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Die Stimme · 1936-10-30 · Heft 592 (30.10.1936) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 592 (30.10.1936)
Date
1936-10-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
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JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 591 Wien, Freitag, 30. Oktober 1936 * 14. dtesdtwatt 5697 V. k. b. 20 s JEDER WÄHLT am 8. NOVEMBER die Zionistische Liste Listenführer Staatsrat 10, Jahrgang Dr. Desider Friedmann, Präsident der Kultusgemeinde Gegen die indischen Antisemiten! Die „Union“ hat endlich die Resonanz für ihre Wahlschlager erzielt. Nicht in den jüdischen Kreisen, von denen die „Union“ abgelehnt wird, wohl aber bei den Todfeinden des gesamten Judentums. Das „W iener Montagsbla t t“, eines der wütendsten antisemitischen Organe, hat mit Freude und Eifer das Blatt der „Union“ und ihre Flugzettel studiert und besabbert sich vor Vergnügen. „Juden über Juden! Putzig und lehrreich zugleich... Da kann wirklich niemand behaupten, so schreiben nur die bösen Antisemiten...!“ Nein, das ist nicht ganz richtig. Denn | es gibt, die „Union“ beweist es, auch jüdische Antisemiten, und das, was sie in diesem Wahlkampf tun und schreiben, haben sie ganz dem antisemitischen Arsenal entlehnt. Vor allem das Anzeigen und Vernadern, dann das Verleumden und Besudeln, die Angriffe auf, das persönliche Leben des Gegners und auf 'seine persönliche Ehre. Nichts fehlt. Aber die Wirkung auf die jüdische Masse bleibt aus. Tut nichts. Die christlichen Antisemiten hören es und benützen es, was ihnen die „Union“ zuträgt. In Zukunft werdet Ihr, jüdische Wähler, wenn Ihr das alles im ganzen oder im. einzelnen in den Ritualmordorganen oder im Handbuch der Judenfrage zu lesen bekommen werdet, wissen, wer das Holz zu dem Scheiterhaufen zugetragen hat: Die „Union“! Sie ist außer Rand und Band geraten, besinnungslos in Wut und Angst, zitternd vor dem Gericht am 8. November — und so flüchtet sie zu den Bodenständigen und zeigt ihnen die Zionisten. Die sind, sagt die „Union“, ein Staat im Staate, die lehnen die kulturelle Gemeinschaft mit den andersgläubigen Bürgern ab. Heraus mit Staatsanwalt und Pölizei! Hilf, was helfen kann! Die Jüdischnationalen haben sich vom „Phönix“ bestechen lassen! Es ist nichts niedrig genug, um nicht von der „Union“ verwendet und an die christlichen Antisemiten adressiert. zu werden. Wir Zionisten treten vor die Wähler mit einem Programm, mit einer genauen Bestimmung unseres Wpllens. Jeder kann dazu Stellung nehmen. Wir zeigen den Wählern das, was wir, geleistet haben. Jeder kann dies beurteilen; Wir haben das von der „Union“ hinterlassene Defizit verringert. , - Wir Zionisten haben die Fürsorge, für die Jugend, für Kranke, für Frauen .und Greise erweitert. r Wir Zionisten haben die Geschäfte, der Gemeinde nach den Grundsätzen modernster sozialer Verwaltung geführt. Wir Zionisten haben dem kleinen jüdischen Kaufmann und Gewerbetreibenden duroh billigen Kredit und zinsenfreie Darlehen Hilfe geleistet. Wir Zionisten haben für Arbeitslose Beschäftigung geschaffen. Wir. Zionisten haben für das Spital, für diö Winterhilfe, für Lebensmittelaktionen gesorgt. Wir Zionisten haben eine vertrauenswürdige, ehrliche und für jeden übersichtliche Finanzwirtschaft geführt. Wir Zionisten haben in der Gemeinde so gearbeitet, daß den verantwortlichen Leitern dieser Arbeit von der Regierung duroh Berufung in die Staatsorgane die Anerkennung zuteil geworden ist. Wir Zionisten haben die nach Palästina, nach dem alt-neuen jüdischen Land, strebende jüdische Jugend unterstützt. Wir Zionisten haben an dem großen Aufbauwerk in Palästina, in dem, Land der jüdischen Zukunft, nach unseren Kräften mitgewirkt. Wir Zionisten haben die Gemeinde nur nach den Bedürfnissen der ‘Allgemeinheit geführt und jede Parteilichkeit ausgeschaltet. Wir Zionisten haben in den Verhandlungen mit den Organen des Staatesuns