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Die Stimme · 1936-08-18 · Heft 573 (18.8.1936) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 573 (18.8.1936)
Date
1936-08-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
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DII STIMMI Nr. 573 — Wien, Dienstag, 13. Ängturt 1985 Das arabische Komitee Jerusalem, 11. August. (Palcor.) Das arabische Oberste Komitee trat heute in Ramallah zusammen, utn die Beratungen über Emir Abdullahs Vorschi ä bezüglich Abbruch des Terrors fortzn setzen. Oie Mehrheit, stimmte für diesen Vorschlag; außerdem wurde angeregt, der Regierung die sofortige Einladung der Kommission nahezulegen. Der Mufti und seine Anhänger waren jedoch gegen eine Beendigung des Terrors ohne vorherige Entscheidung des gesamten Volkes und schlugen statt dessen vor, daß sämtliche lokalen Streikkomitees am 20. August in Jerusalem zusammentreten sollten, um über diese Frage zu entscheiden. Diesem Vorschlag wurde allgemein zugestimmt, und es wurde beschlossen, einen Aufruf an das Volk in diesem Sinne zu erlassen. In diesem Aufruf wind darauf hingewiesen, daß Ormsby Gores Erklärung im Unterhaus über die Kommission keinerlei .Anzeichen einer Änderung der Politik aufweise, die zum Streik geführt hat. Eine Konferenz sämtlicher Streikkomitees werde daher cinberufen, um über die Lage zu beraten und die Meinung des arabischen Volkes zu hören. Der Beschluß zeigt, daß dem Obersten Komitee die Führung entglitten ist. Hassan Dajani bleibt interniert Das Gesuch des Streikführers Hassan Sidki Da.jani auf Entlassung aus dem Konzentrationslager in Sarafend ißt vom Obersten Gericht abschlägig beschfieden worden. Der englische Polizeiriohter in Jerusalem hat einen Antrag auf Ungültigkeitserklärung der Ausnahmebestimmungen abgejehnt. Die Lage in Haifa Jerusalem, 12. August. (Palcor.) Im Laufe der letzten Tage sind 350 neue jüdische Arbeiter im Hafen, bei der Eisenbahn und bei den öffentlichen Arbeiten eingestellt worden. Weitere 150 werden im Laufe der nächsten zwei Tage angestellt ■werden. Wie gemeldet wird, haben »ä-rabisohe Eisenbahharbeiter in verschiedenn Orten Drohbriefe von dem Terroristen erhalten mit der Aufforderung, sich dem Streik anzuschiießen. Auf Grund des von den Behörden gestellten Ultimatums haben einige Arbeiter in Haifa ihre Arbeit im Hafen und bei der Eisenbahn wieder aufgenommen. Englische Soldaten beim Baden überfallen Ein feiger Angriff wurde heute vormittags von einer Bande bewaffneter Araber verübt, die zehn englische Soldaten beim Baden in einem Schwimmbad bei Beth Alpha überfielen. Ein Soldat wurde getötet und einer verwundet. Die Bande flüchtete dann unter Mitnahme eines Maschinengewehrs mit Munition, sowie der Uniformen der Soldaten. Flugzeuge und Tanks wurden sofort herbeigeholt. Die Palästina-Einwanderung Londonj 16. August. (JTA.) Im London ißt soeben der Bericht des Emwanderungslcommissärs der Palästinaregierung, Mills, für das Jaihr 1935 veröffentlicht worden. In dem Bericht wird die Zahl der registrierten Einwanderer einschließlich der Touristen, die sich nachträglich um dauerrlden Aufenthalt. beworben haben, mit 61.854 Personen angegeben. Die registrierte arabische Einwanderung betraf 2293 Personen. Dazu kam noch ein gewisses Ausmaß 11 nerlaubter Einwanderung von Personen, die als Touristen ins Land kamen und dort blieben, ohne ihren Status legalisieren zu lassen; es handelt sich um 4618 Juden und 3256 Nichtjudem Im vorangegangenen Jahr wa.r die Zahl dOr illegal im Lande Verbliebnen bei den Niohtjuden mit 3022 größer als 'bei den Juden mit 2907. In den letzten drei Jahren, in denen die jüdische Einwanderung erheblich gestiegen ist, sind nicht einmal 2000 arabische Landeeeinwohner