Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 585 (7.10.1936)
- Date
- 1936-10-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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V. 1». B. 20 8 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. $85 Wien, Mittwoch, % Oktober 1936 31. Tleehri S697 SO. Jahrgang An Sonntagen „FRANCOPOL"- ionderfahrten nach POLEN und CZERMITZ Poin. VerkehrsbUro „Prancopol" HI., Scbwarzonber#platz 7 / Tel. U lß-4-90 Nächste Abfahrten i 11. und S5. Oktober „Cedok“, l., KSrntnerstraöe 32, Tel. 11 23-4-88 Gerngroß, VII., Mariabilferstr. 42, Tel. B 38-2-68 Guter Beginn der Aktion Mifal Bizaron Jerusalem, 2. Oktober. (Palcor.) Die ersten Meldungen über die Mifal Bizaron- Aktion in europäischen Ländern weisen auf einen außergewöhnlichen Erfolg hin. Altbewährte Zionisten, die Jugend, sowie auch Nichtzionisten und allgemeinjüdische Institutionen nehmen regen Anteil an dieser Aktion, die gleichermaßen eine Antwort der Diaspora auf die Ereignisse in Palästina darstellt. In Belgien und Holland, wo die Aktion von Dr. Welzmänn ins Werk gesetzt wurde, sind am ersten Abend allein 6000 Pfund Sterling aufgebracht worden. Außer den Leitern «es Keren Hajessod haben die meisten der Exekutivmitglieder ihre; Mitarbeit zur- -Verfügung gestellt. ORBIS biljlge Reisen nach POLEN Abfahrt: Jeden Sonntag Anmeldungen Polnisches Reisebüro „ORBIS“ KärntnerstraBa 41, K 21-5-78 Oesterreich. Verkehrs-Büro I, FriadrichstraBa 7. B 27-600, ... üraban 20. ü 29-0-53 Die Verwendung des Fonds Jerusalem, 30. September. (JTA.) In einer Pressekonferenz gab der Schatzmeister der Exekutive Elieser Kaplan Aufklärungen über die Verwendung der Gelder, die für den Mifal Bizarro-n aufgebracht werden sollen.. ., 20.000 Pfund . sind für politische Arbeit sowie für die Vorbereitungen bestimmt, die im - Hinblick auf die bevorstehende Arbeit der Königlichen Untersuchungskommission getroffen werden müssen. 35.000 Pfund sollen für die Organisierung und Erhaltung des legalen jüdischen Selbstschutzes (Hilfspolizei) verwendet werden, dessen Kosten nur zur Hälfte von der Regierung getragen werden. Für Bauten defensiven Charakters sind 40.000 Pfund bestimmt. Geplant ist der Bau strategischer Straßen, von Unterkünften zu Vert-eidigungszweeken und ein entsprechender Umbau peripher gelegener Häuser in den jüdischen Siedlungen. Zur Bekämpfung saisonmäßiger Arbeitslosigkeit werden 80.000 Pfund verwendet werden. Mit Hilfe dieses Geldes sollen Wohnungen für 5000 Arbeiter geschaffen und Kredite für das Transportwesen gewährt werden. 90.000 Pfund sollen zur Gewährung von Darlehen an industrielle, landwirtschaftliche und Handelsunternehmungen verwendet werden, dio unter den Unruhen gelitten haben. Schließlich ist eino Summe von 40.000 Pfund für verschiedene Arbeiten und Aufgaben sozialen Charakters bestimmt. Neues Transfer-Abkommen mit Deutschland Berlin, 29. September. (JTA.) Als Ergebnis von Verhandlungen des Schatzmeisters der Exekutive der Jewish Agency Elieser Kaplan mit der Reichsbank wurde zwischen der Zionistischen Vereinigung für VII., KAISERSTRASSE 123 ★ IX., ALSEBSTRASSE 6 Deutschland und der Deutschen Regierung ein neues Transferabkommen geschlossen, welches den deutschen Juden die Möglichkeit gibt, zweieinhalb Millionen Reichsmark im jüdischen