Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 598 (20.11.1936)
- Date
- 1936-11-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 598 Wien, Freitag, 20. November 1936 6. Kislew 5697 io. Jahrgang ^Stimme JÜDISCHE ZEITUNG FRANCHOT TONE ■ JOSEPH CALLEIA iSSPRSSm MAD6E EVANS KREUZ Francopol':. Polen Nächste Abfahrten : 22. XI. und 22. XII. Rückfahrten : 8. XII. 1936, 7.1.1937. Sonderzug BERLIN 22. XII.—7.1. S 80* — tour-retour Poln. Verkehisbüro „Francopol“ _ III., Sehwarzenbergplatz 7, Tel. U 16-4-90 „Cedok“, I., Kärntnerstraße 32, Tel. R 23-4-88 GerngroB, VII., Mariahllferstr. 42, Tel. B 38-2-68 Palästina-Konferenz der luden Deutschlands Berlin, 17* November. (JTA.) Am 15« November Sand in Berlin die Palästina-Konferenz der Juden in Deutschland statt, die von den Mitgliedern des Administrative Gomitee und des Council der Jewish Agency in Deutschland, vom Präsidium des Keren Hajessod und der Zionistischen Vereinigung für Deutschland einberufen worden war. An der Tagung nahmen etwa 200 Delegierte, und sehr viele Gäste teil. Als Vertreterin der Exekutive der Jewish Agency war Mrs. Rebecca S i e f f, London, anwesend« Die Verteilung derZertif ikate Jerusalem, 16. November. (JTA.) Von den 1800 Zertifikaten der neuen Ginwanderungsschedule sind bekanntlich 300 für Einwanderer der Kapitalistenkategorie aus Deutschland be stimmt, die bereits im Lande leben, aber bisher das erforderliche Mindestkapital von je 1000 .Pfund noch nicht transferieren konnten. Von den restlichen 1500 Zertifikaten sollen, wie die JTA. erfährt, 200 als Reserve von der Regierung einbehalten werden. Die übrigen werden nach folgendem Schlüssel verteilt: 250 Zertifikate für landwirtschaftliche und 50 für industrielle Fachleute, 750 für Chaluzim und Handwerker, und 250 für Angehörige von Palästina-Einwohnern. Die Hälfte der 1300 freien Zertifikate soll sofort, die übrigen 650 sollen im Jänner ausgegeben werden. 70 Prozent dieser Zertifikate sind für unverheiratete Männer, 10 Prozent für unverheiratete Frauen und 20 Prozent für Familien bestimmt. biq^emi //ORBIS//-Sonderf ah rt nach MLEIMälBM ABFAHRT: 22. DEZEMBER 1936 Anmeldungen: Poln. Reisebüro „ORBIS“ I.. KfirntnerstrsBe 41 W 21-6-78 .BI8ERREICHIKHES VERKEHRSBURO l^frlmtrlchstraßa 7, B 27-500, J* Graben 20, U 29-0-35 Ein Auswanderungsplan Melchetts London, 16, November. (JTA.)' Lord Melchett veröffentlicht im „Spectator“ einen Aufsatz, in dem er einen großzügigen Auswanderungsplan zur Lösung der Judenfrage in Mittel- und Osteuropa entwickelt. Lord Melchett schlägt vor, daß jährlich 35.000 junge Juden im Alter von 18 oder 19 Jahren aus Polen auswandern sollen. Dadurch.würde im Laufe von 20 Jahren die Zahl der Juden in Polen um die Hälfte verringert werden. Wenn in diesen Plan auch Deutschland, Österreich, die Tschechoslowakei und Rumänien einbezogen werden, so würden jährlich-60.000 bis 70.000 junge Juden.nach Palästina kommen, wodurch die Lösung der Judenfrage ‘ in diesen Ländern nur noch ein einfaches mathematisches Problem darstellen würde. Eine solche zionistische Lösung sei das einzige Mittel, um zu verhindern, daß die jüdische Jugend vollkommen verelendet und durch den Antisemitismus in radikal-politische Lager abgedrängt werde.. Der Verfasser fordert eine Konvention der europäischen Mächto zur Lösung der Judenfrage, dio sonst verhängnisvolle Formen annehmen müßte. Die von der Konferenz einstimmig angenommene Entschließung lautet: Die. Palästina-Konferenz der Juden in Deutschland, die am Sonntag, den 15. November 1936, in Berlin unter Beteiligung der Reichsvertretung der Juden in Deutschland, der jüdischen Landesverbände und Gemeinden, der großen Organisationen sowie zahlreicher Delegierter aus vielen Städten des Reiches zusammengekommen ist, begrüßt die Resolution, die die Reichsvertretung der Juden in Deutschland auf ihrer Sitzung in Frankfurt am Main am 2. November 1936 gefaßt hat. Die Konferenz bekennt sich zu der Überzeugung, daß es die Pflicht der Judenheit in Deutschland ist, durch solidarischen Einsatz aller ihrer Kräfte den Anspruch zu erhärten, den sie, gemeinsam mit der jüdischen Gemeinschaft