Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 593 (3.11.1936)
- Date
- 1936-11-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit* 0 011 STtMMI Nr. 593 — Wien, Dienstag, 3. November 1936 Der Messerkampf der polnischen Studenten Warschau, 29. Oktober (JTA.). An der Warschauer Hochschule für Welthandel erneuerten sich am 27. Oktober die antijüdischen Unruhen und erreichten einen dort noch nie dagewesenen Grad. Als die Hochschule, die wegen antisemitischer Unruhen eine Woche lang geschlossen gewesen war, wieder geöffnet wurde, drangen die Nationalisten mit großem Tumult in das Gebäude ein und gingen mit Messern und Knüppeln gegen die Juden vor. Ein Jüdischer Student wurde so schwer verletzt, daß er bewußtlos ins Krankenhaus transportiert werden mußte. Die Nationalisten warfen Stinknnd Tränengasbomben und öffneten die Wasserhydranten, so daß mehrere Hörsäle unter Wasser gesetzt wurden. Als Polizei herankam, verbarrikadierten sich die Nationalisten in den Hörsälen. Die Polizei drang in das Hochschulgebäude, mit Stahlhelmen und Gasmasken ausgerüstet, ein und verwendete gegen die Ruhestörer ebenfalls Tränengas. Erst gegen Abend konnte der Widerstand der Demonstranten gebrochen werden. Mehrere derselben wurden festgenommen. Die Vorlesungen wurden bis auf weiteres eingestellt. Am 28. Oktober war die Warschauer Hauptuniversität an der Reihe. Die nationalistischen Studenten blockierten das Universitätsgebäude, sperrten alle Ausgänge ab und hinderten die darin weilenden Studenten daran, die Universität nach Beendigung der Vorlesungen zu verlassen. Der Rektor erschien an einem Fenster und drohte den Demonstranten mit Einstellung der Vorlesungen, falls sie das Gebäude nicht freigeben sollten. Inzwischen war. die Polizei erschienen, vor der die Demonstranten die Flucht ergriffen. Etwa 100 nationalistische Hörer der Handelshochschule wurden verhaftet und sollen wegen Demolierung der Einrichtungen der Hörsäle vor Gericht gestellt werden. Exzesse in Danzig Prag, 1. November. Das Tschechoslowakische Preßbüro meldet aus Warschau: In Neuteich auf dem Territorium der Freien Stadt Danzig, überfielen Nationalsozialisten jüdische Häuser, plünderten sie und verprügelten die Bewohner. Einige Juden wurden verletzt. Nicht Peter, sondern Lilly In der letzten „Kinder-Stimme“ wer eine Mitteilung von einer Fümmtfführung für unsere Meinen Leser enthalten. Irrtümlicherweise war der Film „Und seine Tochter ist der Peter“ angekündigt. Wir teilen schon jetzt mit, daß nicht dieses Werk, sondern ,JFräulein Lilly“ für die Leser der „Kinder-SUmme“ in einer Sonderaufführung gezeigt werden wird;. Näheres demnächst. Mittwoch, November 1936, 8 Uhr abends. Bayrischer Hof, II., TaborstraBe 33 WXHLERVERSAMMLUNG Ej sprechen: Kultuuat Dt. PLASCHKES, Rabbiner Dr. KANNER, Dr. PERL Dr. ROSENBERG Freie Einwanderung und Siedelung London, 29. Oktober (JTA.). Auf der Jabreskonferenz des Keren Kajemetfa für Großbritannien und Irland hielt der Leiter des politischen Departements der Jewish; Agency in London, Prof. Selig B r o d e tj sky, eine großangelegte Rede, in der er! Ein Wanderung, Boden und Verfassung als; die drei Hauptprobleme der gegenwärtigen! Situation in Palästina bezeichnete und von der Regierung positive Maßnahmen zur Förderung des jüdischen Aufbauwerkes im Sinne der Mandatsbeetimmungen forderte. { Wir können uns kein Jüdisches National-; heim voretelien, sagte Prof. Brodetsky. ohne j eine durch keinerlei künstliche. Hindernisse gedrosselte