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Die Stimme · 1936-08-14 · Heft 572 (14.8.1936) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 572 (14.8.1936)
Date
1936-08-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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V. t». s. 20S JÜDISCHE ZEITUNG Nr* 572 Wien, Freitag, 24* August 1936 27* Aw 5696 9* Jahrgang WflWFR IAXTER BüHö-IAAPEWAl-STAFA-VOTIVPARLX KINO Der Jüdische Weltkongreß iii Genf Der Kongreß wurde, wie schon 'berichtet, am 8. August, abends in Anwesenheit von?,00 Delegierten aus 32 Ländern eröffnet. Das Kongreßgebändo war von der Genfer Polizei unter besonderen Schutz gestellt worden. In daß Präsidium wurden berufen: Richter Julian Mack (New York) als Ehrenp r ä ß i d e n t. Ferner: Rabbiner B r o d t, M. Davis, Dr. J. F i s c h e, Dr. Nah-uni Goldmann, Dr. Jefroykin (Paris), Louis Lip-sky (New York), Sally Mayer (Basel), Dr. Mossinson (Tel-Aviv), Dr. Nurock (Riga), David Pinski, Ing. Reiß, Dr. Rosmarin (Warschau), Rafael Szercszewski und Dr. Stephen Wise (New Yonk). ORBIS billige Reisen nach POLEN Abfahrt: Jeden Sonntag Anmeldungen;, Poln. Reisebüro „O R B I S“ I Oesterreich. Verkehrs - Büro I., Kärntnerstraße 41, R-21-5-78 | lM Friedrlchstr. 7, B-27-500, I., Graben 20, 0-23-0-35 Dr. Nahum Goldmann über die Lage der Juden Dr. Nahum Gpldmann. hielt hierauf sein Ref erat üiber die Lage der Juden in der Welt, Er führte unter anderem aus: Unsere Lage ißt. heute ärger als seit Jahrhunderten. Die neue Rechtsordnung nach dem Weltkrieg hatte den Juden die Emanzipation in Ländern gebracht, . in denen, sie vorher nicht durchgeführt war, und hatte ihnen in den verschiedenen. Friedens-, Verträgen M.i n o r i t ä t e n r e c h te! gewährt, garantiert durch den Völkerbund. Diese Garantie bedeutet, heute fast nichts mehr; weil der Völkerbund nicht mehr die Macht hat,,-dein Schutz der M i n ö r i t ä t e n d u r c h z u f ü h t e n. Die ‘ Minoritäten können heute kaum noch einen wirklichen Kampf um ihre Rechte führen; der Zerfall des Minoritätenkongresses, der eingetreten ist, seitdem Deutschland durch seine Rassen- und Judenpolitik den deutschen. Minoritäten die Basis ihres Kampfes genommen hat, ist, ein Symptom; dieser neuen Lage. Es besteht heute in Europa ein Judenp.fpblem, wie es seit vielen Jahrhunderten' in diesem Ausmaß nicht existiert hat. Es handelt sich bei der Judenfrage heute nicht mehr um Wahrung der Minoritäterechte und fast nicht mehr auch um Wahrung der bürgerlichen Gleichberechtigung, sondern um die Frage der elementarst e n p h y siechen Existenz. Täglich gibt es Exzesse gegen Juden,' Überfälle, Pogrome. So leben heute im Herzen Europas Millionen Juden als verfemte, und verfolgte Parias; sie werden ökonomisch expropriiert, politisch terrorisiert und faktisch als Fremde behandelt. Und was das Schlimmste ist: die öffentliche Meinung der Welt, die die einzige Appellationsinstanz ist, wird imnjer stumpfer. Die Welt ist belastet mit der Sorge wegen kommender Katastrophen, und man schämt sich als Jude oft des Appells an die öffentliche Meinung der Welt, wenn man sieht, wie schwach die Reaktion auf den Appell ist. Ferienreisen «ach POLEN -JUigst und bequei_. _ _ 23. August. Rückfahrt 1. u. 14. September usw. Auskünfte erteilt Dr. S. Toeker Anmeld, im Reisebüro »In die Well** (W. N. Renner), IX., Lioohtensteinatr. 