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Die Stimme · 1936-08-25 · Heft 575 (25.8.1936) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 575 (25.8.1936)
Date
1936-08-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
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9ta 5Stimme V.S.S. 20 8; ifi'l i *7» ‘*\jr V Jf/ Nr. S7S JÜDISCHE ZEITUNG Wim, Dienstag, as> August 1936 % Blut S696 g« Jahrgang Wir melden t Ben-Gavriels Palästina-Berich1. * Dreifache Tagung in Zürich: A. CM WIZO und Kuratorium der hebräischen Universität. * Nationalversammlung verlangt Waffen. * Jüdische Volkskunst. * Kulturelles, Glossen. Völkerbund fordert Rechenschaft Genf, 23. August. (JTA.) J Die Ständige Mandatskommission dos Völkerbundes erhobt in dem Bericht über ihre letzte Tagung, der dem Völkerbundsrat vorgelegt werden soll, die Forderung, daß England als Mandatamiaeht für Palästina, der Kommission anläßlich ihrer Herbsttagung einen Nachtragsbericht über die Unruhen in Palästina und deren Ursachen vorlege, ohne Rücksicht darauf, ob bis dahin eine Entscheidung über die künftige Palästinapolitik bereits getroffen sein wird oder nicht. Im Laufe der Debatte über diese Frage gab der Vizepräsident der Kommission, der Belgier Pierre Orts, folgende scharfe Erklärung ab, die die Ansicht der gesamten Kommission, wie es in dem Beriebt, heißt, widerspiegele: „Die Verantwortung sowohl des Völkerbundes als der Mandatarmaoht ist auf verschiedene Weise durch da®, was in dem Mandatsgebiet geschehen ist, berührt worden. Die Mandatarmaoht ist durch ihre Beauftragten über die gegenwärtigen Ereignisse in Palästina dauernd auf dem laufenden gehalten worden. Anderseits sollte sich die- Mandatarmacht als die Stelle betrachten' durch die der Völkerbund Informationen erhält. Bei ihrem Vorschlag, daß die Mandatarmacht anläßlich der Herbsttagung der Kommission dieser die völlig unerläßliche Information über die gegenwärtige Lage geben solle, hat die Kommission sowohl die Schwierigkeiten, denen die Mandatarmacht begegnet, * als auch ihre Pflicht in Betracht gez'ogeb, den Völkörbiuidsrat auf dem lautenden zii galten. Die Einsetzung der Königlichen Kommission mag eine ausgezeichnete Mäßnähme sein, um über das, was in Palästina geschieht, Licht zu verbreiten, doch scheint die Prozedur zu langsam zu sein. Die Mandatarmacht hatte Recht mit ihrem Beschluß, doch ist diese Macht nicht der einzige in Betracht kommende Faktor, und der Völkerbund könnte kaum damit einverstanden sein, daß die Einsetzung der Königlichen Kommission als Grund für die Verweigerung von Auskünften angegeben wird. Die Königliche Kommission geht den Völkerbund nichts an.“ „Die entstandene Situation“, so heißt cs in der Erklärung des Vizepräsidenten Orts weiter, „war keineswegs eine unwichtige Sache. Was würde von dem. Überwaehungsrecht des Völkerbundes über ein in seinem Namen verwaltetes Gebiet übrig bleiben, wenn man anerkennen tfiirde, daß der Rat darauf angewiesen sein soll, ausführliche Informationen über ernste Ereignisse in jenem Gebiet aus Presseberichten zu erhalten? Die Kommission hat infolge der jetzigen Unruhen bereits zahlreiche Petitionen erhalten, viele weitero werden wahrscheinlich noch einlaufe». Was würde von dem Petitionsrecht übrig bleiben, wenn Petitionen in