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Die Stimme · 1936-09-08 · Heft 579 (8.9.1936) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 579 (8.9.1936)
Date
1936-09-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
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9k \‘Stimme V.S.6. 20 8 Nr. *7» JÜDISCHE ZEITUNG Wloii, Dienstag, 8. September 1938 SS. Eltil §898 9* Jahrgang An Sonntagen „FRANCOPOL“. Sonderfahrten nach j POLEN und CZERMTZ Pein. Verkehrabüro „Francopol" DI., Schwarzenberglatz 7 / Tel. U16-4-00 NHchste Abfahrten i 13., 27. September „Cedok", I., KärntaerstraBe 80, Tel. R 23-4-88 | aerngroß, VII., Mariahilferstr. 42, Tel. B 38-2-68 Prozeß Frankfurter am 16. Oktober Bern, 5. September. Der Prozeß gegen den 25jährigen Hörer der Medizin David Fr a n k f u. r t e r, der im Februar 1936 den Leiter der nationalsozialistischen Landesstelle für die Schweiz, G u s 11 o f f, erschossen hat, ist für den 16. Oktober vor dem Kantonalgericht Chur angesetzt. Der Prozeß findet vor einem Senat statt, der aus vier Laienrichtern und dem Präsidenten des Kantonalgerichts Kl aus oni besteht. Die Verteidigung Frankfurters hat der Züricher Rechtsanwalt Dr. Eugen Curti übernommen. Das Schweizer Strafrecht von 1851 sieht die Todesstrafefür Mord grundsätzlich vor, 1874 wurde die Todesstrafe abgeschafft, später jedoch wieder fakultativ für jene Kantone zugelassen, die ein entsprechendes Gesetz beschließen. Im Kanton Graubünden besteht ein solches Gesetz nicht. Das Grundgesetz sieht als höchstes Strafausmaß für vorbedachten Mord 25 Jahre vor. ] Regelmäßiger Reisedienst der Cxernowltzer . Allgemeinen Zeitung nach Polen und Czemowlljc Nächste Abfahrt en: 13. und 27. September Anmeldungen ausschließlich Reisebüro „Marlon» brücke“, I., Rotcnturmstraße 26, Tel. R 24-2-86/87 Reservieret jetzt schon Plätze für die Reisen zu den hohen Feiertagen 1300 Olim aus Deutschland in 14 Tagen Berlin, 5. September. (JTA.) Am 2. September sind von Berlin zwei große Transporte mit Palästina-Auswanderern abgegangen: Der eine Transport von 600 Personen, darunter 100 Jugendlichen, die durch die Jugendalijah nach Palästina abgefertigt werden, ging über Marseille, ein zweiter von 180 Personen, über Triest. . Der. Palestine & Orient Lloyd hat für die Bereitstellung des Dampfers „Patria“ in Marseille ausschließlich für die Zwecke der Palästina- Auswanderung gesorgt. Viele Tauseude nahmen auf dem Anhalter Bahnhof von den Olim Abschied. Auf den größeren Durchgangsstationen, insbesondere in Frankfurt a. M., Karlsruhe, beziehungsweise München, wurden die Olim von Abordnungen der jüdischen Gemeinden und der zionistischen Verbände begrüßt und bewirtet. Am 26. August sind etwa 200, am 28. August rund 140 Palästina-Auswanderer von Berlin abgereist. Am 9. September soll noch ein Ergänzungstransport von etwa 150 Auswanderern abgelien, darunter zahlreiche Eltern und sonstige Angehörige schon früher nach Palästina gegangener Juden aus Deutschland. Insgesamt wurden somit durch das Palästina-Amt der Jewish Agency in Berlin innerhalb eines ganz kurzen Zeitraums fast 1300 Palästina-Aus Wanderer abgef ertigt. 