Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 593 (3.11.1936)
- Date
- 1936-11-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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9k ^Stimme V.«. b. 20 g JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 993 Wien, Dlesntag. 3. November 193b 17* Chesehwan 9697 10 Jahrgang JEDER WÄH1T am 8. NOVEMBER die Zionistische Liste Listenführer Staatsrat Dr. Desider Friedmann, Präsident der Kultussemeinde Denkt an Balfour! Am 2. November 1917 bat Lord Artur James Balfour aJß Staatssekretär des Äußern im Auftrag des englischen Kabinetts die bekannte Erklärung unterschrieben, die den ersten Schritt auf dem Wege zum jüdischen nationalen Heim bedeutete. Es war Angriff arabischer Terrorbanden unerschüttert überstanden. Die Hoffnungen, die an jenem Novembertag vor 19 Jahren unausgesprochen England angezeigt hatte, sind nicht enttäuscht worden. Es ist viel erreicht worden. Aber was ein großer Tag, an dem die zionistischen hätte erreicht werden können, Vertreter ihre Bemühungen und Vorhandnicht die Riesenlast der neuen lungen durch eine Erklärung gekrönt haben, Pflichten die" zunächst zwar nur die englische Regieder Zionismus allein nmg verpaiohteto, aber doch auf die politi- Mtte b mUasen! Das Volk der Maan sehe btartnung•der ganzen Welt und msbeauf der haben den Sinn d’9r Balfoilr, sondere des jüdischen Volkes wirkte. Die Balfour-Erklärung wurde dem jüdischen Volk in schweren Tagen voll Not und tiefster Depression übergeben. Furchtbare Blutopfer hatte dieses Volk im Kriege bringen müssen; seine Wohnsitze im Osten waren von der Kriegsbestie verwüstet und verbrannt. Viele hunderttausende Juden waren sowohl aus dem russischen wie aus dem österreichischen Kriegsgebiet verjagt worden. Die Familien, deren Ernährer unter den Waffen standen, wurden auseinandergeriissen, in die Verbannung getrieben, gedemütigt und schimpflichen Zählungen unterworfen. In dieser entsetzlichen Situation kam die Erklärung der führenden Macht der Entente, daß sie mit Wohlwollen die Bestrebungen des jüdischen Volkes betrachte, sich in Palästina eine neue Heimat zu errichten. Ein tiefgebeugtes Volk richtete sich wieder auf. . Die Balfour-Erklärung war die Bekräftigung aller Bestrebungendes politischen Zionismus, eine öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte in Palästina für das jüdische Volk aufzurichten. Diese Sanktionierung des Willens einer politischen Partei wurde dann in San Remo von allen alliierten Mächten unterstrichen und durch die Feststellung erweitert, daß das jüdische Volk nicht als geduldet nach Palästina kommt, sondern kraft seiner historischen Verbundenheitmit diesem Land, und auf diese Weise ist die von .Lord Balfour erlassene Deklaration zu einem Dokument von höchster Bedeutung geworden. Denn was sie ausspricht und was in diesem Text in die Präambel des Völkerbundsfcafcuts ausgenommen wurde, kann nicht widerrufen oder .verleugnet werden. Es sind in der Folge viele Versuche unternommen worden, den Sinn der Balfour-Erklärung zu verwässern. An dem festen Nein des jüdischen Volkes sind alle diese Angriffe zusammengebrochen, nicht zuletzt an der unüberwindlichen Macht der Tatsachen, die der Zionismus geschaffen hat. Er ist sofort an das Werk gegangen, hat groschenweise Geld gesammelt, hat die Siedelung in Palästina wieder dort begonnen, wo sie durch den Krieg unterbrochen worden war, er hat 400.000 Menschen jn das arme Öde Land gebracht, hat Städte und Dörfer gegründet, die Menschen, die sich ihm anvertrauten, durch die Wiederbelebung der Spräche der Bibel und der Propheten, fest aneindergebunden. Er hat Ströme von Energien und Arbeitsfreude ' aus einer lethargischen Masse gelockt und auf ein großes Ziel gelenkt. 