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Die Stimme · 1936-09-04 · Heft 578 (4.9.1936) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 578 (4.9.1936)
Date
1936-09-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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9ie Nr. S7* ^Stimme JÜDISCHE ZEITUNG Wien, Freitag, 4. September 1936 17« Flui 5696 V. b. b. 20 t II 9* Jahrgang Bekannt billige Reisen nach POLEN Abfahrten: 13. u. 27. Sept, 1936 Reservieret Plätze für die Reisen zu den iom-Towim Auskünfte Dr. S. Tocker, Reisebüro „In die Welt“ (W. M. Renner), Wien, IX., Liechtensteinstraße 2 Tel. A 14-504 Nähe Schottenring ORBIS billige Reisen nach POLEN Abfahrt: Jaden Sonntag Anmeldungen Polnisches Reisebüro „ORBIS“ I., KirntnerstrsBa 41, R 21-5-78 Oesterreich. Verkehrs-Büro I., Frledrichstriße 7, B 27-500, I., Graben 20, 1129-045 Unbegreifliches Albion B. H. Für Mittwoch hatte die englische Regierung ihre Entscheidung über die brennenden Probleme Palästinas angekündigt Inzwischen haben sich aber die Verhältnisse in Palästina derart kompliziert, daß die Londoner Regierung ihre Beschlußfassung ver schieben mußte. Es herrscht völlige Verwirrung im-arabischen Lager. Wirkliche Autorität scheint dort niemand mehr zu haben die Situation wechselt täglich, je nachdem welche Gruppe gerade km,erhalt» des Obersten'Komitees die Oberhand hat. : Die sogehannte Vermittlung des irakischen Außenministers Nuri ’Said ist heute beinahe wieder dort, wo sie am Anfang gewesen. ist.. Irgend welche Vereinbarungen Wurden' nicht getroffen, und man ist nur so/weit gekommen — seine Vermittlung „anzünejhimen“. In diesem Sinn hat das Oberste Komitee der Araber eine Proklamation erlassen. Den Generalstreik und den Terror stellen die Araber nicht ein, Im Gegenteil, in der Proklamation wird ausdrücklich die Fortsetzung des Streiks bis zur Durchsetzung der arabischen Forderungen anbefoJilen. Nun Pascha ist aus Palästina wieder abgereist, um nunmehr die arabischen Könige «i. veranlassen* sich ihrerseits, direkt-an di*; palästinensischen Araber zu wenden, damit Sie. de fl Streik abbrechen. Er will etwa in zehn Tagen wieder in Palästina sein. Inzwischen werden. die lokalen Streikkomitees in Palästina zusammentreten, um weitere Beschlüsse zu fassen. Dieser Umstand zeigt auch, wie wenig Autorität selbst das Oberste Komitee hat, das doch angeblich den arabischen Volkswillen repräsentiert. Eine einheitliche Stellungnahme der Lokalkomitees wird auch nicht zu erwarten sein. Während eine Anzahl dieser Komitees, darunter die von Haifa und Jaffa, für den Frieden sind; haben die Führer der Guerilla banden, die zum Teil identisch sind mit. den Führern der Streikkomitees, in einer Versammlung in den Bergen die Fortsetzung des Terrors, beschlössen. In dieser verworrenen Lage ist es begreiflich, daß England mit Beschlüssen zögert. Es kann nicht wissen, ob dio Araber auf englische Beschlüsse'so reagieren würden, wie man es erhofft und wie es dieser oder jene arabische Führer oder König oder diese oder jene. Partei versprochen hat-, Menschen, die man vier Monate lang hat toben lassen, kaun man eben nicht von heute auf morgen zurückpfeifen. Englands Politik wird aber noch in einem sehr wichtigen Punkt ihre besonders bitteren Folgen haben. Diese Vermittlung der arabischen Könige war wahrhaftig eine politische Kateridee. Nie hätte England zugogeben, daß Konnationale der Bevölkerung irgend eines seiner Manidatiänder oder einer seiner Kolonien eine solche Rolle übernehmen, wie überhaupt nie ein Staat eine derartige Einmengung in seine eigenen innersten Angelegenheiten dulden würde. England hat dem Irak und den anderen arabischen-Ländern sozusagen freiwillig sein eigenes Prestige in Palästina abgetreten. Hat man in London wirklich nie daran gedacht, daß so etwas ein erster Schritt zur Schaffung eines großarabischeu Reiches sein könnte? . Das traf noch dazu zeitlich zusammen mit der Selbslil ndigkcitserkUi rong des gleichfalls arabisoh -n Ägypten, Die Wege der' heuen englischen Kolonialpolitik..sind wirklich.Mö* An