Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 574 (21.8.1936)
- Date
- 1936-08-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 574 Wen, Freitag, 21. August 1936 3. Elul 5696 9* Jahrgang 5Stimme JÜDISCHE ZEITUNG Begannt billige Reisen nach Abfahrten: 23. und 30. August und 1Ö. September 1936 Reservieret Plätte für die Reisen zu den Jom»Towlm Auskünfte. Dir. S. Tocker, Reisebüro „In die Welt“ (W. M. Renner), Wien, IX., Liechfensteinetraße 2 Tel. A 14-504 Kshe Scbottenrlng Die Jüdische Nationalversammlung Jerusalem, 17. August. (Palcor.) Die für heute einberufene außerordentliche Sitzung der Asefath Hanlvcharim (jüdische Delegiertenversammlung) fand nachmittags in der Vorhalle des Gebäudes der Jewish Agency in Jerusalem statt. Auf eine Gedenkfeier fürdieGefal lenen, bei der die Namen sämtlicher Toten verlesen wurden, folgte das El Mole Racbamim (Totengebet). Ben Z v i eröffnete dann die Sitzung im Namen des Waad Leumi; er befaßte sich mit dem Problem der Sicherheit und der Regierungspolitik, die nicht verhindern konnte, daß die Unruhen immer weiter um sich griffen. ORBIS billige Reisen nach POLEN Abfahrt: Jeden Sonntag Anmeldungen: Polit. Reisebüro „O R B I S“ | Oesterreich. Verkehrs - Büro I., Kärntnerstraße 41, R-21-5-78 | I., Frledrlchstr. 7, b-27-boo, I., Graben 20, u-29-0-36 Mosche Schertoks Referat M osc h"e S c h e r 10 k, Leiter des politischen Departements der Jewish Agency, ergriff dann das Wort. Er unterstrich, daß die Regierung wohl den Willen habe, die Unruhen zu unterdrücken, jedoch von der Voraussetzung ansgehe, daß die Feindseligkeit der Araber gegen .die Juden durch p 0 litis c .h e Konzessionen besänftigt werden müsse. „Unsere Politik“, ..führte der Redner weiter ans, „wird weiterhin in der fundamentalen englisch-jüdischen Inte ree s e n g e m c i n s c h a. f t verwurzelt sein. 'Eine englische Politik aber, die eich gegen unseren zahlenmäßigen Stärkezuwachs richtet; müssen wir mit aller Macht bekämpfen. IWsünnS^n^FKÄNSöPoL^^ondBrfahrlßr'naEti POLEN und CZEIMin Poin. VerkehrsbUro „Francopol" HL, ßchwfti;aeDberglat7; 7 / Tel. Ü 16-4-90. NBchste Abfahrii 9., 18* u. 23. August „Cedpk", I,; Kärntnerslraße 32, Tel. E 23-4-88 ' GerngroB, VII., Mariahilferstr, 42,' Tel. B 38-2-68 Nur wenn wir in Palästina zahlenmäßig e t a rk s i n d, können wir hoffen, ein starker Verbündeter, für England ziu worden.“ Schertok wies dann auf die aus der gegenwärtigen Lage resultierenden . Errungenschaften hirt: 1. eine 2800 Mann starke, bewaffnete Truppe; 2. 4500 neue Arbeitsplätze für jüdische Arbeiter in Plantagen, wo früher Araber' beschäftigt wurden, sowie ln Industriebetrieben und öffentlichen Arbeiten; 3. die mögliche Entwicklung des Tel-Aviver Hafens; 4. die beschleunigte Inangriffnahme der Arbeiten für den Bau von drei wichtigen Chausseen. All diese Errungenschaften, die, wie er sich ausdrückte, einem Kriegszustand zu verdanken seien, stärken die jüdische Position und mildern die durch die Unruhen verursachten schweren wirtschaftlichen Schläge; sie sitid jedoch kein Trost angesichts der schweren Gefahren, die dem jüdischen Volke drohen. „Schon vor den gegenwärtigen - Unruhen“, so