Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 603 (10.12.1936)
- Date
- 1936-12-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3053752-3054338-3054359--6329-3062168- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
9k “Stimme V. & t». 20 g Nr. to) JÜDISCHE ZEITUNG Wien, Donnerstag, so. Dezember S936 26. Klelew 5697 SO. Jahrgang Hier denket nach! Von Dr. Oskar Griinbauw (Festrede/ gehalten bei der Makkabäerfeier im Großen Konzerthaussaal am 8. Dezember) 2100 Jahre sind seit dem Tage verstrichen, da Juda Makkabis kleine Heldenschar nach herrlichen Siegen über große Heere in Jerusalem einzog und das verwüstete Heiligtum wieder ein weihte. 2100 Jahre. Andere Völker sprechen von Jahrhunderten, feiern sie ihre nationalen Gedenktage, wir Juden aber von Jahrtausenden. Das Lebenswunder des jüdischen Volkes währt schon Jahrtausende und es ist unser felsenfester Glaube: "Wie zur Zeit Makkabis werden zuschanden werden, die uns ans Leben wollen. Und noch mehr: Wir glauben, daß wir einem neuen Frühling unseres uralten Volkes entgegengehen. Denn nie ist in unserer schmerzensreichen Geschichte der nationale Lebenswille" erloschen. Tausende Male standen wir vor der Vernichtung, aber immer wieder war unser nationaler Lebenswille stärker als der Feind. Einmal hieß unser Lebenswille Moscheh und Jeoschuah, einmal Esra und Nehemia, einmal Juda Makkabi. Dann wieder waren die Träger unseres Willens als Nation weiterzuleben,, die Propheten, die Zelotenführer, . Rabbi Jochanan uen Sakkai, Rabbi ben Akiba und der Held Rar Giora. Und sie siegten, auch, wenn sie in ihrer Zeit unterlagen. - Unser Lebenswille siegte aber auch über die Juden, die Sehnsucht hatten nach den Fleischtöpfen Mizrajims, über die Assimilanten und über die Renegaten, wie Judda Makkabi über die Hellenisten seiner Zeit. Aber immer wieder fand seither das jüdische Volk erbitterte Gegner in seinen eigenen Reihen. Da gab es — ein Beispiel unter vielen *— jenen Tiberius Alexander, der in Alexandrien kaltblütig den römischen Legionen den Befehl zum Pogrom gab und der dann als Generalstabschef des Titus die Eroberung Jerusalems leitete. Ja, Jerusalem wurde erobert und die Juden wurden über die ganze Welt zerstreut. Aber trotzdem. Das jüdische Volk hat gesiegt und baut heute das Land seiner Väter wieder auf. So siegten wir über Tiberius Alexander und die Renegaten und Assimilanten späterer Jahrhunderte, die da glaubten, sie könnten sich durch Verrat am eigenen Volk Macht bei anderen Völkern oder Macht über die Juden erkaufen. Aber es kam die Zeit, wo der Lebenswille des jüdischen Volkes zu erlöschen drohte. Das war die Zeit der Emanzipation. Große jüdische Massen bezahlten die Emanzipation mit der Preisgabe ihres Judentums, so daß es ihnen nichts mehr bedeutete als lästiger Ballast, den sie versteckten oder über Bord warfen. Und da geschah ein Wunder von besonderer Art. In früheren Zeiten war die nationale jüdische Erhebung immer von Zentren jüdischer Massensiedlungen ausgegangen und als Führer traten immer traditionstreue Juden auf, wie etwa die Makkabäer. Diesmal aber kam die erlösende Tat nicht aus dem Osten, wo die jüdischen Massen siedelten, sondern aus dem Westen, aus einem Judentum, das von der VII., KAISERSTRASSE 123 ★ IX., AISERSTRASSE 6 Assimilation zersetzt war und der Auf-1 hen stehen, zu sagen: Ihr habt genug Be- Iösung anheimgegeben schien. denkzeit gehabt. Der Feind will euch an Der neue Juda Makkabi war ein Rand- Gut und Leben, denkt daran, daß nur der?."£.£! „ORBIS"-WelhnathtsMirt naA POLEN-raill«. beruh jude. Er hieß Theodor Herzl. Er revolutionierte vom assimilierten Westen aus den traditionstreuen Osten und es begann wieder die Rückkehr zum Judentum, die Eroberung des jüdischen Hauses, der jüdischen Gemeinden und des jüdischen Landes. Alle Mittel der Assimilation, wie wir sie aus unserer tausendjährigen Geschichte kennen, wurden gegen uns angewendet, um die aufstrebende zionistische Bewegung niederzuringen. Die Assimilation glaubte in Verkennung eherner Gesetze der jüdischen Geschichte uns mundtot machen zu können. Sie ist in ihrer geistigen Ohnmacht und in ihren würdelosen Anbiederungsversuchen nunmehr zu einem jüdischen Antisemitismus herabgesunken, der seine