Einwanderung,| ohne jüdische Ansiedlung auf dem Boden,! und ohne daß die Stellung des jüdischen Volkes in seinem Verhältnis zu Palästina den im Mandat verankerten Rechten gemäß, die die eigentliche Grundlage des Zionismus; bilden, sorgfältig gewahrt werden. Die jü-j dische Bevölkerung in Palästina ist jetzt über 400.000 Seelen stark. Das ins Land gebrachte jüdische Kapital beträgt 70 bis 90 Millionen Pfund. Es sei jedoch ein unbefriedigender Zustand, daß der 1 a n dwirtschaftliche Sektor des Nationalheims nur 15 Prozent der jüdischen Bevölkerung umfaßt. Dieses Problem verlange eine sorgfältige und energische Lösung. Der Erwerb von Grund und Boden sei gegenüber anderen Aspekten des Aufbaues in den Hintergrund getreten und darum sei es notwendig, die Arbeit für den Jüdischen Nationalfonds zu verstärken. Prof. Brodetsky wies auf die Abreise der Untersuchungskommission nach Palästina hin und wandte sich in diesem Zusammenhang gegen die verschiedentlich aufgetauchten Pläne einer territorialen Absonderung von Juden und Arabern. Diese Pläne seien undurchführbar, aber selbst wenn sie durchführbar wären, würden sie vom jüdischen Standpunkt unannehmbar sein. Man brauche nicht eine Kantonisierung, um das jüdisch-arabische Problem in Palästina zu lösen. Die Erfahrung habe gezeigt, daß Juden und Araber, wenn nicht künstlich zwischen ihnen Zwietracht gesät wird, friedlich nebeneinander leben können. Die Union und die Minderheitsrechte Der Nationalsozialismus hat die Juden Deutschlands diffamiert, hat ihnen die Staatebürgerrechte genommen, hat sie unter die Rassengesetzgebung gestellt und macht sie zu Bettlern. In ganz Deutschland? In ganz Deutschland, nur nicht im schlesischen Abstimmungsgebiet. Warum nicht dort? Weil dort die Bestimmungen zum Schutze der Minderheiten gelten und diese ohne Zustimmung des Völkerbundes nicht abgeändert werden können. Deshalb sind die Juden im schlesischen Abstimmungsgebiet nicht diffamiert und es gelten für sie keinerlei Ausnahmegesetze. Worauf beruht die Gleichberechtigung der österreichischen Juden? Auf der österreichischen Verfassung, die uns die Gleichberechtigung verbürgt, und auf den Bestimmungen zum Schutze der Minderheiten, die aus dem Friedensvertrag in die Verfassung übernommen werden mußten. Was ist der Unterschied? Die eigenen österreichischen Verfassungsgesetze können abgeändert werden, die Mmderheitssohutzbestimimmgen dürfen aber ohne Zustimmung des Völkerbundes nicht abgeändert werden. Brauchen wir denn ln Österreich einen solchen verstärkten Schutz? Da euch die Unionisten dafür nicht garantieren können, daß sich die politischen Verhältnisse Österreichs niemals ändern werden, wäre es ein Verbrechen, sich dieses Schutzes zu begeben. Die Juden in Deutschland glaubten noch vor wenigen Jahren, des Minderheitsschutzes nicht zu bedürfen. Ihre heutige Reue kommt zu spät. Wem verdanken wir den Minderheitenschutz? Den größten Staatsmännern aller Völker. Auch Juden haben sich dämm bemüht: Louis Marschall, Brandeis, der höchste Richter der Vereinigten Staaten, und viele hervorragende englische und französische Juden. Das waren alles Nichtzionisten. Was sagte unser Bundeskanzler Schuschnigg Uber die Mindcrfaeitsrechte? Daß Österreich jederzeit seine Verpflichtung, die Minderheiten gerecht zu behandeln, einhalten und seinen Stolz darein setzen werde, in der Behandlung seiner Minderheiten beispielgebend zu sein. Was sagt die Union zu diesem Gegenstand? Daß die Minderheitsrechte mindere