Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1936-11-06 · Heft 594 (6.11.1936) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 594 (6.11.1936)
Date
1936-11-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3053752-3054338-3054350--6256-3062086
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

9tc!Stimme Vs b. S. 20 8 Nr. 594 JÜDISCHE ZEITUNG Wien, Freitag, 6* November 1936 It Chesehwan $697 10. Jahrgang JEDER WÄHIT am 8. NOVEMBER die Zionistische Liste Listenführer Staatsrat Dr. Desider Friedmann, Präsident der Kultusgemeinde SÄ*..« „ORBIS"-Sonderfahrt nach POLEN ■[Jlili BERLIN ABFAHRT: SS. DEZEMBER 1936 Anmeldungen: Poln. Ralaebllro „ORBIS“ .. Kärn<ner*traS* 41 2*-f>- OEST£RREICHISCHES VE8KEHRSBURO l„ FrfedrlehstraBe 7 U27-50U, Graben <:u, t; 2.0 o m DU AgttatioMder Zionistischen Liste Ein genaues, detailliertes Verzeichnis finden Sie auf der letzten Seite des Blattes! Frnncopol.si Polen 1 Nächste Abfahrten : 8., 22. XI. und 22. XII. Sonderzug BERLIN 22. XII.—7.1. S 80‘ — tour-retour Poln, Verkehrsbllro „Francopol*« '■ III., Sohwarzenbergplatz 7, Tel. U 16-4-90 „Codok**, I., Kärntnerstraße 32, Tel. R 23-4-88 GerngroB, VII., Marlahllferstr. 42, Tel. B 38-2-68 Nicht irreftihren lassen! Wie wir erfahren, steht die Veröffentlichung eines durch Herrn Regierungsrat Oppenheim veranlaßten Interviews mit Herrn Oberst Walter Adam, Generalkommissär des Heimatdienstes, bevor. Nach den Von uns eingezogenen Erkundigungen hat Herr Oberst Adam darauf hingewiesen, daß nach der Bestimmung des Artikel 30, Absatz 2, der österreichischen Verfassung der Wirkungskreis der Kultusgemeinden eine Erweiterung erfahren kann, die auch er als wünschenswert bezeichnet. Herr Oberst Adam soll bemerkt haben, daß jedoch eine Ausdehnung des Tätigkeitsgebietes der Kultusgemeinden auf politische Angelegenheiten unzulässig sei. Diese Bemerkung wird voraussichtlich von der Union so gebracht werden, daß hieraus ein Gegensatz zu dem zionistischen Gemeindeprogramm konstruiert werden wird. Wir verweisen darauf, daß die sogenannte „Politik“ der Kultusgemeinde sich ausschließlich darauf beschränkt und immer darauf beschränkt hat, über die Einhaltung der Gleichberechtigung der Juden in Österreich zu wachen. Die Tätigkeit des Vorstandes unter der zionistischen Majorität hat sich in nichts von der seiner Vorgänger unterschieden. Die jüdische Wählerschaft wird sich daran erinnern, daß auch zur Zeit der unionistilltischen Tätigkeit“ des Kulturvorstandes solche unrichtige Angaben gemacht wurden, wie sie in der letzten Zeit wiederholt in der „Wahrheit“ zu lesen waren. Herr Oberst Adam hat übrlgehoben, daß es sich um seine gen8 ln seiner Antwort auf unsere Anfrage wegen des Interviews ausdrücklich hervorprivate und nicht um eine offizielle Meinungsäußerung handelt. Xu den KuliustvaJ&len Von Univ.-Proff. Dr. Bernhard Geiger Während der letzten Wochen ist mir zu wiederholten Malen die Ehre widerfahren, die Wahlaufrufe der „Union“ und die Wahlkampfnummern ihres Organes, der „Wahrheit“, zu erhalten. Ich bin sogar in Hinblick auf mein „reges Interesse für unsere Bestrebungen“ in einem gedruckten Aufruf gebeten worden, auf einem beiliegenden Formular die ,Union“ zu empfehlen. Ich will die .erbetene „Empfehlung“ an dieser Stelle nachholen. Denn so sehr es mir auch widerstrebt, mich zu den Auslassungen der unionistischen Wahlliteratur zu äußern, die in Ton . und Inhalt die Grenzen des noch Erträglichen weit überschreiten, von krassen Unwahrh e i t e n strotzen und eine geradezu frevelhafte Skrupellosigkeit in der Wahl der Kampfmittel verraten, halte ich es doch für meine Pflicht, vor der jüdischen und auch vor der nichtjüdischen Öffentlichkeit schärfsten Protest gegen alle die Ungeheuerlichkeiten zu erheben, zu denen b 1 i n d w ü t i g e r Haß sich verstiegen hat. Vor allem fühle ich mich als.Staatsbeamter, der sich immer offen zu seiner zionistischen Überzeugung bekannt hat und dabei seinem österreichischen Vaterland eng verbunden und ein treuer Bürger dieses. Staates geblieben ist, gedrängt, im eigenen Namen und in dem der anderen zionistisch eingestellten Beamten dieses Staates feierliche Verwahrung gegen die Behauptung einzulegen, daß das Bekenntnis zum Zionismus und die Mitarbeit an dem Aufbau der nationalen Heimstätte des jüdischen Volkes, die Liebe zu der die großen Erinnerungen bergenden historischen Heimat unvereinbar sei mit treuer Anhänglichkeit an das österreichische Vaterland. Ich stehe nicht an, diese Behauptung als eine der schändlichsten Verleumdungen zu bezeichnen, die jemals gegen Juden erhoben worden sind. Es bedeutet in der Tat eine grobe Entstellung der Wahrheit, wenn die „Union“ sich in der bekannten Eingabe den Behörden