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Die Stimme · 1936-12-18 · Heft 605 (18.12.1936) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 605 (18.12.1936)
Date
1936-12-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
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9k kSiimme y. b. f>. 20 8 Nr. 60S JÜDISCHE ZEITUNG Wien, Freitag, 18. Dezember 1936 4- Teweth 5697 io* Jahrgang Kft.Ä „ORBIS"-Weihnachtsfahrt nach POLEKubeiuh ABFAHRT: 22. DEZEMBER 1936 Anmeldungen: Pein. Reisebllro »ORBIS“ I., KärntnerstraBa 41 t OEST£RREICHISCHES verkehrsburo I» FrledrfchstraOe 7 B 27-500 i„ Graban »j ii 20- O-ön Die Krankheit Europas Daß Wort vom den dunklen Wolken, die den politischen Horizont verhängen, war noch nie eo wahr wie jetzt. Der Völkerbund führt 'ein Scheindasein. Er hat vier schwere Schlappen erlitten. Die erste Schlappe war sein Versagen iin japanisch-chinesischen Konflikt. Dann kam der Austritt Deutschlands, dann die überflüssige Briiskienmg Italiens wegen Abessiniens und schließlich seine Ohnmacht gegenüber dem spanischen Bürgerkrieg. Die Lehren des Weltkrieges scheinen vergessen zu sein. Wieder einmal beginnt die Bündnispolitik. Die Welt soll in zwei Mächtegruppen gespalten werden, die sich waffenstarrend gegenüberstehen Deutschland, Italien und Japan stehen auf der einen Seite, Frankreich und Sowjetrußlünd auf der anderen Seite. Die kleinen Staaten werden heiß umworben. Die Vereinigten Staaten von Nordamerika haben sich nach dem Sturz Wilsons von Europa zurückgezogen und England distanziert sich merklich von. dem europäischen Hexenkessel. Die Menschheit scheint vergessen zu haben, daß Europa in den Jahren 1914 bis 1918 vor dem Abgrund stand. Sie scheint auch nicht daran zu denken, daß der nächste Weltkrieg ein Weltkrieg in der sichten verwirklichen will, die in Hitlers Buch „Mein Kampf“ niedergelegt sind, zu einem Fetzen Papier. Die Ohnmacht des Völkerbundes stärkt Deutschland, das heute denen diktieren will, die in Versailles den Friedensvertrag diktierten. Deutschland ist aus dem Völkerbund ausgetreten, hat seine Wehrhoheit gegen den Willen der Siegermächte wiederhergestellt. Es hat dio Flußschiffahrtsverträge einseitig aufgehoben, es verlangt die Kolonien zurück, und Greiser hat erklärt, er werde Danzig Hitler als Weihnachtsgeschenk au Füßen legen. Das Unrecht in den Friedensverträgen rächt sich. Ähnlich, wenn auch noch nicht so akut, sind die Verhältnisse, die durch das mutwillige Zerschlagen der Habsburgermonarohic heraufbeschworen wurden. Es wäre aber ungerecht, für alles Böse im Leben der Völker die Friedensverträge verantwortlich zu machen. Die Friedensverträge haben kleinen Völkern die nationale Freiheit gebracht, der Welt den Völkerbund, den Schutz der Minderheiten und dem jüdi-j sehen Volk das Palästinamandat. Die der-| zeitige Ohnmacht des Völkerbundes beweist! nichts gegen seine Notwendigkeit als Ini Rede gehalten, die jeden Staatsmann als Richtschnur dienen sollte. Er sagte u. a.: „Die Beachtung der Verträge und der Wille, freie Verhandlungen im Falle einer Uneinigkeit zu führen, bilden zusammen die f einzige wirkliche Grundlage des internationalen Gewissens. Die Verträge als solche sind nicht sakrosankt, sondern können verbessert werden. Es ist jedoch notwendig, daß die Beobachtung feierlicher Verpflichtungen einen heiligen Charakter habe. Es muß für einseitige Aufkündigungen eine