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Die Stimme · 1936-08-28 · Heft 576 (28.8.1936) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 576 (28.8.1936)
Date
1936-08-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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t#ft# 6 Oll STIMM! Nt. 576 — Wiefi, Freitag, 28. August 1866 Deutsche Arbeit in Nordafrika Englische Blätter berichten über die Verbindung der deutschen Nationalsozialisten mit den arabischen Komitees in Französisch und . Spanisch-Marokko. Darnach sind Ceufca, I/arache und an anderen wichtigen Punkten Nordafrikas nationalsozialistische Organisationen tätig, die nach Instruktionen aius Berlin vorgehen. Aus aiufgefangenen Dokumenten eigibt sich, daß die Briefe und Berichte an das Büro Ribbentrop in Berlin adressiert wurden, wo Dr. Dirckmann mit der Bearbeitung des Materials beschäftigt war. Diese nationalsozialistischen Zellen sind vor allem mit politisch-militärischen Auf gaben betraut, das heißt, sie haben Spionage au betreiben. Zur Gewinnung der Araber wird in erster Reihe der Antisemitismus be nützt. Da die Juden seit dem Beginn der französischen Herrschaft das volle Bürger recht, besitzen, ist zwischen ihnen und den Arabern eine tiefe Kluft entstanden, die jetzt den deutschen Agenten zustatten kommt, um die Araber gegen Frankreich zu hetzen. Durch die Vorgänge in Spanien is in Deutschland der alte Wunsch, sich in Marokko festzusetzen, wieder neu aufgelebt Berlin hofft jetzt, diese Sehnsucht erfüllen zu können und eines der Mittel zu diesem Zweck ist die Aktivierung des Judenhasses der Araber, der zu einem Kampf gegen Frankreich und Europa schlechtweg ausgebaut werden soll. Dabei ist auch die deutsche Freundschaft für die spanischen Natio na.listen nur eine Täuschung. Jede Schwächung Spaniens ist willkommen und die Unruhe unter den Rifstämmen wird durch deutsches Geld alimentiert. Wenn es :u größeren Revolten kommen sollte, wird sich die im Raum von Gibraltar wartende deutsche Flotte als „Helfer“ anbiedern Freilich hat Deutschland dabei mit England und Italien zu rechnen, die diesen Nachbar dort nicht dulden können. Inzwischen aber wird lustig gegen die Juden in Nordafrika geschürt. Dies gehört auch zu den bereits öffentlich zuges taofdenen Aufgaben des Nationalsozialismus. In Stuttgart hat dieser Tage in einer Versammlung des deaufcschen Auslandsinstituts Alfred Rosen b erg eine Rede gehalten, in der er es als Pflicht der Nationalsozialisten bezeichnet, den Weltkanvpf „gegen den jüdischen Marxismus“ ru führen. Den Marxismus nennt man und Spionage betreibt man, um einen Weltbrand zn entfesseln ... Haken Exzellenz «Aen gesellen ... Verständigung mit der Adass Jisroel Wie wir erfahren, haben in der letzten Zeit zwischen führenden Persönlichkeiten des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde und der Adass Jisroel Besprechungen stattgefunden, welche die seit längerer Zeit bestehenden Gegensätzlichkeiten zwischen der Gemeinde und der Adass Jisroel betrafen. Hiebei wurde eine Verständigung über die künftige friedliche Zusammenarbeit der Kultusgemoinde und der Adass Jisroel zielt. er- Rabbiner Friedmann veranstaltet zu den hohen Feiertagen ein Minjan in den Prachtsälen des Misrachi-Landesverbandes, Wien, II., Praterstraße 60, wobei Rabbiner Friedmann persönlich vorbeten wird. Karten täglich von 8 Uhr abends im Sekretariat. .'iiiiiii'iiiiiiiiMiuiiiiiiiiimmiiiiiiiimiimiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiHiiimiiiiiiiiiimiiiiiiiiimiiiiiiMiiiiiiiiiii JImcU-UoscUcu*aU „Die Stimme“ bringt, wie alljährlich, zu