Rechte sind und daß die Zionisten durch die Berufung darauf die Juden zum Numerus clausus und ins Ghetto führen. Und warum sagen das die Unionisten? Das müssen Sie die Unionisten selbst fragen. Denn als diese im Kultusvorstand die Mohrheit hatten, haben sie unter ausdrücklicher Berufung auf die Minderheiteschutzbestimmungen des Friedensvertrages von der Bundesregierung eine Subventionierung der Kultusgemeinde verlangt. Und vor zwei Jahren haben sie —. gemeinschaftlich mit vielen jüdischen Organisationen der ganzen Welt — die bekannte Petition Bernheim an den Völkerbund unterschrieben, in welcher Deutschland wegen Verletzung der Minderheitsrechte im schlesischen Abstimmungsgebiet angeklagt wurde. Die Petition hatte bekanntlich vollen Erfolg. An diesem Beispiel sehen wir die hohle Demagogie der „Union-P olitik“. Heute stehen die Unionisten auf jenem Standpunkt, den heute in der ganzen jüdischen Welt bloß die Naumann-Juden Berlins einnehmen. Sind wir Juden in Österreich eine Minderheit? „Moladti" Almanach für Jugend und Volk. Jahrgang 5697 Dieser vom Hauptbüro des KKL in Jerusalem herausgebrachte Almanach, der schon im vorigen Jahre Aufsehen erregt hat, liegt nun für das neue Jahr vor. Jeder Monat enthält ein Erez-Israel-Lied mit Noten, den Kalender der Natur im Lande (Flora und Fauna mit Illustrationen), die Bedeutung des jüdischen Monates, des Namens, »einer Feste und Biographien der bedeutenden Männer, deren Geburt, resp. Tod in diesen Monat fällt; die Besprechung neuer Feste des neuen Erez Israel. Führer, Lehrer, Jugendführer erhalten reiches Material, um ihren Gruppen die jüdische Vergangenheit und die jüdische Gegenwart vor Augen zu führen. Der Almanach enthält einen lebendigen Abriß über die jüdische Musik der Vergangenheit, über die Juden und das Seeleben, alle Städte und Siedlungen mit Erklärung der Namen und den Daten nach dem heutigen Stand. Reizvoll sind die Aussprüche der jüdischen Kinder im Lande. Es enthält alles Wissenswerte über das heutige Erez Israel. Kurz, es ist ein Buch (von 300 Seilten), in dem der neue Geist der Arbeit in Erez Israel mit dem Geiste des „alten Israel“ wunderbar vermählt ist. — Der Almanach ist im KKL zum Preis von S 3.— erhältlich. Bezugsbedingungen: Monatlich S 1.50, vierteljährlich S 4.20, ganzjährig. S 16.—. Für das Ausland: Deutschland vierteljährlich RM 3.—, Tschechoslowakei vierteljährlich Kö 24.—, Jugoslawien vierteljährlich Dinar 40.—, Polen vierteljährlich Zloty 6.50, Ungarn vierteljährlich Pengö 4.20, Rumänien vierteljährlich Lei 120.—, übriges Ausland vierteljährlich Schweizer Franken 4.50, Postscheck Konti: Österreich Nummer D 113.546, Polen Nr. 191.190, Tschechoslowakei Nr. 500.230, Jugoslawien Nr. 40.879. Redaktion und Administration: Wien, I., Marc- Aurel-Straße 5. Tel.: U 22-3-91. Redaktion«- Schluß Montag und Mittwoch vormittags. Eigentümer, Verleger und Herausgeber: Zio nisti.wher Landesverhand für Österreich. Wien I., Marc Aurel-Straße 5. — Verantwortlicher Redakteur; Alfred Oswald Rosegg. Wien, I., Marc-Anrel Straße 5. — Druck: Vernay A. G., Wien, IX., Canisiusgasse &—10, KINOPROGRAMME Vom 3. bis 5. November BURG-KINO SMSL” Uraufführung Viktor Nac Laglen, Claudette Colbort in „Die Wüstenleglon“ (Under two flaggs) Beginn: 8/*4, 7,6, ‘/,8, 7*10 Uhr. ELITE-KINO «Ä? Uraufführung Charles Laughton, Clark Gable in ,Meuterei auf der Bounty' Beginn: 7*3, *7*5, 8/*7, 9 Uhr. IMPERIAL-KINO I.. Rotenturmstraße 19 Telephon : U 22-1-12 Uraufführung Viktor Mac Laglen, Claudette Colbert in „Die Wüstenleglon“ (Under two flaggs) Beginn : 7*4. 