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Die Stimme · 1936-11-13 · Heft 596 (13.11.1936) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 596 (13.11.1936)
Date
1936-11-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr* 596 Wien, Freitag, 13. November 1936 38. Cheschwan 5697 10. Jahrgang 5Stimme JÜDISCHE ZEITUNG FroneopoiaiPolen Nächste Abfahrten: 8., 22. XI. und 22. XII. Sonderzug BERLIN 22. XII.—7.1. S 80* — tour-retour Pein. Verkehrsbtlro „Francopol“ III., Schwarzenbergplatz 7, Tel. U 16-4-90 „Codok'S I., Kärntnerstraße 32, Tel. R 23-4-88 Oerrigroft, VII., Mariahllferstr. 42, Tel. B 38-2-68 Der Sieg der Idee „Ihr Zionisten habt es gut. Ftir euch agitierten die ganze Jugend und viele Erwachsene gratis. Wir Unionisten aber müssen jeden Agitator bezahlen.“ Das sagte am Wahltag ein biederer Unionist einem Zionisten. Der gute Mann hat da aus der Schule geplaudert. Hat er doch einbekannt, daß die Unionisten keine Jugend haben und keine Erwachsenen, die aus purem Idealismus von Tür zu Tür gehen, um Wühler zu werben. Alles mußte bezahlt werden. Die Agenten, die den Wählern Propagandamaterial brachten und sich von leichtgläubigen Menschen „der Ordnung halber“ eine vorgeschriebene Empfangsbestätigung unterschreiben ließen, die sich bei näherer Lektüre als Befürwortung der „Union-Liste“ entpuppte. Bezahlt mußten auch die Zettelverteiler und Bureaukräfte werden. Aber hätt' man's nicht, so tät’ man’s nicht. Ja, die Unionisten hatten Geld für die Wahlkampagne, viel Geld. Herr Dr. Oppenheim hat seine Beziehungen. Da gibt es, um nur einige -Typen zu nennen, Noch- und Auch-Juden, d:eren gesamte Familie einschließlich der1 eigenen Kinder getauft sind. Solche Men- Bchen geben Geld, wenn es sich darum handelt, eine Organisation wie die „Union“ zu unterstützen, die 50 Jahre Praxis darin hat, wie man sich politisch tarnt. Dann gibt es Menschen, die glauben, daß sie sich bei den Zionisten revanchieren müssen, weil sie ihren Kindern ein Zertifikat für Palästina verschafft haben. Wie revanchiert man sich da? Man agitiert für die „Union“ und unterstützt sie mit Geld, dieselbe antizionistische „Union“, die Palästina als ein arabisches Land bezeichnet und gegen die Zionisten in Palästina und in der Galuth einen abscheulichen Kampf führt. Eine sonderbare Gesellschaft hat sich da unter Führung der Herren Dr. Oppenheim und Dr. Ticho gefunden. Sie glaubte, man könne eich für Geld alles kaufen, auch einen Wahlsieg. Nun, die Herren haben sich gründlich verrechnet. Und als im Zentralwahlbureau der „Union“ nach Beendigung der Wahl die ersten Teilresultate bekannt wurden, da wurden die Gesichter lang und länger, Und als die letzten Resultate jede Hoffnung auf die „guten Bezirke“ begruben, da mußten auch die Wahlmacher der „Union“ einsehen, daß man mit Geld allein keinen Sieg erringen kann. Auch nicht mit Denunziationen und Verleumdungen. Das ist die Lehre aus diesem abscheulichen Wahlkampf. Man muß aber dafür sorgen, daß keine mandatslüsterne Gruppe in Zui kunft jemals wieder die Möglichkeit hat, die Methoden der „Union“ nachzuahmen, die Methoden der Verna derung und der Verleumdung ehrlicher politischer Gegner. Das drohende politische Gangstertum muß im Keime