England, an die Welt, an die Juden! Das Aktionskomitee der Zionistischen Organisation, dessen Tagung am Montag zu Ende gegangen ist, hat ein Manifest erlassen, das sich an die Mandatarmacht, aber auch an die gesamte zivilisierte Welt mit einem leidenschaftlichen Protest gegen jede Einschränkung de rjüdischen Rechte auf Palästina wendet und die Juden auffordert, alle Opfer für Erez Israel auf sich zu nehmen. Wir veröffentlichen den Wortlaut des Manifests im Innern des Blattes. Araber renitent — England zögert London, 3. September. Die Entscheidung der englischen Regierung über die sogenannte Vermittlungsaktion Nuri Paschas ist noch nicht ^gefallen. Die Regierung hatte auf eine direkte Anfrage des A. C. ihre Entschlüsse für Mittwoch in Aussicht gestellt. Inzwischen hat sich aber die Situation in Palästina zugespitzt. Unter den Arabern herrscht Uneinigkeit und es ist ganz unsicher, ob die ihnen von England gemachten Zusagen, auch wenn sie in Form eines Regierungsbeschlusses bestätigt würden, den Abbruch des Streiks zur Folge hätten. Der Aufruf, den das Oberste arabische Komitee an das arabische Volk erlassen hat, ordnet jedenfalls die Fortführung des Streiks an. Nuri Paschas Vermittlung wurde nur „prinzipiell“ angenommen, ohne daß zum Inhalt seiner Vorschläge Stellung genommen wurde. Das Oberste Komitee hat die lokalen Streikkomitees zur Beschlußfassung über das weitere Verhalten eiiigeladen. Die Streikführer sind aber renitent und sabotieren auch die Anordnungen der obersten Führung. Sie erklären, sie würden erst zusammentreten, wenn Einzelheiten über Nuri Paschas Verhandlungen mit der englischen Regierung bekannt sind. In dieser Situation bleibt England wirklich nichts übrig, als zuzuwarten. Das Gesetz des Handelns liegt bei den Arabern. An Sonntagen „FRANCOPOL“- Sonderfahrten nach POLEN und CZERMIOITZ Poln. VerkehrsbUro „Francopol" III., Schwarzonberglatz 7 / Tel. U 16-4-90 Nächste Abfahrten: 13., 27. September „Cedok“, I., Kärntnersfraße 32, Tel. R 23-4-88 Gerngroß, VII., Mariabilferstr. 42, Tel. B 38-2-08 Oberstes Komitee proklamiert Fortsetzung des Streiks Aus Jerusalem meldet P a 1 c o r: Das arabische Oberste Komitee hat endgültig beschlossen, sämtliche lokalen Streikkomitees zu einer Konferenz nach Jerusalem einzuberufen und ' gemäß den Vorschlägen von Nuri-Said die Beendigung von Streik und Terror zu befürworten. Ein Gesuch um Genehmigung zur Abhaltung dieser Konferenz ist bei der Regierung eingereiclif' worden. Das Komitee hat folgenden Aufruf an das arabische Volk erlassen: Zwischen dem arabischen Obersten Komitee und dem Außenminister des Irak, Nuri Said, sind längere Verhandlungen geführt worden, deren Zweck die Herbeiführung einer befriedigenden Lösung des Palästina-Problems war. In den durch gegenseitiges Vertrauen und Aufrichtigkeit gekennzeichneten Beratungen wurde eine Verständigung bezüglich einer Intervention der arabischen Könige und Fürsten erzielt, deren Vermittlung beiderseits größtes Vertrauen entgegengebracht wird. Nuri Said wird daher die erforderlichen offiziellen Verhandlungen führen, während das arabische Oberste Komitee durch Einberufung einer Konferenz sämtlicher Streikkomitees die Frage dem arabischen Volke zur Entscheidung vorlegen wird. Der Generalstreik wird von’ der Nation im selben Geiste wie bisher w e i t e r g e f ü h r t werden, bis das erhoffte Ergebnis erzielt ist, das dieser ehrenvollen Nation ihre Grundlagen und Rechte erhalten und sie dem ersehnten Ziele entgegenführen wird. Gezeichnet: Amin el Husseini. Es ist bemerkenswert, daß diese Proklamation den Abbruch des Terrors unerwähnt läßt, obwohl dies die Voraussetzung für Nuri Saids Vermittlungist. Weitere Nachrichten über die Krise in Palästina im Innern des Blattes. Regelmäßiger Reisedienst der Czernowltzer Allgemeinen Zeitung nach Polen und Czemowllz Nächste Abfahrten: 13. und 27. September Anmeldungen ausschließlich Reisebüro „Marien* lirftcke“, I., Rotenturmstraße 26, Tel. R 24-2-86/87 Reservieret jetzt schon Plätze für die Reisen zu den hohen Feiertagen ) IllliillJIll Die Wizo-Tagung