Die Entdeckung erfolgte durch Jesuiten gegen Ende des 16. Jahrhunderts. Die Synagoge war gegen Westen (Richtung Jerusalem) gerichtet. In ihrer Mitte stand der sogenannte Mosesstubi, eine runde Kanzel, von der aus die Thora verlesen wurde. Am westlichen Ende der Synagoge stand das „Himmelshaus“, das 18 Thorarollen beherbergte. Beim Eintritt in die Synagoge zogen die Besucher die Schuhe aus. Die Juden von Kaifung-fu trugen eine blaue Kopftracht. Der Thoravorleser bedeckte sein Gesicht mit einem Gazeschleier und trug einen roten Seidenumhang. Eine Anzahl der Bücher der Gemeinde befinden eich in verschiedenen Bibliotheken, so in Cambridge und — nach Angaben der Enzyclopaedia Judica — auch in Wien. Die wichtigsten Daten über die Juden von Kai-fung-fu sind in steinernen Inschriften an der Synagoge angebracht. Die älteste stammt aus dem Jahre 1164 und lautet: „Was die jüdische Religion betrifft, so war unser erster Vorfahre Adam, nachher kam Mose, der der Veimittler der heiligen Schriften war. Zur Zeit der Han-Dynastie wurde dieso Religion in China eingeführt. Tn dem zweiten Jahre von Hiao Tsung (1164) wurdo eine Synagoge in Kai-fung errichtet. Die da Großbritannien gewahrt und durchgeführt werde. Die Konferenz müsse vor der ganzen Welt und vor der öffentlichen Meinung des christlichen Amerika erklären, daß diene lebenswichtige Frage nicht nur ein Problem für die Juden ist, sondern den Frieden und das Wohlergehen der gesamten Menschheit betreffe. Die Konferenz nahm einen Beschluß an, in dem gegen die Verfolgung der Juden in Deutschland, Polen und Rumänien protestiert wird; ferner einen Beschluß, in dem erklärt wird, daß der natürlich gegebene Zufluchtsort für jüdische Flüchtlinge Palästina ist und die englische Regierung zur Erfüllung ihres Versprechens an das jüdische Volk und die ganze Welt aufgefordert wird. Sämtliche Hindernisse, die der jüdischen Siedlung in Palästina im Wege stehen, müssen aufhören; das jüdische Siedlungswerk müsse entsprechend den Bestimmungen des Mandats gefördert werden. Die Konferenz drückte ihre Überzeugung aus, daß das christliche Amerika hinter der von ihr ausgesprochenen Forderung an Großbritannien steht, die ungesetzliche, ungerechte und unhaltbare Teilung Pa- Götzen und Bilder als Götter verehrten, beten vergeblich zu leeren Phantomen. Aber die, die die Schriften achten und befolgen, kennen den Ursprung aller Dinge. Die heiligen Schriften und die ewige Weisheit ergänzen und vervollständigen einander. Sie erklären und machen es deutlich, woraus und wie der Mensch geschaffen wurde. Alle Bekenner dieses Glaubens streben nach guten Taten, erfüllen sie und verabscheuen die Sünde.“ Die zweite Insohrift stammt aus dem Jahre 1488. Sie beschreibt die jüdische Gebets- und Festtagsordnung. „Wir beten dreimal täglich, morgens, mittags und abends. Beim Beten beugt der Betende seinen Körper; dann bringt er sein Gebet in stiller Ergebenheit dar oder erhebt seine Stimme und wiegt sich währenddessen hin und her. Zuletzt geht or drei Schritte zurück und fünf vorwärts und blickt schließlich nach oben, um seinen Glauben zu bekunden, daß Gott überall ist...