29 Prozent Juden in Palästina Jerusalem, 5. September. (JTA.) Laut Schätzung des Statistischen Amtes der Regierung hat sich die Bevölkerung Palästinas im ersten Jahresviertel 1936 um 84.695 Seelen vermehrt. Am 1. April d. J. lebten in Palästina 1,263.136 Seelen, davon 366.136 Juden, 778,615 Moslems (nicht eingerechnet 66.553 Beduinen) und 118.365 Christen und Mitglieder anderer religiöser Sekten. Im ersten Jahresviertel 1936 erhöhte sich die jüdische Seelenzahl um 10.984, die der Moslems um 8480, die der Christen und der Sekten um 2111. Gemäß dieser Statistik machten die Juden am 1. April d. J. 29 Prozent der allgemeinen Bevölkerung Palästinas, aus, England vor der Entscheidung London, 6. September. Eine Entscheidung Uber die Entsendung der Ersten Division nach Palästina ist noch nicht gefallen. In maßgebenden Kreisen scheint in dieser Frage ein Meinungsgegensatz zu bestehen, als dessen Wortführer heute die beiden größten Sonntagsblätter „Sunday Times“ und „Observer“ hervortreten. Der „Observer“ vertritt die Ansicht, daß nur die Begrenzung der jüdischen Einwanderung auf die Höchstzahl von einemDrittelder Gesamtbevölkerung eine Befriedung in Palästina herbeiführen könne. Durch eine Begünstigung des Zionismus könnte die ganze Zukunft des britischen Reiches im Osten in Mitleidenschaft gezogen werden. Dagegen fordern „Sunday Times“ eine entschiedene Politik. Es müsse in Palästina mit fester Hand durchgegriffen, werden, um den Eindruck zu vermeiden, daß die englische Regierung vor den Arabern einen Rückzug unternehmen wolle. Die B a 1four-Poütik müsse durch geführt werden, um aus Palästina eine jüdische Heimstätte zu machen. Das Blatt fordert schließlich die Verhängung des Belagerungszustandes und erblickt in der Haltung des arabischen Ausschusses eine Herausforderung des Judentums und Englands. Vorstellungen des Vatikans in London Rom, 5. September. Nach Informationen politischer Kreise hat der Vatikan bei der britischen Regierung einen Schritt unternommen, um durchzusetzen, daß die Lage in Palästina „einer neuen und Vorurteilslosen Überprüfung unterzogen und daß die jüdische Einwanderung eingestellt werde.“ Klare Antwort: Ormsby Gore an Weizmann Durch die klare und eindeutige Stellungnahme des englischen Kolonienminister Ormsby Gore an Dr, Chajim Weizmann ist nun jeder. Zweifel über die englische Palästinapolitik der nächsten.. Zukunft beseitigt worden. Dieser Brief ist von klassischer Ausführlichkeit und läßt wirklich' keinen Hintergedanken offen. Es ist niemand ermächtigt gewesen, den Arabern Zusagen zu machen, und amtlich würden ihnen auch keine Zusagen gemacht. Nuri Paschas Aktion war eine private Angelegenheit, die für niemanden verpflichtend ist. Es ist nur schade, daß England so lange gezögert hat, auf klare und eindeutige Fragen eine ebenso klare und eindeutige Antwort zu geben. Für die . Araber wäre es vielleicht heilsam gewesen, wenn sie das, was sie jetzt aus dem Brief des Ministers erfahren haben, schon früher hätten zur Kenntnis nehmen müssen. Wir veröffentlichen hier wörtlich die entscheidenden Stellen des Briefes: . „Ich. bestätige Ihren Brief vom 1. September, in dem. Sie mir die an ge bliehen Bedingungen mjtteiien, unter denen die Araber und ihr oberstes Komitee den Streik einzustellen beschlossen haben sollen (Einstellung der Einwanderung usw.). Ich möchte Ihnen mitteilen, daß solche ^Bedingungen“ nicht akzeptiert wordensind, weder durch den Hochkommissar noch durch die Regierung. Noch mehr: Ich will versichern, daß keinerlei Grund für die Annahme der Jewish Agency besteht, als ob der