Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 595 (10.11.1936)
- Date
- 1936-11-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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9k ^Stimme y. b« ii« 20 8 Nr. *95 JÜDISCHE ZEITUNG Wien, Dienstag, SO. November SOSO IS. Chesehwan $607 SO. Jahrgang In drei aufeinanderfolgenden Beschwerdegängen hat die „Union“ ein Eingreifen der Staatsbehörden gegen die zionistische Leitung der Gemeinde herbeizuführen versucht. Sie hat erreicht, daß der Magistrat, den sie als erste Instanz in Bewegung setzen wollte, aussprach, er sehe in der Tätigkeit der Zionisten in der Führung der Gemeinde keinen Anlaß einzuschreiten. Die „Union“ tat dies mit einer Handbewegung ab und ging zur.Landesregierung mit dem Ansuchen, sie möge von ihrem Aufsichtsrecht Gebrauch machen. Aber auch diese Stelle fand, daß die Verwaltung tadellos geführt wird. Nun verkündete die „Union“, daß dies doch nur untergeordnete. Instanzen wären. Der Bundesgerichtshof, das höchste Gericht des Staates, werde doch die Sehnsucht der „Union“ stillen. Aber der Bundesgerichtshof wies die Beschwerde ab. Aus formalen Gründen, sagt die Union. Aber wenn ein Anlaß zum Einschreiten gewesen wäre, hätte dies doch der Bundesgerichtshof, dem die Bescheide der ersten und zweiten Instanz zur Überprüfung Vorlagen, wahrgenommen. Daß dies nicht eintrat, ist für die „Union“ ein formaler Umstand. Drei Urteile sind gesprochen worden und gestern hat die Wählerschaft das letzte Wort gehabt. Sie hat den Zionisten ihr Vertrauen votiert und sie hat sich der Meinung der höchsten Stellen des Staates angeschlossen, die die Tätigkeit der zionistischen Führer als einwandfrei fanden und sie auch in die Bundesorgane berufen haben, in der >rgan sicheren Überzeugung, daß solche Männer auch für den Staat Wertvolles und Ersprießliches zu leisten imstande sind. Die Wählerschaft hat gesprochen. Obzwar die Zahl der Wähler von 49.000 im Jahre 1932 auf 44.480 zurückgegangen war, haben über 70 Prozent, 31.804 Frauen und Männer, gegen 52 Prozent, das sind 26.828, im Jahre 1932, ihre Stimme abgegeben. Die Zionisten haben einschließlich der Dissidentengruppe 17.385 Stimmen an sich gezogen, das heißt um 5242 mehr als vor vier Jahren. Die Union hat mit ihren 11.593 Stimmen um 1399 mehr, als im Jahre 1932 aufgebracht. Sie hat immer behauptet daß das Heer der Abstinenzler ihr Besitz sei. Wie sieht das nun nach dem gestrigen Tage aus? Nie hat die Wiener Gemeinde eine derartige Wahlbeteiligung gesehen, bei der eine Wahlzahl von 865 erreicht wurde. Die Wählerreserve ist auf die zionistische Seite getreten. Wir haben Programm und Leistung eingesetzt. Wir sind vor das jüdische Volk in Wien getreten und haben Rechenschaft abgelegt. Wir sind einer Masse von Geld und Autos gegenübergestanden. Wir haben uns dem Wähler gestellt und er hat geantwortet: Die zionistische Fahne, die wir vor vier Jahren auf dem Gemeindehaus aufgezogen haben, bleibt oben. Niemand wird sie herunterholen. Wir danken den Wählern, aber wir. verkennen nicht die Verantwortung, die unser Sieg auf uns legt. Rein und sauber haben wir die Gemeinde geführt, rein und sauber werden wir sie führen — die nächsten vier Jahre und die weitere Zukunft. Und sie wird eine jüdische Gemeinde sein. Das Jüdische Wien - zionistisch! 17.500 jüdische Wähler in Wien haben sich gestern hinter die zionistische Fahne gestellt. Ihr Votum ist entscheidend für die nächsten vier Jahre, aber es ist auch entscheidend für die Feststellung, daß die Führung der zweitgrößten Judengemeinde Europas von nun ab für immer in zionistischen Händen bleibt. Herzl hat uns gesagt: Erobert die Kultusgemeinden! Wir haben die Wiener Gemeinde vor vier Jahren erobert und sie wird uns nie mehr entrissen werden. Das ist das erste und sinnfältigste Ergebnis des gestrigen Tages. Die ganze jüdische und nicht jüdische Welt hat nunmehr eine feste Tatsache vor sich: Die Wiener jüdische Gemeinde ist zionistisch und bleibt es. Wir freuen uns dieses Sieges und dies um so mehr, als er der