Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 595 (10.11.1936)
- Date
- 1936-11-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Salt«» 6 DIB STIMME Nr. 595 — Wien, Dienstag1, 10. November 1938 Max Brod; litt födictUe DicUtec U% diesen //< Der neue, schöne VortragssaaJ des Ringes der zionistischen Altherrenverbände "wurde in der vorigen Woche mit einem Referat des Dichters Max Brod gleichsam geweiht. Brod gab zuerst einen überblick über die Lage des modernen Judentums und zeichnete die heroische Vergangenheit und Gegenwart als den Hintergrund, aus welchem sich die Stellung des jüdischen Dichters in ihrer ganzen Problematik und Schwere, mit den harten Fordeningen, die an ihn gestellt werden müssen, deutlich abhebt» Wie soll sich der in der Galuth lebende jüdische Dichter zu seinem eigenen Volke, wie zur Umwelt verhalten? Für ihn als Juden gibt ©9 ein oberstes Gebot: strenge Wahrheitsliebe, die ihn durohdringen muß, legt er an allgemein-menschliche Probleme die Hand an; begibt er sich jedoch in die Sphäre des j üdischen Geistes, dann fällt ihm überdies noch die gewaltige Aufgabe zu, diesem Geiste gerecht zu werden. Man darf jedoch vom jüdischen Dichter nicht, verlangen, daß er einzig und allein jüdische Themata behandle — es kommt niemals auf den Stoff an, sondern ausschließlich auf den Geist, aus dem ein Kunstwerk entsteht. So sind Franz Kafkas Werke im tiefsten Wesen jüdisch, obwohl niemals und nirgends von Juden und Judentum gesprochen wird, so auch Werfels Roman „Die vierzig Tage des Musa Dagh“, während sein im jüdischen Milieu wurzelndes Drama „Paulus unter den Juden“ infolge falscher Stellung des Problems: Judentum-Christentum jenem nicht, gerecht wird. Welche Maximen hat sich der jüdische Dichter, der innerhalb des deutschen, französischen, englischen, tschechischen Kulturkreises schafft, zu eigen zu machen? Es gibt wesend liehe Dinge, die er mit den Kulturträgern der Nationen, in deren Mitte er lebt, gemeinsam hat, allgemein-menschliche (Brod: primäre) Eigenschaften, die in der Tiefe der Seele verankert sind, daneben aber Besonderheiten (sekundäre Eigenschaften), in welchen sich die Juden von den anderen Völkern teilweise unterscheiden. Aus dieser Erkenntnis ergeben sich auch die Richtlinien für da« Handeln des jüdischen Schriftstellers: an der Oberfläche (in Geschmacks- und Taktfragen, insbesondere nationaler Art) sich von den anderen zu distanzieren — ha der Tiefe aber sich mit der Menschheit, über alle Rassentheorien hinweg, verbunden zu fühlen, wofür Brod den trefflichen Terminus „Distanzliebe“ geschaffen hat. Das Fingerspitzengefühl dafür, was man als Jude zu tun, als Jude zu unterlassen habe, muß in erster Linie der zionistische Schriftsteller in der Diaspora sich an eignen und zwischen den Extremen: Rückzug ins Ghetto und banale Anbiederung die stolze Mitte finden, wissend, wann er als T e i 1 n e h mer am Kulturleben der anderen eingreifen, warm er als Zuschauer respektvoll sich bescheiden soll. An Heine, dessen Persönlichkeit Brod jüngst in einem großangelegten Essay in neuer Beleuchtung dargestellt hat, zeigte der Vortragende die Wandlung des jüdischen Dichters und Denkers, der sich zu einer reinen Anschauung des Judentums emporkämpft: wie Heine, der anfangs däs Judentum als spiritualistisohe Religion abgelehnt