19 Jahre Arbeit liegen heute hinter uns. Das Werk in Palästina hat sich als bruchfest erwiesen und es hat eben jetzt einen aus dunkeln Hintergründen organisierten Deklaration, den Inhalt des politische^ Zionismus verstanden und aus heißeiü Herzen gesegnet. Aber es hat Parteien und Gruppen gegeben und es gibt sie heute noch, die in der Unfruchtbarkeit ihrer assimilatorischen Tendenzen erstarrt sind und in ihrer bösartigen Feindschaft gegen den nationalen Charakter des Palästinawerkes nicht nur der Arbeit ferngeblieben sind, sondern stören und vernichten wollen. Jede Schwierigkeit der neuen Kolonisation wurde mit hoffnungsvollem Geschrei begrüßt, jede Komplikation aufgebauscht und entw 6 n n stellt, jeder Angriff schon als das Ende des Zionismus willkommen geheißen. Da aber die zionistische Arbeit vorwärts schritt, haben die Gegner die Taktik gewählt, den Zionismus und seine politischen Grundlehren vor der nichtjüdischen Öffentlichkeit als unpatriotisch, als staatsgefährlich zu vernadern, und anderseits vor der jüdischen Öffentlichkeit den Zionismus mit der Verleumdung zu belegen, er wolle die Friedensappell Wauchopes Jerusalem, 29. Oktober. (Palcor.) Der Oberkommissär hielt heute abends eine Rundfunkrede, in der er seine Freude darüber zum Ausdruck brachte, daß die Un-: ruhen und Gewaltakte nunmehr der Vergangenheit angehörten. Die Ankunft der Untersuchungskommission, deren Kommen er als historisch bedeutsames Ereignis bezeichnete, erwarte er für den 11. November. Es sei sein Wunsch, die gegenwärtig in, Stadt und Land herrschende Ruhe zu, wahren, tiefverwurzelten und dauernden Frieden werden zu sehen. Er appellierte an die Bevölkerung, sich für dieses Ziel einzusetzen und das ihrige zu tun in dem Bewußtsein, daß die Untersuchungskommission'' ebenfalls dazu beitragen werde, dieses Ziel zu erreichen. Die Kommission biete beiden Völkern eine ausgezeichnete Gelegenheit z u einer Verständigung zu kommen, wobei beide ihre berechtigten Bestrebungen „Friede, nicht gegenseitig respektieren. herrschen.“ Unter Hinweis auf die Boykottbewegung erklärte er, daß dies nichtdie Zeitfür einen Boykott sei, dessen Urheber dadurch in gleicher Weise geschädigt würden wie diejenigen, gegen die er gerichtet ist, Gefühle der Rächsuchtund Wiederv erg e 1 tung müßt ei verschwinden und den Bestrebungen für die allgemeine Wohlfarht in der Zukunft Platz machen. Der High Commi&sioner drückte die Hoffnung aus, daß die vom Volke der Untersuebungskommission unterbreiteten Vorschläge zum Wachstum einer glücklichen und zufriedenen Bevölkerung beitragen werden. Es sei die Aufgabe des Volkes, die 'Grundlage-zu schaffen für Frieden un d Wohlfahrt in der Zukunft. Der High Commissiöner forderte Geduld, Großzügigkeit und Pflege guter Beziehungen untereinander; er schloß mit den Worten: Chaos, soll in Palästina rr«* .16 C«* I»* tn« ot* Ilfo® ßachnun3atu «W»* ^„nden #n* ^•s*j2j&Äsie3^'5j&ö* ,s*@grs« SÄr1*-'- bürgerliche Gleichberechtigung aufgeben und so die antisemitischen Tendenzen unterstützen. Diese Lügen sind im