Rosch-Haschanah eine reichhaltige Testnummer heraus. Sie wird Beiträge hervorragender Publizisten, Politiker und Gelehrter sowie einen inhaltsreichen literarischen Teil enthalten. Die Nummer erscheint am 16. September und wird unseren Abonnenten mit der Nachmittagspost zuge stellt. Diese Nummer wird auch wieder eine Gratislat'onsbeilage enthalten, in der unsere Leser und Freunde die Möglichkeit haben, allen denen, an die sie sich an diesem Tage mit ihren guten Wünschen wenden wollen, diese auf die praktischeste und bequemste Art auszusprechen. Der Preis dieser Einschaltungen ist ungewöhnlich niedrig gehalten. Da die Zeit drängt, cmp‘ehlen wir allen denen, die diese' Getegerihc't wäbrnehmen wallen,■ sich möglichst bald mit ihren Wünschen an unsere Administration zu wenden. Die Schwiegermutter des in Safed ermordeten Alter Unger, Großmutter freier ermordeter jüdischer Kinder, hat an den High Oommissioner einen Brief gerichtet., der das Furchtbare, das seit, Monaten im Jischnw geschieht, in wenigen erschütternden Sätzen stärker darlegt., als es der längste und aiisfühnliohste Bericht vermöchte. ..Hoben Eure Exzellenz wirklich n cht genug Macht, um das Leben friedlicher Bürger, die die G es e. ze achten, zu schützen, und ist in diesem Lande mich das u n schuldige Ki n d Frei w i l d? Als die Mörder in unser Haus eindrangen, meinen Schwiegersohn und zwei seiner Kinder ermordeten, warf ich eine Decke auf das dritte und letzte Kind und setzte mich davor, um es zu beschützen, der Mörder aber schoß auf mich, riß mich zur Seite, zerrte die schützende. Decke vom Kind und erschoß es vor meinen Augen und vor den Augen der unglücklichen Mutter, die unablässig flehte, man möge ihr wenigstens e i n Kind lassen. Eure Exzellenz haben als General gewiß schon genug Blut gesehen; aber haben Eure Exzellenz schon gesehen, wie man das Blut de s K i nd e s i n der W i ege, d es S ä it g l i n g s Inder Mutter Schoß v erg i e ß f? Wenn nicht, so kommt nach Safed in die dunklen Gassen, ich führe Euch in eine kleine, armselige Stube, und Ihr werdet das Blut von Märtyrern sehen, das Blut reiner, unschuldiger Kinder, welches von Mördern und, durch die Schuld der e nglischen Großmacht, vergössen wurde. Vielleicht, wenn Ihr das sehen werdet, werdet Ihr mit einer einzigen Handbewegung dem Morden Einhalt gebieten, und. die heilige Erde wird nicht mehr uos Blut Unschuldiger trinken, Kinder werden nicht, mehr ihre Filtern und Eltern nicht mehr ihre Kinder beweinen, und. im Lande der Propheten wird Friede herrschenT Abessinien als Wahlschlager Wie uns mitgeteilt wird, versendet die U n i o n an die jüdischen Wähler in Wien den Abdruck eines in ihrem Organ erschienenen Aufsatzes, in welchem für j ü d i s c h e Ansiedlung in Abessinien fitimmung gemacht wird. Es wird der Eindruck erweckt, daß es sich um eine von der italienischen Regierung geförderte Aktion handelt und so ein gewisser Kontrast zu dem Palästina-Werk erzielt. Nun fügt es der Zufall, daß just in dieser Woche so ein von Prag aus versuchter Kolonisation sschwinde! aufgeflogen ist. Es wurden von einer angeblichen Prager Zentrale unter Deckadressen Zirkulare nach Österreich geschickt, in denen Arbeitslose und Existenzsuchende zur Auswanderung nach Abessinien aufgefordert werden. Nach soheimvissenschaftlichen Ausführungen über das Klima, die Bodenbeschaffenheit und die Ertragsmöglichkeiten bei „intensiver Bebauung“ wird mitgeteilt, daß besonders gute Gründe verkäuflich seien und daß die i t a 1 i e ni sehe Kolonialregie rung jedem Siedler eine besondere Staatshilfe auszahle. Insbesondere wird