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Die Stimme · 1936-12-01 · Heft 601 (1.12.1936) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 601 (1.12.1936)
Date
1936-12-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 001. — Wien, Dienstag, 1. Dezember 1936. Dil ItlMMI Seit« 3 Die Pogrome in Polen eigener Pinne. von denen man hoffe, daß die Kommission sie annohmen werde, antwortete der Kolonicnminteter: Die Königliche Kommission ist von der Regierung völlig unabhängig und berechtigt, jedermann, der vor ihr erscheint, über Jegliches zu befragen, und die Betreffenden sind mehr oder minder verpflichtet, zu antworten. Sie haben volle F r e 1 h e i t, i m oigcnenNamen zu antworten. rttöBEL-UäNTER für Gelegenheltskiufe Wien, VIII., StJdtbahnvfadokt 23 bet Lerdienfelderstraße Telephon: A 21*5*31 1254 jüdische Einwanderer im Oktober Jerusalem, 29. November. (JTA.) Nach offiziellen Mitteilungen sind im Oktober d. J. 1254 Juden nach Palästina eingewandert, unter ihnen 106 Kapitalisten mit einem Mindestkapital von je 1000 Pfund und 105 Verwandte von im Lande Ansässigen, 'tiiiiiniiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiimiiiiiimiiiiiiiiinimiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiinmiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiu Der Berliner Rabbiner Dr. Joachim Prinz ist der Verfasser des Sprechchors „Ein V olk — ein L an d“, der am 8. Dezember bei der Makkabäerfeier des Zionistischen Landesverbandes und der WIZO im Großen Konzerthaussaal von den Mitgliedern des Jüdischen Kulturtheaters und drei Jugendsprechchören vorgetragen wird. Die Feier wird sich zu einer machtvollen Demonstration für die jüdische Nationalidee und das jüdische Aufbauwerk in Palästina gestalten. Jeder Wiener Zionist erscheint zu dieser Feiert emnniMiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiitiiitiitiiiiiiitiiiiiiiiiiiitiiisiiiuiitiiiiiitiiiiiKniiiiinimiiiiiiiinitiimnmmiiiiiiimtiiiiti- Der neue Richter Palästinas Jerusalem, 27. November. (JTA.) Der kürzlich zum Obersten Richter Palästinas ernannte H. H. T r u s t e d tritt am 1. Dezember sein Amt an. Der. neue Generalstaatsanwalfc Palästinas, W. J. Fitzgerald, wird in den ersten Tagen des Jänners in Palästina eintreffen. Fünf Tote bei Sturmflut in Palästina Jerusalem, 27. November. (JTA.) Im Verlaufe des Mittwoch und Donnerstag haben sich in vielen Teilen Palästinas Unwetterkatastrophen ereignet. Große Sturmfluten und Wolkenibrüche richteten schwere Verwüstungen an. Das Unwetter hat sogar einige Todesopfer gefordert. Fünf Personen kamen ums Leben. In Tel-Aviv wurde ein aus der Schule kommender jüdischer Knabe durch einen infolge der Überflutung einstürzenden Betonzaun verschüttet und fand dabei den Tod. In Jaffa, Tel-Aviv und Jerusalem stehen zahlreiche Straßen unter Wasser. Die gefährdeten Gebäude wurden evakuiert. Abdullahs Mißerfolg Jerusalem, 29. November. Emir Abdullah weilte einige Jage in Jerusalem und versuchte, die arabischen Nationalisten von ihrem Boykott der Königlichen Kommtesiohn abzubringen. E® hat aber den Anschein, als habe dieser Versuch mit einem Mißerfolg geendet, denn der Emir verließ Jerusalem vor der für die Abreise angesetzten Zeit. Besonders auffallend ist es, daß er die Stadt einige Stunden vor der Rückkehr des High Comniissionetts, der auf einer Reise im Norden des Landes war, verließ. Eg ist noch völlig unklar, ob or vor der Kommission erscheinen wird. Das alte Jaffa soll verschwinden Tel-Aviv, 29. November. Vor