Lauf der Jahre wiederholt verkündet und immer widerlegt worden. Aber gerade jetzt wieder sind sie von dem Grüppchen der Wiener jüdischen Hasser, der Union der österreichischen J u d e n, als Mittel in einen scheußlichen und widerlichen Wahlfeldzug hineingetragen worden. Die Balfour-Deklaration spricht aus, daß durch die Errichtung der nationalen Heimstätte in Palästina für das jüdische Volk „nichts getan werden soll, was die politische Stellung der Juden in irgend einem anderen Land beeinträchtigen könnte.“ Diese klare Formulierung hat, wie. bekannt dazu geführt, daß von zionistischer Seite der Völkerbund als der Garant der Balfourschen Erklärung an seine Pflicht erinnert wurde, sich der Judengesetzgebung Im Dritten Reich zu widersetzen. Diese Intervention ist nur von zionistischer Seite erfolgt. Die Assimilanten, zu denen die Wiener „U n i o n“ gehört, haben an diesen Schritten in ihrer jämmerlichen Feigheit nicht teilgenoramen. Sie haben es mitverschuldet, daß eine Aktion von solchem Gewicht bisher erfolglos geblieben ist, sie haben — und die „Union“ voran, .. die deutschen Juden verraten. Sie haben dasselbe in Ungarn und in der Türkei getan. In Österreich agitieren sie Ormsby-Gore im Unterhaus Im englischen Unterhaus kündigte der Kölonienminister 0rmsby Gore die Abreise . der Kommission an und führte dann weiter, ans: Die Bevölkerung Palästinas zählte auf Grund der Erhebungen am 13. Juni d. J. 1,335.000 Seelen, darunter 848.000 Moslems, 370.000 Juden, 106.000 Christen, 11.000 Angehörige anderer Gemeinschaften. Die britischen Streitkräfte sind in diese Zahlen nicht eingerechnet.. Kriegsminister Duff-Cooper teilte mit, daß hn Hinblick auf die in Palästina eingetretene Beruhigung die Reservisten unverzüglich zurückgezogen werden würden. Tom Williams fragte den Kolonienminister, ob er seinen Einfluß dahin geltend machen wolle, daß keiner der Führer der Bewegung, die für so viele Blutopfer in Palästina verantwortlich ist, je eine von der Regierung bezahlte Stelle erhält. Ormsby-Gore ersuchte um eine schriftliche Formulierung der Frage. Der Kommunist Gallacher wollte wissen, ob die Kommission den Arabern Gerechtigkeit widerfahren lassen werde. Er konnte in dem sich erhebenden Läran seine Frage nicht beenden. Colonel Josiah Wedgwood fragte, wie es um die Ent w a f f n u n g der Ordnuugsstörer steht. Ormsby-Gore verwies auf die von ihm bereits früher abgegebene Erklärung, daß es unter den jetzigen Verhältnissen nicht mehr aktuell sei, den Oberstkommandierenden in Palästina, General Dill, mit weiteren Sondervollmachten auszustatten. Nach Beendigung von Streik und Unruhe sei es erwünscht, daß für die Arbeit der Kommission eine möglichst ruhige Lage eintrete. LESEN SIE den Bericht der Kultusgemeinde, den Ihnen die Post gebracht hat. Er gibt ein erschöpfendes Bild über die gesamte Tätigkeit der unter zionistischer Leitung stehenden Gemeindeverwaltung and eine Uebersicht über ihre gewaltigen Leistungen auf allen Gebieten des jüdischen Lebens. (Seite 1—7.) Lesen Sie dann aber auch besonders die Kapitel über die religiös-sittliche Erziehung der Jugend (Seite 38—55), über die Fürsorgetätigkeit der Gemeinde (Seite 55—93) und über die (Seite 26—31 und Seite 107). Lesen Sie und urteilen Sie selbst! Sie wählen dann bestimmt am 8. November die Zionistische Liste, Listenfühvev Siaatsvat Dr. Desider Friedmann, Präsident der KuUusgemeinde