Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 560 (2.7.1936)
- Date
- 1936-07-02
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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!*ft* 4 Oll STIMM! Nr. 560 — Wien, Donnerstag, 2. Juli 1030 Juden gehen nicht zur Olympiadeij Der Kreisvorstand des jüdischen Turnbliok zu erfreuen, sondern um ihren nun doppelt schwunghaften Handel von ihren Privathäusern aus zu betreiben. Dieser Streik zeugte eine historische Neuigkeit: „Fliisterkneipen“ für Waren. Noch ein Streikbild (die hebräische Presse verzeichnet es unter dem Titel: „Der Rebbe darf*''): F/in arabischer Unternehmer übernahm dieeer Tage von der Regierung einen Auftrag, den er mit einigen hundert arabischer Arbeiter awsfübrt, wozu er von der arabischen Streikleitung ausnahmsweise die Bewilligung erhielt. Warum? Weil sein Vetter in der Streikleitung sitzt. Preisfrage: Alltäglioh werden seit nun bald zwei Monaten von den KonntatsoMs tausende Schüsse aus englischen und aus ausländischen Gewehren abgegeben. Woher kommt diese ungeheure Menge völlig neuer englischer und ausländischer Munition? Dem Militär wurde nur Dynamit gestohlen, aus dem man aber keine Patronen machen kann. In welchem Maß übrigems der Markt mit ausländischen Waffen überschwemmt ist, erkennt man aus der Preisliste: Für 75 Piaster bekommt man schon einem Revolver und für drei Pfund ein funkelnagelneues Gewehr. Die sehr häufig verwendeten Handgranaten scheinen irgendwo an den Bäumen zu wachsen, denn hersteilen kann sie kein Mensch in diesem Land. „Wem gehört Palästina?14 London, 29. Juni (JTA.). Kolonienminißter Ormsby Gore gab im Unterhaus auf eine Anfrage des kommunistischen Abgeordneten Gallacher die Erklärung ab, aus den Mandatsbestimmungen gehe nicht hervor, daß Palästina den Arabern oder den Juden gehöre. Abg. G a 11 a c h e r: Stellt das Mandat nicht fest, daß das Territorium den Arabern gehört, daß letzten Endes eine gesetzgebende Versammlung geschaffen werden wird und daß innerhalb dieser die Juden den Anspruch auf Vertretung haben werden? Minister Ormsby Gore: Nein. Das Mandat stellt dies bestimmt nicht fest. Seine Majestät hat das Mandat für Palästina angenommen und es gibt dort keine Erklärung, daß das Land den Arabern oder den Juden gehört; es ist jetzt ein englisches Mandatsgebiet. Abg. G a 11 a c h e r: Ist das Mandat nicht eine Instruktion an einen bestimmten Staat, für ein bestimmtes Volk innerhalb eines bestimmten Territoriums Sorge zu tragen? Der Kolonienminister: Wenn der Abgeordnete das Mandat für Palästina, das sorgfältig aufgesetzt ist, lesen wird, so wird er sehen, daß es die Verantwortung an die Regierung Großbritanniens für Gerechtigkeit gegenüber allen Teilen der Bevölkerung ohne Unterschied von Rasse oder Religion überträgt. Zionisten und Auch-2ionisien Der in unserer letzten Nummer erschienene Artikel „Zionisten und Auch-Zionisten“ hat in unserem Leserkreise einen gewaltigen Nachhall gefunden, wie dies aus zahlreichen Zuschriften an die Redaktion hervorgeht. Über Wunsch zahlreicher Leser drucken wir im folgenden jen-e Stelle aus der Rede ab, die Theodor Herzl bed der Eröffnung des zweiten Zionistenkongresses hielt: „Es kann nicht länger so bleiben, daß in jüdischen Kultusgemeinden gegen Zion agitiert wird. Es ist ein widersinniger, unmöglicher Zustand. Wir müssen ihm ein Ende beredten. An allen Orten, wo der Vorstand nicht schon ohnehin zu den unsrigön gehört, muß eine Wahlkampagne begonnen werden. Männer, die würdig und fähig sind, solche Ehrenämter zu bekleiden, und die unserer Gesinnung nahestehen, müssen auf den Schild gehoben und in die Gemeindestuben getragen werden, im Namen der nationalen Idee, die Autorität der Kultusgemeinde, die Mittel, über die sie verfügt, die Personen, die sie erhält, dürfen nicht gegen den Volksgedanken verwendet werden. Darum glaube ich in Ihrem Sinne zu sprechen, geehrte Kongreßmitglieder, wenn