einigen Tagen fand unter dem Vorsitz des Gouverneure von Jaffa oine Konferenz statt, in der über das Schicksal der durch die Sprengungen während der Unruhen beschädigten Häuser von Jaffa gesprochen wurde. Es handelt sich um siebzig bis achtzig Häuser, deren Zustand eine Lebensgefahr für die Inwohner wie auch für die Passanten bedeutet. Da aber die Häuser der Aistadt von Jaffa derartig Zusammenhängen, daß eine Seltönrnauer stots gleichzeitig die Seitenmauer des nächsten Hauses bildet, wird kaum otwaa anderes übrig bleiben, als den größten Teil der alten Btadt abzureißem Wilna, 26. November. (JTA.) i Die letzten pogromartigen Aueschreitun-1 gen in Wilna, die sich an die Aktion der j nationaldemokratischen Studenten auf Schaffung von „G h o t, t o - B ä n k e n“ für jüdische IlochschUlor anschlossen, haben die jüdische Bevölkerung in einen Zustand tiefster Erregung und Trauer versetzt. Viele Juden, unter ihnen Greise, Frauen und Kinder, wurden erheblich verletzt, so daß das Haus der Jüdischen Gemeinde in ein Hospital zur Aufnahme der Verletzten umgewandelt werden mußte. Eine Abordnung der Wilnacr Jüdischen Gemeinde klagte beim Wojwoden über mangelnden Schutz seitens der Polizei. Der Wojwode gab dem Starosta den Befehl, eine Untersuchung über die Haltung der Polizeiorgane durchzuführen und die Schuldigen zur Verantwortung zu ziehen. Die \ Polizei befahl den jüdischen Geschäftsleuten, die Geschäfte geschlossen zu halten, bis die Ruhe wieder eingetreten sei. Auch die jüdischen Theater, Restaurants und Kaffeehäuser sind geschlossen. Warschau, 26. November. (JTA.) Dio Warschauer Universität ist weiterhin von einigen hundert nationalistischen Studenten besetzt. Im Laufe der Nacht kam es zu einer Rauferei, bei der drei Personen verletzt wurden. Polizeiabteilimgen halten Wache bei der Universität und den anderen Warschauer Hochschulgebäuden. Da die nationalistischen Studenten trotz Ultimatum® des Rektors die Besetzung des Universitätsgebäudes aufrecht erhielten, begann die Polizei mit der Räumung, desselben». Der Rektor veröffentlichte eine Kundmachung,-in welcher mitgeteilt wird, daß auf Grund einer Anordnung des Unterrichtsministers die Universität zeitweise gesperrt wird und die Studenten, welche das Universitätsgebäude okkupiert haben, aller akademischen Rechte verlustig gehen. In den Abendstunden versuchten große Gruppen nationalistischer Hochschüler in den Straßen Warschaus antisemitische Demonstrationen zu veranstalten, sie wurden jedoch von der Polizei mit Hilfe der geöffneten W asserhydranten zerstreut. Die Demonstranten hatten aber noch Zeit-, an zahlreichen jüdischen Geschäften die Auslagenfenster einzuschlagen. In der Handelshochschule Wawel b e r g, die ihr Entstehen einem j ii d isehen Stifter verdankt, wurden die jüdischen Studenten von ihren christlichen Kollegen während des Unterrichts überfallen, barbarisch geschlagen und aus dem Warschau, 27. November. (JTA.) Eine Sitzung der Repräsentantenversammlung der Warschauer Jüdischen Gemeinde, die einberufen worden war, um das Präsidium der Versammlung zu wählen, ist von dem anwesenden Anfsichtsbeamten der Regierung aufgelöst worden. Zum Vorsitzenden der Versammlung wurde der Agudiet Trokenh o i m gewählt. Nach Vornahme dieser Wahl wollte die Versammlung entsprechend vorliegenden Anträgen zu dem Urteil des Eine Abordnung der jüdischen Studentenschaft übergab dem Rektor Professor Jakowicki ein Memorandum, in welchem erklärt! wird, die jüdischen Studenten werden