in Zürich: Wir nehmen alles auf uns! Zürich, 3. September. Die Tagung des WIZO-Cöuncils stand vollständig unter dem Eindruck der Ereignisse in Palästina und der Nachrichten über die Gefahr einer Einwanderungssperre. Die Frauen haben die einzig richtige Antwort gegeben: Verstärkte zionistische Arbeit und vor allem A u fbringung der Mittel, die der J i s c h u w. brauch t, unter Anspannung der allerletzten M ö g 1 i e h k e i t.e n und über diese hinaus! Die Frauen haben es aber 'nicht bei einfachen Beschlüssen bewenden lassen, es wurde auch sofort Geld auf den T i s c h g e 1 e g t. Wir haben bereits gemeldet, daß Frau Rebekka S i e f f und ihre beiden Schwestern zusammen mit Frau Mirjam Sacher und Fräulein Mathilde Marks 15.000 Pfund für den Neubau des großen Säuglingsheims der WIZO gespendet haben. Verschiedene Organisationen haben zu den Beschlüssen über vermehrte Geldaufbringung für die verschiedenen Ziele . des Zionismus sofort erklärt, daß sie für ihre Läuder bestimmte erhöhte Quoten verbindlich auf sich nehmen. Tieferschüttert war die Versammlung des Councils von dem Vortrag Elieser K a p 1 a n s über die Ereignisse in Palästina. Er stellte fest, daß der Jischuw, die Avantgarde des jtididischen Volkes, unter keinen Umständen Täglich l/a9 Uhr. An Sonn- J * tagen 7*5 und 7*9 Uhr JK JKL JL+ Telephon R 26-4-31 GANGSTER ÜBER WIEN mit Fritz Grünbaum, Karl Farkas, Mimi Shorp und dem übrigen Ensemble begreiflich. Seit dem Echec in Abessinien scheint Downingstreot völlig den Kopf verloren zu haben. Dio ganze Welt staunt über die 'Sinnlosigkeiten, die in Palästina vor sich gegangen sind.' Ein Problem der Polizei wurde zu einem hochpolitischen Problem gemacht. Die englischen Polizisten und Soldaten brennen darauf,' in Palästina endlich Ordnung machen zu dürfen und sie wären imstande Problem in »i* oider idiejanM vierundzwanzig Stunden zu lösen. Die Masse der Amber selbst möchte auch gern-Ruhe und Frieden haben und wäre den Engländern dankbar, wenn es sie von denen befreite, die mit dem Blut des armen Follalts ihre eigensüchtigen politischen Absichten verwirklichen mödliteu. Ein Wink aus London und in Palästina wäre die Ordnung wieder hergestellt. Wenn die Ereignisse nicht so tragisch wären, könnte man Londons Politik wirklich komisch finden. Leben und Sicherheit als Preis für eine verminderte Einwanderung der Juden aus der Galuth entgegennehmen werde. Lieber wollten alle einmütig den gräßlichen Terrorakten standhalten, als die zionistischen Ziele preisgehen. Doch erwarte der Jischuw, daß das .gesamte jüdische Volk einen ähnlichen Einsatz von Opferbereitschaft aufbringe, um das jüdische Palästina in seinem furchtbaren Ringen gegen die Übermacht einer feindlichen Umwelt zu unterstützen. Diebeiden Vorsitzenden des Councils, Rebekka S i c f f und Vera W e i z m a n n, unterstrichen den Appell des Redners, der nicht verhallen dürfe. Jede der hier versammelten verantwortlichen WIZO-Frauen müsse bereit sein, persönliche Dienste über das gewohnte Maß hinaus zu übernehmen. Kein Opfer könne für uns zu groß sein. _ Mit Enthusiasmus nahm die Versammlung' einen Antrag von Frau Sieff an, eine Aktion zur Unterstützung der d u r c h d i e U n r u h e n a r b e i t s 1 o s gewordenen Juden Palästinas einzuleiten. Auf Wunsch des Councils und unter dessen begeistertem Beifall übernahm Frau Sieff die Leitung dieser Sonderaktion. Aus den Referaten ist, ein Bericht über das Wachsou der Mfitgliederzahl der WIZO um 10.000 hervorzuheben, ferner Berichte über den erfreulichen Fortschritt der Ausbildungsarbeit in den WlZO-lnstitutionen. Von den gefaßten Finanzresolulienen sind wichtig: Die Bewilligungen e r h ö h t e r Mittel f ü r d i e M ä d c h e n 1 e h r f a r m von Afuleh, die die argentinische Föderation voll auf sich nimmt und die durch einen besonderen Drive aufgebracht werden sollen. Der Lehrfarm Ajanoth wurden 1000 Pfund über das reguläre Budget hinaus bewilligt, ebenso erhalten drei kleine Lehrfarmen erhöhte Mittel,, zu denen zitni ersten-.

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