Waffen aus den Arsenalen der größten Judenfeinde holt. Wehleidige Menschen sollen es sich gesagt sein lassen, daß die Gefahr, die hier der ganzen Judenschaft droht, eine energische Abwehr zur zwingenden Notwendigkeit macht. In dem von der Assimilation mutwillig heraufbeschworenen Kampfe muß jeder . aufrechte Jude auf unserer Seite stenen. Die Sympathie, die der zionistischen Bewegung in der ganzen Kulturwelt entgegengebracht wird, sagt uns, daß unsere Umwelt, es trotz aller Denunziationen weiß, daß .unsere Treue zum eigenen Volk . sich harmonisch vereinigt mit der Treue zum Staat, dessen Bürger wir sind. Es genügt uns aber nicht, wenn wir bei Juden für unseren Kampf um die politische Moral innerhalb des Judentums und in unserem Kampf gegen den äußeren Feind, der uns vernichten will, nur Sympathie finden. Heute, wo trotz allem Palästina die einzige Hoffnung für Millionen Juden ist, müssen wir sagen: Jüdisches Volk, uns genügt nicht deine Sympathie, wir verlangen deine Mitarbeit, deine Gesinnung, deine Opfer. Erez Israel hat soeben der Welt ein herrliches Beispiel von unserem Willen gegeben, ein freies Volk zu werden und wieder der Menschheit zu dienen. Niemand darf abseits stehen in einer Zeit, wo unsere Brüder freudig ihr Leben hingegeben haben. Jüdisches Volk, du mußt deine Märtyrer ehren und für Wiederaufbau und Verteidigung, für den Mifal Bizzaron Opfer bringen. Bedenke, daß du diese Opfer nicht für andere, sonder für dich selbst und deine Kinder bringst. Du hast schon zu lange gezögert, der äußere Feind ist ringsum und die. unheilvolle Hydra der Assimilation will wieder ihr Haupt erheben. Zaudern und Ausweichen führen dich ins Verderben. Willst du Einigkeit und Frieden, dann denke daran, daß nur der Zionismus die Basis für ein geeintes Judentum bietet. Unsere Geschichte berichtet uns aus der Makkabäerzeit: Bevor Antiochus gegen Jerusalem zu Felde zog, führte er gegen den Willen Roms Krieg gegen Ägypten. Da erschien in seinem Lager eine römische Delegation, deren Führer, der Feldherr Popilius Laenas ihn aufforderte, den Krieg sofort abzubrechen. Als sich Antiochus Bedenkzeit erbat, zog Popilius Laenas rings um ihn mit dem Stock einen Kreis im Sand und sagte ihm: „Hier denke nach!“ Antiochus verstand und zog sofort ab. Wenn diese geschichtliche Tatsache hier erwähnt wird, so geschieht das nur, um denen, die noch nicht in unseren Rei- Zionismus euch retten kann. Der Zionismus hat entgegen allen. Unkenrufen der Leute mit dem Rechenstift und der ewigen Nörgler bewiesen, daß er allein euch Rettung bringen kann. Die Zionistische Weltorganisation ist der Garant für eine bessere jüdische Zukunft. In ihren Reihen kämpfen wir für die untrennbare Einheit von Volk, Religion und Land. Denkt an diesem Festabend daran, daß alle Assimilationsversuche zuschanden wurden. Das beweist euch der Wiederaufbau Erez Israels und die zionistische Aufbauarbeit in der Galuth. Blickt auf das blühende Erez Israel, das wir geschaffen haben und auf die stolze Jugend, die wir heranziehen. Kommt zu uns, um mit uns für die Erlösung des jüdischen Volkes und für die Zukunft euerer Kinder zu arbeiten. Folgt ihr diesem Rufe, dann habt ihr den tieferen Sinn des Chanukkah-Festes, des Festes der Erneuerung und der Freiheit erfaßt, die wir uns aus eigener Kraft erobern wollen. Das ist die Gesinnung, die uns*, alle-einigen muß. Wir fühlen uns eins in dieser Stunde mit unseren jüdischen ABFAHRT: 22. DEZEMBER 1936 Anmeldungen: Poln. Reisebüro „ORBIS“ OESTERREICHISCHES VERKEHRSBURO U, FrledrlehttraSfl 7. B 27-500, U Graben 20, U 29-0-35 Brüdern und Schwestern in der ganze« Welt. Und so fliegen unsere Gedanken in dieser Stunde hinaus in das Land unserer Väter und vor unserem geistigen Auge erscheint die flammende Menorah der Synagoge von Tel-Aviv. Ihre Flammen leuchten in die finstere Nacht und in das schreckliche Dunkel unserer Zeit. Sie grüßen hinaus, weit über die Länder und Meere in jedes jüdische Haus, in dem die Chanukkah-Lichtlein von der Sehnsucht nach Frieden und Freiheit künden. Sie grüßen uns und wollen uns sagen: Wir Juden leben, schicksalsverbunden grüßen wir euch jüdische Brüder und Schwestern, wo immer ihr seid. Wir grüßen euch, die ihr in Not und Ächtung # lebt, wir grüßen euch Chaluzim, die ihr das Land Makkabis in friedlicher Aufbauarbeit erobert, wir grüßen euch Gräber unserer Märtyrer und grüßen euch alle, die ihr nah seid oder fern und rufen euch zu: denkt daran: Wir sind ein Volk, ein Volk. Die Chanukkah-Lichter sind uns aber auch ernste Mahner. Sie mahnen uns an unsere Pflicht für unsere Erlösung zu arbeiten, damit wieder das Wort wahr wird: „Und es saß Juda und Israel ruhig, jeder unter seinem Weinstock und unter seinem Feigenbaum.