erstickt werden, soll das österreichische Judentum nicht demoralisiert und eine leichte Beute des Antisemitismus werden. Das ist die Kardinalforderung aller anständigen Menschen. Um ihr zum Durchbruch zu verhelfen, genügen nicht. platonische Verurteilungen der Unterzeichner der schmählichen Aufeichtsbesehwerde und ihrer Hintermänner. Mit Sittensprüchlein reinigt man nicht eine politisch verpestete Atmosphäre. Beschwiohtigungshofräte, die da meinen, die Wahl sei ja vorbei und alles möge vergeben und vergessen sein, erweisen der Judenschaft einen schlechten Dienst. Lebensgefährliche Bazillen verlieren nicht ihren Giftstoff, wenn man über sie salbungsvolle Reden hält. Anpöbelungen, Denunziationen und Verleumdungen wurden diesmal nicht nur im Wahlkampf gebraucht. Mit diesen verwerflichen Mitteln haben die Unionisten schon vor dem Wahlkampf begannen. Sie haben diese Methoden während des Wahlkampfes bis zum Paroxysmus, zur Freude aller Antisemiten gesteigert. Hier liegt eine ungeheure Gefahr. Diese schändlichen und bisher nicht dagewesenen üblen Praktiken werden erst dann verschwinden, wenn sich auch die jüdische Öffentlichkeit von der Meinung befreit haben wird, daß im Wahlkampf oder überhaupt bei politisohenAuseinandersetzungen alles erlaubt ist. Die jüdische Öffentlichkeit muß für Schurkenstreiche, die in Wahlzeiten begangen wurden, die gleiche Ablehnung aussprechen, wie sonst im bürgerlichen Leben und außerhalb der Wahlen. Jede schlechte Sache bringt aber auch etwas gutes mit sich und so werden vielleicht die schändlichen Wahlmethoden der „Union“ dazu beigetragen haben, eine Öffentliche jüdische Meinung zu schaffen, I die sich dazu bekennt, in, der Moral keine Unterschiede zwischen Wahlzeiten und ani deren Zeiten zu machen. Die starke Zunahme der zionistischen Stimmen und die Erreichung der absoluten Majorität durch die Zionisten spricht eine deutliche Sprache. Das jüdische Wien ist in seiner Majorität zionistisch und die zionistische Mehrheit wächst seit der Wahl von Tag zu Tag. Die Anmeldungen neuer Mitglieder laufen unausgesetzt beim Zionistischen Landesverband ein. Jeder Jude und jede Jüdin, die zu uns kommen, vermehren die Zahl derer, die für eine Entfernung derer aus der jüdischen Öffentlichkeit eintreten, die an der Vergiftung der politischen Atmosphäre Schuld tragen. Das war die gute Seite dieses Wahlkampfes. Das genügt aber noch lange nicht. Die politische Atmosphäre bleibt weiter verpestet und sie muß gründlich gereinigt werden. Die Wählerschaft, die von der „Union“ leichtfertigerweise herausgefordert wurde, hat ihr Urteil gegen die „Union“ gefällt. Noch harrt aber das Urteil der Vollstreckung. Die Schuldigen müssen aus dem öffentlichen jüdischen Leben eliminiert werden. Es muß für alle Zukunft in das Bewußtsein jedes Juden übergehen, daß Programmlosigkeit durch Geldaufwand nicht wettgemacht werden kann, daß Anpöbelungen mit Verachtung und Denunziationen mit gesellschaftlicher Ächtung bestraft werden. Alle Gutgesinnten ohne Ansehung ihrer politischen Richtung müssen sich zusammenschließen, um diese Grundsätze dauernd in der öffentlichen jüdischen Meinung zu ver- Orig. engl, und franz. “:Tu(hhaus Tabak I., Salzgries 5 Herbst-Neuheiten für