Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 589 (23.10.1936)
- Date
- 1936-10-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3053752-3054338-3054346--6224-3062050- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
'■-.fr JÜDISCHE ZEITUNG ■ , •> ■ / ' V V + ' Nr. 589 Wien, Freitag, 23. Oktober 1936 7. Cheschwan 5697 10. Jahrgang Tatsachen und Lügen Am 8. November wird die jüdische Wählerschaft ihren Willen aussprechen. Die Wählerschaft wird den Unterschied bedenken zwischen dem Zustand, in dem sich die Gemeinde vor vier Jahren befand, lind dem Zustand, in dem sie sich heute zeigt. Damals Defizit, Vernachlässigung der religiösen und kulturellen Notwendigkeiten, Verkümmerung des Schulwesens und der Fürsorge. Es ist doch eigentlich selbstverständlich, daß die Union in den Wahlkampf nichts anderes einzusetzen hat, als die Vernaderung der Zionisten vor der nichtjivdisohen und jüdischen Öffentlichkeit, als Beschimpfungen und B esudelungen der persönlichen Ehre der zionistischen Kandidaten, als lügnerische Verdrehungen und Wablerpressungen. Die Union hat in diesem ganzen Wahlkampf noeh kein einziges Wort über ihre Leistungen gesprochen, und sie hat nicht einmal den Schatten irgieind eines Programms erkennen lassen. Weshalb dieser Mangel? Die Union hat nichts getan und sie hat kein Programm. Denn das Gesuch um Bestellung eines Regierung,skomiMissär.s, die Denunziation der Mehrheit der Wiener Juden als unpatriotisch, das Spiel mit der Bodenständigkeit und den Ausländern — um nur oinigee zu nennen — ist doch kein positives Programm. Die Zionisten bewerben sich um das Vertrauen der Wähler und sie legen Rechenschaft ab| über das, was sie als Opposition erstrebt, und über das, was sie dann in der Führung der Gemeinde getan haben. Ergebnisse, Ziele, Programme liegen vor dem jüdischen Wähler. Er sieht sich festen Tatsachen gegenüber. Wir zählen sie hier auf: In den Jahren 1932 bis 1936 hat die Gemeinde im weitestgehenden Ausmaß für die wirtschaftliche Festigung des jüdischen Kleingewerbes und des Kleinhandels ©sorgt. Sie hat eine Gemilath-Ohesserasse gegründet, die vorher, zur Zeit der Union, nicht vorhanden war. Die Kultusgemeinde hat ihr Spital um eine Radiumstation, ein chemisches Laboratorium erweitert, eine Herzstation und eine physikalisch-therapeutische Abteilung wird demnächst eröffnet. Diese neuen Institute werden genau so wie alle anderen den mittellosen Patienten unentgeltlich zur Verfügung stehen. Die Kultusgemeinde wendet für die unentgeltliche Behandlung mittelloser Patienten jährlich 200.000 Schilling auf. Die Union hat an Derartiges, BO den Ausbau d e s S p i t a 1 s, nie gedacht. Das Altersheim ist erweitert worden und seine Führung ist ein Muster sozialer Einsicht. Die Union h at s i c h nie um dieses Heim gek ü m m e r t, aber sie greift mit ihren schmutzigen Erlindungen auch hier hinein. Sie behauptet, daß die nach' Wien zuständigen Juden gegenüber den hier nicht heimatbereohtigten im Nachteil sind. Aber auch diese Lüge ist widerlegt worden. Staatsrat Dr. Friedmann hat im Vorstand in seiner Budgetrede an der Hand des amtlichen Ziiffernmaterials festgestollt, daß von 447 I-Ioiminsassen 257 nach Wien l u s t ä n d i g sind. Die Zionisten haben 104 Lehranstalten, Bibel- und hebräische Schulen, wissenschaftliche Institute, Studenten-, Turn- und Sportvereine unter den Schutz der Gemeinde genommen, eine jüdische Volksschule gegründet, ein Kinderambulatorium und eine Sonnen-Heimstätte gegründet, 4000 Kinder in diesem Jahr in Höhnen und Sommerfrischen untergebracht. Die Kultusgemeinde hat schon im Jahre 1932 für Jugendfürsorge 190.000 Schilling ausgegeben und diese produktive Ausgabe