Aufbauwerk in Palästina zu investieren. Juden in Deutschland können gemäß dem Abkommen Teile ihres Kapitals einer unter der Aufsicht der Zionistischen Exekutive arbeitenden jüdischen Kolonisationsgesellschaft überweisen, und zwar in Form von Maschinen und anderen Materialien, die diese Gesellschaft für ihre Arbeiten braucht. Die deutschen Investieren erhalten für ihr Kapital Bons, die innerhalb von 25 Jahren rückzahlbar sind. Das neue Transfer-Abkommen ist in den allgemeinen Transfer Deutschland-Palästina eingegl'iedert. Im Rahmen des Transfers Deutschland- Palästina arbeitet bereits seit sechs Monaten eine Gesellschaft mit dem Sitz in London, die jüdisches Kapital in Form von deutschen Waren in Deutschland benachbarte Länder transferiert. Eine ähnliche. Gesellschaft mit dem Namen „Intria“ (International Trade Investment Agency) arbeitet in Ägypten; sie wird vom Vorsitzenden der Z. V. f. D. Dr. Siegfried Moses, sowie von Dr. Georg Landauer, Dr. "Ludwig Pinn er und Dr. A. Landsberg von der Hitachdut Olei Germania in Palästina geleitet. Zu den Wiener Kultusgemeindewahlen In vier Wochen werderi die jüdischen Wähler an die Urne gerufen. Sie haben d;ie Leitung ihrer Gemeinde neu -zu bestellen und kundzutun, nach welchen Grundsätzen in den nächsten Jahren die Geschäfte der Gemeinde geführt werden sollen. Die jüdischen Wähler,- die vor vier Jahren in ihrer Mehrheit sich für die zionistische Richtung ausgesprochen haben, werden diesmal ihr bewußt jüdisches Votum nicht, nur wiederholen, sondern verstärken; sie wird sich dieser "Aufgabe zu unterziehen haben, nicht nur mit Rücksicht auf die Läge der Juden in Österreich, sondern auf die Lage des jüdischen Volkes in der ganzen Welt.. Die Wiener Zionisten, welche das Vertrauen der jüdischen- Wählerschaft verlangen, sind für, sie keine, neuen Männer. Seit vielen Jahren stehen sie im Kämpfe um die jüdischen Rechte, haben .uns neue, verheißungsvolle Woge geführt und arbeiten zielbewußt an der Ausgestaltung der jüdischen Gemeinde, dieses letzten Horte,? jn dem uns umbrandendeir Meere von Haß. Gerade in den' letzten.Monaten haben sie einen schweren Kampf um die Autonomie der Kultusgemeinde zu Ende geführt. In diesen schweren Tagen, in welchen der Zusammenschluß ‘ aller jüdischen ’ Gruppen das Gebot der Stunde ist, hat eine beispiellos verhetzte Minderheit, die „Union österreichischer Juden“ an dieses unser letztes Bollwerk in frevelhafter Weise Hand angelegt. Nachdem die elf unionistisohen Mitglieder des Kültusvorstandes im Februar 1936 aus einem nichtigen Grande ihre Mandate, im Kultusvorstand zurückgelegt haben und in dieser Zeit der Not davongelaufen sind, haben sie es nicht vorgezogen, wie dies bei aiifrecbten, sieh ihrer Verantwortung bewußten Menschen Selbstverständlich gewesen wäre, an die jüdische Wählerschaft zu appellieren, sondern sie haben den Versuch unternommen, mit Hilfe des Magistrats der Stadt Wien und anderer Regierungsstellen . die Autonomie der Wiener Judengemeinde zu vernichten. Sie haben nicht weniger als .vier Eingaben an den .Wiener Bürgermeister.gerichtet, in welchen sie unter. Erhebung von u n w a h r e n Beschuldigungen, Verleumdungen, und Denunziation e n. die Auflösung des Wiener Kültusvorstandes und, die Einsetzung eines Regierungskommissärs verlangt haben. .Statt