Damen-’ und Herren ZeitgemäB billigt An alle Wähler und Mitarbeiter! Nach dem großen zionistischen Wahlsieg! Am 8. November hat die Sache des volkstreuen Judentums, die zionistische Sache, einen herrlichen Sieg errungen. Der weitaus überwiegende Teil der Wiener Judenschaft hat dafür entschieden, daß die Judengemeinde Wien im Geiste ihres großen Sohnes, des Volksbefreiers Theodor Herzl geleitet werden soll. Dank gebührt der Wählerschaft, welche unbeirrt durch eine mit Aufwand ungeheurer Mittel und hemmungslos arbeitenden Gegenagitation zur Urne ging, um jüdisch im wahrsten Sinne des Wortes, um zionistisch zu wählen. Dank gebührt vor allem unserer prächtigen jüdischen Jugend und den vielen Männern und Frauen, welche wochenlang in selbstloser Hingabe für die gute jüdische Sache gewirkt, am Tage der Wahl in hervorragender Weise gearbeitet und ihr Letztes an Kraft und Begeisterung hergegeben haben. Ja, ihr Letztes an Kraft und Begeisterung mußten sie hergeben, denn sonst hätte die gerechte Sache nicht durchdringen können. Es galt einen Wahlkampf zu bestehen, wie er vordem nie geführt worden ist. Gewissenlose Elemente hatten diesmal auf der Gegenseite Oberhand gewonnen und die Auseinandersetzung zwischen den wahlwerbenden Parteien in eine wüste Hetze ausarten lassen. Die Führer der „Union österreichischer Juden“ haben mit vergifteten Waffen gekämpft: Denunziationen gefährlichster Art, Lügen, gefälschte Unterschriften, Schauermärchen und persönliche Verunglimpfung lang erprobter Ehrenmänner, welche sich um die jüdische Sache größte Verdienste erworben haben. Hunderte bezahlte Agitatoren haben sie auf die, an solche Methoden nicht gewöhnte Wählerschaft losgelassen, um sie durch Lügen zu verwirren und mit erfundenen Gerüchten zu ängstigen. Vor der Wahl verging kein Tag, an dem nicht das jüdische Wien mit Flugschriften unsauberster Art überflutet worden wäre. Schaudernd und angewidert erlebte die Wiener Judenschaft dieses Schauspiel und die Antisemiten hatten ihre helle Freude daran. All diesen Manövern hat eine herrliche jüdische Jugend, haben die Wählerschaft und all die wackeren Männer und Frauen, welche für die zionistische Sache aufopferungsvoll arbeiteten und kämpften, standhalten müssen. Sie haben nicht nur den Sieg der guten jüdischen Sache gesichert, sondern sie haben, davon sind wir überzeugt, eine Wiederholung solcher Kämpfe unmöglich gemacht. Dafür sei ihnen aus vollem Herzen Dank gesagt. Die Wählleitung der Zionistischen Liste Cafe Weghuber (Hinter dem Deutschen Volkstheater) Jeden Samstag, Sonnu. Feiertag Konzert, Tanz und Stimmungsmusik Kapelle ISY GEIGER Beginn 8 Uhr abends Bürgerl. Preise bÄ*mJ „ORBI$"-Sonderfahrt nach POLEHSMIBESLIH ABFAHRT: SS. DEZEMBER 193« Anmeldungen: Poln. R.InebUro ..ORBIS** •, Klrntna'strafla *1 OESTERREICHISCHES VERKEHRSBÜRO l Frlaifrlxlimtrafla f R I. Orahan 20. Ü 29- 0-36 ankern. Der zionistische Wahlsieg gegen dio Geldsäcke und Verleumdungsspritzen beweist, daß wir Zionisten auf dem richtigen Wege sind. Wir werden diesen Weg der ruhigen und sachlichen Arbeit unbeirrt weitergehen. Nach den Wahlen im Jahre 1932 behauptete die „Union“, der zionistische Wahlsieg sei nur eine Episode gewesen. Der Wahlsieg vom 