Hochkommissär dem Minister Nuri-Pascha die Vollmacht erteilt hätte, dem Obersten Rat der Araber irgend welche Versprechungen zu machen, insbesondere n i c h t e i ri Versprechen über die Einstellung der jüdischen Einwanderung, um dadurch die Einstellung des Streiks und des Terrors herbeizuführen. Minister Nuri-Päscha war nicht nur nicht autorisiert zu solchen Zusagen, vielmehr erklärt der Hochkommissär, daß niemand sich auch nur.an ihn gewendet habe, um die Autorisation zu einer solchen Zusage zu erlangen. Der Hochkommissär glaubt auch, daß Minister Nuri-Pascha dies auch dpn - arabischen Führern klar gesagt haben müßte. Minister Nuri-Pascha hat auch selbst keinerlei Versprechungen über die Einstellung der jüdischen Einwanderung e r h a 11 e n, weder vom Hochkommissär uoch von der Regierung, und er erhielt auch ,keinerlei Bestätigung a 1 s Vermi111 er sstisüm 4m Axahm iwd derwgUwhw Regierung bezüglich der Verhältnisse in Palästina.“ Gegen die Veröffentlichung dieses Briefes hat der Minister,, wie er hinzufügt, nichts einzuwenden. Byief 4es-Kolonienministers bat in jüdischen Kreisen große Befried!; g u n g ausgelöst. Nach der Spannung der letzten Wochen und nach den Befürchtungen, die man über den Kurs der Palästinapolitik' der. Mandatarmacht und Palästinaregierung hatte, hat das Dementi des Kolonienministers, insbesondere über die Suspendierung der jüdischen Einwanderung, die Stimmung merklich entspannt. Die j.üdische Be vö 1 kerung Palast i n a s hat die Meldung über den Brief mit großer Freude aufgenommen. Der Jischuw wartet jetzt darauf, daß die Erklärungen der Regierung in die Tat umgesetzt werden, das Land befriedet wird, Handel und öffentliche Wohlfahrt wiederhergestellt werden, den zugrunde gerichteten Familien Entschädigung für ihr zerstörtes Eigentum gewährt und die. Einwanderung aufrechterhalten wird. * WeizmannüberdasVerhältnis zu den Arabern London, 6. September. (JTA.) Das Administrative Committee des Jewish Agency hat seine;Lon,doner Tagung nach Annahme einer Reihe von Resolutionen, darunter auch einer Über die Beziehungen zwischen Arabern und Juden in Palästina, beende t. Über den; Verlauf der Tagung wird in einem offiziellen Communique mitgeteilt: Dr. Weizmann erstattete einen Bericht über die politische Lage. Er gab einen Überblick über den Ablauf der Ereignisse in Palästina;sedt Mitte April und - brachte seine Anerkennung, für die vom Jischuw bewiesene Selbstbeherrschung und Disziplin zum Ausdruck. Er bedauerte, es, daß die Palästinaregierung unmittelbar nach dem Ausbruch der Unruhen energisches Vorgehen vermissen ließ, und erörterte den Inhalt-der von ausländischen arabischen Delegierten gemachten Vorschläge für die Beendigung des Streiks., Weizmann erklärte, er sei stets bereit gewesen, die Frage der Beziehungen zwischen Juden und Arabern mit b e v o 11 m ä c h t i gtea.Vertretern der palästinensisch' e n A r a b e r zu diskutieren; er habe dem Kolonienminister miitgetedlt, daß er jederzeit bereit sei, nach Palästina zu gehen, um. -an einer gemeinsamen Besprechung mit den arabischen Führern und (tec Ba^tetinaregiiewing fceüsuoehmen. Die Wählerlisten zu den KultuswaMen liegen bei den zionistischen Bezirkssektionen auf. Sehen Sie nach, ob Ihr Name darin enthalten ist! Reklamationen können nur bis zum 14. September angemeldet werden. Nachher weiden sie unter keinen Umständen