der Wählerschaft sollte ihnen eine behördliche Verfügungzu ihrer früheren Machtstellung wieder verhelfen. Dieser schändliche Plan ist dank der Entschlossenheit und der einwandfreien Führung der Geschäfte durch' die zionistische Mehrheit des Kultusvorstandes zunichte gemacht worden. Die Beschwerden der Minorität wurden vom Magistrat zurückgewiesen und die Begründung ■ dieser Entscheidung war für diese Deserteure geradezu eine vernichtende. Die Unionisten iahen sich atyermit . der ihnen von diesen Behörden versetzten Ohrfeige nicht begnügt, sondern sie : haben sich nicht gescheut, auch noch die Landesregierung mit ihren,. die . ganze Judensobaft beschämenden und ihr Ansehen auf , das tiefste verletzenden Anzeigen zu befassen. Auch bei dieser Instanz haben sie eine blamable Niederlage . erlitten. Die jüdische Wählerschaft wird noch Gelegenheit haben, die Entscheidungen, die ein trauriges Kapitel politischer. Verirrung ahsohließen, in ihrem Wortlaut 'kennenzulernen. Die Hetze gegen den Zionismus und das Aufbauwerk in Palästina, den Stolz und die Hoffnung des Judentums der ganzen Welt, wird seit Jahren von der „Union14 in geradezu gewissenloser Weise betrieben. Es gibtauf der ganzen Welt keine Organisation, welche eine' derart gehässige Stellung zum Zionismus und zu Palästina einnehmen würde, - wie die Union. Hiefiir ist in erster Linie, ihr-Obmann : Dr. Hermann Oppenheim verantwortlich. Schon seine Antrittsrede nach seiner vor etwa zwei Jahren erfolgten Wahl zum Vereinsobmann ‘war außerordentlich verheißungsvoll.-Es lohnt sich, aus ihr folgende. Stelle wörtlich zu zitieren: „Wir: treten der- Auffassung : jener unserer Glaubensgenossen' entgegen, die neben dem Vaterlande Österreich z u- ’ mindest noch ein ^zweites Vaterland, Palästina, und ein politisches Ziel, das wir .nicht mit unseren christlichen Mitbürgern teilen. können, den Judenstaat, anerkennen. Die Beziehung zu unserem Vaterlande schließt . jedes gleichartige Verhältnis zu einem andern Lande aus. Die menschliche Seele ist z-u eng, um mit gleicher, echter und wahrer Liebe und Hingebung zwei Vaterländer <—die Mehrzahl ist auch eine grammatikalische und phonetische Unmöglichkeit — zu umfassen. Wir Angehörigen der Union wollen mit ganzer Kraft und Stärke unsere, Hingebung auf unser einziges Vaterland Österreich vereinigen.“ Das sind dieselben Gedankengänge, welche schön inder berüchtigten Kundgebung der sogenannten deutschen- „Protestrabbiner“ enthalten waren, als Th eodor HerzI den ersten Zionistenkongreß nach München einberufeai wollte. Diese Gedankengänge wurden auch damals als d enunziatorisch empfunden und haben einen Sturm der Entrüstung hervorgerufea. Die Wiederholung nach 40 Jahren, zu einer Zeit, in welcher die Jewish Agency beim Völkerbund akkreditiert ist und England vom .Völkerbund'das Mandat erhalten hat, in. Palästina eine nationale Heimstätte für das jüdische Volk zu e-r richten und die Judensobaft der ganzen Welt die Verpflichtung übernommen hat, an dieser Aufgabe mitzuwirken, ist nur aus einem , krankhaften Haß gegen die zionistische Bewegung erklärlich. Man bedenke-nur: .Sämtliche Staaten der Welt erklären sich .mit der Errichtung einer . nationalen, Heimstätte in Palästina, einverstanden, alle Staaten der Welt erwarten vom jüdischen Volk, daß es seine