dringenden und ernsten Umständen erst e i n Jahr nach d e n E r e i g n i s s e n, auf die sie sich beziehen, geprüft werden sollten? Würde offenkundige Gleichgültigkeit des Völkerbundes zur Beruhigung der Lage in Palästina oder zur Erhöhung der Autorität des Völkerbundes anderwärts beitragen? D i e 25. August: Wizo-Tagung in Zürich Gleichzeitig mit den Beratungen des A. C. findet in Zürich die Tagung der Mitglieder des Exekutiv-Koniitees und des Council der WIZO statt. Am 25. August wird die Tagung mit einer Sitzung der Exekutive eröffnet, worauf am Nachmittag der Council Zusammentritt. Auf der Tagesordnung stehen die Probleme der Arbeit in Palästina und ihrer zukünftigen Entwicklung, die Arbeit der Londoner Exekutive, Organisation- und Propagandafragen, Hachscharah und Alijah, soziale Fürsorge in Erez Israel und in der jSajutli u. a, Autorität des Völkerbundes ist bereits von allen Seiten unterhöhlt worden und Versprechungen auf Grund des Völkerbundpaktes wurden immer wieder gebrochen. Dieser Augenblick“, schloß Orbs, „bietet die Gelegenheit, zu bekräftigen, daß Artikel 22 kein toter Buchstabe, das Mandatssystem keine Fiktion und die von der Mandatskommission geübte Aufsicht keine leere Formalität ist.“ Tel-Aviv, - 23. August. Meir Dizengoff, der sich aus Gesundheitsrücksichten in den letzten Wochen aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen hatte, äußert sich in einem von der hebräischen Presse veröffentlichten offenen Brief an die palästinensische Regierung über die Politik und Haltung der Regierung. Dizengoff sagt: „Die Beamten der Administration haben durch ihre schändliche Kapitulation vor dem arabischen Terrorismus das Land demoralisiert, esin ein e n Zustand von Anarchie und Gesetzlosigkeit getrieben und jeden Respekt vor Gesetz, Ordnung und Disziplin vernichtet. Die Administration hat den der Mandatsregierung gehörenden Hafen von Jaffa den arabischen Hafenarbeitern ausgeliefert, die ihn blockierten und ihn auch für Schiffe fremder Länder unzugänglich machten. Die Eisenbahnen sind zu Bastionen der Terroristen geworden; aus den fahrenden Zügen werden Bomben in friedliche Städte geschleudert und jüdische Felder in Brand gesteckt. Die Regierung spottet ihrer selbst, wenn sie Notverordnungen erläßt, die nicht ausgeführt werden. Kollektivstrafen werden verhängt aber gleich zurückgezogen, weil verschiedene hohe Beamte es verstehen, die Politik der eigenen Regierung null und nichtig zu machen. Das Land wird nicht vom High Commissioner, sondern vom Obersten Arabischen Ausschuß regiert und von einem raubenden und mordenden Mob beherrscht. Gesetzlosigkeit ist das Gesetz dieses Landes. Der Mob hat das Land in ein zweites Sodom und Gomorrha verwandelt, die Administration aber macht es zu einem I n f e r n o.“ Dizengoff wendet sich scharf gegen die geplante Suspendierung der Einwanderung} Der palästinensische Geuemlstaateanwalt Trusted, der als Vertreter der englischen Regierung vor der Mandatskommission erschienen war, erklärte am Schluß der Debatte, daß die Mandatarmacht gerne einen Vertreter entsenden werde, um Auskünfte über die Ursachen der Ereignisse und der gegenwärtigen Unruhen in Palästina zu erteilen, sobald dies möglich sein werde. Leider sei die Mandatarmaoht gegenwärtig nicht in der