ich als eines unserer nächsten Ziele die Eroberung der Gemeinden hinstelle. Es ist dies auch der loyale und legale Weg, den zionistischen Volkswillen in die Erscheinung treten zu lassen, nicht nur in der jährlich einmaligen Beratung, die uns hier versammelt, sondern auch in einem Wirken aller Tage und gleichzeitig auf allen Punkten, wo Juden wohnen. Es genügt nicht, daß wir davon wissen, in welchem Umfang der zionistische Gedanke die Judenheit ergriffen hat: die Tatsache muß auch gezeigt werden. Der Wahlzettel Ist dafür das gewerden. Der Wahlzettel Ist dafür das ge- und Sport Verbundes Österreichs im Makkaibi-Welt-verband. dem auch der Sportklub Hakoah und der Schwimmklub Hakoah angehören, hat als Spitzenorganisation sämtlicher jüdischen Turn- und Sportvereinigungen in seiner Sitzung vom 22. Juni einhellig beschlossen: In dem Bekenntnis zur österreichischen vaterländischen Gesinnung und der stets hochgehaltenen Verpflichtung, für die Farben Österreichs überall treu einzutreten und in dem Bekenntnis zur olympischen Idee; in der Erwägung, daß Sport und Ehre untrennbare Begriffe sind und der Sport nebst der körperlichen auch der geistigen und sittlichen Ertüchtigung zu dienen hat; in der Erwägung, daß in Deutschland die Juden in ihrer Gesamtheit der Diffamierung und schimpflichen Behandlung von Staats wegen ausgesetzt sind; in der Erwägung, daß in Deutschland den Juden das Baden in den Schwimmanstalten, die Benützung öffentlicher Sporteinrichtungen und der sportliche Wettkampf mit Nichtjuden verboten ist; in der Erwägung, daß schon aus rein menschlichen Gründen jüdischen Sportlern und Sportlerinnen nicht zugemutet werden kann, in einem Lande zu starten, in dem die Juden zu Angehörigen einer minderwertigen Rasse herabgewiirdigt werden, deren Vernichtung angestrebt wird, und Jüdisches Volk gib für den Jischuw! Für die jüdische Jugend, die seit drei Monaten unser Werk verteidigt, die des Tages in der Gluthitze in Feldern und Gärten schafft und werkt und des Nachts, das Gewehr im Arm, Heim und Haus und Scholle bewacht; für die Männer und Frauen, die in ihrer täglichen Beschäftigung gestört, in ihrer Existenz bedroht sind, die sie sich in jahrelanger Mühe errichtet haben; für die Kinder, denen eine freie Zukunft vorbereitet werden sollte. Helfet dem Jischuw, gebt dem jüdischen Volk! Und gebt rasch! Ihr folgt mit zorniger Erregung den Vorgängen im jüdischen Land, das von Meuterern und Lumpenproletariern angegriffen wurde, das der Schauplatz von Kämpfen ist, die seit drei Monaten andauern, ohne daß die Mandatsregierung, der wir vertraut haben, ihre Pflicht tut, die einfache bürgerliche Sicherheit mit den Mitteln herzustellen, die in allen Kulturstaaten in solchen Zeiten als Selbstverständlichkeiten angewendet werden. Wenn nicht der stahlharte Wille der Männer und Frauen, der Jungen und Mädchen wäre, der sich Respekt verschafft — so wären die Flammen schon lange über der Arbeit von 20 Jahren zusammengeschlagen. Und diese Arbeit ist der Grund, auf dem das jüdische Volk sich seine neue Heimat, seine Zukunft, seine Freiheit aufbaut. Nach unserem Herzen zielt der Stoß, wir allein verstehen es, daß es auf unser Leben abgesehen ist, daß das ganze jüdische Volk, jeder Jude, jedes jüdische Haus getroffen werden soll. Denn das ist das Ziel dieser Bewegung und um dies ganz zu erfassen, müssen wir uns daran erinnern, was dieser Erneute vorangegangen ist und wie sie zum Ausbruch kam. Seit Jahren hat die Mandatsverwaltung alle Energie gegen die jüdische sogenannte illegale Einwanderung spielen lassen, während das Einströmen vieler Tausenden, sagen wir Naturmenschen aus dem Hauran und den sonstigen Nachbargebieten, das ohne Paß und Zertifikat und Vermögens- oder Arbeitsnachweis erfolgte, geduldet wurde. Gegen die Zuwanderung jüdischer Arbeiter wurde die Aufnahmsfähigkeit des Arbeitsmarktes ins Treffen geführt, und während jüdische Arbeiter fehlten, fanden