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Die Stimme · 1936-08-28 · Heft 576 (28.8.1936) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 576 (28.8.1936)
Date
1936-08-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 576 Wien, Freitag, 28* August 1938 SO. Elul 8696 9* Jahrgang V. b. h 5Stimme JÜDISCHE ZEITUNG Bekannt billige Reisen nach POLEN Abfahrten: 30. August und 13. September 1936 Reservieret Plätze für die Reisen zu den Jom-Towlm Auskünfte Dr. S. Tacker, Reisebüro „In die Welt“ (W. M. Renner), Wien, IX., Liechtensteinstraße 2 Tel. A 14-504 Nähe Schottenring Verhandlungen in Jerusalem Jerusalem, 24. August. (JTA.) Sir Arthur W auohop e hat den Außenminister des Irak, Nurui Pascha Essai d, den transjordanischen Premierminister Ibrahim Pascha Haschern, den Kommandanten der transjordanischen Luftstreitkräfte, P i e r c e, den Chefsekretär der Palästina-Regierung, John Hathorn Hall, den GeDeralstaatsnnwalt Trusted, das Mitglied des Regierungssekretariats Riichi Abdul Hadi, und den Pressechef Tweed y zu einer Beratung eingeladen. Man ist allgemein der Meinung, daß der High Commissioner in dieser Besprechung versuchen wird, irgend eine Lösung des Palästinaproblems zu finden. Der Konferenz wird außerordentliche Bedeutung zugeschrieben. Nuri Pascha lud den Leiter des Politischen Departments der Exekutive der . Jewish Agency, Mosche S h e r t o k, am Freitag nachmittags zu sich zu einer- Besprechung ein. Shertok gab der Einladung Folge und erörterte mit Nuri Pascha eingehend die Palästina-Situation. An Sonntagen„FRANCOFOL"- Sonderfahrten nach POLEN und CZEMIOQHTZ Poln. Verkehrsbllro „Francopol“ UI., Schwarzenberglatz 7 / Tel. U16-4-90 NHchste Abfahrt: 30. August, 13. Sept. „Cedok“, I., KürntnerstraQo 32, Tel. -11 23-4-88 Jewish Agency gegen Einmengung arabischer Herr* scher ■ König Ibn Saud hat seinen Sohn, Krönprinz Feisal, nach Jerusalem entsendet, damit er ihn hei den Verhandlung en mit der Palästinaregierung vertrete. Ans zuverlässiger Quelle verlautet, daß die Exekutive der Jewish Agency bei der Regierung Vorstellungen gegen die Einmischung arabischer Herrscher in die Angelegenheiten des Mandatstorritoriums erhoben hat. Schon die Entgegennahme der Ratschläge dieser Herrscher sei eine K o nzession an die Araber und eine Präjudizierung jüdischer Interessen in Palästina. Regelmäßiger Reisediensl, der Czernowltzep Allgemeinen Zeitung nach Polen und Czernowlto Nächste Abfahrten: 30. August und 13. September Anmeldungen ausschließlich Reisebüro „Marlen* brücke“, I., Rotenturmslraße 26, Tel. R 24-2-88/87 Reservieret jetzt schon Pläfzo für die Reisen zu den hohen Feiertagen Von Land zu Land gehetzt Tanger, 24. August. (JTA.) In T a n g c r sind zahlreiche jüdische Flüchtlinge aus S p a n i s c h- M ar okko, wo die Juden von den Aufständischen verfolgt worden, uingetroffen. Auf Einschreiten des itali.on i s c h e n K o n s 111 s, der der Präsident Oer diplomatischen Kontrollkommission in Tanger ist, wird ein großer Teil der Flüchtlinge n i c h t i n das i n t e r n;i t i o n a 1 e T o r r j t o r i u m e i n g e 1 a s s o n. Es steht ihnen keine andero Möglichkeit offen, als nach Spanisch-Marokko zurückzukehren, wo sie schworen Repressalien ausgesetzt sein worden. Gemeinderepräsentanz von Lemberg aufgelöst Lemberg, 25. August. (JTA.) Nach einer polizeilichen Haussuchung in der Kanzlei der Jüdischen Gemeinde wurden die Bücher beschlagnahmt, Dokumente und Wahlakte versiegelt. Auf behördliche Anordnung wurde die Amtstätigkeit der Genieindereprüsentanz suspendiert und eine neungliedrige Interlmskonimisslon, bestehend au« Angehörigen der assimilatorischen Richtung, mit der Führung der Gemelmlegcschäfie betraut. An der Spitze der Kommission stehen Richter W e ichert und der. Vertreter des Frontkänipferhundes Dr, Z i r i e r, Neue englische Truppen nach Palästina London, 26. August. (JTA.) Hier wird mitgeteilt: Die unverändert kritische Lage in Palästina hat diie Entsendung weiterer Trappen Verstärkungen erforderlich gemacht. Am Mittwoch wurde von Malta aus das erste Bajtaillom dies königlich-schottischen Grenzschutzregimentes nach Palästina verschifft. ORBIS £"■?..."rr-'FÜ! POLEN Abfahrt: Jeden Sonntag Anmeldungen: Poln. Reisebttro „O R BIS“ I Oesterreich. Verkehrs - Büro I., Kärntnerstraße 41, R-21-5-78 | I., Friedrlchstr. 