berücksichtigt Sicherheit und Wiederaufbau Wenn nicht alle Zeichen trügen, stehen wir in Palästina vor einer großen Wendung, die eine Desavouierung der Politik des Oberkommissars Wauchope bedeutet. Wauchopes Politik wurde bisher bedingungslos vom englischen Kabinett gutgeheißen. Es ereignete sich wiederholt, daß der Kolonienminister in beiden Häusern des Parlaments Kritikern der Politik Wauchopes antwortete, Wauchope, „fche man on the spot“ (der Mann an Ort und Stelle) müsse am besten verstehen, wie das arabisch-jüdische Problem zu be? handeln sei. So konnte Wauchope getrost die Erlassung eines die Juden schädigenden Bodengesetzes und das Gesetz über die Errichtung eines Gesetzgebenden Rates, in welchem die Juden zu einer dauernden Minorität degradiert werden sollten, vorbereiten. > . Da kam der erste Echec für Wauchope. In der ganzen Welt erhob die Zionistische Organisation stürmischen Protest und im englischen Parlament schlossen sich die Redner aller Parteien der Argumentation der Zionistischen Organisation an, daß die Einführung des Gesetzgebenden Rates eine flaigrante Verletzung der dem jüdischen Volke durch die Balfour-Dekla^ ration und dem Völkerbund übernommenen .Verpflichtung - sei, die Wieder^ embhtung der nationalen Heimstätte für das jüdische Volk * in Palästina zü fördern. Die Juden frohlockten, aber bald zeigte es sich, daß sie die Rechnung ohne die englische Bürokratie in Palästina gemacht hatten, die in einem wesentlichen Teil den zionistischen Bestrebungen ab- : lehnend gegenübersteht. Dazu kam noch die Sabotage des Mandatsvertrages durch die arabischen Beamten.. Alle diese Faktoren wirkten zusammen und ihr Ergebnis war eine geradezu sträfliche Behandlung des am. 19.. April aus;- gebrochenen arabischen Terrors, ' der bis heute bereits -84 jüdische Todesopfer gefordert hat und dessen schädliche.Auswirkungen auf die jüdische Wirtschaft — noch mehr aber auf die arabische Wirtschaft — noch nicht zu übersehen sind. Wauchope betrieb .eine verderbliehe Politik, die zu einer ständigen Ermunterung der Terroristen führte und zu einer Untergrabung des englischen Ansehens in der ganzen Welt. Er-unterhandelte mit den Führern des Streiks, er entließ Terrorführer aus dem Konzentrationslager und duldete in. Palästina,, das dem Völkerbund untersteht,' die Intervention Nuri Paschas und arabischer Fürsten. Durch die Duldung dieser. Interventionen schuf Wauchope ein gefährliches Präjudiz, das den entschiedenen Protest der Zionistischen Exekutive hervorrief. Aber es schien, daß Wauchope Sieger blieb und daß er bereit war, die Einstellung des Terrors durch die. Einstellung der jüdischen, Einwanderung zu erkaufen. Die Situation der Juden war damit .sehr ernst, geworden. Die Zionistische Exekutive setzte alle Kräfte in Bewegung. Wenn einmal die -Zeit kommen wird, in der die Archive geöffnet werden können, wird man über die geradezu übermenschliche Arbeit Weizmanns und seiner Mitarbeiter fassungslos staunen. Schon heute aber kann man mit Genugtuung verzeichnen, daß wir noch Freunde in der Welt haben und daß Amerika, obwohl außerhalb des Völkerbundes stehend, nicht gesonnen zu sein scheint, in seiner Eigenschaft als Garant der Balfour- Deklaration ruhig zuzusehen, wie das jüdische Volk um das Recht auf sein Land gebracht sseiden soll, Ebenso. abe®

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