fuhr der Redner fort, „hat die Regierung den Gedanken gefaßt, daß eine B o s c h r ä nkimg’ unserer E n fc w i c k 1 u n g sm ö g 1 i o h k e i t e n notwendig sei, Wir können die Royal Commission nicht anders betrachen als einen Versuch, eine solche Politik zu sanktionieren. Wir werden daher vor die Royal Commission treten wio vor eine Kampffront und-unsere Rechte verteidigen. Die Regierung ’ kann uns jedoch ein' Erscheinen vor der Royal Commission sehr erschweren, wenn die Andeutungen einer möglichen Suspendier u n g d o r E i n w a n d erung zur Wirklichkeit worden. Die Jewish Agency widersetzt eich ganz onergisch einer Suspendierung dor Einwanderung als Köder für die Araber zur Beendigung der Unruhen. Die Jewish. Agency wird die Suspendierung während der Arbeit der Royal Commission als eine Belohnung für T erro r, als Entweihung des Andenkens der jüdischen Opfer und als T r e u b r u c h den Juden g e g e n über betrachten, die ihre beispiellose Selbstbeherrschung nur bewahren konnten, weil sie üjbgrgeugt waren, daß ihr Recht auf Einwande^ rung nicht angetastet würde. j Die Welt ist zur Zeit voll von Komplit kationen und Schwierigkeiten, mit denen auch England zu kämpfen hat; - aber diesfe selbe Weltkrisis bedeutet den Zusammenbruch für weite Kreise der Judenheit, deren einzigeHoffnung auf Erlösung durch Palästina es dem gesamten jüdischen Volk zur Pflicht macht, den Kampf um die Zukunft aufzunehmen.“ Die Debatte (Degania), Z u ch pr O s t .r ö v- Ec sprachen dann Baratz. Dr. W a s c h i t z (Revisionist), w i t z k y (Allg. .- Zionist), Rabbi s-k.y. (Misrgohi), -L e,i b o v i t z (Hülfe Zion) und -M. Grossm an (Jüdische Staatepartei). Die Debatte war sehr störm i s c h; die Politik der Regierung wurde von sämtlichen Rednern scharf verurteilt. Mir. A1 m a 1 e h, Mitglied des - Waad Leum;, drängte . auf Fernbleiben von der Royal Commission. . Rabbi M. B e r 1, i n schlug vor, daß man in einem Aufruf an die gesamte Judenheit gegen die die Juden in Palästina umlauernden Gefahren protestieren solle. Hai m Solömon (Mitglied des Jerusalemer S tad t v e r waf tu ngsra t es) betonte besonders, wie notwendig es sei, der - e ng l ischen Öffentlichkeit Verständnis für die Situation abzugerwitthen, uhd .schlug vor, die Regierung zu verständigen, daß der Jischuw sich zwar bisher beherrscht hajbe,^ daß aber ei ne.weitere Zu r ückhaltung ii n m ögl ich s ei, we ön di e Einwanderung s i s t i 6r t wtirde.: Berl Repetur beschrieb diepolitische Aufgabe des jüdischen Arbeiters, der in dar letzten Zeit den Arabern seine Fähigkeiten für jederlei Arbeit bewiesen und so den Streik in den Regierungsämtern, im Haifaer Hafen und bei der Eisenbahn überwunden habe. D?r ganze Jischuw müsse nun über das jetzt Errungene wachen und gleichzeitig tun die innere Konsolidierung zur A u frechterhaltung der jtidi sehen Position besorgt sein. Nachdem auch Dov Hös, Eliashar und Heft m a n das Wort ergriffen hatten, schloß Berl Kafczneleon die.Debatte mit einer - kraftvollen Ansprache, in. weicher er den Jischuw aufforderte; stark zu sein und sich anzuschicken, den das Nätionalheim verwüstenden Unruhen ein Ende zu bereiten. Die