“ So ist euch Weg und Ziel vorgezeichnet. Ein dornenreicher Weg, aber der einzige, der zum Ziel, zum innerjüdischen Frieden und zur Erlösung führt. Euer Platz, jüdische Frauen und Männer, ist bei uns. Hier denket nach! Francopol -Reisen alle 14 Tage nach und Rumänien Nächste Abf.: 22. XII. 1936. Rtickf. Sonderzug BERLIN 22. XII.—7.1. S 801- Poln. Verkehrsbiiro „Francopol“ Hl., Schwarzenbergplatz 7, Tel. U 16-4-90 „€edok“i I., Kärntnerstraße 32, Tel. R 23-4-8B Gerngroß, VII., Mariahilferstr. 42, Tel. B 38-2-68 7. I. 1937 tour-retonr Das Präsidium der Kultusgemeinde bei Nell! Makoim Über Einladung des derzeit in Wien weilenden, vom Völkerbund eingesetzten Hohen Kommissärs für die Flüchtlinge aus Deutschla&dj Generalmajor Sir Neill Malcolm, haben sich Dienstag von Seite der Kultusgemeinde Präsident Staatsrat Dr. Friedmann,. Amtsdirektor Dr. Löwenherz raid Amtsvorstand Engel, seitens der Israel. Allianz Präsident Dr. Ornstein und Vorstandsmitglied Ernst Simon bei ihm zu einer Besprechung eingefunden. Bei dieser Rücksprache wurde die Lage der jüdischen Flüchtlinge aus Deutschland dargelegt, worauf die in Betracht kommenden Hilfsmaßnahmen erörtert wurden. Der Hohe Kommissär nahm die Mitteilungen der Abordnung mit Interesse entgegen und sagte zu, im Rahmen seines Mandates die vorgebrachten Anregungen bei den maßgebenden Stellen zu befürworten. Bibequeme Weihnachtssonderf ahn nadi r^fi&Iiund Abf.: 22. XII. 1938 und 5.I. 1937, RUckf.: 7.1. 1937 mit der „Czernowitzer Allgemeinen Zeitung ‘ Anmeldungen ausschließlich Reisebüro „Marien* brücke“, I., Rotenturmstr. 20, Telephon R 2-1-2-so'$v Ungenügende Schedule und illegale Arabereinwandernng Jerusalem, 4. Dezember (JTA.). Am Mittwoch, den 2. Dezember, hat die Königliche Kommission wieder eine öffentliche Sitzung abgehalten. In ihr regte der Vorsitzende der Kommission, Lord Peel, an, daß die Jewisli Agency schriftlich ein kurzes Verzeichnis ihrer Beschwerdepunkte auf dem Gebiet der Einwanderung einreichen möge, damit die Kommission eich auf das Wesentlichste konzentrieren könne. Der Leiter des Einwanderungsdepartements der Jewish Agency, Dr. Werner Senator, setzte seine Aussagen fort. Er wies darauf hin, daß sich in den letzten drei Jahren die Zahl der eingewanderten „Kapitalisten“ auf 14.500, die der „Angehörigen“ auf 29.000 belief. Es sei bei der Einwanderung von Kapitalisten eine Zunahme von 1'13, bei der von Angehörigen eine solche von 1*9 Prozent festzustellen. In diesem Zusammenhang erhob Dr. Senator insbesondere die Forderung nach Ausgabe einer vermehrten Zahl von Zertifikaten für die Jugend- Alijah aus Deutschland während der nächsten zwei Jahre, wobei er die Tragik der jüdischen Jugend in Deutschland hervorhob. Berechtigten Grund zur Beschwerde gegen die Palästina-Verwaltung bilde die Einschränkung der Einwanderung von B r iid e r n und Schwestern u nter 18 Jahren und von Eltern unter 55 Jahren. Als nächster Zeuge wurde der Beamte des Politischen Departements der Jewi-di Agency, Eliahu Epstein, vernommen. Er berichtete über die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse im Haurau. Als Lord Peel bemerkte, er möchte wissen, was für ein Zusammenhang zwischen den Angelegenheiten des Hauran und denjenigen Palästinas bestehe, wies Epstein darauf hin, daß aus dem Hauran 20.000 bis 25.000 illegale Einwanderer gekommen sind und daß auch Transjordanien eine erhebliche Zahl illegaler arabischer Einwanderer geliefert hat. Epstein verlangte, daß die Palästina-Regierung die syrische Grenze gegen illegale arabische rung schließe. E i n w a n d e- Cafe Weghuber Jeden Samstag, Sonnu. Feiertag; Konzert, Tanz und Stimmungsmusik Kapelle ISY GEIGER (Hinter dem Deutschen Volkstheater) Beginn 8 Uhr abends Bürgerl. Preise