2 (beim Sohottenring), Tel. A14-504 Keine Jüdischen Verzichte Der Kampf gegendie Judenpolitik des deutschen Nationalsozialismus wird von den Juden weitergekämpft werden müssen, so lange diese Politik besteht. Es geht nicht allein um die Rechte der deutschen Juden, denn der Nationalsozialismus bat die Diffamierung des Gesamt- Judentums proklamiert, und wo immer in der Welt gegen Juden gehetzt wird, ist diedeutsche Propaganda daran beteiligt. Der Irrglaube mancher deutscher Juden, daß die Lösung ln der Schaffung eines neuen jüdischen Ghettos in Deutschland bestehen könnte, Ist absurd. Juden können nach einem Jahrhundert der Emanzipation gleichberechtigt leben oder als.Parias untergeben. Die Rückkehr ins Ghettoist ihnen nicht mehr gegeben. Deswegen kann es kein Kompromiß mit der nationalsozialistischen Judenpolitik geben, vielmehr muß der Kampf so. lange weitergehen, bis das deutsche Judentum wieder im vollen Besitze seiner Gleichberechtigung., sein wird. Das. Judentum kann seine Positionen .in den einzelnen. Ländern nicht räumen, weil' es historisch in sie hineingewachsen ist an d das Röcht bdt, sie zu kall tSri. Der Äufbau Palästinas bedeutet nicht "die rltzer Allgemeinen Zeitung .Mb Polen .CzemowUz ' Abfahrten: 16. und 23. August Anmeldungen aus8chliefiUe.h Reisebüro »Mnrlenbrüeke**, I., RotenturmstrnBe 26 Telephon R 24-2-86/8?: Preisgabe der Gleichberechtigung, denn ohne ein starkes .Galuth-Judentum, im Röcken wird auch das jüdische Palästina nicht die Punktionen erfüllen können, um derentwillen es geschaffen wird. Die Juden in $ow|etrußland Die Judenfrage in Rußland ist eine Konsequenz der allgemeinen Tendenzen des dortigen Regimes., Keine Regierung der Welt ist weniger frei von Antisemitismus als, die russische. Nirgends, istdie Gleichberechtigung der Juden jmt mehr Konsequenz durchgeführt wie . dort, und die Regierung hat auch vieles getan, um - die jüdischen Massen zu produktivieren. Um so bedauerlicher ist es, daß — infolge früherer -historischer' Auseinandersetzung ■ zwischen Kommunisten und nationalen Juden Zionisten in' Rußland verhaftet werden, die hebrä- : i s'c h e S p r ä c be f a k t i s c h i n Rann getan ist und russischen Juden, die sich mit diesen Zuständen nicht äbfindejn. können, nicht einmal 'die Möglichkeit der Auswanderung gegeben ist. Diese Haltung der . Sowjetregierung ist s i n h I ös, dehn diö Tendenzen ihrer .allgemeinen Politik bedingen nicht diese Verfolgung des Zionismus'und der hebräischen Kultur. Ebenso absurd ist es, , daß der Kommunism.us in der Welt in .dem Kampf des jüdischenJ Volkes in Palästina PaHei-'gegen tins nimmt. Dadurch zwingt er uns einen Kämpf auf, döir äh dteh unnötig ist. Bas Judentum ttet W&t hat keifte Stauung1 ~ äsiur n'Öfimen; *dm " Köthtähhfsmni^ ■. e>s keine Stellung zu hcähäeh hat zii irgend welchem ' anderen Regime, solange es die jüdischen Rechte nicht bestreitet Warum muß der Kommunismus als solcher in die inneren jüdischen Auseinander setz u n g e n ein greifen,? Es ist zu hoffen, daß die sowjetrussische Regierung diese