Grenze geben oder wir werden zu einem Punkte gelangen, wo die Gewalt und nur die Gewalt der alleinige Schiedsrichter der internationalen Beziehungen wird sein müssen und wo kein Vertrag das Papier wert sein wird, auf dem er geschrieben ist. Wenn das Europa von 1936 und von später mit Fetzen von Papier übersät sein sollte, wird niemand der Zukunft mit Vertrauen entgegensehen können. Ich wiederhole daher: Die internationalen Beziehungen werden nicht durch die Regierungsformen geleitet, sondern durch die Art und Weise, mit der die Regierungen ihre Verpflichtungen beachten.“ st mm ent des Völkerfriedens. Es wird ein- J Diese Worte sollte niemand überhören, mal die Zeit kommen, wo man Wilson Denk-! dem es um den Weltfrieden ernst ist. Wermäler setzen und jene anklagen wird, für den sie gehört werden? Gerade in diesen die der Völkerbund nur ein Mittel zur (Tagen ist ein Buch erschienen („Schicksals- Durehsetzung ihrer eigenen imiperialisti-1 stunde Europas“ von Karl Anton Prinzen sehen' Interessen und zur Unterdrückung Rohan),. in dem zu lesen ist: „Die nationalder Minderheiten gewesen ist. Hoffentlich sozialistische Revolution ist der Aufbruch wird es dann nicht zu spät sein. I des Naturrechtes gegen den Positivismus, Das sind also die Krankheiten Europas: i gegen die Zwangspakte, in die veraltete Unterdrückung und Vertragsbruch. Das Paragraphen das Leben pressen wollen.“ Wort vom „Fetzen Papier“ wird in die. Das ist die. Gesinnung, die den Versuch Worte gekleidet: „Recht ist, was dem macht, den Teufel Kommunismus mit dem Staat nützt.“ Der englische Außenminister, Beteebub Nationalsozialismus auszutreiben Eden hat in diesen Tagen in Bradford eine i-und,, so vom Regen in die Traufe kommt. **•*■*»! SkANDAL IN DER OPER AUA CARLI5LE KABi FARKAS SAGTU Sah ich ähnlich. SicVuiS tABJL FAßk Jaunern Wie die f, diafamosen JÖtoüjctßJUavt cLeuhkahineit im SCHWEDE N-KINO Was hier Naturrecht genannt wird, ist nichts anderes als die Vergottung der Gewalt und die generelle Sanktionierung des Vertragsbruchs. An dieser geistigen Verirrung leidet die Welt. Das ist die Krankheit Europas. Soll diese Krankheit nicht tödlich sein, wird Europa einen „Aufbruch“ erleben müssen, aber in dem Sinne einer Rückkehr zur Achtung vor Verträgen und zur Achtung alias dessen, was Menschenantlitz trägt. Das ist die Vorbedingung für die Befriedung Europas und der Welt. Der jüdischnationale Abgeordnete Dr. Mahler prägte einmal im alten österreichischen Abgeordnetenhause den Satz: „Wir Juden sind eine Minorität. Wir dürfen as uns erlauben, noch Prinzipien zu haben.“ Soll Europa nicht in ein Chaos stürzen, sollen die schrecklichen Zeiten Dschingiskhans und des Faustrec-htes nicht wiederkehreu, dann werden auch die Mehrheitsvölker andere Prinzipien in den Fragen der Ordnung im Innern und der internationalen Beziehungen haben müssen. Es wird der ganzen Menschheit mur zum Segen gereichen, wenn es nicht die nationalsozialistischen Prinzipien des Hasses, des Bruches der Verträge und der Diffamierung der Juden sein werden, sondern das jüdische Prinzip, das da sagt: Auf Gerechtigkeit muß die Welt gegründet sein, soll eie Wert und Bestand haben. Frieden scheitert am Widerstand der Union Francopol ciPolen und Rumänien Nächste Abf.:22. XII. 1936,5.1.1937. Rückf.: 7.1.1937 Sonderzug BERLIN 22. XII,—7.1. S 80'— tour-retour Poln. VerkehrsbUro „Francopol“ III., Sohwarzenbergplatz 7, Tel. U 16-4-90 „Cedok“, I., Kärntnerstraße 32, Tel. R 23-4-88 QerngroQf VII., Mariahilferstr. 