bis auf 283.000 Schilling im Vorjahr gesteigert. Sie hat die Jugendfürsorge erst geschaffen. Die Zionisten haben den unentgeltlichen Arbeitsnachweis gegründet und 1200 Arbeitsuchenden Brot verschafft. Die Union hat in der Zeit ihrer Herrschaft nichts für Spital, nichts für Schulen, nichts für die Jugend, nichts für die Gewerbetreibenden getan. Daß sie nichts für Palästina, nichts für Ohaluzim übrig haben, Arabischer Polizist ermordet Jerusalem, 18. Oktober. (Palcor.) Ein arabischer Polizist, der heute früh ausgegangen war, um Lebensmittel für seine Kameraden zu besorgen, wurde später zwischen Jenin und Nazareth erschossen aufgefunden. DIE ERÖFFNUNGSFEIER DER ERSTEN JÜDISCHEN HANDELSSCHULE In Wien wlra am 26. ds.f 8 Uhr abends, Im großen Festsaal des Bayrischen Hof stattfinden. Eintrittskarten in der Sdiuikanziei oder bei der Kassa erhältlich Tel-Aviv und Jaffa ruhig In Tel-Aviv und Jaffa herrschte heute Ruhe; der Verkehr zwischen den beiden Städten ist zwar wieder hergestellt, hat jedoch etwas nachgelassen. Meschek Haotzar bei Kfar Saba war um versteht sich von selbst. Palästina ist doch das große jüdische Werk, auf das die ganze Welt mit Achtung und Staunen blickt, Palästina ist doch die werdende jüdische Nation, die einmal die Weltstellung des Judentums vom Grund aus ändern wird, — Palästina ist doch das Land, in dem an 40.000 jüdische Opfer des Dritten Reiches Rettung und Arbeit gefunden haben, — die Union, die den Selbstmord und den Untergang des Judentums anstrebt, die wie ihre Genossen im Dritten Reich, die Naumann-Juden, jüdischen Antisemitismus betreibt, verleugnet, beschimpft, besudelt dieses jüdische Werk, applaudiert den arabischen Mördern — und tut empört, weil die Wiener Kultusgemeinde für die Ausbildung der nach Palästina auswandemden Jugend sorgt. Die Union hat ein Defizit hinterlassen, die Zionisten haben es auf ein Drittel verringert. Auch darüber schweigt sich die Union Mitternacht einem schweren Angriff ausgesetzt, wobei jedoch niemand verletzt wurde. * Jerusalem, 19. Oktober. (JTA.) Ein heftiger Nachtangriff auf Kfar Chassidim ist durch die Siedler, die von Truppen unterstützt wurden, abgeschlagen worden. Weder das Militär noch die Kolonisten hatten Verluste zu beklagen. Bei Haifa wurde ein Araberdorf von einer fünf Mann starken Bande überfallen, die Geld zu erpressen versuchte. Die Einwohner setzten sich zur Wehr und nahmen die Banditen fest. iiiiiiiiiiiiiiitiiiitiiiiiniuiiiiiiitiiiiiiiiniiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimniiiiiiiimnmniiiiiiiiiiiiiiiiiiiimu Wichtig für Wähler! Für, die Wahl in die Kultusgemeinde hat jeder Wähler zwei Stimmzetteln zu bekommen, einen für den Kultusvorstand und einen für die Kommission seines Bezirkes. Steuergeschenk an Beduinen Jerusalem, 17. Oktober. (Palcor.) Eine von Sir Arthur Wauchope Unterzeichnete Verordnung bestimmt, daß ein Teil der von den Beduinenstämmen in der Gegend von Beersheba abgeführten Steuern in Höhe von m MJL SAIJeden Samstag, Sonnu. Feiertag: Konzert, Tanz und Stimmungsmusik (Hinter dem Deutschen Volkstheäter) Beginn 8 Uhr abends Bürgerl. Preise 6 REGELMÄSSIGE EXPRESS- UND POSTUMEN’ NACH ÄGYPTEN - PALÄSTINA - SYRIEN * INDIEN - OSTASIEN GRIECHENLAND- TÜRKEI ★ LEVANTE - SCHWARZES MEER GESELLSCHAFTSREISEN IN VORBEREITUNG: ÄGYPTEN (KAIRO-LUXOR-ASSUAN), DEZEMBER 1936 INDIEN, DEZEMBER-JÄNNER 1936/37 Auskünfte: LLOYD TRIESTINO, Wien, I., Kärntnerring 6, und alle Reisebüros Alarmzustand in Palästina gemildert Jerusalem, 21. Oktober. Angesichts der Beruhigung der Lage in Palästina ist heute Donnerstag der Alarmzustand, der seit Beginn der Araberunruhen scharf gehandhabt wurde, teilweise aufgehoben worden. Während es bisher verboten war, die Straßen bei Einbrechen der Dunkelheit bis zum Morgengrauen zu betreten, wird dieses Verbot ab Donnerstag von Mitternacht bis 4 Uhr früh beschränkt. Wie weiter bekanntgegeben wurde, wird auch diese Einschränkung der persönlichen Bewegungsfreiheit in den nächsten Tagen aufgehoben werden, vorausgesetzt, daß sich keine neuen Unruhen ereignen, was man jedoch allgemein für unwahrscheinlich hält. Reisen «FRANCOPOL“- alle U rage nach POLEN lind CZERNOC01TZ wachste Abfahrten. 