Kraft dieser nationalen Aufgabe zuwendet., Es gibt auf der ganzen weiten Welt keinen bedeutenden Staatsmann, der nicht gelegentlich seine Sympathien der nationalen Bewegung. der Juden und dem Aufbauwerk in Palästina ausgesprochen hätte.1 Wir erinnern beispielsweise an die vor wenigen Monaten erfolgten Enunziatjonen, des Staatsmannes und Philosophen Masaryk,1 seines Nachfolgers Benesch und | des Ministerpräsidenten Hodza. Auch, die bedeutendsten ö s t e r re i c h i s e h e n Staatsmänner haben es nicht unterlassen, dieser Bewegung ihren Respekt zu. bezeugen.' Herr Oppenheim ab‘er . findet, . daß die Arbeit für das jüdische Volk mit Patriotismus unvereinbar s e i. . Hat man. von dieser nur aus einem geradezu manischen Haß gegen den Zionismus und gegen alles, was damit zusammenhängt, erklärlichen Einstellung Kenntnis genommen, braucht man sich nicht darüber zu wundern, wenn in den obenerwähnten . Anzeigen an den Bürgermeister von Wien sich folgende Stellen finden: „Wir führen diese Umstände an, um zu dokumentieren, daß die von den Jüdisch- Nationalen nun auch zu persönlichen und Parteizwecken mißbrauchte Herrschaft in der Wiener Israelitischen Kultusgeiheinde auf einer Zurück dr ä n g u ü g de s Einflusses des in Österreich beheimateten positiv - religiösen und v.aterländisch-f ühlenden Teiles der Angohörig e-n der Wiener Israelitischen Ku 11u sgem ein d e b eruh t. Mit Rücksicht auf den großen Umfang des Budgets ... ist es untragbar, daß einer einzigen Gruppe jüdisch-nationaler Glaubensgenossen, die-zum größten Teil ilj.re Mandate dem aktiven Wahlrecht der ausländischen Juden verdankt, die Sorge ffir das Wohl der,Wiener Judenschaft überantwortet wird.“ Eine andere Stelle in diesem Dokument der Schande hat folgenden Wortlaut: „Die Union österreichischer Juden ist die Organisation aller - Wiener Juden, die , auf dem positiv-religiösen uüd vaterländisch-österreichischen Boden' stehen. \ Wir stehen fest auf dem Boden dieses Staates, dessen Schicksal wir seit Jahrhunderten in Leid und Freud geteilt und für den wir allezeit gerne Opfer bringen.. Österreich ißt unser Vaterland und unsere ’Heimat.“ Die Union österreichischer Juden,, diese zahlenmäßig bedeutungslose und jeder Ideologie bare Minderheit in der jüdischen Bevölkerung wagt es also,- um ihren netten Forderangen nach Auflösung dei1 Wiener - Kultusgemeinde und Einsetzung eines Rejierungskommissärs mehr Nachdruck zu verleihen, sich auf ihren Patriotismus zu be- - rufen und . sich in . Gegensatz zu stellen zu der Mehrheit der jüdischen Bevölkerung, die als irreligiös und in s fc a a t s b ü r.g en. lieh er Hinsicht als unverläßliöh hin-, jeetelt wird. Ein derartiges Unternehmen ip einer Zeit, in welcher ,zu einem Generajsfcurm . gegen,die Judenschaft, der ganzen Welt eingesetzt wird, ist derart unverantwortlich, daß diejenigen, die es in Szene gesetzt haben, für. immer unwürdig sind, Vertreter jüdischer Interessen zu sein. Es ißt daher die Hauptaufgabe der bevorstehenden Wahlen, diese Gruppe zum .Verschwinden tz-u bringen. Ebenso wie in Deutschland der Zusammenschluß der Juden , nur unter Ausyillilli88fcfcA» Jeden Samstag, Sonnu. Feiertag: VaTC Konzert, Tanz und Stimmungsmusil: ■■■■■■HHI Kapelle ISY GEIGER (Hinter dem Deutschen Volkstheater) Beginn 8 Uhr abends Burgerl. Preise