42, Tel. B 38-2-68 schrecklichsten Bedeutung des Wortes sein könnte. In den Jahren 1914 bis 1918 wurde er im wesentlichen in Europa geführt. Heute besteht die Gefahr, daß er in der ganzen Welt von China bis Spanien entbrennen könnte. Es ist nicht müßig, über die Ursachen dieses Zustandes und über Mittel zu seiner Beendigung zu sprechen. Das Rüstungsfieber ist nicht Ursache, sondern Folge der geistigen Struktur, in der sich heute die ganze Welt befindet. Das Rüstungsfieber ist, ähnlich wie das Fieber im menschlichen Körper, nicht die Krankheit selbst, sondern nur das Signal für einen Krankheitsprozeß der Völker. Zwei Krankheiten sind es, die das Fieber erzeugen. Dio oine Krankheit sind die ungerechten Bestimmungen in den Friedonsverträgen und die andere heißt: Mißachtung geschlfiigsener Verträge. Es unterliegt keinem Zweifel, daß der Versailler Friedensvertrag Deutschland aufgezwungen wurde. Deutschland war aber dank Rathenau und Stresomaim auf dem besten Wege, das Unrecht, für das Clemenceau und Poincarö und die Siegespsyohose verantwortlich waren, wieder in Recht zu verwandeln. Locarno war ein verheißungsvoller Anfang, der heute leider der Geschichte angohört. Der Vortragvon Locarno wurdo hauptsächlich durch den Nationalsozialismus, der die außenpolitischen An- VII., KAISERSTRASSE 123 * IX„ ALSERSTBASSE 6 Konstituierung des Vorstandes der Kultusgemeinde Bei der Dienstag, den 15. d. M., stattgefundenen konstituierenden Sitzung des Vorstandes der Israelitischen KuItuSgemeinde Wien wurden Staatsrat Dr. Desider Fried mann neuerlich zum Präsidenten für eine vierjährige Amtsperiode, die Herren Rat der Stadt Wien Dr. Jakob Ehrlich und Oberbaurat Ing. Robert Stricker zu Vizepräsidenten für eine einjährige Amtsperiode wiedergewählt. In das Vertreterkollegium der Kultusgemeinde sind nachstehende Herren gewählt worden: Dr. Ernst Feldsberg, Dr. Isidor Klaber, Dr. Leo Landau, Reg.-Rat Dr. Hermann Oppenheim, Dr. Leopold Plaschkes, Max Schiffmann, Dr. Saul S o k a 1 und Dr. Josef T i c h o. Den in der konstituierenden Sitzung vorgenommenen Wahlen ist ein Briefwechsel der Listenführer der „Zionistischen Liste“ und der „Union österreichischer Juden“ vorangegangen. Der Inhalt dieser Korrespondenz und der Gegenstand der Verhandlungen, welche von den seitens beider Gruppen nominierten Vertretern geführt wurden, wird im nachstehenden wiedergegeben: Mit Schreiben vom 30. November 1936 teilte der Listenführer der . „Union österreichischer Juden“ dem Listenführer der. „Zionistischen Liste“ mit, daß von den der „Union“ angehörigon Mitgliedern dos Kultusvorstandes eine Vertretungim Präsidium und eine entsprechende Vertretung im Vertreterkollegiiun und in den Kommissionen gewünscht wird. Diese Zuschrift fand ihre Beantwortung in dem Schreiben des Listenführers der „Zionistischen Liste“ an den Listenführer der „Union österreichischer Juden“ vom 4. Dezember 1936, mit welchem der vom Klub der zionistischen Kultusmandatare gefaßte Beschluß zur Kenntnis gebracht wird, daß die zlonisti8chen Mandatare bereit sind, den auf der Liste der „Union österreichischer Juden“ gewählten Kultusvorstehern eine Vizepräsidentenstelle und eine entsprechende Anzahl von Sitzen im Vertreterkollegium und in den Kommissionen zu überlassen. Für die Stelle des Vizepräsidenten j&nunen