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Die Stimme · 1936-07-10 · Heft 562 (10.7.1936) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 562 (10.7.1936)
Date
1936-07-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Nr« $63 Wien, Freitag, 10. Jtüi 1936 20« Tamue $696 9« Jahrgang "Stimme JÜDISCHE ZEITUNG mmi JACK BENNY TED HEALY ÜNA MERKEL NAT PENDLE TON EIIIC I. SCHOTfENKlNG I SOND^RFAHRTE^nach POLEH und Czerno wltz Pein. VerkehrsbUro »Francopol«, III., Schwarzenbergplatz 7 Tel. U 16-4-90 lliiakai« Hhlahal, 4M i.a|t *»Ccdok*/ I., Karotncrstraßc 32, Tel. R 23-4-88 Itacnste ADfOnrt' 12# JUlI Gerngroß, VII.. Mariahilferstraße 42, Tel. B 38-2-68 Ä POLEN billigst und bequem: nächste Abfahrt 12 Juli. Rückfahrt 4. August usw. Auskünfte erteilt Dr. S. Toeker Anmeld, im Reisebüro „In dl# Well** (W. N. Renner), IX., Llechtensteinstr. 2 (beim Schottenring), Tel. A14-504 Verschärfter Bandenkrieg in Palästina Jerusalem, 7. Juli. (JTA.) Die Bandeni ä t. i g k e i t der ara,bischen Aufrührer hat sich wiederum verschärft. Am 5. Juli kam es zu einer Reihe arabischer Überfälle auf britische Militärpatrouillen, sowie zu Bombenwürfen und Brandstiftungen. Im Zentrum der Stadt Jerusalem verübte eine Terrorgruppe einen Feuerüberfall auf eine Gruppe Juden, von denen zwei schwer und eine Reihe anderer leichter verletzt wurden. Drei bei der Jerusalemer Wasserleitung beschäftigte jüdische Arbeiter wurden auf dem Wege zur Arbeit in der Nähe des Viertels Mea Schearim durch den Bombenwurf 'eines Arabers verletzt. Es sind dies der 21jährige David Schmidt aus Kamiinicz in Polen und die 24jährigen Zwülingbrüder Jakob und Elijahu K u pp e r m an, ebenfalls aus Polen stammend. Die Verlegungen de6 einen der Brüder Kupperman sind sehr s eih wer. eine Woche verboten worden. Es erscheinen somit in Palästina zurzeit keine arabischen Tageszeitungen. In Jakuk bei Tiberias wurde der Wächter von einer arabischen Bande überwältigt und eine jüdische Baracke niedergebrannt. Die Säuberungsaktion Jerusalem, 6. Juli. (Palcor.) Die Jerusalemer Funkstation hat heute außer der Ansage von den amtlichen CommuniquÖs ihre Sendungen unterlassen. Der Grund scheint die Befürchtung zu sein, daß die Sendungen die Radiomitteilungen des Militärs stören könnten. Die größten Militäroperationen seit dem Kriege wurden heute in Palästina durchgeführt. Sie erstreckten sich über ein Gebiet, das Nablus, Kalkilieh, Raselein und Latrun einschließt. An den Operationen beteiligten sich fünf Bataillone Infanterie, Tanks, Panzerwagen sowie Flugzeuge; die Truppen waren mit Radiosendern ausgestattet. Trotz genauester Durchsuchung von Bergböhlen und Dörfern waren die Ergebnisse n i c h t befriedigend; auf die Dorfbewohner machte diese Kraftentfaltung jedoch großen Eindruck. Während eines Kügelwechsels mit zwei kleineren bewaffneten Banden Wurden vier Araber verwundet; in Azzun wurden auf einen Tank Schüsse abgefeuert, die Besatzung antwortete und schoß einen Araber tot. In Deirnizham wurde ein Araber, der beim Signalisieren ertappt wurde und dem Befehl stillzustehen nicht Folge, leistete, erschossen; sein Begleiter wurde festgenommen. Die Hälfte der Truppen kehrte abends zurück, die andere Hälfte wird die Säuberung der Gegend um Nablus morgen fortsetzen. ORBIS POLEN iiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiin billige Reisen nach mtiiiiiniiiiiiiiiitiiiiiiiiiiniiiiiiiiiifiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimtiiif Abfahrt: Jeden Sonntag Anmeldungen: Poln. Reisebüro „O R B I S“ I Oesterreich. Verkehrs - Büro I., Kärntnerstraße 41, R-21-5-78 J I., Frledrlchstr.7, B-27-500, L,Graben20, u-29-0-35 Josef Kasteln (Haifa): Kein Jude zur Olympiade! Eine große jüdische Sportorganisation hat sich an Josef Kastein um seine Meinung über die Beteiligung oder Nichtbeteiligung von Juden an der Olympiade gewendet. Kastein hat in einem ausführlichen Brief geantwortet, dessen Text uns zur Kenntnis gekommen ist. Wir veröffentlichen ihjtt hier im Wortlaut: Hier handelt es sich um ein Prinzip, um hauseh und>• vegetieren müssen, durch seine Wieder zwei Tote ' Der am 29. Juni bei der Verteidigung der Kolonie Sichren Jaakob verwundete jüdische Wächter Schal am S m u 1 e w i c z' ist aym Sonnabend