sich als gleichberechtigte Bürger Polens niemals darein finden, auf Ghetto-Bänke gedrängt zu werden. Der Rektor erwiderte, falls die jüdischen Studenten nicht Mäßigung zeigen, könnten folgende Eventualitäten eintreten: 1. Er, der Rektor, trete zurück und es komme ein Nationaldemokrat an seine Stelle, der die Ghetto-Bänke ab ein Definitivum einführe; 2. es beginnen neue Einschreibungen an der Universität, die noch strenger sein werden als die früheren; 3. die Regierung schließt die Universität auf die Dauer. An der Bestattung des während des Pogroms getöteten jüdischen Arztes | B a r u c h (Bruch) nahmen unbeschadet der unruhigen Stimmung viele tausende Juden teil. Die Polizei zwingt alle Wohnungs- und Ladeninhaber, denen die Fenster eingeschlagen wurden, zur sofortigen Vornahme der Renovierungen. Gebäude hinausgeworfen. Vier jüdische Hochschüler wurden von der Rettungsgeeellschaft verbunden. Die Hochschule wurde geschlossen. Ähnliche Vorgänge spielten eich an der Akademie für Politische Wissenschaften ab, die ebenfallß geschlossen wurde. * Krakau, 26. November. (JTA.) An allen Fakultäten der Krakauer Universität kam es zu schweren antijüdischen Exzessen, als--die jüdischen Studenten sich weigerten, „G h e 11 o - B ä n k o“ einzunehmen. Zahlreiche jüdische Studenten im Physikalischen, im Chemischen und im Mathematischen Institut wurden niedergeschlagen und verletzt. Auch einige jüdische Studentinnen wurden barbarisch mißhandelt. An der juridischen Fakultät wurde der einzige zu der Vorlesung erschienene jüdische Student ein Stockwerk tief hinuntergeworfen; er blieb stark blutend und bewußtlos liegen. Eine Abordnung der jüdischen Studentenschaft intervenierte beim Rektor. An der Krakauer Universität haben die nationalistischen Hochschüler als Zeichen der Solidarität mit den Warschauer Studenten eine 24stünciige Besetzung der Universitätsgebäude proklamiert. Der Rektor hat daraufhin die Vorlesungen auf unbestimmte Zeit eingestellt. Lubliner Gerichts und zu den Unruhen in Wilna Stellung nehmen. Dies wurde von dem Aufsichtsbeamten mit der Begründung nicht zugelassen, daß die entsprechenden Anträge nicht auf der Tageeordnung stehen. Er erklärte dio Versammlung für aufgelöst. Die Vorsitzenden der Fraktionen der Repräsentantenversammlung sind zu einer Sitzung einberufen worden, um zu den Vorgängen Stellung zu nehmen. MAKKABKERFEIER Programm: des Zionistischen Landesverbandes für Österreich, seiner Bezirkssektionen und der wizo Großer Konzerthaussaa! Dionstag, 8. Dezember 1936, präzise 8 Uhr abends Dr. AlFred Werner: Prolog / Sprecher: Jehuda Ehrenkranz / Lichterzünden: Oberkantor Gerson Margolies / Der verstärkte Chor des Seitenstettentempels: Dirigent Kurt Fuchsgelb / Festrede: Dr. Oskar GrQnbaum, Präsident des Zionistischen Landesverbandes für Österreich / Igo Guttmann, Kammersänger, am Klavier Robert Walter Spitz / Prof. Joachim Stutschewsky (Cello), am Klavier Robert Walter Spitz / Jehuda Ehrenkranz, Rezitation / Kammersänger Alexander K i p n i s (Staatsoper), am Klavier Robert Walter Spitz / »Ein Volk — ein Land», oprechchor von Joachim Prinz, Ausführende: Die Mitglieder des jüdischen Kulturtheaters und 3 Jugendsprechchöre. Am Doppelklavier Lily R i e g I e r und Gideon May * Festarrangement: Jüdische Kulturstclic, I., Kai 3. göb es eine so schöne Makkabäer- Feier wie es die am 8. Dezember im Großen Konzerthaussaale sein wird. « Sichern Sie sich sofort Körten. Die Nöchfröge ist stürmisch Studentenexzesse in Warschau