7, B-27-600, I., Graben 20, 0-29-0-35 Tagung des Aktionskomitees Zürich, 26. August; Gestern vormittags hat in der Tonhalle die Session des Zionistischen Aktionskomitees begonnen. In Anwesenheit von 60 Mitgliedern aus Erez Israel, Amerika, England, Polen, Österreich, Deutschland, Rumänien und anderen Ländern eröffnete .Präsident Uss i s c h k i n. die Sitzung. Ussischkin hielt einen vom Aktionskomitee stehend angehörten kurzen Nachruf auf die Opfer der E r ei g n i s s e i n P a 1 ä s t i n a, sowie auf die seit dem 19. Kongreß verstorbenen Führer der Bewegung, 0r. Wilensky, J. L. Goldberg, Mosche Feldstein, Professor Gottheil, Dr. Hillel Jaffe, Dr. Eder. Besondere Worte der Trauer und Würdigung widmete er dem Andenken des Ehrenpräsidenten der Zionistischen Organisation Dr. Nahum S o k o I o w. Zum Zeichen der Trauer um Kokolow wurde die Sitzung auf fünf Minuten unterbrochen. Aus Österreich sind Präsident Dr. Grünbaum und Oberbaurat Stricker zu den Beratungen erschienen. . Nach Wiederaufnahme der Sitzung erstattete der Präsident der Jewish Agency, Professor Dr. W e i z m a n n den Bericht der Leitung. Reisen nach Italien m»« LIRE-SCHECKS IlVn J| # Tourlstenvcrkehrsbürö der Riuniöne Adriatica di Sicurta Ges. m. b. H. U I WIEN, I., Tegetthoff Straße 7 * Telephon R 20-5-90 Serie Weizmanns Bericht Er entwarf ein scharfes Bild der gegenwärtigen Situation in Palästina- und wies insbesondere auf die Zusammenhänge der dortigen Ereignisse m i t d e n weltpolitisehen Vorgängen der letzten Monate hin. Mit besonderem Nachdruck unterstrich der Redner die disziplinierte und staatsmännische Haltung des gesamten Jischuw, der sich; allen barbarischen Mordtaten und Provokationen zum Trotz nicht zu Schritten der Rache und der Gegensabotage hat verleiten lassen. Dr. Weizmann erklärte, daß die zionistische Bewegung, der Jischuw und das jüdische Voftc zweifellos schweren Zeiten entgegengehen, doch sei zur Verzweiflung kein Anlaß. Wir werden den Kampf um unsere Rechte und die Lehensinteressen des jüdischen Volkes mit aller Zähigkeit und unter Anstrengung aller Kräfte der Abwehr und des Aufbaues weiterführen. Als größte Gefahr des Augenblickes bezeichnete der ‘Redner die Möglichkeit einer Suspendierung der jüdischen Einwanderung während der Anwesenheit der Königlichen Untersuchungskommission in Palästina. Diese Gefahr noch im letzten Augenblick abzuwenden, sei die erste Aufgabe der Männer, denen die Bewegung die Verantwortung für die Leitung ihrer Arbeit auferlegt hat. Ben Gurions Expose David Ben G u r i o n, Vorsitzender der Palästina-Exokutive, gab seinem Bedauern Ausdruck, daß die Sitzung’ nicht in Erez Israel stattfindet. Der Redner legte in kurzen Strichen die Entwicklung der politischen Lage vom 19. Zionistenkongreß bis zum Ausbruch der Unruhon am 19. April 1936 dar. Auch er unterstrich mit besonderer Schärfe die Gefahr der Suspendierung der Einwanderung’, die f ä 1 s c h 1 i c h a l.s z o i tw e i 1 i g bezeichnet werde. Der Vergleich mit 1921 und 1930 sei völlig unzulässig. Die Suspendierung der Einwanderung war auch damals oin unzulässiger und von Juden als schweres Unrecht empfundener Akt der Regierung, aber abgesehen davon, daß die Lage der Juden iii der Welt 1936 ganz anders aussioht als vor 7 - oder 15 Jahren und eine Suspendierung der Ein-: Wanderung im gegenwärtigen Augenblick für die Juden der Welt einen viel fürchterlicheren Schlag bedeuten würde, als damals, dürfe man doch nicht vergessen, daß 1921 und 1930 die Einwanderung erst nach B o e n d i gu n g der U nr u hen suspendiert wurde, während jetzt, trotz aller gegenteiligen Behauptungen, die Unterbrechung der Einwanderung von den arabischen Terroristen als Erfolg und Reehtfertig u n g i h r e r A k t i v i t ä t angesehen worden müsse. Wenn die Regierung unter dem Druck der arabischen Gewalttaten sich gezwungen sicht, die jüdische Einwanderung zu unterbrechen, wie wolle man sich versichern, daß dis arabischen .Terroristen ihre Tätigkeit nicht mit verstärkter Kraft wieder aufnehinen werden, sobald die Einwanderung ■wieder gestattet werdet? Ben Gurion unterstrich auch seinerseits die glänzende Haltung des Jischuw und wies auf die erhöhte Verantwortung hin, die auf der gesamten zionistischen Bewegung in allen Ländern