die Naturmenschen Brot und Verdienst bei kurzsichtigen jüdischen Unternehmern. Dann kam infolge der Mittelmeerspannungen eine Wirtschafts- und Kreditkrise, die, als sie eben verebbte, durch eine politische Krise abgelöst wurde, hervorgerufen von der Mandatsregierung, die in Wahrheit mit dem in der Erwägung, daß unter diesen Umständen Höchstleistungen jüdischer Sportler und Sportlerinnen in Deutschland unmöglich wären, beschließt der „Jüdische Turn- und Sportverband Österreichs im Makkabi-YVeltverband“: ' Die Teilnahme österreichischer Makkabim an den In Berlin stattfindenden olympischen Spielen 1936 Ist mit dem Begriffe Jlidischer Ehre unvereinbar. ¥ Die ganze jüdische Öffentlichkeit hat diesen Beschluß erwartet und es ist klar, daß kein ehrenhafter jüdischer Sportler in das nationalsozialistische Deutschland gehen kann. Damit erledigen sich auch die i* tendenziöser Weise ausgestreuten Gerüchte, wonach die Hakoahner, abgesehen von Judith Deutsch, zur Olympiade gehen. Restaurant Billet iw Bestrenommierte Küche w Reichhaltige Menüs ä S V90 u.2'60 II., Hammerpurgstaltgasse 3 (nächst Salztorbrücke) Feuer gespielt hat. Ohne Anlaß wurde eine Drosselung der jüdischen Mittelstandslmigration vorgenomen, wurde der Plan des Gesetzgebenden Rates in die Diskussion geworfen und ein Bodenverkaufsverbot angekündigt, drei Maßnahmen, die offenkundig die Absicht vereinten, den Juden den Weg zu versperren und die klaren Bestimmungen des Mandates in ihr Gegenteil umzubiegen. Und während noch die erbitterte Gegenwehr der Juden sich entwickelte, geschahen auf harmlose jüdische Passanten nacheinander Mordüberfälle, die die Polizei (so wie den Mord an Arlosoroff) nicht aufklären konnte. Und aus einer Demonstration der in ihrem Vertrauen auf die Behörden getäuschten Einwohnerschaft von Tel-Aviv hat sich dann jener Zustand herausgebildet, der zu einer Schande für England geworden ist und der Dank der Lässigkeit der Regierung und dem Geld des Dritten Reiches ins Uferlose zu laufen scheint. Aus dem jüdischen Protest gegen die Unzulänglichkeit der Sicherheitsvorkehrungen wurden urplötzlich eine arabische Bewegung mit politischen Forderungen, Streik und Brandschatzung. An 40 Tote beklagt schon der Jischuw, die Ernte ist zerstört, Jungwälder, die dem ausgedörrten, von Türken und Arabern mißhandelten Land neue Kraft bringen sollten, sind verbrannt, Orangenpflanzungen, von deren Betreuung und Pflege tausende Menschen lebten, in Asche gelegt. Millionenschade ist erzeugt worden. Aber die Angriffe auf die Kolonien sind von der wachsamen Jugend mit der Waffe abgewehrt worden, und sie werden sich auch weiterhin nicht durchsetzen. Es muß aber den Treuen, die für uns wachen und sorgen, zum Bewußtsein kommen, daß das jüdische Volk hinter ihnen steht, mit ihnen fühlt und ihnen Dank weiß. Die Regierung wird für den Schaden, den ihre Versäumnis verschuldet hat, aufkommen müssen, wir aber müssen zeigen, daß wir den Sinn der Opfer und der Schäden erkennen. Wir müssen mehr Geld geben, das ganze Volk muß Opfer bringen und sie mit dankerfülltem Herzen denen bringen, die unser Recht, unsere Zukunft verteidigen. „Die Scbreckenslnsel Im Pazifik.“ Freitag erscheint in Wien im Imperial-, Sohwarzenbergplatz-, Maria-Theresien- und Flieger-Kino der neue Abenteuerfilm der Universal „Die Schreokensinsel im Pazifik“, ein Film seltsamer Erlebnisse, verzweifelter Kämpfe, weiter Schiffsreisen, bunter Tieraufnahmen und interessanter darstellerischer Leistungen. Charles Bickford spielt die männliche, Elisaboth Young die weibliche Hauptrolle dieses Spannungsfilms, Ein „gemäßigter“ Araber In welchem Maße, der nationale Fanatismus der Araber durch das bisherige Regime in Palästina aufgestachelt. worden ist, geht aus dem „Offenen Brief“ hervor, den Falimi Boy ei Husseini, der Bürgermeister von Gaza, an den High Commissioncr gerichtet hat und überdies vom Arabischen Nationalkomitee in Gaza als Broschüre