“ Dann wird die Einwanderung nach China aus Tien-Tschon (Indien?) geschildert und über den Ursprung der Synagoge beriohtet, die im Jahre 1163 von Yentula unter dem Rabbinat des Ouseta (Rabbiners) Lie Woi (Levi) errichtet worden sei. Die dritte Inschrift erwähnt auch Esra, der „der jüdischen Nation (Yew-Thae) das Gesetz verkündet und die Buchstaben klar gemacht hat“. Die vierte Inschrift schildert insbesondere die religiöse Erneuerung im Jahre 1658. Durch verschiedene Überschwemmungen, so 1446, wurden die meisten Bücher und Manuskripte vernichtet. Im Jahre 1844 sandte James Finn, englischer Konsul in Jerusalem, einen Brief an die Juden von Kai-fung-fu, der auch seinen Bestimmungsort erreichte. Die Antwort langte erst 26 Jahre später oin und klagte über den Verfall der Gemeinde. Im Jahre 1850 gab es noch 200 Juden, die in größter Armut lebten. Schließlich nahmen sich die aus Europa und Indien eingewanderten Juden in Schanghai ihrer an und ließen zwei gelbe Juden aus Kai-fung-fu zu Lehrern ausbilcion. Die Gemeinde ging aber unaufhaltsam 1 ä e t i n a s rückgängig zu machen und Tranejordanien in seinen rechtmäßigen Zustand als Bestandteil Palästinas zurückzuversetzen. Ferner forderte die Konferenz die Aufhebung sämtlicher Beschränkungen jüdischer Einwanderung nach allen Gebieten Palästinas. Der amerikanische Minister des Innern Mr. H. I c k e s erklärte in einem an die Konferenz gerichteten Schreiben, daß das Palästina-Experiment durch ungenügende Mittel und noch mehr durch die Drohungen und wiederkehrende Ausbrüche seitens derjenigen behindert werde, die die Bedeutung des jüdischen Aufbauwerkes, welches als ein großes und friedliches Unternehmen von Menschen von unbezwingbarem Geiste gewertet werden müsse, nicht erkennen. Es sei wahrlich eine Bewegung, deren Förderung echten Christen gezieme. Unter den Anwesenden waren die Herren Robinson, Präsident des New-Yorker City College; Henry Haskell, vom Carnegie Institut für Internationalen Frieden; Bißhoff Francis McConriell; Rev. Christian Reisner; Norman Hapgood; Rev. Henry Leiper, Sekretär des Christlichen Weltrates; und Rov. Walter Howlett, Sekretär des New-Yorker Inter- Faith Committee. Der Moses-Stuhl in der Synagoge von Kai-fung-fu der. 1902 wurde ihr letzter Lehrer getötet. Noch 1908 wurde die Zahl der Juden in Kaifung-fu auf 400 gesohätzt. Aub Tradition aßen sie kein Schweinefleisch und entfernten die Sehnen aus dem Fleisch. In ihrer körperlichen Erscheinung waren dlie Juden in Kai-fuug-fu (und andere in Nanking, Peking, Ningpo usw.) kaum von den Chinesen zu unterscheiden. Hin und wieder kommt ein Rückschlag zu einem mehr jüdischen Typus vor. Sie sind auch wie die Chinesen gekleidet, und ihre Frauen pflogen sogar ihre Füße zu binden. In der Novembernumraer der in Schanghai erscheinenden jüdischen Monatsschrift „I sr a e 1 s Mossongor“ berichtet Rabbiner Mendel Brown über die Bemühungen dor Juden in Schanghai, dio eingeborenen chinesischen Juden zu retten. Es wurde eine „Gesellschaft zur Rettung des chinesischen Judentums“ gegründet, die im Juni 1925 ihro letzte Sitzung abhielt. Dann schlief sie ein. Von den gelbon Juden von Kai-fung-fu, die ihre Gemeinde an die 1800 Jahre erhielt, meldet kein Seinem Mitglied Herrn Alexander Deutsch gratuliert anläßlich seiner Vermählung mit Fräulein Fanny Plattring (Berlin) Zionistische Bezirkssektion Leopoldstadt Club Erez Israel U% £cez ls-r(iet Herr N Bernstein in Wien stellt uns einen Brief seiner Nichte aus dem Kindordorf Ben-Schemen in Erez Israel zur Verfügung, den wir auszugsweise veröffentlichen. In einfachen Worten schildert hier ein jüdisches Mädchen das Leben jüdischer Kinder in Erez Israel. Ich war jetzt bei Lily in Ben-Scliemen. Es ist ein wunderschönes Kinderdorf, kleine Häuschen mitten im Grün, die Jugend von 