jedoejj solch* gesonnen nicht in Betracht, welche die gegen den KultuSvorstaud beim Magistrat der Stadt Wien zuhanden des Herrn Bürgermeisters überreichte Anzeige vom 5. Februar 1936 unterfertigt haben. In einem an den Listenführer der „Zionistischen Liste“ gerichteten Schreiben des Listenführere der „Union österreichischer Juden“ vom 9. Dezember 1936 vertrat letzterer die Meinung, daß ein Einfluß auf die Auswahl der Personen, die von den unionistischen Mandataren für die beanspruchten Stellen kandidiert werden, ausschließlich diesen zustehe. Am 10. Dezember 1936 traten vor Beginn der für diesen Tag angesetzten konstituierenden Sitzung Delogierte der beiden Gruppen zu einer Beratung zusammen. Das Ergebnis der Verhandlungen ist aus dem nachstehend veröffentlichten Schreiben des Listenführers der „Zionistischen Liste“ an den Listenführer der „Union österreichischer Juden“ vom 14. Dezember 1936 zu entnehmen. In demselben heißt es: „Die am 10. Dezember 1936 stattgehabten Besprechungen, bei welchen die der Union angehörigen Mitglieder des Kultusvorstandes durch die Herren Baurat K e m p- 1 e r, Dr. Maximilian Stieglitz und Doktor Leonhard Maier und Herrn Geza Klinger, der Klub der zionistischen Mandatare durch die Herren Oberbaurat Stricker, Dr. Jakob Ehrlich und Dr. Desider Friedmann vertreten waren, haben zu dem Ergebnis geführt, daß die Angehörigen des Klubs der zionistischen Mandatare ihre Bereitwilligkeit ausgesprochen haben, dio Ausschaltung jener Herren von der Stelle des Vizepräsidenten, welche die als Aufsichtebeschwerde bezeichnete Eingabe vom 5. Februar 1936 unterschrieben haben, fallen zu lassen, wenn die „Union österreichischer Juden“ sich dazu bereit findet, den durch ihre Vertreter in ihren Erklärungen wiederholt betonten Friedenswillen in die Tat umzusetzen. Die Delegierten des Klubs der zionistischen Mandatare haben bei den stattgehabten Verhandlungen in unzweideutiger Weise ihre Meinung dahin vertreten, daß eine friedliche Zusammenarbeit, die auch sie wünschen, nur dann gewährleistet ist, wenn die für das gesamte Judentum schädlichen Methoden des Kampfes, worunter insbesondere die Diskriminierung von jüdischen Gruppen nach ihrer Herkunft, Unterscheidungen nach der sogenannten, dem antisemitischen Sprachschatz entlehnten „Bodenständigkeit“, Anzweiflung der Vaterlandstreue der Zionisten, Behauptung der Unvereinbarkeit der zionistischen Gesinnung mit der restlosen Erfüllung der staatsbürgerlichen Pflichten zu verstehen sind, eingestellt werden. Der Ablehnung der Wahl derjenigen Herren, welche die Angriffe der vorbezeichneten Art enthaltende Beschwerde vom 5. Februar 1936 unterzeichnet haben, liegen keine persönlichen Motive zugrunde, sondern die Überzeugung, daß diese Personen vor allen anderen die Verantwortung für jene Methoden ,de«s innerjüdischen Kampfes trifft, die, wenn sie ihre Fortsetzung finden würden, ein gedeihliches Zusammenarbeiten in der Gemeinde unmöglich machen. Die zwischen den beiden Gruppen zu führenden Verhandlungen waren infolgedessen darauf abzustellen, eine Einigung über die Abgrenzung des Streites und der Kampfmittel zu erzielen, dadurch die im Interesse der Juden- Cafe Weghuber (Hinter dem Deutschen Volkstheater) Jeden Samstag, Sonnu. Feiertag Konzert, Tanz und Stimmungsmusik Kapelle ISY GEIGER Beginn 8 Uhr abends Bürger!. Preise

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