hat, eäch auf der Matratzengruft zur Erkenntnis dnrehringt, daß das wahre Judentum gerade die Synthese von Materialismus und Spiritualismus, die Überwindung der beiden Extreme auf einer höheren Daseinsebene als Ideal aufgestellt hat — hierin seinen jüdischen Zeitgenossen weit voraneilendj wie es ja die Aufgabe jedes jüdischen Dichters ist, seinem Volke als Führer voranzugehen! Dr. Alfred Werner. Albert Einstein für den Weltkongreß New York, 8. November. (JTA.) Professor Albert Einstein hat aais Princeton, New Jersey, das folgende Schreiben an dem Präsidenten des Jüdischen Weltkongresses, Dr. Stephen S. Wise, gerichtet: „Lieber Stephen Wise! Ich fühle das aufrichtigste Bedürfnis, mein Bedauern über meine frühere negative Haltung dem Jüdischen Weltkongreß gegenüber zum Ausdruck zu bringen. Ich sehe jetzt ein, daß meine diesbezüglichen Befürchtungen unbegründet waren und daß mein Gefühl mich hier nicht richtig geleitet hatte. Der Bericht, der mir überbracht wurde, macht auf mich einen ausgezeichneten Eindruck. Es ist zu hoffen, daß sich allmählich der Kongreß zu einer politischen Repräsentanz und zum Sprachrohr der Mehrheit des Weltjudentums entwickeln wird. Ich glaube, daß ein solches Organ des Weltjudentums mehr Vorzüge als Nachteile auf weist. Schon die Tatsache, daß dieser erste Jüdische Weltkongreß mehr oder weniger wirksam war, daß er mit Würde und ohne jeglichen bedauerlichen Zwischenfall tagen konnte, zeigt die Möglichkeit, dieses Werk, das glücklicherweise mit anderen Organisationen nicht rivalisieren will, fortzusetzen. Man darf daher hoffen, daß das jüdische Volk, soweit es diesen Namen verdient, sich allmählich daran gewöhnen wird, diese Institution als sein politisches, repräsentatives Organ zu betrachten. Es ist Ihr Verdienst, lieber Dr. Wise, gewagt zu haben, diese große Aufgabe, an der ich anfangs zweifelte, in Angriff zu nehmen. Mit den herzlichsten Grüßen A. Einstein.« Einigkeit in der Berliner Gemeinde Berlin, 8. November. (JTA.) Zu der bevorstehenden Neuwahl der Repräsentantenversa.mm.lung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin hat der Gemeindevorstand einen von allen Mitgliedern des Vorstandes gezeichneten „Aufruf z u r E i n i g k e i t“ erlassen, in welchem es heißt: Am 29. November finden die Wahlen zur Repräsentantenversainmlting unserer Gemeinde statt. Wie kaum jemals zuvor, mahnt die Situation der Juden zu Einheit und Solidarität. Gemeinsam ist uns unser Geschick, verbunden. wollen wir es tragen. Die Meinungsverschiedenheiten, die uns in früheren Jahren getrennt haben, haben an Bedeutung verloren, die gemeinschaftlichen Aufgaben sind in den Vordergrund getreten. Zu gegenseitiger Hilfe und zu gegenseitigem Beistand sind wir verpflichtet. Eine Fülle von Aufgaben harrt der Lösung. Die jüdische Jugend bedarf der Hilfe und Unterweisung, der jüdische Mittelstand ringt um seine wirtschaftliche Existenz. Zehntausende jüdischer Menschen hat unsere jüdische Winterhilfe zu betreuen. Über allem aber steht die Notwendigkeit, für Tausende und Zehntausende von Juden Auswanderungsmöglichkeiten nach Palästina und überseeischen Ländern zu schaffen, neue Existenzen und Heimstätten für Juden zu bereiten. In dieser Situation wäre es verantwortungslos, einen Wahlkampf innerhalb unserer Gemeinde heraufzubeschwören. Wir legen deshalb