14 bis 17 Jahren-ist in Gruppen eingeteilt, die ihr eigenes Haus (aus Holz natürlich, aber innen mit wunderbarer Holztäfelung) haben und unabhängig leben. Sie haben eine ganze Menge Erzieher und Lehrer und außerdem Arbeitsleiter, denn sie arbeiten vier Stunden und vier Stunden lernen sie. Es gibt dort einen großen Kuhstall, Hühnerstall, Blumengarten, Orangenplantage und Gemüsegarten, wo Lily arbeitet. Es geht ihr ganz wunderbar, alle sind sehr lustig, am Sabbath gibt ee Konzert und Neschef, ich selbst habe zwei Neschefim innerhalb von vier Tagen, an denen ich dort war, mitgemacht. Lily hat sich wunderbar in das Gemeinschaftsleben eingelebt und fühlt sich sehr gut. Bei uns ist jetzt da« vierte Steinhaus fertig geworden, und ich freue mich schon sehr, dort einziehen zu können. Seit Ende November gibt es Regen, es ißt sehr kalt, aber an regenlosen Tagen ist es so heiß wie in Wien im Mai; das ist der palästinensische Winter. Ich arbeite jetzt schon seit einem Monat in der Küche, und bleibe noch drei Monate, im Winter ist es sehr angenehm, im Hause zu arbeiten. Die Küche ist ßehr modern eingerichtet und sehr rein. Wir kochen hauptsächlich elektrisch, haben einen elektrischen Teekessel und zwei Küchen, eine fleischige und eine milchige, so daß es leicht ist, koscher zu halten. Es arbeiten immer fünf Mädels von 4 Uhr früh bis 1 Uhr und fünf Mädels von 12 Uhr mittags biß 9 Uhr abends, und versorgen hundert Menschen mit Essen. Die Arbeit macht mir Freude, weil es zu jeder Zeit in der Küche rein ist und weil wir wirklich daß Essen sehr schön vorbereiten, dio Tische sind immer schön gedeckt, es ist wirklich ein Vergnügen und es freut uns, daß wir die verantwortungsvolle Aufgabe erfüllen, für hundert arbeitende Menschen Essen vorzubereiten. Der Anker, Allgemeine Versicherungs-Aktien ge Seilschaft in Wien. In der am 17. d. abgehaltenen Verwaltungsratssitzung wurde dem mit Rücksicht auf sein Alter ausscheidenden Präsidenten Dr. Charles Simon für sein den Interessen der Gesellschaft gewidmetes langjähriges verdienstvolles Wirken wärmster Dank gezollt. Gleichzeitig wurden die Herren Ernst A n d r e o 1 i, Direktor der Schweizerischen Rückversicherungs-Gesellschaft in Zürich, und Bundeswirtschaftsrat Dr. Martin Ritter von Kink, Präsident deß Wiener Industriellenverbandes, in den Verwaltungsrat kooptiert. Im Anschluß daran wurde Dr. Ritter von Kink zum Präsidenten des Verwaltuugsrates gewählt. Die in derselben Sitzung genehmigte Erwerbung der Aktion des Turul, Ungarißche Landesversichenmgs-Anstalt in Budapest, bedeutet eine wesentliche Erweiterung der Geßchäftsbasis des Anker in Ungarn. Hebräischkurse «1er Bezlrkssektion V11I/1X Außer den schon bestehenden drei Kursen für Anfänger und Vorgeschrittene wird anfangs Jänner ein weiterer Kurs für Anfänger eingerichtet. Neuanmeldungen sowohl zu diesem Kurs, der Dienstag und Donnerstag abonds stattfinden wird, als auch zu den übrigen Kursen werden täglich, außer Freitag, von 7 bis 9 Uhr abends im Sektionsheim, IX., Währingerstraße 6—8 (Eingang Hörlgaese 2), Telephon R 52-0-12, entgegongenommen. Zionistische Bezirkssektion und Wlzo Marlahllf- Neubau, VI., Loqualplatz II Montag, den 28. Dezember, 20M Uhr Sondervorstellung der neuen Schlagerrevue A Chassene im Stadtei in den jüd. Künstlerspielen, II., Prateratr. 84 Karten von 8 1’- bis S 3*— bei den Funktionären, im Vereinsheim und an der Abendkassa nie-1 weiterer Bericht.., MM Die yetfon lüden von ItcU-fünfr-tu