unter dom Titel „The Palestine Conflict, causes and remedies“ unter den britischen Beamten und Soldaten verbreiten ließ. Die Broschüre legt dar, daß die Auslieferung der arabischen Landesbewohner an die jüdischen Eindringlinge — trotz Billigung durch Mandat und Völkerbund — ein schreiendes Unrecht sei, gegen das und für ihre Freiheit die Araber bis zum letzten Blutstropfen kämpfen werden. Den Engländern bleibe dann schließlich nichts übrig, als entweder die Balfour-Deklaration aufzusagen oder aber alle Araber zu vernichten, wie es die Italiener in Tripolis mit den Eingeborenen getan haben. Dann zählt der Autor in nicht weniger als 26 Punkten die Verbrechen auf, welche die einwandernden Juden an dem „friedlichen und gastfreundlichen“ arabischen Volke begangen haben. Als Beleg für die Naivität und zugleich Bosheit dieser Argumentation seien — auf gut Glück — drei Fälle herausgegriffen. 9. Sie haben... die arabischen Einwohner „Nachbarn“ genannt, was bedeutet, daß die Araber keine Palästinenser sind, sondern nur Ansiedler aus benachbarten arabischen Ländern. 11. Sie haben Waffen ins Land geschmuggelt, um die Araber zu bekämpfen. 25. Sie haben die Palästina-Regierung, so oft sie etwas Nützliches tun wollte, daran gehindert. Der „Offene Brief“ an den obersten Vertreter der Mandatsmacht klingt in bestimmte, hier wörtlich übersetzte Postulate aus: „Die Gemäßigten unter den Arabern werden einer Lösung des Palästina-Problems zustimmen, wenn man über folgende Normen Einverständnis erzielt: 1. Aufhebung der Balfour-Deklaration und Austilgung jeder Spur von ihr, sowie Fernhalten solcher politisch-ökonomischer Bedingungen, welche die Entwicklung eines Nationalheims für die Juden sichern. 2. Palästina ist als Heiliges Land anzusehen, in welchem jede der drei großen Religionen gleiche Rechte hat. Fahrräder 1936 Nähmasdiinen gegen Teilzahlung Dirir IX.LlechtQnstelnstr.27 rivlx iv.wiednerHanwtstr.8 3. Die jüdische Einwanderung muß völlig eingestellt werden, da die Zahl der schon ins Land gekommenen Juden die Grenzen seiner Aufnahmsfähigkeit überschritten hat. 4. Es ist eine nationale Regierung zu bilden, mit einem Parlament, in welchem ein Viertel der Sitze den Juden zufällt. 5. Einheitliche Erziehung. 6. Der nationalen Regierung ist alles Land zu übergeben, das durch zionistische Gesellschaften und Vereinigungen erworben und bisher noch nicht verteilt worden ist. Dieses Land soll durch die Regierung bedürftigen Fellachen gegen Ratenzahlung zugeteilt werden. 7. Zu deportieren sind alle jüdischen Einwanderer, die sich eingeschmuggelt haben, gleich Kommunisten, Dieben und Vagabunden, sowie Arbeitslosen, diese selbst, wenn sie mit Paß und Zertifikat ihren Weg ins Land gefunden haben. 8. Alle Einwanderer, die nicht' seit fünf Jahren im Lande wohnen, sind als Fremde zu erklären, so daß sie keine nationale Rechte im Lande haben. Die unerwünschten Elemente unter diesen sollen deportiert werden. 9. Jede Propaganda für ein Jüdisches Nationalheim ist verboten und als Hochverrat zu behandeln. 10. Die Juden müssen in einer allgemeinen Konferenz ihr Einverständnis erklären, daß sie in Palästina nur gemäß obigen Prinzipien siedeln wollen. Andernfalls sind alle Juden, die seit dem Krieg ins Land kamen, zu deportieren. Nur durch Erfüllung dieser zehn Bedingungen kan der Friede erreicht und dauernder Rassenkampf in Palätina verhütet werden. Die britische Regierung1 sollte sich beeilen, eine Lösung des Problems laut eben diesen Vorschlägen herbeizuführen; denn würde die Gelegenheit verpaßt, wird die Lage noch viel gefährlicher werden.“ So Fahmi el Husseini. Jedenfalls haben ihm diese Herzensworte nichts geschadet. Trotz ihrer und obgleich er sich zur Unterstützung des allgemeinen Streiks der arabischen Ortsmagistrate krank gemeldet hat, fungiert er bis zur Stunde als wohlbestallter Herr Bürgermeister der biederen Stadt Gaza. Sapienti satl. Michael, Helft dem Jischuw!