mehr ausgereist als zurückgekehrt; es kann somit von einer irgendwie ins Gewicht fallenden arabischen Auswanderung nicht die Rede sein. Anderseits hat in jedem dieser drei letzten Jahre eine erhebliche Zuwanderung von Arabern nach Palästina stattgefunden. Was die Herkunftsländer der Einwanderer betrifft, so steht Polen, das schon bisher den größten Teil der jüdischen Einwanderung gestellt hat, auch diesmal bei weitem an der Spitze. Etwa die Hälfte aller Einwanderer sind1 aus Polen gekommen. Über 36.000 palästinensische Pässe, mehr als doppelt wie in jedem früheren Jahr, mit Ausnahme von 1934, sind in dem Berichtsjahr ausgegeben worden. Diese Erhöhung war insbesondere auf diie allgemeine Prosperität und den Ausbau der Geschäfte beziehiingen zu anderen Ländern zurüekzu führen. Die Zahl der Gsuohe um Na. tu ralisierung ist erheblich gestiegen: von 3200 im Jahre 1934 auf über 6000 im letzten Jahre. Es ist zu erwarten, daß die Z a. h der Einbürgerungen in diesem und in folgenden Jahren weiter steigen wird. Gegenwärtig besitzt weniger als die Hälfte der jüdischen Bevölkerung die palästinensische Bürgerschaft. Druckpumpe und Säugpumpe Die Einwanderung — schreibt der Kommissär — ist das Ergebnis des Zusammenwirkens Palästinas als Säugpumpe und des Auswanderungslandes als Druckpumpe. Deswegen hätten die für Wanderungserscheinungen im aLlgeminen geltenden Theorien vielleicht keine Geltung für das Phänomen dieser Bewegung nach Palästina. In der gesamten Tätigkeit, erklärt der Kommissär zum Schluß, ist das Individuum von ausschlaggebender Bedeutung; mögen auch die Beamten des Departments mitunter die Empfindung haben, daß sie sich mit einer Masse beschäftigen, so haben sie es doch in Wirklichkeit mit Tausenden von Einzelmenschen zu tun, von denen jeder seine persönlichen Besonderheiten hat. Ein pan-arischer Projektant Dem Jüdischen Weltkongreß widmen auch die Pan-Atier ihre Aufmenksamkeit. Ihr oberster Ohef, der bekannte Ulrich Fleischhauer in Erfurt, der mit seinen Gutachten im Berner Prozeß durohgefallen ist, im Dritten Reich aber durch ähre vorzeitige Veröffentlichung ein gutes dickes Geschäft gemacht hat, interessiert sich für die Genfer Beratungen und hat den inzwischen verhafteten Genfer Welsch-Germanen E i s en e gge r, der „ihm; an Geschaftslüdhrigk^t nicht näa^föht, ittit der Bespitzelung des Weltkongresses beauftragen wollen, dazwischen abör Jutf die pan-arisohe Brüderschaft (ihr Sitz ist Erfurt) einen ganzen Presseapparat mit der; anerkannten deutschen .Organisationsfähigkeit in Bewegung gesetzt und versendet Aufsätze, die sich mit. dem Jüdischen Weltkongreß beschäftigen. Einen solchen Artikel finden wir mit der Unterschrift „Ed. Planter“ und äus Genf - datiert, im „SaMmrger Volksblatt“ vom 8. Augiist. Der .Artikel, beschwert sich zuerst darüber,'daß Juden. Kongresse abhalten dürfen, was den Ariern verboten ist. Nun bringen täglich die Zeitungen Berichte über Kongresse, bei denen auch „Arier“ in großer Zahl anwesend sind. So eine kleine Unrichtigkeit aber macht den Autoren und den Lesern Freude, wenn eie sich nur gegen Juden richtet. Planier weiß natürlich alles über den Jüdischen Kongreß. Er weiß, daß er in den Kommdssionszimmern gewiß geheime Beschlüsse fassen wird.