95. X., Q.uitd 22.XI, Anmeldungen: Pom. VerhehrabUro „Francopol“ UI., Schwarzenberfjplati 7 / Tel. U 16-4-9!) a-us. Die zionistischen Führer der Gemeinde haben ihre Ehrenhaftigkeit und ihre Umsicht in der Verwaltung der Gemeinde gezeigt und die Union hat sich durch ihre Denunziantenbeschwerde eine blamable Abfuhr geholt. Die Behörde hat festgestellt, daß die zionistische Gemeindeverwaltung tadellos ist. Die Männer, die in die Verwaltung dieser großen Gemeinde.Ordnung gebracht haben, wurden in die Organe des neuen Österreich berufen. Die Union, die deshalb sich täglich frisch vor Neid wälzt, hat herausgefunden, daß diese Berufungen den Dank für die von den Zionisten Wiens versprochene „Evakuierung“ darstellen. Das ist eine der vitalen, wahrscheinlich aber noch nicht die letzte Niederträchtigkeit, auf die die Phantasie der Bankerotteure und Spitzel verfällt. Wir zählen die Lügen auf und wir stellen ihnen gegenüber die Leistungen. Was in der Gemeinde in diesen vier Jahren geschaffen wurde, ist Programm. Die Zionisten wollen und werden so fortarbeiten wie bisher und an ihrem reinen Tun und Streben prallen die Angebereien und Unwahrheiten der Union wirkungslos ab. Aber der jüdische Wähler muß sich vor Augen halten: Bei der Union giftige Lüge, aber keine Leistung, kein Programm. Bei den Zionisten lebendige Tätigkeit zum Wohle des Judentums, Arbeit, Sauberkeit und Wahrheit. Am 8. November wird der jüdische Wähler die Union aus dem jüdischen Leben Wiens für immer entfernen. Es ist kein Platz mehr für jüdische Antisemiten, für Angeber, für Nichtstuer, für Bankerotteure! Die Union ist aus der Kultusstube davongelaufen. Sie hat unsere Gemeinde einem Regierungskommissär überantworten wollen, in der Hoffnung, auf solche Weise für immer dem Urteil des Wählers entzogen zu sein. Das ist mißlungen. Am 8. November ßtehtdie Union vor dem Gericht der von ihr Betrogenen und Belogenen und das Urteil wird vernichtend sein. Der 8. November wird einen großen Sieg der zionistischen Liste bringen. 6370 Pfund Sterling wiedererstattet wird; als Grund hieftir wird die schlechte Ernte * angegeben. Ähnliche Maßnahmen wurden zwar schon in früheren Jahren gelegentlich getroffen; es ist jedoch möglich, daß die Regierung mit der jetzigen Maßnahme ihre Anerkennung über den Abbruch des Streiks zum Ausdruck bringen will. ORBIS billige Reisen nach POLEN Abfahrt: Jeden Sonntag Anmeldungen: Polnisches ReisebUro „ORBIS“ U KärntnerstraBe 41, R 21-6-78 Oesterreich. Verkehrs-Büro I., FriedrichstraBe 7, B 27-600, l„ Graben 20, U 29-0-53 Ibn Saud an den Mufti Jerusalem, 17. Oktober. (Palcor.) Die „Palestine Post“ veröffentlicht ein Schreiben, das Ibn Saud während der Verhandlungen, die der Veröffentlichung des Aufrufs der Könige vorangingen, an den Mufti gerichtet hatte. Ibn Saud erklärte in dem Schreiben, daß er nicht geneigt sei, Großbritannien um neue Versprechungen anzugehen, da dies bereits dreimal ergebnislos versucht worden sei; er wies auch darauf hin, daß es zwecklos sei, den Streik und die Gewalttätigkeiten fortzusetzen, was die schädlichsten Folgen haben könne, und riet zur Aufgabe des Kampfes. VH-, KAISERSTRASSE 123 Ar IX» ALSERSTBASSE 6