im Hadassa-Krankenhauß zu Haifa seinen Verletzungen e rl egen. In den jüdischen Kreisen, in denen man die Zahl der jüdischen Opfer ■ zählt, wird. Smulewioz als das 40.' jüdische T o d e s 0 p f e r bezeichnet. Der 25jährige Elijahu Said wurde heute morgens durch einen aus einer Plantage zwischen Neveshaanan und dem Hatikwa - Viertel in Tel - Aviv gefeuerten Pistolenschuß getötet. Eine Durchsuchung der Plantage durch Polizei und Militär blieb ergebnislos. Said hinterläßt eine Frau und ein Kind. In der Gegend von Dsohabar ist es zu einem Zusammenstoß zwischen transjordandsohen Grenzwachen und arabischen Terroristen gekommen. In dem Feuergefecht fielen drei Terroristen.. In Wadi Sali wurden* zwei Bomben geworfen, die explodierten, aber keinen Schaden amriohteten. In der Umgebung von Jerusalem und Td- Aviv kam es wiederholt zu Schießereien zwischen Araberbanden und Militär. Nach Afu.le, Dschenin, Sernach und anderen Ortschaften wurden Polizeiverstärkiungen. geschickt, da man Überfälle arabischer Banden erwartete. Bei Chedera wurde ein Eukalyptuswald im Ausmaße von zehn Dunaan (ein Hektar) vernichtet, : Angriff auf Hulda Zum erstenmal seit Beginn der Unruhen ist in der Nacht zum Sonntag ein Angriff gegen die durch ihre heldenmütige Verteidigung im Jahre 1929 bekannte Kolonie Hulda gerichtet worden. Der Angriff, der von 11 Ulvr abends bis 4 Uhr morgens dauerte, wurde von den Kolonisten und jüdischer II ilf sp 0li zei mit Unterstützung einer später eiligetroffenen englischen Maschineogewehrabteilung abgeschlagen. Von den arabischen Angreifern wurden mehrore verwundet. Arabische Terroristen versuchten auch, jüdische Orangenpflanzungen bei Rechowot zu vernichten. Es entwickelte sich ein Feuergefecht, das anderthalb Stunden dauerte. Der Angriff wurde durch jüdische Hilfspolizei abgewehrt, Sämtliche arabischen Zeitungen ln Palästina verboten Jerusalem, 7. Juli. (JTA.) Das Organ der Mufti-Partei, „El Liwaa“, der „Felestin“, eins Blatt Rugheb Boy Niishashihis, und das Organ der Istiklal-Partei, „Difaa“, sind fftr einen der Angelpunkte der jüdischen Situation in der Galuth überhaupt. Darum muß ich —■ soweit es meino belastete Zeit zuläßt — ausführlicher antworten. Verlieren Sie, bitte, bei der Lektüre nicht die Geduld. An sich kann es über das Faktum selbst, ob ein Jude an. der Berliner Olympiade teilnehmen darf oder nicht, keine Diskussion geben. Wir haben die Antwort, die Deutschland dem Juden gegeben hat, als eine endgültige zu nehmen, und nur den Schwachen und Unbelehrbaren ist es gestattet, je auf eine Korrektur dieser Antwort zu hoffen oder auch nur von sich aus den kleinen Finger dafür zu rühren. Ein Jude, der nicht aus Gründen des Erwerbs, der nackten Lebensfürsörge, der familiären Bindung in Deutschland bleiben muß oder dorthin gehen muß, bleibt dort nicht und geht nicht dorthin. Wir haben auch jahrhundertelang ohne Spanien existieren können. Es geht hier um eine schlichte Frage der Würde und des Charakters. Sie hat gar nichts mit Ressentiment zu tun. Vor dem Geiste, der in Deutschland herrscht, vor den Lebensformen, die dort erzwungen werden, vor der Kultur, die da verordnet wird, haben wir uns mit aller Selbstverständlichkeit abzügtenzen. Die Wertung, die ^ir dort erfahren, dürfen wir gelassen ignorieren, so lange wir den Urteilenden keine moralische Legitimation einräumen können; und es würde eine merkwürdige Haltung der Selbstvernichtung sein, gerade diesen Urteilenden eine Legitimation einzuräumen. Nur eines haben wir mit aller Klarheit zur Kenntnis zu nehmen:' jeder Jude, der dem Deutschland des Dritten Reiches zum Opfer gefallen ist — und wir werden die Liste dieser Opfer eines Tages aufsteilen und präsentieren — richtet eine unübersteigbare Grenze zwischen uns und die* sem Volke auf, weil sie für einen unedlen Zweck gefallen sind. Das Nähere darüber glaube ich in meinem Buche „Juden in Deutschland“ gesagt zu haben. 