in allen Ländern, auf unbeschränkte Fort- Für Mifal Bizzaron Setzung des Aufbauwerkes in Palästina erhebt, . Das Zionistische Äktions-Oomitd in Zürich1 und das Administrative Committee der Jewish Agency for Palestine in London haben das jüdische Volk aufgerufen, zur Sicherung, Festigung und Erweiterung .des Palästinawerkes über das normale, zur Fortführung der regelmäßigen Aufbauarbeit bestimmte Jahresbudget hinaus in kürzester Frist einen Sonderfonds „Mifal Bizzaron u’Witachon“ von 300.000 Pfund zu schaffen. In Deutschland wird die diesjährige Arbeit des Keren Hajessod für Ansiedlung von Juden in Palästina mit dem „Mifal Bizzaron u’W i t a c h o n“ verbunden. Die Palästina-Konferenz der Juden in Deutschland ist gewiß, daß die jüdische Gemeinschaft in Deutschland in entsch.eidungsvoller Stunde einmütig und geschlossen dem an eie ergangenen Rufe folgen wird.. Weizmann an die luden Deutschlands Der Präsident der Jewish Agency und der Zionistischen Organisation, Dr. Chaini Weizmann, richtete an die Konferenz folgendes Schreiben: Die Mitteilung von Ihrer Tagung erreicht mich auf der Reise nach Erez.Israel. Was ich im allgemeinen zur jüdischen Öffentlichkeit sagen kann und sagen soll, habe ich in diesen Tagen zu Schweizer Juden gesprochen, die sich im Zeichen des „Mifal Bizzaron“ zusammengefunden haben. Was ich im Namen der Zionistischen Organisation, der Jewish Agency, des jüdischen Volkes zur nicht jüdischen Welt — an die Adresse der Mandatarmacht und der Araber — zu sagen habe, werde ich vor der Königlichen Untersuchungskommission aussprechen., . Aber Euch, den Juden in Deutschland, kann und soll ich vielleicht ein besonderes Wort sagen. Nicht um Euch zu stärken und zu ermutigen, nicht um zu beruhigen oder zu mahnen. .,Ihr alle seid von dem unüberhörbaren ^‘Ruf der Geschichte zu, Bewußtsein und Wachsein, zum Hören und zum Tun geweckt worden. Wenn ich zu den Juden in Deutschland spreche,' will ich nur eines sagen: Wenn Ihr verlangt, daß das jüdische Volk Euer gedenkt in Euren schweren Stunden, gedenket des jüdischen Volkes, wenn es sich zu bewähren hat. Durch die Quantität und durch die Qualität seiner Leistung vermag der Jude in Deutschland die Waagschale zu senken, in der jüdisches Geschick gewo genwird, Ich gehe auch in Eurem Namen an eine schwere Aufgabe. Helft mir, sie zu erfüllen; es Ist auch Euer Schicksal, Eure Zukunft, um die wir kämpfen, für die wir arbeiten und eintreten. Ich grüße alle Juden, die in Eurer Tagung vertreten sind. Die Stimme der Judenhelt In Deutschland ... VII , KAISERSTRASSE 123 * IX., ALSERSTRASSE 6 Neue jfidische Schiffe Jerusalem, 18. November. Zwei weitere jüdische Dampfer werden demnächst den Dienet zwischen Tel-Aviv und ägyptischen Häfen aufnehmen. Die Konferenz sandte an.Dr. Weizmann folgendes von Dr. B a e c k Unterzeichnete Danktelegramm: „Die Palästinakonferenz der Juden in Deutschland, in der Reichsvertretung, Landesverbände und zahlreiche Gemeinden und alle zentralen jüdischen Organisationen vertreten sind, entbietet Ihnen und der Exekutive der Jewish Agency ihre brüderlichen Grüße. Sie versichert Sie ihres vollen Vertrauens und bittet Sie, auch die Stimme der Judenheit in Deutschland he! der Verteidigung der Rechte des jüdischen Volkes auf Einwanderung und friedlichen Aufbau Erez Israels zu Gehör zu bringen. Die Erfüllung der feierlichen Versprechungen der Balfour-Deklaration und des Palästina-Mandats sind auch für dio Juden in Deutschland eine Lebensfrage, an der eine von Gerechtigkeit geleitete Untersuchung nicht Vorbeigehen darf.