ausgeftihrt, daß auf den „Mustergütern des Negits“ Parzellierungen vorgenommen werden und daß dort alle modernsten, landwirtschaftlichen Einrichtungen den Siedlern zur Verfügung stehen. Personen, die auf diese Briefe geantwortet haben, wurden aufgefordert, über ihre finanzielle Leistungsfähigkeit Auskunft zu geben, den Nachweis zu erbringen, daß sie eine Siedlungskaution“ deponieren können. Das österreichische Wanderungsamt ist bisher noch nicht eingeschritten, doch ist on Seite der Behörden eine umfangreiche Untersuchung eiugeleitet worden. Die italienische Gesandtschaft in Wien erklärt auf unsere Anfrage über dieses Problem, daß in letzter Zeit bei ihr mehrfach Auskünfte über die Möglichkeiten einer Auswanderung nach Abessinien ver-i langt, wurden. Die Gesandtschaft muß antworten, daß gegenwärtig eine Auswanderung nach diesem Land nicht in Frage k om m e, da erst das Land organisiert werden muß, bevor man a.n eine Verpflanzung von ausländischen Bewohnern nach Abessinien denken kann. Die Regierung erschwert vorläuög auch die Einwanderung von Italienern nach Abessinien. Von der Begünstigung einer geschlossenen Ansiedlung jüdischer Kolonisten in Abessinien könne um so weniger die Rede sein. Die Union muß sich also nach einem anderen Land Hinsehen ... Dr. Chajm Weizmann in Zürich Die hebräische Universität Auf der Tagung des Kuratoriums der hebräischen Universität, die am 23. und, 24. August iin Zürich abgehalteii wurde, teilte Salman Schocken, der Vorsitzende des Exekutivkomitees, mit, daß die Universität auf dem Berge Scopus ein weiteres Stück Land um den Be trag von 25.000 Pfund zur Errichtung der noch benötigten Gebäude erworben hat. Die Kaufsnmme, die von der Universität als Anleihe auf genommen wurde, wird vom Jüdischen Nationalfonds im Verlauf von zwölf Jahren rück gezahlt werden. Rektor Bergmann betonte in seinem Bericht, daß das Experiment einer akademi sehen Selbstverwaltung, welches die Universität 1935 eingeführt hat, sich als erfolgreich erweist. Noch immer fehlen der Universität eine Reihe praktischer Departements so daß jüdische junge Leute aus Palästina sich in europäische Länder zur Fortsetzung ihrer Studien begeben müssen. Bergmann ersuchte das Kuratorium, Mittel und Wege ausfindig zu machen, um die Universität auf einen Standard zu bringen, daß die Jugend an ihr nicht nur eine theoretische, sondern auch eine für akademische Berufe praktische Ausbildung finde. Das Kuratorium nahm ein Budget von 86.868 Pfund für das Jahr 1936/37 an. Genehiim.ii.imiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiit migt wurde die Neuanstellung von mehr als 20 Professoren und Dozenten, die Deutschland verlassen mußten. Als die Nachricht von dem Mord an Prof. Dr. Levi Billig eintraf, hielt Rektor Prof. Dr. Hugo Bergmann Dr. Billig einen erschütternden Nachruf und gedachte auch der beiden Studenten der Universität, Gerschon M o y s c h i j o w und K a n t a r e w, die als Hilfspolizisten heimtückischen Angriffen der Araber zum Opfer gefallen sind. Kinoprogramme Vom 27. bis 31. August i., WollzaHe 17 Tel. R KREUZ-KINO URAUFFÜHRUNG |w Viktor Mac langlen „Chicnso-Gtumter“ Beginn: 4. %6. ‘.