7*6, '/*8, 7*10 Uhr KREUZ-KINO Uraufführung James Cagney in „Ein schwerer Junge" Beginn: 4, 8,*6, 7*8, 7*10 Uhr KINO KERN im Prater Dir- Kern » Perlmann - Telephon R 40-0-40 Erstu. Alleinaufführung für Prater u. Leopoldstadt Preston Foster in „Keine Gnade“ Wochentag»; *>.7 9 Uhr Sonntims: l. J/l4. V,«‘'.IN Uhi KINO TEGETTHOFF Im Planetarium am Praterstern Tel. R 41-0-26 Erstu. Alleinaufführung für Prater u. Leopoldstadt Elisabeth Bergner ln „Wie es Euch gefällt" Wochentags: 5, 7, 9 Uhr. Sonntags 2, 7,4, VA V*8, 7*10 Uhr ROTENTURH «»i« Uraufführung Miriam Hopklnsf Merle Oberon, Joel MacCrea „WIR DREI“ Beginn: 4. a/*6. ',8. ‘‘«10 SCIiAFFER-KIJlO Tefephon1 GMK?SM8 Irene Dünne, Robert Taylor in „Hein Leben $eMrt Dir“ Beginn bei diesem Film: ‘/»8, 7*6, 9 Uhr KRYST ALL* KINO ft. Pratsr, atrafle ae» t Mat Nr, 40 ralaphon R 48-2-78 Uraufführung für den Prater Harry Baur in II „Taraß Bulba Wochentags; 5, i, aUhr Sonnu.Feiertage; *m. v4g, >/*|0 Uhr LEOPOLDSTÄDTER¬ VOLKSKINO yj-rr. Telephon R 49-0-23 Wochentags: V,6, ‘/*8, 7*10 Uhr Sonntags und Feiertage ab 7*4 Uhr fTÜCn HINf) Vll„ Marlahillerstraße 120 ü 1 MiM “ UlIlU Telephon B 33-0-68 Uraufführung Viktor Mac Laglon, Claudette Colbort in „Die Wüstenleglon“ (Under two flaggs) Beginn. 7*4. '«6. 7 . u10 Uhr Votltprk-Kino ‘\skws!&,> Uraufführung Viktor Mac Laglon, Claudatto Colbort in „Die Wüstenleglon“ (Under two flaggs) Beginns 7,4, 7,6, VAS“ Da wir in Österreich einen deutsch-christlichen Ständestaat haben und wir Juden uns doch füglich nicht zum deutsch-christlichen Volk rechnen können, sind wir eine Minderheit. Ee bleibt für uns also nichts anderes übrig: als das freie und ßtolze Bekenntnis zum jüdischen Volk. Zu welchem Volk gehören die Union-Juden? Das werden sie erst in ihrer nächsten Vorstandssitzung beschließen. Was folgt aus all dem? Daß alles das, was die Union über Minderheitsrechte schwätzt, ein verbrecherischer Unsinn ist. Daß die Festhaltung an den Minderhoitsrechten für uns und unsere Kinder eine Lebensfrage ist. Und daß man einer Gruppe von Juden, welche die Bedeutung dieser Einrichtung nicht erkannt hat, die Vertretung jüdischer Interessen nicht anvertrauen darf; daß die Unionisten bei Beurteilung dieser Frage eine frivole Leichtfertigkeit an den Tag legen, die geradezu an Wahnsinn grenzt. Gegen diese Unvernunft ist kein Kraut gewachsen. Da gibt es nur e i n Mittel: der niohtjüdischen Welt beweisen, daß die Wiener Naumann-Juden von der Wiener jüdischen Gemeinschaft abgelohnt werden. Darum wählt am 8. November die Zionistische Liste. Listenftihrer: Staaterat Dr. Desider Friedmann. Bitte der Blinden an ihre sehenden Mitmenschen! Der Winter mit seinen kalten, langen und finsteren Abenden ist wieder da. Diese Stunden vertreibt sich der arme Blinde am besten mit einem Radio- oder Grammophonapparat. Leider mangelt ee an diesen Gegenständen am meisten. Infolge der äußerst knappen Geldmittel sind wir leider nicht in der Lage, Neuanschaffungen für unsere blinden Schützlinge vorzunehmen. Aus Erfahrung wissen wir, daß viele Radio- oder Grammophonapparate unbenutzt herumstehen. Wir bitten jeden, der einen Radio- oder Grammophonapparat, eventuell auch Sohallplatten entbehren kann, Ihn für die Blinden zu spenden. Die gespendeten Gegenstände werden abgeholt: Karte oder ein telephonischer Anruf genügen. Hilfsverein der jüdjsohen Blint den, Wien, II., Rembmndtstraße 18, Telephon A-47-°-77.