der Gemeinde eine Einheitsliste vor, in der alle Richtungen vertreten sind. Keine hat ein Übergewicht, kein Jude soll den anderen majorisieren. In aller Eindringlichkeit und mit dem gebotenen Ernst richtet der Gemeindevorstand an alle, die es angeht, die Aufforderung, keine anderen Vorschlagslisten e»in zu reichen. Wer in dieser Stunde seine Hand zur Störung des Gemeiradefriedens bietet, verletzt die Interessen der jüdischen Gesamtheit und stört die Arbeit der Gemeinde. ist mir mehr verhaßt als Gewalt, etwas, das jedem Juden fremd ist. Um solche Pillen heranterschluoken zu können, die kein anderes Volk als das jüdische ertragen kann, muß man aber auch Taue statt Norven besitzen. Denn am wenigsten hat man Verständnis dafür, daß ein Jude ein menschenwürdiges Leben führen und wie ein Mensch behandelt sein will. Und diese Behandlung des Juden im 20. Jahrhundert, mitten im zivilisierten Europa, nimmt niemand mehr wunder. Auf diese Weise wird ma.n aus dem äußeren Chaos in ein inneres Chaos gestoßen, aus welchem man schließlich keinen Ausweg findet. Möge daraus etwas Gutes erwachsen! Ihr David Frankfurter. Ein Brief David Frankfurters Amsterdam, 8. November. (JTA.) Ein Amsterdamer Jude, der während seiner An Wesenheit in dei Schweiz David Frankfurter einige Gaben überbrachte, hat von diesem das folgende Dankschreiben erhalten: Verehrter Herr! Ihre Aufmerksamkeit hat mich gerührt, denn sie war der erste Aus druck eines mitfühlenden Herzens seit den schrecklichen Geschehnissen, als ich beschlossen hatte, alle Brücken hinter mir zu verbrennen. Wie schwer ist es in unserer Zeit, ein Mensch und gleichzeitig ein Jude zu sein, in einer Epoche, in der einzig Brutalität und Gewalt verherrlicht werden. Dies eben kenn zeichnet die Tragik meines Lebens: nichts Semmeringfahrt der „Hakoah“. Die Hakoah veranstaltet am Sonntag, den 15. November, eine Autobusfahrt auf den Semmering. Fahrpreis S 0.50, Abfahrt 7 Uhr früh, Reisebüro Universal (Hotel Bristol). Anmeldungen Telephon R 27-1-14. Bei günstigen Schnee Verhältnissen Tourenführungen. Hasmonea-Makkabi veranstaltet Samstag, den 14. d., um 9 Uhr, im Goldenen Saal des Cafe Silier einen Gesellschaftsabend mit erstklassiger Akademie und Tanz. Das Programm besorgen: Frl. Trude Rott, die Herren Josef Baar, Bela Lenard, Eugen. Hoifmann. Musik: Jazzkapello The Elite Kiddies. Das Arrangement hat Josef Eisenmayer inne. Gäste willkommen! Karten im Vorverkauf bei allen Leb ungsmitgliedera. KINOPROGRAM HE Vom 10. bis 12. November BURG-KINO Uraufführung Irene Dunney Paul Robeson in „SHOW-BOAT" (Version 1936) Beginn: 7*4, 7*6, 7,8, 7*10 Uhr. ELITE-KINO Uraufführung Charles Laughtonv Clark Gable in .Meuterei auf der Bounty' Beginn: 7*3, 7*5, 7*7, 9 Uhr. IMPERIAL-KINO!., Botenturmstraße 19 Telephon : U 22-1-12 Uraufführung Irene Dünne« Paul Robeson in „SHOW-BOAT“ (Version 1936) Beginn : 7*4. l/*6. 7*8, 7*10 Uhr R0TEHTURM Uraufführung Paul Muni in „Erbfeind der Menschheit" (Louis Pasteur) Beginn: 4. 7*6. 