8. November 1936 beweist aber, daß uns der Sieg nie mehr zu entreißen ist, daß die Majorität der österreichischen Juden zionistisch gesinnt ißt und zionistisch bleiben wird. Diese Erkenntnis ist weit über die Kreise der jüdischen Bevölkerung hinausgedrungen. Am Tage der Wahl, am 8. November, bevor also noch der Ausgang der Abstimmung bekannt sein konnte, schrieb die „Amtliche Wiener Zeitung“ über die „Union“, daß ihre Wähler „aue der alten liberalen Ära stammen“, daß aber auf Seite der Zionisten „die Jünger Theodor Herzle“ stehen und „was vielleicht das wichtigste in dem grundsätzlichem Kampfe ist — die Jugend, die bei allen Völkern die Zukunft bedeutet“. So sind die Rollen verteilt: Die sterbenden Überreste der politisch abgetakelten „Union“ versuchten eine letzte Rebellion gegen die zionistische Bewegung, die auf Grund einer richtigen Erkenntnis der Vergangenheit und auf Grund ihrer praktischen Erziehungsarbeit in der Galuth und ihrer großen Erfolge’ in Palästina die Gefolgschaft weiter jüdischer Kreise gefunden hat. Die mit Geld reich dotierte, mit verwerflichen Mitteln arbeitende Rebellion der „Union“ ist zusammengebrochen. Die zionistische Idee, getragen von der selbstlosen Mitarbeit der erwachsenen Zionisten und gefördert vom Elan der jüdischen Jugend, hat den Sieg errungen. Das ist die Situation, die heute für jedermann klar erkenntlich ist. Die „Union“, die häßlich gelebt hat, stirbt häßlich. Wir Zionisten aber wollen weiterkämpfen und Weiterarbeiten. Nicht nur für uns, sondern für alle Juden. Wir sind dazu legitimiert*! weil wir die erlösende Idee auf unsere Fahne geschrieben haben. Uns hat das Schicksal dazu ausersehen, das jüdische Volk in der Galuth und in Erez Israel in eine bessere Zukunft hinüberzuführen. Wir werden diesen Weg bis zum endn gültigen Siege gehen. Der neue Kultusvorstand Zionistische Liste Staatsrat Dr. Desider Friedmann, Oberbaurat i. R. Robert Stricker, Rai der Stadt Wien Rechtsanwalt Dr. Jacob Ehrlich, Rechtsanwalt Dr. Oskar Grünbaum, Präsident des zionistischen Landesverbandes; Siegfried Gr au hart, Kaufmann; Dr. Leopold Plaschkes, Rechtsanwalt; Max Schiff mann, Kaufmann; Dr. J. H. Körne r, Reisebüroinhaber; Doktor Isidor K1 a b e r, Arzt; Dr. Leo Landau, Rechtsanwaltsanwärter; Kom.-Rat Artur A1 b e r s, Kaufmann; Ing. Eugen B u c h b i nder, Stadtbaumeister; Dr. Michael Stein? berg, Kaufmann; Dr. Mendel Rosenberg, Rechtsanwalt; Dr. Nachmann F r ey, Arzt; Max Schwarz, Kaufmann; Doktor Israel Waldmann, Rechtsanwalt; Dr. Ing. Arnold Karplus, Zivilarchitekt; Rudolf Böhmer, Kaufmann. Union österreichischer Juden Regierungsrat Dr. Hermann Oppenheim; Rechtsanwalt Dr. Josef Ticho; Baurat Ing. Wilhelm Kempler; Geza Einiger, Fabrikant; Dr. Leonhard Mayer, Rechtsanwalt; Doktor Emst Feldsberg, Prokurist; Dr. Maximilian Stiglitz, Rechtsanwalt; Kommerzialrat Moriz Loitner; Fabrikant; Börserat Heinrich Popper, Prokurist; Kommerzialrat Siegmund Feldmann, Kaufmann; Jakob Weiger, Prokurist; Friedrich Feuer, Zimmermal er; Max Weiß, Installateur. Arbeitendes Palästina Dr. Saul Sokal, Rechtsanwalt; Doktor Eduard Bloch, Beamter; Salem Mayer, Kaufmann. AdolS-Stand-KIub Dr. David Kreppei,

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