immer nur als die Treuhänder und Vertreter der jüdischen Gemeinschaft betrachtet und niemals irgend eine Gruppe vor die antijüdische Kritik gestellt. Der jüdische Wähler siebt und hört dies, und er weiß, was er zu tun hat. Es, ist noch viel zu bessern. Die Mißwirtschaft, die die „Uüion“ in den, Jahrzehnten ihrer Herrschaft betrieben hat, kann nicht so rasch in ihren Spuren in Budget und Verwaltung beseitigt werden. Was möglich war, was bei der steigenden Not erreicht werden konnte, ist geschehen, und, um dieses Werk fortzuführen, kann wieder nur einer zionistischen Leitung gelingen. Die Männer, die um das Vertrauen der Judenschaft werben, tun dies als Volljuden, als Menschen, denen einzig und1 allein d$$ Lebensbedürfnis des Judentums Rieht* schnür ist. Sie versprechen nichts, denn ihre Leistungen sprechen für sie. Es Sind Männer, die an allen Rechten des Judentums in. den. Wohn ländern und an allen Rechten des Judentums in P a 1 ä s 11 n a festhalten. Sie sind für Palästina, weil dorthin alle Hoffnungen Wir Unterzeichneten Vorstandsmitglieder der Israelitischen Kultusgemeinde Baden sehen uns veranlaßt, folgende öffentliche Erklärung abzugeben: Die Union österreichischer Juden hat mit ihrer Aufsichtsbeschwerde einen Weg beschriften, der nicht scharf genug verurteilt werden kann. Das Niveau des von. der Union geführten Wahlkampfes ruft in den weitesten jüdischen Kreisen Befremden, ja Abscheu hervor. Antisemitische, Zeitun- und Geböte des jüdischen Volkes weisen, weil dort bereits eine halbe Million Juden festgesiedelt ist, weil Palästina als jüdische Heimstätte vom Völkerbund anerkannt worden ist. Die „Union“ vernadert dies als Grundlage eines politischen Geschäftes der Wiener Zionisten mit den Antisemiten, dieselbe „Union“, die sich für jüdische Siedlung in Abessinien erwärmt und dies als höchsten Patriotismus ausgeben will. Die „Union“ hat einen Wahlkampf begonnen, wie er in der Geschichte des Wiener Judentums noch nicht geführt worden ist. Sie wird nach den Wahlen alle Konsequenzen zu tragen haben. Wir haben, als die bekannte angeberische Aufsichtsbeschwerde der „Union“ bekannt wurde, erklärt, daß ein Verhandeln mit dieser Partei ausgeschlossen ist. Daran werden wir auch nach den Wahlen festhalten. Es’ ist unmöglich, daß diese Partei weiter in dör jüdischen Politik verbleiben kann. Sie hat sich selbst außerhalb des Jude n t um s ge stell t, indem sie an den Judenhaß appelliert, jüdische Bevölkerungsschichten dem Ausweisungsbefehl überantworten will, die Autonomie der Gemeinde einem Regierungskommissär hat ausliefern wollen. Die „Union“ hat durch ihr, Davonlaufen, und durch ihre Eingaben die Wahlen verhindern Vollem Nun hat der jüdische. Wähler das letzte Wort. Er entscheidet über uns, die gearbeitet haben, über die „Union“, die davongelaufen ist. Der Wähler wählt die Zionistische Liste! gen ziehen die Presseerzeugnisse der Union zur Begründung ihrer gegen die ge- 8 a m t e J u d e n s c h a f t gerichteten, auf unsere Entrechtung hinzielenden Angriffe heran. Wir appellieren daher an alle W ten er Juden, auf die EinsteUunjg des häßlichen, von der Union heraufbeschworenen Kampfes zu drängen. Nach unserer Meinung bietet die Kultusgemeindewahl am 8. November hiezu Gelegenheit Wer unserer Abreise der Kgl. Kommission: 5. November Wie aus London gemeldet wird, ist die Abreise der Umtersfudhungskomimdssion für Palästina auf den 5. November 1936 festgesetzt worden. Die Kommission, deren Zusammensetzung vom Kolonienminister Ormsby-Gore im Unterhaus am 29. Juli bekanntgegebm wurde, besteht bekanntlich aus folgenden Personen: Earl Peel (Vorsitzender); Sir Horace Rumbold (Vizevorsitzender); Sir Laune Haramond; Sir Maurice Carter; Sir Harold Morris, K. C.;' Professor Reginald Coupland. Als Sekretär der Kommission wird J. M. Martin vom Koionialamt fungieren.. Mit der ’Untersuchungskommission werden auch einige Beamte und Stenographen aus England nach Palästina kommen. Von den . Beamten