-,8. '>10 Uhi in I ITC .IHM A h, Wollzeile 34 ELI! E l\ I lB W Tel. R 21-0-65 Uraufführung Jeanette Mac Donald, Nelson Eddy in „Rosemarie“ Beginn: Wochentags li$, l/»8, V»10 Uhr Sonn- und Feiertag ab %4 Uhr MPERIAL -KINO Rotenturmstraße 19 Telephon : U 22-1-12 Uraufführung: Eddio Cantor in „Luna-Park“ Beginn V*0. */*8, ’/410 Uhr KRYSTALL - Kl NO Prater, StraQa da» ityai Nr. 40 Telephon R 48-2-7 Uraufführung für don Prator Claudette Colbert, Melvyn Douglas in „Sie Heiratet ihren Hier Woohentig») 8,7,8 Uhr, Sonnu. Feiertagei *'*4, VA VA V«10 Uhi SCHIFFER-KINO Telephon20-203 Ab 1. September Paul Robeson in „Kaiser Jones“ Beginn: *44, l/,6, V48. V*10 übt STAFA-KINO VIL, Mariahilfer8traße 120 Telephon B 33-0-68 URAUFFÜHRUNG Eddie Cantor in „Luna-Park“ Beginn: *A»4, 746, 7, 9 Uhr UotlupnrK-KIno KTe^ph0Dn8Ari&-3°961' URAUFFÜHRUNG Eddie Cantor m „Luna-Park“ Beginn: lM. V»6. 4/j8. 9“ Bezugsbedingungen: Monatlich S 1.50, vierteljährlich S 4.20, ganzjährig S 16.—. Für das Ausland: Deutschland vierteljährlich RM 3.-—, Tschechoslowakei vierteljährlich Kö 24.—, Jugoslawien vierteljährlich Dinar 40.—, Polen vierteljährlich Zloty 6.50, Ungarn vierteljährlich Pengö 4.20, Rumänien vierteljährlich Lei 120.—, übriges Ausland vierteljährlich Schweizer Franken 4.50, Postscheck Konti: Österreich Nummer D 113.546, Polen Nr. 191.190, Tschechoslowakei Nr, 500.230, Jugoslawien Nr. 40.879. Redaktioq und Administration: Wien, I., Marc- Aurel-Straße 5. Tel.: U 22-3-91. Redaktionsschluß Montag und Mittwoch vormittags. JÜDISCHER KAIENPER 28. August bis 3. September 1936; 10. bis 16. Elul 5696 Freitag (28.) Sabbath-Elngang 61? Samstag (29.) Sabbath-Ausgang 7?2 Wodienabschnitt: Kl-Sizo Bürodienst im Keren Kajemeth Ab Montag, d e n 81. August 1936, w i r d d i e d u r c h g e h e n <1 c A r d e i t s z e i t eingestellt und wieder wie vor den Ferien die Mittagspause eingeschaltet. Die Stunden bis 11 Uhr vormittags sind der inneren Büroarbeitgewidmet. Bis'11 Uhr bleibt darum der KKL. für den Parteienverkehr ge-t schlossen. Jüdische Kunststelle I., Franz-Josefs-Kai 3, R 28-2-36. In der Jüdischen Kunststelle erhalten die Mitglieder ermäßigte Karten für sämtliche Privat-, Bundest-hea^er und Konzerte. Anmeldungen werden ganztägig entgegengenommen. Jüdische Volkshochschule I., Franz-Josefs-Kai 3, R 28-2-36. Neuerscheinungen und Judaiea gegen geringe Leihgebühren (auoh für Mitglieder der Kunststelle) in der Bücherei der Jüdischen Volkshochschule entlehnbar. Jüdisches Kulturtheater I., Franz-Josefs-Kai 3, R 28-2-36. Ab Dienstag, ■ 1. September, 20 Uhr 80, wird „Die Grenze“, das in der vergangenen Saison mit beispiellosem Ei folg aufgenommene Rassensttick von Cedorlund und Dahlberg, deutsch von Albert Ganzort, in der Regie von Walter Steiner, wieder aufgeführt. Tennis Hakoah-J. K, J. Die in dieser Saison begonnene Zusammenarbeit bat bereits sowohl sportlich als auch gesellschaftlich gute Erfolge gezeitigt, die auch für die Zukunft oine günstige Entwicklung der Sektion erwarben lassen. Um Nachwuchs aufzuziehen, wollen wir es Jugendlichen ermöglichen, für S 10.— während der restlichen Saison bei uns zu trainieren. Anmeldung an Wochentagen. auf dom Augarten-Platz (bei Herrn Torczyner), an Sonn- und Feiertagen auf dem Sportplatz Krieau, Bethaus ln der Mensa aeademica Jadalca Der Verein zur Erhaltung und Förderung der Mensa aeademica judaiea veranstaltet auch heuer anläßlich der hoben Feiertage im neuen Lokale der Mensa, IX., Lazarettgasse 6, im Hofe links, ein Minjan. Für gute'Vorbeter wurde gesorgt. Das Reinerträgnis wird zur Gänze für. Freitische an arme Studenten verwendet. Der Kartenverkauf findet Täglich von 9 bis 5 Uhr im Sekretariat der Mensa, IX., Lazarettgasse 6, .Tel, A 24-1-45 B, statt. Eigentümer, Verleger und Herausgeber: Zionistischer Landesverband für Österreich. Wien, L, Mare-AurekStraße 5. — Verantwortlicher Redakteur: Alfred Oswald Rosegg, Wien, L, Marc-Aurei-Straße 5. Druck: Vernay A. G., Wien, IX., Cauisiusgasse 8^-10,

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