Lage, dies für ein bestimmtes Datum zu versprechen. die die Regierung aus Mangel an Aüffichtigkeit und Mut unter dem Deckmantel der Royal Co m in i s s i o n zu verhängen beabsichtige: Wenn Ihr nicht fähig seid, das Lehen ..und Eigentum derer, die eurem Worte vertrauen, zu schützen, suspendiert die Einwanderung, aber gebt zu, daß Ihr euer Versprechen nicht halte t: Ihr gebt vor, das Mandat treu zu verwalten, aber Ihr legt seine Ausübung und die Politik des Nätionaiheims in die Hände von Beamten des Kolonialministeriums, die der Idee des Natiönalheims fremd gegen übe rstehen.9 Dizengoff ist der Ansicht, daß der Grund für die Ernennung der Royal Commission darin zu suchen sei, daß die Regierung ihre Nachgiebigkeit gegenüber den Arabern zu rechtfertigen versuche, dabei aber den Anschein der gerechten Ausübung des Mandats zu erwecken wünsche. In seinen Schlußworten ruft Dizenkoff aus: „Schluß mit diesem teuflischen Spiel; suspendiert die Einwanderung, damit die Juden sehen, wie die Hüter des Mandats um den Bau des Nationalheims besorgt sind. Wollt Ihr In dieser Politik fortfahren, so schreibt an die Tore Palästinas die Warnung: Ihr Juden, die ihr das Jüdische Nationalheim in Palästina für euer Volk aufzubauen wünscht, laßt alle Hoffnungen fahren! Betretet nicht dieses Land, denn nur Unglück erwartet euch hier! Wenn Ihr es als mit der Ehre einer Großmacht vereinbärlich findet, vor dem Terror zu kapitulieren lind die Jüdische Einwanderung zu stoppen, was offiziell bereits beschlossen ist und sogar schon eine Verordnung über Einstellung und spätere Reduzierung der Einwanderung entworfen ist, warum wartet Ihr, bis die Royal Commission ihr* Untersuchung beendet haben wird? Reisen nach Italien billig und bequem durch LIRE-SCHECKS ||Y|% ja ja Touristenverkehrsbüro der Rlunione Adriatica di Sicurta Ges. m. b. H> UTIiJ>r5 WIEN, I., Tegetthoffstraße 7 * Telephon R 20-5-90 Serie Wieder fünf jüdische Tote Jerusalem, 23. August. Die Zahl der jüdischen Toten hat sich wieder um fünf erhöht. Bei Ramleh wurde der dreiundzwanzigjährige Chauffeur Hans Grünwald am Volant erschossen. Im.Hadassa- Krankenhaus ist der am 18. August bei Kirjath Anawim schwerverwundete Gerson Moschijow gestorben. Bei der Beschießung des Autos des Hans Grünwald wurden noch drei Personen leicht verletzt. Ein mit jüdischen Arbeitern und Hilfspolizisten besetzes Auto; das." sich von <lei Siedlung Meschek Habzar nach Kfär Saba begab, wurde von Arabern aus dem Hinterhalt mit einem Kugelregen überschüttet. Zwei Insassen des Autos, der Leiter der Siedlung Meschek Haozar, Meir B e 1 k i n d, und der Hilfspolizist Baruch Gurewitsch, wurden getötet, vier Arbeiter, Mordechai F r i 1 i n g, 27 Jahre alt, Menachem P e n ikol, 30 Jahre alt, das Mädchen Schoschana Glaznitzk.y, 17 Jahre alt, und Reuben S t ra u ß, 23 Jahre alt, würden schwer verletzt. Die Verletzung von Strauß ist b esonders schwerer ISfatur. Der fünfte Tote ist Professor Levi Billig, der in seinem Arbeitszimmer bei der Arbeit erschossen Wurde. (Weitere Berichte über die Kämpfe im Innern des Blattes.) Gesetzlosigkeit ist das Gesetz des Landes! Warum bringt Ihr nicht den Mut auf, es sebonjetztund offen zu tun? Das jüdische Volk soll wissen, daß die Mandatarmacht sich der ihr aus dem Mandat erwachsenden Verpflichtungen entziehen will. Das Nationalheim wird von jenen aufgebaut werden, die dazu berufen sin d.