- Bei anderen Kongressen gibt es nämlich keine Kommissionen. Die Beschlüsse des Jüdischen Kongresses werden öffentlich verlesen und abgestimmt. Das stört diesen Planter nicht weiter, der übrigens den Juden hinter ihre Schliche gekommen ist. Sie sind nicht, wie sie immer 'behaupten, 17 Millionen, sondern 30 Millionen, und da Palästina, dessen bodenständige, erbeingejsessenen Araber sie von der Scholle verdrängen oder zu Arbeitssklaven machen wollen, zu klein ist, so ergibt sich daraus, daß der Zionismus der Juden nur ein Soheinzdonismus ist. Die panarisohe Bewegung aber will den Voll- Zionismus. Sie hat, sagt Planter, im Jahre 1934 in einem belgischen Seebad einen Weltkongreß abgehalten (also dürfen Arier doch Kongresse veranstalten), und eie. hat dort beschlossen, das „Dritte jüdische Reich“ auf ' Madagaskar zu; ■errichten. Planter ist nun neugierig, welche. Stellung der Jüdische Weltkongreß zu diesem Projekt einnimmt. Wirfürchten, gar keine. Aber wenn den Plan-Ariern das Schicksal der Araber in Palästina so nahe geht, weshalb schlagen sie die Aussiedlung der Madagassen vor? Wir meinen, daß man auch von einem Pag-Arier etwas Gehirntätigkeit verlangen darf,.. Die Schüler der Welsen von Zion a. D. Fleischhauer diie gesamte Be» wegung zusammengehalten und kontrolliert wird. Die Erfurter Zentralstelle verfügt über sehr große M i 11. e 1 und unterstützt die antisemitische Presse in allen Ländern nicht nur finanziell, sondern auch durch ihre in drei Sprachen erscheinend© Korrespondenz ,W e 11 - D d c n s t.‘ — ,S r rvice Mondiale* — ,W o r 1 d Service4, die iim Bödung-Verlag, Erfurt, herausgegeben wind. Von hier aus wird auch in sehr großen Mengen antisemitische Agitationsliteratur, insbesondere die ,P r o t ok o 11 e der Weisen von Zion4, in den verschiedensten Sprachen versandt.44 Gerichtliche Anklage gegen Fleischhauer Aus Bern wird gemeldet: Gegen Oberstleutnant Fleischhauer ist von der schweizerischen Justizbehörde Anklage erhoben worden wegen verbotener Organisation eines Nachrichtendienstes auf schweizerischem Boden und wegen Anwerber von Agenten hiefür. Es ist als sicher anzunehmen, daß Fleischhauer, gegen den auch ein Verfahren wegen Beleidigung der schweizerischen Freimaurer läuft, sich dem Gericht stellen wird. Kinoprogramme Vom 18. bis 20. August r«l. R 24-8-16 URAUFFÜHRUNG Chester MorrIsv Irene Harvey in 9* Desperados“ Beginn: 4, %6, 7a8. 7*10 Uhr ELITE-KINO LmR21-0;654 Uraufführung Silvia Sydney in dem Naturfarben-Film „Rätsel um eine Frau“ Beginn: Wochentags 7*6, VA 7*10 Uhr Sopn- und Feiertag ab %4 Uhr IMPERIAL-KINO I., Botenturmstraße 19 Telephon : JJ 22-1-10 Uraufführung: Warner Baxter in »Dlelnsel derHalflsche* Beginn : VA 7*6, 7*8, 7*10 Uhr KRYSTALL IU Prater, Straße des 1. Mai Nr. 40 KINO Telephon R 48-2-79 Uraufführung für den Prater Carola Lombard, Cesar Romero in „Liebe vor dem Frühstück" Wochentags: S, 7,9 Uhr, Sonnu. Feiertags: 7*4, V>0,7«8,7,10 Uhl irnröff Ab 21. AuguBt: Silvia Sydney in dem großen Naturfarben-Fflm Gottesdienste an den Feiertagen Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Wien veranstaltet anläßlich der diesjährigen hohen Feiertage im Großen Musikvereinssaale, I., Dumbagasse 3, sowie im Sophiensaale, III., Marxergasse 17, feierliche Gottesdienste. Jene Parteien, welche auf die ira Vorjahre benützten Sitzplätze reflektieren, können die neuen Karten gegen Vorweisung der vorjährigen . an der Kartenkasse der Israelitischen Kultusgemeinde, Wien, I., SeitensJ^ttengasse 4, I. Stock, in der Zeit vom 27. August bis fi. September dieses Jahres während der Ämtsstundcn von 8 bis 1 Uhr mittags beheben. JBei diesem Anlasso wird auch an jene Parteien, welche auf Sitze in den Gemeindetempeln reflektieren, das Ersuchen gerichtet, zur Vermeidung größeren Andranges sich schon ab 27. August 1936 mit der Kartenkasse ins Einvernehmen zu setzen. Der allgemeine. Verkauf der nicht erneuerten Sitzkarten beginnt am 7. September dieses Jahre«. Ebenso werden die Betsitzinhaber, welche auf ihre vorjährigen Sitzplätze im Leopoldstädter Gcmeindetempel, II., Tempelgaßse 3, reflektieren, hiemit ersucht, ihre Karten rechtzeitig zu erneuern. Hiefür gelten dieselben Termine wie oben. Eigentümer, Verleger und Herausgeber: Zionistischer Landesverband für Österreich. Wien, I.. Marc-Aurel-Sti.'iße fl. — Verantwortlicher Redakteur: AJfieii »pwaId Rosegg, Wien.