ihre Haltung in deri Judenfrage -einer Revision unterziehen -wird. Das Wunder Palästina - Trotz alldem darf das Judentum nicht verzweifeln. In der Zeit ’ der unfaßbaren Verschlechterung der jüdischen Situation ist das Wunder 'des jüdischen . Palästina verwirklicht worden und ist dort ein Judentum entstanden, das stark genug ist, einem viermonatigen brutalen Terror standzuhalten. Aber auch die. allgemeine Weltlage darf das Judentum nicht verzweifeln lassen. Das jüdische Volk wird auch diese Zeit überdauern. Wir müssen uns organisieren, unsere Rechte immer wieder proklamieren und selbst mithelfen an der großen historischen Auseinandersetzung, die haute vq,r sich geht. Wir leiden mit dem Rechtsgedankm,- ' der heute leidet; wir ' werden uns durchsetzen und triumphieren mit dem Röchtegedahken, der morgen. triumphieren wind. (Langanhaltender Beifall.) Die Generaldebatte Genf, 11. August. Gestern begann die Generaldebatte zu den Referaten. Die Arbeit e r g r u p p e n sämtlicher Länder haben sich aiuf dem Kongreß zu einer Arbedtenfrakfcion zusammengeBChlossen, _ der sowohl zionistische wie nichtzionistische Arbeitervertreter angeböreo. Ferner wurde auf Anregung von Rabbiner Dr. M. Nurok und dem Präsidenten der Misrachi-Oiganisation Amerikas L. Gelhnan ein religiöser Block gebildet. Über 80 amerikanische Delegierte, fast ein Drittel des gesamten Kongresses, haben sich unter Führung von Dr, Stephen Wise zu einer Edith eite front zusammen- Gegen die Fraktionsblldung Vor Beginn der Hauptaussprache pro? testierte Oberbaurat Robert Stricker im Namen der Österreich!* sehen territorialen Gruppe gegen die Bll* düng politischer Fraktionen, die zu einer Sprengung de« Kongresses, jja sogar zu einer dauernden Spaltung in den Reihen der Kongreßgruppen führen könnte. Wir kämen, sägte Stricker, hierher vereint zu einer vereinten Aktion und wollen nicht in Parteien gespalten zurückkebren. Der Kongreß solle, sich lediglich auf die Ländergruppen, nicht aber auf politische und religiöse Schichtungen stützen* Ing. Reiß, Warschau, erklärte, Stricker wolle einen „totalitären“ Kongreß, was eher eine faschistische als eine demokratische Linie bedeuten würde. Der Kongreß beschloß mR Stimmenmehrheit, diese Frage dem Organisationskomitee zur Erwägung und Berichterstattung zuzuweieen. Ausschließung derKommunisten Da die fünf kommunistiechen Delegierten aus Amerika, die als Vertreter der von der Washingtoner Wahlversammlung ausgeschlossenen Opposition auf eigene Faust nach Genf gekommen waren, es abgelehnt, hatten, eine Erklärung zu unterzeichnen, die die Haltung der K o mni u nisten Palästinas bei den gegenwärtigen Unruhen verurteilt, hat das Exekutivkomitee endgültig beschlossen, sie zu dem. Kongreß nicht zuzulassen. Diese Entscheidung der Exekutive führte zu einer erregten Aus einandere etzung in der Kongreßsitizung. J. L. Fine, einer der Führer der englischen1' Arbeiterdelegation, verlas, nachdem der Vertreter, des Legitimationsauöschueses die Nichtzulassung der kommunistischen Delegierten bekanntgegeben hatte, eine Protesterklärung gegen diesen Beschluß* (Fortsetsoog aal SMfe 1] Das Mandat und die Kommission ■ Von Berlin war in der Vorwoche die Nachricht lanciert