Ausgang eines Kampfes ist, wie er in Wien noch nie geführt worden ist. Es sind gegen uns von der Gegenpartei Mittel angewendet worden, wie sie innerhalb der jüdischen Gemeinschaft noch nie gebraucht wurden. Von der politischen Denunziation, der Anrufung der antijüdischen Instinkte, bis zum Angriff auf die persönliche und bürgerliche Ehre der zionistischen Führer hat gar nichts gefehlt in dem Arsenal der Assimilation, die außerdem mit persönlichem Terror und riesenhaften Geldspenden erschütterter Spießbürger arbeitete, denen eingeredet worden war, daß sie bei einem. Sieg der Zionisten unter Fremdenrecht kommen würden. Dieser lächerliche Ünsinn hat tatsächlich viele in Schrecken gejagt, aber er hat auf der anderen Seite Tausende von Frauen und Männern in Bewegung gesetzt, die früher in unseren Reihen gefehlt hatten, und sich jetzt gegen die Verhetzung und Verdummung erhoben haben. Der zionistische Gedanke der Volksgemeinschaft und der Arbeit für Palästina, das Gefühl der Notwendigkeit, das Schreckgespenst zu demaskieren, war stark genug, um die wahre politische Stimmung des Wiener Judentums zu zeigen: 17.500 jüdische Frauen und Männer haben zionistisch gestimmt. Zionistische Frauen und Männer! Ihr habt am 8. November unsere Fahne zum Sieg geführt. Ihr habt sie für immer auf dem jüdischen Haus aufgepflanzt. Ihr habt durch euer Votum ausgesprochen, daß ihr für die Ehre und Würde des Judentums eintretet, daß ihr die Methoden der „Union“, die in derGeschichte des Wiener Judentums einzig dastehen, ablehnt. Ihr habt beigetragen zur Reinigung des jüdischen Lebens. Dank euch allen! Dank allen Bezirkssektionen und allen Frauen der WIZO, Dank allen, die über die Grenze ihrer Kraft an jder Werbung für unsere Liste gearbeitet haben, die mitgeholfen haben, die Attacke verblendeter und haßerfüllter Gegner abzuschlagen. Dank aber, wärmsten Dank aber unserer jüdischen Jugend! Sie hat empfunden, daß es bei dieser Entscheidung um sie geht, um ihre Zukunft, um die Sauberkeit dieser Gemeinde, die einstmals zu führen die Aufgabe der Jugend sein wird. Die Jugend hat für den Gedanken des jüdischen Volkes gekämpft und unser Sieg ist ihr Sieg. Dank allen Wählern, allen Arbeitern am Sieg für ihr Vertrauen. Die Zionisten werden diese Gemeinde, die ihnen anvertraut wurde, in eurem Sinn führen, im jüdischen Geist, zum Wohle der Wiener Judenschaft! An alle unsere Freunde und Mitarbeiter ergeht nun aber der Appell, den Sieg auszunützen und alle, die für die Zionistische Liste gestimmt haben, organisatorisch zu erfassen, sie mit zionistischem Geist zu erfüllen und dauernd an unser Ideal zu binden. Diese Arbeit beginnt heute! Die Leitung der Zionistischen Liste tritt heute abends zu einer Sitzung zusammen und wird einen Aufruf an die gesamte Wählerschaft beschließen. Der Zionistische Landesverband Silr Österreich Die Kultiißgeanemde veröffentlicht das folgende Conummniquö: 4 Die Wahl des Vorstandes der Israelitischen Kultusgemeinde Wien und der Vertrauensmänner fand am 8. d. von 8 bis 17 Uhr in 53 Wahllokalen statt. Von. den 44.440 Wahlberechtigten erschienen bei der Wahlurne 31.750 Wähler. Von den abgegebenen Stimmen entfielen auf den Wahlvorschlag „Z i onlstische Liste“ 16.438 Stimmen, die zionistische Gruppe „Adolf Stand für Einheit und Einigkeit“ 947 Stimmen, „Union 'österreichischer Juden“ 11.593 Stimmen und „Soziale Arbeitsgemeinschaft—Liste des Arbeitenden Palästina“ 2772 Stimmen. Die Gesamtzahl der gewählten Mitglieder des Kultusvorstandes beträgt 36. Es erscheinen somit gewählt: 19 Kandid&ten der „Zionistischen Liste“, 13 Kandidaten der „Union österreichischer Juden“, 1 Kandidat der Liste „Adolf Stand für Einheit und Einigkeit“ und 3 Kandidaten der Liste „Soziale Arbeitsgemeinschaft“. Das Abstimmungsergebnis für die Wahl der Vertrauensmänner in den einzelnen Bezirken wird erst im Laufe des Montags festgestellt werden. Die unter'Führung des Staatsrates Dr. Desider Friedmann stehende zionistische Majorität verfügt daher im' Kultusvorstande über 20 Mandate und behält üle