und Krakau Noch nie Strafe für Protest: Sitzung der Warschauer Repräsentanz aufgelöst Kurze Palästina-Nachrichten Die bei der Palästina-Eisenbahn angestellten jüdischen und arabischen Lokomotivführer haben beschlossen, einen gemeinsamen Protest gegen die Verlängerung ihrer Arbeitezeit von <18 auf 60 Stunden pro Woche cinzureichcn. * .,A1-Liwa“ erklärt, daß die Durchführung des Planes einer elektrischen Eisenbahn zwißchen Tel-Aviv und Haifa, dio durch die jüdischen Siedlungen gehen würde, den Ruin vom Jaffaer Hafen bedeutet. * Dio deutsche Kolonie Sarona hat beim High Commissioner und beim deutschen Konsul Protest gegen die Einbeziehung Saronas in den Verwaltungsbezirk Tel- Avivs eingelegt. Aus Warschau ist ein Transport von 150 Palästina-Auswanderern abgegangen. Größtenteils handelt es sich um Studenten und Studentinnen, die a.n der Hebräischen Universität in Jerusalem und auf dem Technikum in Haifa ihre Studien aufnehmen wollen. Juda Makkabäus — Horst Wessel Frankfurt a. M., 29. November. (JTA.) Wie bereit« gemeldet, hat der Schriftsteller Hermann Burte auf Anregung der NS-Kulturgemeinde zur Musik des Iländelschen Oratoriums „J u d a M a k k a b ä u s“ einen neuen, die nationalsozialistischen Kämpfer verherrlichenden Text geschrieben. Er ist den Gefallenen des Weltkrieges gewidmet und trägt den Titel „Held und Friedenswerk“. s * Das übersteigt wirklich schon alles, was man selbst von Nationalsozialisten erwarten konnte. Händel hat sich an den historischen Heldentaten der Makkabäer zu einem gewaltigen Musikwerk begeistert. Das wird jetzt vom Nationalsozialismus glatt gestohlen und sie machen aus Juda Makkabäus — Horst Wessel. Darüber kann man eich fast nicht mehr ärgern. Verachtung: das ist dae Gefühl, das nach dem ersten Staunen über diesen neuesten nationalsozialistischen Dreh übrigbleibt. JC&(*d'C4A$l& ü>, lAtfoßlC' bestätigen, daß die denkbar beste Wirkung erzielt wird durch Diana-F.ranzbranntwein. Anwendung: Aeußerlich zu Einreibungen, Umschläf gen, Abwaschungen; Inner» M lieh als Mund* und Gurgel- ■ tä wasser; ferner zu vei schient denen anderen Zwecken. a Ein Versuch überzeugt, ■ kaufen Sie heute noch r^^rtdtlCL FRANZBRANNTWEINmitMENTHOl Für Mifal Bizaron Ate Auftakt zur Mifal-Bizaron-Aktion im VII. Bezirke sprach im Rahmen eines Vortragsabends der WIZO Neubau Herr Direktor George B i s c h o f f über dio derzeitige Lage in Erez Israel. , In gewohnter plastischer Form legte cler verdienstvolle Vorkämpfer für den Aufbaufonds Palästinas die Notwendigkeit dar, den Jischuw zu stärken und seine Positionen auszubauen und zu befestigen, um ihn gegen künftige Angriffe zu sichern. Er hob die Tatsache hervor, daß bei den letzten Unruhen diejenigen jüdischen Siedlungen, die geschlossene Flächen umfassen, von den Arabern gemieden wurden, da sie hier einen stärkeren Widerstand befürchten mußten. Die blutigen Opfer der diesjährigen Überfälle werden nicht vergebens sein, wenn die Judenbeit in der Galuth ihre Pflicht erfüllen und die Mittel zum Ausbau und zur Sicherung des Jiuschuw in ausreichendem Maße aufbringen wird. Dio packenden Ausführungen verfehlten auch nicht ihre Wirkung auf dio Zuhörer. Unter dem Eindrücke des Vortrages wurden an Ort und Stelle namhafte Beträge für den Mifal Bizaron Uwitachon gezeichnet und sämtliche anwesenden Damen stellten sich bereitwillig und freudig in den Dienst der von der Gruppenlelfceriu Frau Marga Groß initiierten Sammelaktion,

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