Sitzung schloß um 5 Uhr früh, nachdem eine von Ben Zvi elngebrachte Resolution angenommen, worden war. Zum. Schluß’ erklärte Ben Zvi: Wir wollen nicht die-Tikvah singen, aber wir wollen wiederholen: Od lo awda tikwatenu! (Unsere Hoffnung ist noch nicht verloren). Eine Abordnung beim Ober* kommissar Di* inth «mW» 4*® 'TWSjjÄB* 'im. JR. schtfW zum Bigb Cpmmi8«ioftCr, üm ihrp ejit Beschlüsse der Versammlung ÜbernMwn und ihn zu ersuchen, den. gü&ty tili jünlV sehen Interessen t arbeitenden' R e g j fr rungsbeamten das - Handwerk . zu legen. - . i Jeden Sonntag billige Ferien-Sonderfahrten mit der Czernowttzer AJlge|ne|ngin Zeltmig ... Polen.CzemowItz r „ Abfahrten: 23. un^ 30. August ü; Anmeldungen a u a e ch I1 e ß I i o h peiaebQro „MarlenbrücKe**, I.,- Rotwtaranr«Be 98 . ' Telephon R 54-2-S6/87 . , - Geseii die Einwanderungssperre Am 17. August traten die Vertreter sämtlicher zionistischer Gruppen Wiens zu einer Beratung zusammen, um zu den Gerüchten über eine von det englischen Regierung geplante Unterbrechung der jüdischen Einwanderung. in Palästina Steilung zu nehmen. Die Sitzung war außerordentlich stark besucht. Nach einer längeren Debatte wurde einstimmig eine Resolution beschlossen, in > welcher die englische Regierung aufgefordert wird, u n t e r k e in en U ms t än d n die jüdische Einwanderung zu sperren, da dies eine Belohnung für den Terror und eine Bestrafung d e s J i s c h u w bedeuten würde. Der zi oni s tischen Exek u ti v e wurde ein.s.timmig Vertr auen und Dank für ihren schweren Kampf um die Verteidigung der Rechte des.Jischuw ausgesprochen. Die Versammelten erklärten, alle Aktionen der Exekutive mit aller Kraft zu unterstützen. , . Traurige Wiener Statistik Den Aufzeichnungen des Matrikenamtes derWiener Kultusg e m e i n d e sind folgende sehr interessante Daten über die Bevölkerungsbewegung unter der Wiener Judenschaft zu entnehmen: Die Zahl der Geburten betrug im Jahre 1925 noch 219t und ist in dem abgelaufenen Jahrzehnt auf bloß 735 im Jahre 1935 gefallen. Die Zahl der Todesfälle betrug im Jahre 1925 2497 und ist auf 2815 im Jahre 1935 gestiegen. Der natürliche Abgang betrug im Jahre 1935 2080 Seele n. Im Jahre 1925 gab eg in Wiep 879, Im Jahre .1926 916, im, Jahre 1927 1063 Austritte aus dem Judentum. Von da an sinkt die Zahl der Austretenden bis auf 472 im Jahre 1935. Im Jahre 1934 gab es sogar eine starke Wiedereintrittsbewegung der bekannten goUtMtti Brätf* nisse), so daß das Überwiegen der Abfallbewegung über die Eintrittsbewegung, s die früher bis zu 900 Seelen im Jahre, betragen batte, auf 66 gefallen war. Auch das Jahr 1935 weist ein relativ geringes Ujberwiegen der Abfallbewegung mit 103/ auf. Die Entwicklung des ersten Halbjahres. 