Führung der Gemeinde. Die „Zionistische Liste“ weist einen Stimmenzuwachs von 5242 Stimmen, die „Union österreichischer Juden“ von 1399 Stimmen gegenüber den Wahlen im Jahre 1932 auf. Die Wahlbeteiligung betrug über 70 Prozent gegen 52 Prozent im Jahre 1932. detct Ein sensationeller Gangsterfilm mit Che*ter Morris, Mangot Grahame, Marian &arsh u. Lloyd Lolan . Kreuz-Kino, Der Wahltag Der Wahltag ist im großen und ganzen ruhig und ohne besondere Zwischenfälle verlaufen. Das Stiaßenbild war insbesondere im zweiten und 20. Bezirk sehr bewegt. Die zionistischen Wähler hatten in den meisten Fällen schon in den ersten Vormittagstunden ihre Stimmzettel abgegeben und sodann sich den Sprengelleitern zur Verfügung gestellt. Die von den jüdischen Jugendverbänden aufgebotenen Mädchen und Jungen haben prächtig gearbeitet. Sie haben ihren ganzen Elan und Idealismus eingesetzt. Von allen am Wahlkampf beteiligten Parteien war ein umfangreicher Schlepperdienst eingerichtet worden. Von Seite der „Union“, die mit einem Riesenaufwand von Geld — man spricht von 150.000 S — und Autos arbeitete, wurde kein Mittel, auch das schäbigste der Drohung, unversucht gelassen. Dies war besonders im Praterviertel zu merken. Trotzdem aber geriet die „Union“, bis auf Floridsdorf, in allen Bezirken in die Minderheit. Im ersten Bezirk eroberten die Zionisten zum erstenmal die Mehrheit. Besonders interessant ist die Gewinnung der „westlichen“ und äußeren Bezirke. Die „Wiener Zeitung“ zu den Wahlen In der amtlichen „Wiener Zeitung“ ist am Sonntag ein redaktioneller Aufsatz erschienen, der zu den Wahlen in der Kultusgemeinde Stellung nimmt. Der Artikel bespricht die programmatischen Differenzen zwischen den Zionisten und der „Union“, und sagt schließlich: „Ztisammenfassend kann man nach Abschluß der Auseinandersetzungen zwischen den Unionisten und den Zionisten, die weit über den Kreis der unmittelbar Beteiligten Aufmerksamkeit erregten, sagen, daß auf Seite der Union ein großer Teil jener Wähler steht, die aus deraltenliberalen Ära stammen und jahrzehntelang ihre Führer in die Gemeindeetube entsandten, wo sie einst die Majorität hatten. Auf Seite der Zionisten sind die Jünger Theodor Herzls die Vollstrecker der Resolutionen zahlreicher Zionistenkongresse und, was vielleicht das wichtigste in diesem grundsätzlichen Kampfe ist — die J u g e n d, die hei allen Völkern die Zukunft bedeutet.“ A in welchem Beruf immer, das ist eine ganze Woche einseitiger Betätigung. Diese einseitige Betätigung führt zu erhöhter Ermüdung der bei der Arbeit besonders beanspruchten Körperpartien, aber auch zur Erschlaffung der minderbeanspruchten. Sport und Natur sind der gebotene Ausgleich, ebenso der Gebrauch von D I A W A - Franzbranntwein mit Menthol Tägliche Massage mit DIANA erfrischt, regt den Blutkreislauf an, erhöht die Spannkraft. Gleich wertvoll zur Mund- und Haarpflege Verlangen Sie ausdrücklich „DIANA“. Welsen Sie minderwertige Nachahmungen zurück. In jedem besseren Geschäft erhältlich Neue Schedule: 1800 Zertifikate London, 6. November. (JTA.) In der Sitzung des Unterhauses am Donnerstag abends gab der Minister für die Kolonien, Orntsby-Gore, die vom Premierminister Baldwin für diese Sitzung angekfuidigte Regierungserklärung über die englische Politik betreffend Palästina ab. Minister Ormsby-Gore teilte zu Beginn seiner Erklärung mit, daß der High Cornmissiouer für Palästina Sir Arthur Wauchope. der Jewish Agency for Palestine einen Schedule für die Arbeitereinwanderung im Halbjahr Oktober 1936/April 1937 in der Höhe von 1800 Zertifikaten zur Verfügung stellen wird. Die engliche Regierung, fügte Ormsby-Gore hinzu, halte eine vorübergehende Einstellung der Einwanderung in Palästina für die Dauer der Untersuchungsarbeit der Kgl, Kommission nicht für richtig. Es soll kein Präjudiz geschaffen werden. Eine Einstellung der Einwanderung lasse sieh weder mit wirtschaftlichen noch mit anderen Gründen rechtfertigen. Doch werde man darauf sehen, daß ein Überschreiten der Einwanderungsqmte nicht eintrete.