1 »8, %10 Uhr KRYST ALL-KINO Prater, atraBe das i Mai Nr. 40 Telephon H 48-2-78 Uraufführung für den Prater Miriam Hopkins« Merle Oberon* Joel MacCrea in „IV IR DREI« Wochentags: 8,7,8 Uhr. 8onnu. Feiertage: 7*4, 7,8,7*8,7*10Uhr LEOPOLDSTÄDTER¬ VOLKSKINO "ÄTä Telephon R 49-0-23 Wochentags: V»0, 7*8, 7*10 Uhr Sonntags und Feiertage ab 7»4 Uhr KREUZ-KINO feftfÄS Uraufführung Chester Morris In „BLUTIGES GELD“ Beginn: 4, 7*6, 7a8, 7*10 Uhr KINO KERN int Prater Dir. Kern & Perlmann Telephon R 40-0-40 Erstu. Alleinauffiihrung für Prater u. Leopoldstadl Gary Cooper in „CHINA-GOLD“ Wochentags; 5, 7, 9 Uhr. Sonntags: 2, V«4, 7aB, 7aB, 7*10 Uhr KINO TEGETTHOFF Im Planetarium am Praterstern Tel. R 41-0-26 Erstu. Alleinauffiihrung für Prater u. Leopoldstadt Kay Francis, AI Jolson, Dolores Del-Rlo* Dick Powell, Ricardo Cortes in „DIE WUNDERBAR“ Wochentags: 6, 7, 9 Uhr. Sonntag: 2, */.4, 7,6, V*8, 7*10 Uhr SCHAFFER-KINO VL, Mariahilferstraße 31 Telephon B 20-203 James Cagney in „Ein schwerer Junge" Beginn: 7*4, l/*6, 7*8, 7*10 Uhr STAFA-KINO VII., Mariahilferstraße 120 Telephon B 38-0-68 Uraufführung Irene Dünne* Paul Robeson in „SHOW-BOAT“ (Version 1936) Beginn: 7*4. v*6. 710. 910 Uhr VotlopnrK-Kino (X*. Wäbringerstraße 1« Telephon A 18-8-96 Uraufführung Irene Dünne* Paul Robeson in „SHOW-BORT“ (Version 1936) v */A VA VA »-Bto Jüdische Gouverneure und Abgeordnete in USA New York, 5. November. (JTA.) Gleichzeitig mit der Wiederwahl von Franklin D. Roosevelt zum Präsidenten der Vereinigten Staaten erfolgte auch die Wiederwahl von Herbert H. Lehman zum Gouverneur des Staates New York, des bedeutendsten Staates der USA., mit sehr großer Stimmenmehrheit. * New York, 6. November. (JTA.) Außer dem New-Yorker Gouverneur Herbert H. Lehman ist bei den Wahlen am 3. November auch der Gouverneur von Illinois, Henry Horner, der ebenfalls Jude ist, wiedergewählt worden. Bei den Wahlen am 3. November sind zehn Juden in das Repräsentantenhaus gewählt worden. Im Staate New York sind 44 Juden zu Mitgliedern der Staatsversammlung und 7 zu Mitgliedern des Staatssenats gewählt worden. In das Hauptgericht von New York City (Court of General Sessions) wurden Saul Streit und Richter Morris Koenig gewählt. Ghana Lerner die gemeinsam mit ihrem Partner David Seir dermann zur Zeit in den Jüdischen Künstlerspielen mit sensationellem Erfolge in Malachs »Offene Äugen“ auftritt. (Mittwoch/ den 11. November, und Donnerstag, den 12. veniber, Me nächsten Wiederholungen W erbevorsteUungen.) No~ als Jüdische Künstlerspiele II., Praterstraße 34, Tel. R 45-4-94. Dienstag, den 10. November, wird in Abänderung des Spielplanes „Dem Rebbens Hoif“ gegeben. Die nächste Premiere findet bereits diesen Freitag, den 13. November, statt, und zwar der Welterfolg „A Harz wus bängt“. Bezugsbedingungen: Monatlich S 1.50, vierteljährlich S 4.20, ganzjährig S 16.—. Für das Ausland: Deutschland vierteljährlich RM 3.—* Tschechoslowakei vierteljährlich Kö 24.—, Jugoslawien vierteljährlich Dinar 40.—, Polen vierteljährlich Zloty 6.50, Ungarn vierteljährlich Pengö 4.20, Rumänien vierteljährlich Lei 120.—, übriges Ausland vierteljährlich Schweizer Franken 4.50. Postscheck Konti: Österreich Nummer 113.546, Polen Nr. 191.190, Tschechoslowakei Nr. 500.230, Jugoslawien Nr. 40.879. Redaktion und Administration: Wien, L, Marc- Aurel-Straße 5. Tel.: U 22-3-91. Redaktionsschluß Montag und Mittwoch vormittags. Eigentümer, Verleger und Herausgeber: Zionistischer Landesverband für Österreich. Wien, I., Marc-Aurel-Straße 6. —- Verantwortlicher Redakteur: Alfred Oswald Rosegg, Wien, In Marc-Aurel-Straße ß. — Druck: Vernay A. G„ Wien, IX, Oanisiuegaese 8—10,