• 1., Marc-Aurel-Smße 6. — Druck: Vernay A. G., Wien, UL, Caoi&iu&gg&tt 8~«4Q. Über die Organisation de<r Mordhefcze teilt ein in Karlsbad erschienenes Buch von Alexander Stein das folgende mit: „Von nationalsozialistischer Seite werden besondere Anstrengungen gemacht, den aus Rußland eingeführten Pogrom-Antisemitismus auf dem Wege über die rechtsstehende russische Emigration wieder nach Sowjetrußland zurüekzu verpflanzen., Neben den Bemühungen,, die von Rosenbergs,,Außenpolitischem Amt4 ausgeihen, von Deutschland, Polen, Jugoslawien und Ma/ndsohukuo ' aus reaktionäre Umtriebe in der Sowjetunion hervorzurufen, gebt eine systematische antisemitische.-Wiihil- und Hetzarbeit, die namentlich von der. halbmilitärisch aufgezogenen ,Russis oh.-N a ti on al en Befreiungsbewegung4, kurz ,Rond‘ genannt, betrieben wird... Die Wiederbelebung des russischen Antisemitismus bildet aber nur einen Teil der antijüdischen Weltpropaganda, die von Deutschland aus betrieben wird. Während die nationalsozialistische ,Auslandsarbeit4 m Liludorn mit deutschen Bevölkerungsteilen meist darauf hmzielt, irredentißtißche .oder autonomistische Bewegungen großzuziehen, versucht sie in anderen Ländern auf dem Wege über die antisemitische Propaganda Fuß zu fassen. Besonders intensiv sind diese Bemühungen, in den fr^üjzöslschjen Kojoßden Nomd&fsifcas, in Algier, Tunis und Marokko. Daneben läuft die antisemitische Hetzpropaganda auf dem Balkan und im Nahen Orient, vor allem in Arabien, Ägypten und Palästina, wo diie Stellung Englands auf diiese Weise untenhöhlt und Nationalitätenkämpfe entfacht werden sollen. Zur Organisation der internationalen antisemitischen Bewegung sind in Deutschland weitverzweigte Verbände geschaffen worden, deren Fäden im ,Außenpolitischen Amt4 ausammenlaufen. Im September 1934 wurde ein ,W! e 11 ib u n d der Völkischen4 (Alliance Raciste Universelle) gegründet, dessen deutsche Abteilung in Berlin, de facto die Oberleitung ausübt. Daneben gibt es eine , A r a s c h - Christliche Allianz4, die eine zcitiang ihren Sitz in Paris und jetzt in Erfurt bat. Außer diesen offenen internationalen Vereinigungen, die sehr wenig über ihre Tätigkeit veröffentlichen, gibt es noch eine engere und streng geheim gehaltene internationale antisemitische Organisation unter dom Namen ,P a nA r i s 0 h e Brüderschaft4, die die Aufgabe hat, die internationale antisemitische Bewegung den außenpolitischen Zielen des deutschen Nationalsozialismus dienstbar zu machen. Die ZenVäler dieser''"ArttettT Ist*in 'Erfurt', wo unter der Leitung des Oberstleutnants „Rätsel um eine Frau" Beginn: 7*4, V,6, V*8, 7*10 Uhr fTAEII VINfl VII., Mariahilferstraße 120 *I MrH -IUI1U Telephon B 33-0-68 URAUFFÜHRUNG Warner Baxter in ,Dle Insel der Haifische* Beginns 7*4, 7*6, 7, 9 Uhr . DL, Währingerstraße 12 Telephon A 18-3-96 URAUFFÜHRUNG Warner Baxter in ,Die Insel der Haifische* Beginn: Va4, 7a6, Va8, 988 Bezugsbedingungen: Monatlich S 1.50, vierteljährlich S 4.20, ganzjährig S 16.—. Für das Ausland: Deutschland vierteljährlich RM 3.—* Tschechoslowakei vierteljährlich Kö 24.—, Jugoslawien vierteljährlich Dinar 40.—, Polen vierteljährlich Zloty 6.50, Ungarn vierteljährlich Pengö 4.20, Rumänien viertel» jährlich Lei 120.—, übriges Ausland viertel* jährlich Schweizer Franken 4.50. Postscheck Konti: Österreich Nummer D 113.546, Polen Nr. 191.190, Tschechoslowakei Nr. 500.230, Jugoslawien Nr. 40.879. Redaktion und Administration: Wien, I„ Mare« Aurel-Straße 5. Tel.: U 22-3-91. Redaktions« Schluß Montag und Mittwoch vormittags. 17978624

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