in der nächsten Zeit lasten werde. Die Stimmung der Versammlung In den Kreisen der Anwesenden wird der Tagung des Aktionskomitees eine weit größere Bedeutung als manchen bisherigen Tagungen beigemessen; man erwartet, daß diese Tagung Anstoß geben wird zu einer Kristallisierung der jüdischen Meinung und Haltung überall in der Welt im Zusammenhang--mit der jetzigen ernsten Lage in Palästina. Es werdon Pläne zur. Stärkung .der jüdischen ■ Position in Palästina erwogen werden, auch wird die Haltung der J u den gegenüber d e r M a n d a t a rraacht Großbritannien und gegenüber den Arabern Palästinas klargelegt worden. Eine der praktischen Hauptaktionen des Aktionskomitees wird wohl die Proklamierung eines Fonds für rottondo Aufbauarbeit in Palästina sein. Es wird oin Appell aii die Judenheit in der ganzen Welt zur Stützung dieses Fonds, aus dessen Mitteln die während der Unruhen entstandenen Schäden repariert werden sollen, erlassen .werden, Die jüdische Palästina-Front Es hätte etwas Wichtiges zur Beurteilung der englischen Praxis in Palästina gefehlt, wenn nicht gerade jetzt, wo allerlei dunkle Luogo-di-traffico-Machenschaften in Jerusalem vor sich gehen, bekannt geworden wäre, daß ein englischer Richter zwei jüdische Wächter, die in der Erwartung eines , arabischen Angriffes je einen Revolver bei sich hatten, zu Zuchthaus verurteilt hat; daß .zwei Juden aus Tiberias, die in Notwehr schossen, ins Konzentrationslager nach Sarafend gebracht wurden, in das Lager, aus dem am selben Tag 25 arabische Mord- und Streikhetzer entlassen worden sind; daß eine jüdische Kolonie, in deren Nähe eine tote arabische Frau gefunden wurde, mit einer riesenhaften Kollektivstrafe belegt worden ist. Das englische System, das nicht imstande ist, ruhigen Bürgern den gefahrlosen Aufenthalt auf der Straße zu gewährleisten, das seine Soldaten im Bad nicht schützen kann, wendet, sich mit aller Schärfe gegen die seit vier Monaten von Banden bedrohten und angegriffenen Juden, die noch außerdem durch die pompöse Bekanntgabe der Maßnahmen vor der Öffentlichkeit ins Unrecht gesetzt werden sollen. Die Forderungen der Exekutive und der Nationalversammlung nach Bewaffnung sind abgelehnt worden, Obzwar das Mandat den Selbstschutz unter der Kontrolle der Verwaltung gestattet. Dagegen ist bisher eine generelle Entwaffnung der Araber nicht durchgeführt worden. England ist eben unparteiisch und erfüllt die Bedingungen des Mandates, so wie das die Kolonialoffizierc und die arabischen Regierungsbeamten auffassen. Dieses ganze Ineinanderspielen von Unfähigkeit, Hinterhältigkeit und nordischer List hat nun auch, die Aufmerksamkeit der Mandatskommission in Genf auf sich gezogen. Diese hohe Körperschaft, die sich bisher durch Schweigen und Zustimmen ausgezeichnet hat. tritt aus ihrer Reserve heraus und fordert volle Aufklärung über die Vorgänge in Palästina. Die Mandatskommission erklärt in einem an den Völkerbund adressierten Schriftsatz, daß die Autorität des Völkerbundes ohnedies unterhöhlt wird und daß Versprechungen, die sich aus dem Völkerbundpakt ergeben, immer wieder gebrochen werden. Es muß deshalb bewiesen werden, daß das Mandatssystem keine Fiktion ist, und darum genüge es der Kommission nicht, daß England eine Untersuehungskommission nach Palästina schickt. England ist nicht der einzige bestimmende Faktor und der Völkerbund dürfe eine weitere Verweigerung von Auskünften nicht dulden. Aus dieser unwirschen Textierung erkennt man, was vorgega-ngen ist; das Komitee ist ungehalten, daß es von den Organen des Völkerbundes^ so behandelt wird, als wäre es — eine jüdische Einrichtung, und es fordert, daß England Rede und Antwort stehe und daß genau festgelegt wird, daß England im Auftrag des Völkerbundes sich in Palästina, befindet. Wahrscheinlich ist die von Grund auf geänderte Stellung Englands im Mittelmeer dafür entscheidend gewesen, daß die Mandatskommission so viel Energie aufgewendet, und es kann sehr leicht geschehen, daß sich aus der Art, wie England mit dem Mandat umspringt, eine politische Diskussion entwickelt, aus der für England. die Erkenntnis resultiert, daß es wirklich nicht der einzige bestimmende Faktor ist. Es sind auch noch die Staaten da, die den Mandatsvertrag;

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