“ Der Präsident der Reichsvertretung der Juden in Deutschland, Rabb. Dr. Baeck, verlas die folgende von der Reichsver- B | ♦ |A|ft jjlfli Jim Jeden Samstag, Sonnu. Feiertag: W3l wB Konzert, Tanz und Stimmungsmusik Kapelle ISY GEIGER (Hinter dem Deutschen Volkstheater) Beginn 8 Uhr abends Bürgerl. Preise tretung auf ihrer Sitzung in Frankfurt am Main angenommene Botschaft; Dio Reichsvertretung als Gesamtvertretung der Juden in Deutschland erneuert im Einklang mit der in ihrer programmatischen Kundgebung vom 22. September 1935 abgegebenen Erklärung ihr Bekenntnis zum Palästinaaüfbau und zu den Pflichten, die das große Werk jüdischer Erneuerung im Lande der Väter allen jüdischen Gemeinschaften auferlegt. Das jüdische Aufbauwerk in Erez Israel hat der schweren Belastung, die Streik und Terror sechs Monate ihm auferlegt haben, ungeachtet aller schweren Opfer mit bewundernswerter Disziplin und Zurückhaltung standgehalten. Jetzt, da unsere Brüder und. Schwestern zum friedlichen Werke des Pflanzens und Bauens zurückkehren, tritt die Auseinandersetzung um unser Recht auf die Nationale Heimstätte in Erez Israel in einen neuen Abschnitt ein. Vor der Royal Commission wird die Leitung der Jewish Agency for Paleetine den Anspruch vertreten, den Balfour- Deklaration und Völkerbundmandat feierlich anerkannt haben. Für 35.000 Juden aus Deutschland ist Palästina zur neuen Heimat geworden, weitere Tausende rüsten zum Aufbruch. Die jüdische Gemeinschaft in Deutschland spricht durch die Reichsvertretung die Erwartung aus, daß das Ergebnis der Untersuchung der Royal Commission der Mftndatsregierung die uneingeschränkte Fortsetzung von Einwanderung und Aufbau und die volle Verwirklichung der Balfour-Deklaration und des Palästinamandats ermöglichen wird. BbequemeWellinachtssonderfahrtnaoii Polen um Czermitz Abfahrt: 22. Dezember 1936 mit der „Czernowitzer Allgemeinen Zeitungu Anmeldungen ausschließlich: Reisebüro „Marlenbrücke" I., Rotenturmstraße 26 Telephon R 24-2-86/87 Die Konferenz stand unter dem Vorsitz des Präsidenten des Keren Hajessod in Deutschland und der Reichsvertretung der Juden Rabbiner Dr. Leo Baeck. In seiner Eröffnungsansprache gab Dr. Baeck eine Deutung der Worte „Bizzaron“ und „B i t a c h o n“. Bizzaron — Festigung — komme nur einmal in der Bibel vor, in dem Prophetenbuch Secharja, der es in einer Zeit der Heimkehr gesprochen hat. Rück-: kehr sei auch das Programm dieser Tagung*' So manches Jahrzehnt hatten wir die Ge-; wißheit verloren, heute ist sie uns wieder-? gegeben.. Wer sie bisher nicht hatte, dermüßte sie durch die letzten Monate: erhalten - haben. Wir Juden sind - die Menschen, die unlösbar verbunden sind mit der Hoffnung, mit dem Bitachon, dem( Vertrauen. Hiervon spreche ein Satz des' Kabelet: „Wer zum ganzen Leben erwählt , ist,- für den ist immer Vertrauen da.“ Der Chefredakteur der „Jüdischen Rundschau“, Dr. Robert W e 11 s c h, hielt ein ’ etwa zweistündiges Referat über Probleme der Palästina-Politik. Er erörterte den Aufgabenbereich der Königliche^ Kommission, ■ die jetzt in das Land gekommen ist, und; ihren Charakter als beratende und vorbereitende, nicht aber alsentscheidende Körperschaft* Das Palästina-Problem sei heute überhaupt, anders zu betrachten als früher. Palästina . erfahre die grundlegende Veränderung des gesamten Mittelmeerproblems und die Ände*; rung in den Anschauungen der Welt, die eine neue Betrachtungsweise erfordern, Wir verzichten nie Mrs. Rebecca S i e f f gab in ihrer, eng« , lisch gehaltenen Ansprache im Zusammenhang mit dem Mifal Bizzaron eine Übersicht über die verschiedenen Fonds: den Prepo«. ration Fonds im Weltkriege, den Restauration Fonds nach dem Kriege und den Keren Hajessod. Die nationalen Fonds haben die Basis geschaffen, auf der der Jischuw bauen könne. Heute komme der Aufruf zu einem neuen nationalen Fonds, um die Tore Palästinas offen zu halten. Es sei nötig, daß wir durch eine Manifestation unserer tiefen Überzeugung dafür Ausdruck geben, daß weder die Bluttaten der Araber noch etwas anderes uns davon abhalten werde, an den Fundamenten des Mandats f e s t z uh alten. Es könnten, so sagte sie, Kompromisse kommen. Es könnte auch Konzessionen geben, dio uns aufgezwungen werden. Es wäre ein schicksalsschwerer -Irrtum,, die - arabische Nationalbewegung gering einzuschätzen. Es folgte eine Aussprache, an der sich insbesondere Rabbiner Dr. Hoffmann-Frankfurt am Main, Dr. Friedrich Brodnitz, Rabbiner Dr. Hahn-Essen u. v. a. beteiligten. Sodann gaben die Vertreter jüdischer Zentralorganisationen, der Landesverbände uud Großgemeinden Erklärungen ab, in denen sie bekundeten, sich nachdrücklich für die Aktion des Mifal Bizzaron u’Witachon ein« zusetzen.