worden, daß die v-ier arabischen Könige — Transjordanien, Irak, Jemen , und Saudija — in einem Memorandum: an ,d©n Oberkommfesar von Palästina, die Forderungen des Obersten arabischen Komitees vertreten hätten. Die Nachricht hat 'sich als falsch herau-sgestellt sie kam,,wie:gesagt-, aus Berlin — und.hier, war der Wunsch der Vater der Unwahrheit. Die Sache reduziert sich a/uf eine von den vier Emiren — wie sie offiziell heißen' — . versuchte .Vermittlung, die beim arabischen Komitee, nicht aber beim Oberkommissar erfolgte; es - war der Sachlage entsprechend nicht mehr als ein guter Bat, den Streik abzubrechen und der von London aus angekündigten Königlichen Kommission die Abreise nicht unmöglich. zu machen. Die Intervention der vier Emire hatte ihre guten Gründe. Diepalästinensischen Araber stehen heute, dank der von den Juden getragenen Entwicklung, unter allen arabischen - Stämmen wirtschaftlich und volkshygdenisch-an erster Stelle; ihr Ruin, der. durch den Streik schon sehr weit gediehen ist,, beginntbereits politische Schatten zu werfen. Die Hafenarbeiten in Jaffa sind in, jijdasche Hände übergegangeü, der Hafen von Tel-Ävdv ist eine-feste Tatsache, , die sich, in naher Zukunft sehr bedeutungsj voll aflasmrken, wird,- viele., und -wichtige Ge- : schäfteverbmdiiMgei’i nach den Nachbarlän-; dem. SW an jüdische Unternehmer gefallen. Es ist Cdn .gut Stück arabischer Position verloren, und ,die innere Unruhe wird von den leidtragenden arabischen Kaufleuten und Arbeitern gegen das Oberste Komitee gewendet. Anderseits zeigen die fortdauernden Terrorakte, daß die Führer keine Autorität mehr besitzen, und .die Richtung van Unbotmäßigen führt immer weiter von der Linie : der Interessen der Emire ab, denen die Ausbreitung der destruktiven Tendenzen allzusehr zai denken, geben muß. ^Faüestiin“, das Organ der christlichen Araber, das unter der Patronanz des römischen Patriarchats öreoheint, spricht (bereite die Sehnsucht nach dem Frieden offen aus. . Die Juden haben während der vier Monate der Unruhen eich lediglich auf die Verteidigung beschränkt und sich nicht aus ■ihrer 'besonnenen Wachsamkeit herauskicken lassen. Aber sie mußten fesbsfcelien, daß die mitteilbare und unmittelbare Schuld an der eo tragischen Entwicklung auf der Seite der Regierung liegt, die den Terroristen gegenüber eine Geduld zeigte, wie sie sonst immer in Europa gegen antijüdische Strömungen eintritt. In Palästina ist aber die Rechtslage eine ganz andere. Der Jisdhuw befindet sich, wie das Mandat erklärt, kraft Rechtens, kraft der historischen Verbindung des jüdischen Volkes, auf dem Boden des Landes. Seine legale und legitimierte Position ist angegriffen worden, und den ersten Anstoß hiezu hat die Mandateregierung gegeben. Sie hat den ihr im Namen des Völkerbundes erteilten Auftrag wissentlich, und geflissentlich, zurückgesetzt, und es sind —- abgesehen von der Methode der Nadelstiche gegen die jüdischen Ein- HOR AUF, MEIN KIND, UND DEINE MUTTER WIRD DICH SEGNEN! DIE HEILUNG VON DER HASARD¬ LEIDENSCHAFT DURCH EIN BUCH PREIS S2‘92 IN ALLEN BUCHHANDLUNGEN VERLAG ZUR WÄHRUNG DER MENSCHEN¬ WÜRDE, WIEN, OBERE DONAUSTR. 79/7

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