“ Dizengoff erklärt, daß er allein für diesen Appell verantwortlich ist. Die Aktionskomite-Sitzung Zürich, 20. August' (JTA). Der Vorsitzende des Zionistischen Aktionskomitees, M. M. Ussischkin, ist ans Karlsbad in Zürich eingetroffen, um die Vorbereitungen zur Eröffnung der Aktionskomitee-Session am 25. August zu treffen. Wie der JTA-Vertreter erfährt, werden die Sitzungen streng vertr au lieh sein. Die jüdisch-arabischen Beziehungen und die Hauptprobleme der jetzigen Situation in Palästina werden Gegenstand der Erörterung sein. Vor den HaagerGerichtsbof? London, 21. August. (JTA.) „Times“ veröffentlichen •ein Schreiben des hervorragenden englischen Juristen W. H. Stoker, eines der Verteidiger der arabischen Sache vor der Shaw-Kommission im Jahre 1929, in dem vorgeschlagen wird, den Streit zwischen Arabern -und Juden,. wie überhaupt den ganzen Komplex der strittigen Palästina-Fragen dem Internationalen Gerichtshof im Haag zur Entscheidung .zu unter- ' breiten. * "•" ■ , *. r J.,.. . . . , . „ - . . rv.- - - Regelmäßiger fteisedlönst der Crernowiteer - Allgemeinen Zeitung nach Polen und Czernowifz Nächste Abfahrten: 30. August und 13. September Anmeldungen ausschließlich Reisebüro „Marienbrücke“, I„ Rotenturmsträße 26, Tel. R 24-2-86/87 Reservieret jetat schon Plätze für die Reisen zn den hohen Feiertagen Anschluß an Tel-Aviv Jerusalem, 19. August. (Falcor.) Der Gemeinderat der auf der Grenze zwischen Tel- Aviv und Jaffa liegenden, zum Jaffaer Stadtgebiet gehörenden sieben jüdischen Stadtviertel hat die Tel-Aviver Stadtverwaltung verständigt, daß sie nicht länger zu dem in eine Mörderhöhle ' verwandelten Jaffa gehören wollen, und eich von heute ab, ohne die Genehmigung der Regierung abauwarten, als der Stadtverwaltung Tel-A viv unterstellt, betrachten, die sie gleichzeitig um Aufnahme in die Tel-Aviver. Stadtgemeinde bitten. Ab. Cahan bei Leon Blum Paris, 20. August. (JTA.) Der Herausgeber des „Forward“ in New York, Ab. Cahan, wurde vom französischen Ministerpräsidenten L6on Blum empfangen. In einem Bericht an seine Zeitung schildert Ab. Cahan die Zusammenkunft unter anderem wie folgt: loh fand L6on Blum sehr gut aussehend und bei bester Laune. Ich fragte ihn, ob er die Folgen des sednerzeitigen Überfalls der Faschisten auf ihn ganz überwunden habe. Er zeigte mir vernarbte Wunden und sagte, er hatte damals so viel Blut verloren, daß die Ärzte um sein Leben besorgt waren; beute aber spüre er keinerlei Folgen mehr. Er sandte durch Ab. Cahan Grüße an die amerikanischen Freunde und sagte, die Volksfront in Frankreich, in der Arbeiter und fortschrittliche Bürger vereinigt sind, arbeite in vollster Harmonie und sei nicht au erschüttern. Zum Schluß kam das Gespräch auf Palästina. Ministerpräsident Leon Bl/ttm erklärte, er verfolge mit großer Aufmerksamkeit und tiefstem Interesse die Vorgänge in Palästina; jeder fortgeschrittene Franzose sympathisiere mit den Juden in Palästina, die zu friedlicher Arbeit ins Land gekommen sind. Die schrecklichen Pogrome und die gesamte jetzige Lage dort weisen auf Symptome hin, die in das Gebiet der int er nationalen Diplomatie gehören,

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