als die Organisa- «chen Majorität Vorsprachen wiederholt bei Regierungsstellen stattgefunden haben, welche die Wahrung der Gleichbetion aller Wiener Juden angebiedert hat, rechtigung zum Gegenstand hatten. Es! die „auf dem positiv-religiösen, vatersoll Insbesondere erwähnt werden, daß eine ländisch-österreichischen Boden stehen“, der letzten dieser Vorsprachen am 22.0^0-, imd damit den außerhalb der Union ber 1934 beim Bundeskanzler stattgefunden stehenden Juden mit der Religiosität && r jni/s iÄXÄb* die,^fcr/awdstr,eulab; «Ident Dr. Jo«el TIeho beteiligt hat. gesproohen hat. Wer sich im Kampf Wir haben keine nähere Kenntnis, wie I gegen die zionistische Bewegung die das Interview zustandegekommen Ist,, a«ck dem Gegner ein Gefühl der Hochbaben aber begründeten Anlaß für achtung abgewinnen müßte, so verwertdie Annahme, daß Herrn Oberst Adam von i Hoher Mittel bedient, wer das törichte Herrn Oppenheim über den Begriff der „Po-' Wort von den „zwei Vaterländern“ ge- Orig. engl, and tranz. i Stoffe ssr zTudihaus Tabak I., Salzgries 5 Oaman- und Harren ZeltgamäB billig I Cafe Weghuber (Hinter dem Deutschen Voikstheater) Jeden Samstag, Sonnu. Feiertag; Konzert, Tanz und Stimmungsmusik Kapelle ISY GEIGER Beginn 8 Uhr abends Bürger!. Preise schaffen, und wer ehrliche, dem Staate treu ergebene Menschen als vaterlandslose Gesellen denunziert, hat denn doch das Recht verwirkt, als Verteidiger der Moral aufzutreten. Eine überaus große Zahl von Nichtjuden in hervorragendsten Stellungen haben ihrer Sympathie für den Zionismus, seine Ziele, und zwar für den Zionismus als nationale Bew e g u n g und nicht für einen lendenlahmen philantropischen Zionismus, wie ihn die .„Union“ etwa noch gelten lassen würde, Ausdruck gegeben, und sie haben die Zugehörigkeit zu dieser Bewegung für vereinbar g efralten mit Patriotismus und .treuer Staatsbürgerschaft. Ich selbst habe öfter i P 0 0 I p m m m ZIONISMUS IST jüdische Ehre, jüdische Arbeit, jüdische Einigkeit, jüdische Kraft ZIONISMUS IST III« bei sehr hochstehenden, den Juden sehr freundlich gesinnten Nichtjuden feststellen können, daß sie die Möglichkeit eines Konfliktes zwischen zionistischem Bekenntnis und Vaterlands- und Staatstreue überhaupt nicht in Erwägung gezogen haben. Es war den Anhängern der Assimilation und im besonderen der Wiener „Union“ Vorbehalten, diesen Gegensatz zu konstruieren. Es ist übrigens sehr auffällig, daß die „Union“ sich jetzt ganz auf die Religion und das österreichisch-vaterländische Fühlen festgelegt hat und der,, „angestammten deutschen När tion“ keine Erwähnung mehr tut. Das hätte doch einen ebenso wirkungsvollen m i I i i 0 i jüdische Fürsorge für Kranke und 0 Schwache, Ordnung in der Ge- 0 schäftsführung, Kredit für kleine Kaufleute und Gewerbetreibende, 0 Konstruktive Umschichtung für die jüdische Jugend, Sonne und Licht 0 für die Kinder der Armen, das jüdische Heim in Palästina. Wählet die Zionistische Liste! p I Union vom Bundesgerichtshof abgewiesen! Die Union hat bekanntlich mit ihren denunziatorischen Beschwerden gegen die zionistische Geschäftsführung der Kultusgemeinde, gegen die Ernennung von Professor Rath zum Leiter der Bibliothek und gegen die Ernennung von Dr. Löwenherz zum Amtsdirektor der Kultusgemeinde beim Magistrat kläglich Schiffbruch erlitten. Alle Beschwerdepunkte wurden vom Magistrat als unbegründet abgewiesen. Die Union hat mit dieser Ohrfeige noch nicht genug gehabt. Sie hat sich an die zweite Instanz, die Lan desr egierung, gewendet und ist auch dort abgewiesen worden. Aber auch das hat ihr noch nicht genügt und sie hat noch den Bundesgerichtshof angerufen. Nunmehr hat auch diese höchste Instanz die Beschwerde der Union abgewiesen. Damit ist das Urteil der höchsten Instanz vernichtend gegen die Union ausgefallen. Es ist nunmehr gerichtsordnungsmäßig erwiesen, daß 1. der Austritt der Unionisten aus dem Vorstand nur ein Davonlaufen vor den Wählern war und eine mißglückte Spekulation auf die Einsetzung eines Regierungskommlssärs, daß 2. die Ernennung von Professor Rath und von Dr. Löwenherz vollständig korrektundeinwandfrei erfolgt ist und daß 3. sämtliche Instanzen die zionistische Verwaltung als korrekt and geordnet anerkannt haben. Die endgültige Abweisung der Beschwerde der Union ist der gerichtsmäßige Beweis dafür, daß die Union zu hundert Prozent im Unrecht war und daß die zionistische Verwaltung der Kultusgemeinde über jeden Vorwurf erhaben ist. Die jüdische Wählerschaft wird am 8. November ihrerseits das Urteil über die schändlichen Methoden und Praktiken der Union zu vollziehen haben. Die Denunzianten müssen aus dem jüdischen öffentlichen Leben verschwinden,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.