1 In ein solches Land geht man nur unter einer einzigen Voraussetzung: wenn man den Jndenj die noch in einem solchen Lände Anwesenheit oder durch sein Tun irgend einen Nutzen, irgend eine Erleichterung der menschenunwürdigen Situation verschaffen kann. Daß das durch die Teilnahme -an olympischen Spielen geschieht, glaube ich nicht. Glauben Sie etwa, daß der trockene Pogrom aufhört, . wenn ein Jude Sieger wird? Oder daß das. Propagandainstitut des Dritten- Reiches oder gar der Repräsentant des deutschen Geistes, Herr Streicher, statt Gift nun Streüßelkuchen austeilen werden, weil ein Jude den Weltrekord im Laufen um eine Zehntelsekunde gedrückt hat? Es wird wahrscheinlich, selbst wenn ein Jude siegt , oder durch seine Teilnahme den Sieg seiner Mannschaft herbeiführt, unter Ausschluß der Öffentlichkeit bleiben, daß der Sieger ein Jude war, und nur die jüdischen liberalen Blättchen werden sich in Schlagzeilen austoben können. Und es ist doch eine alte Geschichtserfahrung, daß wir, selbst wenn wir siegen, für Honduras oder Nikaragua siegen und nicht für das Judentum. Und. das bißchen Befriedigung, das man den Juden, des Dritten Reiches dadurch verschaffen kann,: wird durch den Verlust an Würde und Charakter mehr als ausgeglichen. Und sollten Juden außerhalb Germüniens im Sieg der Juden auf der Berliner Olympiade eine Quelle der Befriedigung zu finden hofen, so soll man ihnen dringend anheimgeben, sich ihre Befriedigung auf würdigere und produktivere Art zu suchen. Die Zeit und das jüdische Schicksal bieten heute dafür erhebliche Möglichkeiten. Auch die jüdischen Sportler selbst haben es nicht nötig, sich ihre Befriedigung gerade in Berlin zu holen und gerade vor den Bewohnern des Dritten Reiches Proben ihres Könnens abzulegen. Man wartet dort weder in. der Wissenschaft noch im Langlauf auf den Juden, wenngleich denkbar ist, daß die Schulung der Gehirne dort in einem Diskuswerfer eine größere Potenz erblickt als im Entdecker der Relativitätstheorie. Und wenn wir auch die propagandistische Ausbeute nicht hindern können, die eine Olympiade in Berlin erfahren wird, haben wir doch keine Befugnis* sie zu vermehren* denn sie richtet sich im Effekt so oder so gegen den Juden überhaupt und damit implicite gegen denjenigen Juden, der eventuell gestern noch in Berlin „gesiegt“ hat. Aber alles das ist gewissermaßen nur die Außenseite des Problems. Es bekommt sein eigentliches Gewicht erst von einer Fragestellung aus, die vollkommen im jüdischen Raum liegt, die gar nichts mehr mit dem Zufall des Dritten Reiches, sondern nur noch mit dem Wesen und der Dauer der jüdischen Situation in der Galuth zu tun hat. Und hier müssen wir im Prinzip die gleiche Abgrenzung nach innen hin vornehmen, die wir nach außen, der Umwelt gegenüber, vorzunehmen haben. Dafür ist es nötig, eine Vorfrage zu stellen: was wollen die verschiedenen jüdischen. Sportvereine? Wollen sie, daß Sport auch von Juden ausgeübt wird? Oder wollen sie, daß Juden Sport ausüben? Liegt der Ton auf Sport oder auf Jude? Das ergäbe immerhin einen objektiven Unterschied. Derjenige, dem am Sport mehr liegt als an seiner jüdischen Haltung, kann sich jedenfalls formell auf den Standpunkt stellen, daß ihn hier gar nicht die Frage des Judentums interessiere, sondern die Frage der sportlichen' Leistung. Gesetzt, es gelänge ihm, jede Erinnerung an seine jüdische Existenz auszuschalten, alle charakterlichen Bedenken für die Dauer der Sportausübung. abzulegen wie einen Zivilanzug, sich einzureden, daß innerhalb der Mauern des Stadions diejenige Freiheit und Gleichheit herrsche, die einen Schritt hinter dem Ausgang schon eine Legende ist — ein Mangel, der sogar Nichtjuden veranlaßt, nicht nach Heidelberg oder zurii Berliner Städtekongreß zu gehen — gesetzt, daß ihm alles das gelingt: dann muß man ihm anheimgeben, dieses Charakterexerzitium vorzunehmen und nach Berlin zu fahren. Das interessiert dann uns als Juden nicht mehr. Das spielt sich dann irgendwo ab, aber nicht im jüdischen Bezirk. Ganz anders liegen die Dinge, wenn der Ton auf das. Wort und den Begriff Jude gelegt wird, und wenn das Bewußtsein, als Jude hier mit Leistungen antreten zu müssen, im Vordergründe steht. Dann entsteht allerdings die Komplikation, von der Sie sprechen, jene Situation, in der die Umwelt mit dreister Stirn und mit unverhüll«.: ter Drohung sagen darf: „Seid ihr nun Brasilianer oder Juden? Wir schicken euch als Brasilianer nach Berlin. Zeigt, daß ihr Brasilianer seid. Ihr genießt in Brasilien gleiche

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