1936 scheint die RUckgangstendenz bei der. Austrittsbewegung zu bestätigen. Interessanterweise sind die Eheschließungen, die seit den Inflationsjahren stark zurückgegapgen waren, to den letzten drei Jahren etwas angestiegen. Gegenüber 1065 Eheschließungen Ipi Jahre 1932 gibt es in den darauffolgenden Jahren 1933, 1934 und 1935 Eheschließungszahlen von 1111, 1151 und 1211. Diese höheren EhescbUeßtuigs^ahlen sind in erster Linj|e *uf «Kt: xttflMstt. Ammimm Die Züricher Tagung Im Sominör des Jaihres 1929 tagte in Züi rieh der 16, Zi-oniistenköngreß, auf dem die Hinzuziehung der Nichtejonlsfcen zur Jewish Agency beschlossen wurde.' Wenige Tage später' begännen' in Erez Israel die blutigen August-Unruhen und 'Louis Märshall, der ^roße ämerikaniscKe Jude, auf den bei der Erweiterung .der Jewish Agency so viele Hoffnungen gesetzt, würden, starb plötzlich. Chancellors, des damaligen Oberkommissärs äüfcizioniStische Politik tobte sich aus, die Einwanderung wurde gesp errfc und Lord Päs'sfledd,. der damalige ' Kolonialminister, versuchte durch , sein Weißbuch, das auf den Berichten' der Shaw-Kommission und Sir John .Hope Simpson fußte, das Jüdische Nationäliheiim zu „kristallisieren“, das - heißt, abzuwilrgen. Dieser: Versuch, der sich das. Mäntelchen des Schutzes für die „armen, von den Juden. depossedierten Araber“ umhängte, mißlang durch' den weltumspann enden Protest des jüdischen Volkes, pnd Weizmann erzwang den sogenannten „MacDönald-Brief“, der die Bestimmungen des Weißbuches milderte und zahlreiche Zusagen enthielt — die nicht eingehälten wurden. Chancellor verließ seinen Posten und englische Richter erhoben an Ort-und Stelle, daß die Geschichte von den ungezählten tauisenden armen, von den Juden von Grund und Boden,verdrängten Arabern -ein' Märchen war. Eine nie" geahnte ■Rrösperity und' MasseneiiiwänderuDg setzte 4ia» vv; ' v‘• zionistische Tägung-statt. Wiisdifcr' feiamäl droht uns eine Kommission. Die Züricher Beratungen sind "von den blutigen; .vier'■ Monate 'währenden Unruhen in Palästina beschattet. Wieder einmal tobt, sich die mandatsfeindlicbe englische Bürokratie . gegen den- Jischuw aus. 15.000 englische Soldaten, -ausgerüstet mit Tanks und Kanonen, Lsind angeblich, nicht in der Lage, piit; eittigen hupdert Terroristen fertigzuwerden. Sie ^können der . Randen nicht Herr werden,', weil -eine bösartige Bürokratie sie nicht' ein kurzes' Ende, machen,läßt, das sie in,- 24 Stunden erreichen könnten. Das ist'die’wahre-: Lage, der dos Aktionskomite© gegenübersteht. Die energische lind mutige - Politik der Exekutive wind die: volle Unterstützung des Aktionskomitees finden. Es;wird - und darfkeine Wiederholung des Defaitismus -geben,, der nach den Unruhen; des Jahres 1929 mehr- Schaden.ahrichtete als die damalige antizionistische Politik ChancellorSi und-Pässfields. -Es besteht aber auch , kein Anlaß.zu.Defaitismus, denn die zionisti-, sehe Situation hat sich grundlegend-geändert.. 1929 wan der - Jischuw «schwach, heute ist er s^k, wenn-auch' mate'riöll durch die fceilweiep Abschnürung des' wirtschaftlichen Le- HÖR’AUF, MEIN KIND, UND DEINE MUTTER WIRD DICH SEGNEN! OIE HEILUNG VON DER HASARD¬ LEIDENSCHAFT DURCH EIN BUCH PKCISS2-92IHMLIN BUCHHANDLUNGEN VEKAfi ZUR WAHRUNO OER MEHSCHEN- WURDE, WIEN, OBERE D0NAUSTR. 79/7 ach Palästina, die vor ihrer Abreise zu eiratea pflegen, zurückzuführen. Daraus erklärt es steh auch; daß die Geburtenzahl trotz der höheren Eheschließungszahlen weiter sinkt. Erst das erste Halbjahr 1936 zeigt auch eine kleine Besserung in der Geburtenzahl, die Ende Juni die Ziffer von M wm0* - i