der Palästinaregierung werden für die Arbeiten der Kommission diejenigen ausgesucht werden, die sämtliche offiziellen Landessprachen Palästinas beherrschen und als Dolmetscher Verwendung finden können. ' 0k m M <£ lilji jL . m I, Jeden Samstag, Sonnu. Feiertag» V9l6 Konzert, Tanz und Stimmungsmusik ■■nHHHl Kapelle IST GEIGER (Hinter dem Deutschen Volkstheater) Beginn 8 Uhr abends Burgerl. Preise Stoffe kauft man am besten im Tuchhaus Tabak I., Salzgries 5 Hsrbst-Nuunaltsn für Ein Gebot der Selbsterhaltung Der Wiener Wählkampf findet selbstverständlich auch bei den Juden der Provinz ein lebhaftes Echo. Allgemein ist die Empörung über die Kampfmethoden der Union. Wir haben , vor kurzem eine Kundgebung der; Kremser Kultusgemeinde veröffentlicht. Beute liegen Erklärungen aus Klagenfurt und Baden vor, die wir hier wiedergeben. FrnncopolcZPolen und Rumänien l Nächste Abfahrten! 8., 23. XI. u. 22. XII. Anmeldungen: Poln. Ver kehl ab Uro „Francoppl“ III., Schwarzenbergplatz 7, Tel. U 16-4-90 „tedok“, I., Kärntnerstraße 32, Tel. R 23-4-88 QerngroB, VII., Marlahllferstr. 42, Tel. B 38-2-68 Meinung ist, daß das Treiben der Union eine Gefahr für die gesamte Österreichische Judenschaft ist, kamt' dies dadurch bekunden, daß er die Zionistische Liste wählt. Die ausgezeichnete Verwaltung der Wiener Jüdischen Gemeinde durch die Zionisten und deren immer entschlossenes Eintreten für die österreichischen Provinzgemeinden und der Juden in Österreich überhaupt lassen die Wahl der Zionistischen Liste als ein Gebot der Selbsterhaltung für alle Juden erscheinen.. Dr. Lackenbacher Rudolf, Facharzt, Präsident der Israel. Kultusgemeinde Baden, Franz-Josefs-Ring 45. Gelles Adolf, Kaufmann, Baden, Breyerstraße 5, Vizepräsident der Israel. Kultusgemeinde. Brander Moritz, Vöslau, Kaufmann, Beirat der Israel. Kultusgemeinde. Glück Hermann, Kaufmann, Baden. Dozent Dr. Singer Richard, Primarius, Badem Baden, 27. Oktober 1936. ■ : . . Die unterfertigten Vorstandsmitglieder der Israelitischen Kultusgemeinde in Klagenfurt wenden sich mit folgendem Aufruf an die Juden Wien«: Von der Erwägung ausgehend, daß die derzeitige zionistische Mehrheit des Wiener Kultusvorstandes stets vollstes Verständnis für die Erhaltung der österreichischen Provinzkulturgemeinden bewiesen hat, was auch durch die Bildung der Arbeitsgemeinschaft der Kultusgemeindeu-erfolgt ist, fordern wir die Wiener Juden auf, bei den Wahlen in die Vertretungskörper der Wiener Kultusgemeinde am 8. November die Zionistische Liste zu wählen. Wir verweisen auf das aufrechte, mutige Verhalten der zionistischen Repräsentanten der jüdischen Großgemeinde Wien bei Zurückweisung aller gegen die Ehre und Würde des GesamtJudentums gerichteten feindseligen antisemitischen An* griffe. In einer Zeit, wo eine Welle von Haß. und Verleumdung unserem Glauben upd Volk entgegenseblägt, ist es den Judenr der österreichischen Provinz gan z unverständlich, daß es innerhalb der jüdischen Gemeinschaft Gruppen und Menschen gibt, die Angehörige ihres Stammes in verschiedene Kategorien nach Geburt und Herkunft qualifizieren wollen, sich obendrein uih die Führung der Wiener Kultusgemeinde bewerben und somit auch d i e r e p räsentative G esamtvertr etung der Judensohaft Österreichs für sich anstreben. Die Unterzeichneten Mitglieder des Vorstandes der jüdischen Kultusgemeinde Klagenfurt sehen es daher als ihre Ehrenpflicht an, offen für die Zionistische Liste zu werben und geben der Überzeugung Ausdruck, daß auch die Mandatare der übrigen Kultus gemeinden Österreichs diesem Beispiel Folge leisten werden. Nathan Kriegsfeld, Kaufmann, Präsident der Jüdischen Kultusgemeinde; Isidor Weinreb, Kaufmann, Vizepräsident, und die Vorstandsmitglieder Simon Friedländer, Kaufmann, Dir. Adolf Terner, Kaufmann, Ingenieur Hermann Schiller, Angestellter, sämtlich in Klagenfurt, Osias Fischbach, Kaufmann in Vülach. Klagenfurt, 26. Oktober 1936.

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