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Die Stimme · 1936-06-16 · Heft 556 (16.6.1936) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 556 (16.6.1936)
Date
1936-06-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Nr. ff6 Wien, 16. Juni 1936 26. Slwan f696 9« Jahrgang SStimme JÜDISCHE ZEITUNG ORBIS «ES" POLEN Abfahrt: 27. Juni abends Anmeldungen: Reiseblkro „ORBIS“ I., K&rntnerfltraOe 41, R 21-5-78 Österreichisches Verkehrs-Büro 1., Frledrlchstr. 7, B 27-500, lM Graben 20, U 20-0-35 Demonstration Tausende von Menschen sind am Sonntag vormittags am Grabe Theodor Herzls ■ vorbeigezogen, haben still und ergriffen dem großen Toten Gruß und Dank entböten und vor sich selbst den Eid wiederholt, nicht zu rasten, ehe nicht sein Vermächtnis volle Wirklichkeit geworden ist. All . die Tausende waren mit ihren Gedanken bei den Brüdern in Erez Israel, denen Herzl den Weg in die Zukunft geöffnet hat und die in diesen Tagen Schweres erleben, aber die harte Gegenwart voll Mut tragen, in der festen Überzeugung, daß nichts in der Welt sie von dem Weg abdrängen, nichts •ihren Willen beugen kann.-Das jüdische Wien, das den Erwecker der Nation grüßte, ist mit allen Zionisten, mit allen volkstreuen Juden eins in dem Entschluß, das Palästinawerk nicht einschränken zu lassen und alles daranzusetzen, daß die im Land der Väter entstandenen Schäden bald beseitigt werden und daß die Blutopfer; die wir haben •Bringen müssen, nicht umsonst gewesen sind. Der Schlag, den die aufgehetzten Araber im Auftrag und Sold einer internationalen Koalition geführt haben, ist gegen' das gesamte jüdische Volk gerichtet. Was in Palästina vorgeht, ist ein -Teil des Krieges gegen uns, an einer anderen Stelle der ungeheueren, über die ganze Erde gespannten Front, Es ist die 'wichtigste und die heikelste Stelle, aber gerade deshalb ist die ganze Widerstandskraft des Judentums wachgerufen (worden, die das in zwei Jahrzehnten mit unsäglichen Mühen und Opfern Aufgebaute sich nicht wird entreißen lassen. In Palästina hat das Judentum seine bauenden und schaffenden Eigenschaften entwickelt, es hat sich dort neue Energiezentren gebildet, es hat Werke hervorgebracht, die auch ein Orkan des Hasses nicht mehr zerstören kann, und es hat dort auch seine Kraft gestählt. .Alle Berichte aus Palästina stimmen darin überein, daß der Jischuw sich stark genug fühlt, um selbstbewußte Ruhe zu bewahren; bei allem Willen zur Verteidigung denkt er doch an die Zukunft, an die Notwendigkeit der weiteren Arbeit, die aber neue Elemente in sich tragen muß, bedingt und zugleich gesichert durch neue Einwanderung, die von Natur aus eine Untermauerung der jüdischen Position darstellt. Die 400.000, die im Lande stehen, bedeuten eine Macht; die Tausende, die nachfolgen und nachfolgen müssen, verstärken diese Macht und je rascher sich dieser Prozeß vollzieht, um so breiter muß bei den Feinden die Erkenntnis, werden, daß jeder Ansturm neue Kräfte entfacht und daß es nichts anderes geben kann als Frieden, Ausgleich und Zusammenarbeit. Palästina ist die jüdische Heimstätte, das ganze ungeteilte und unteilbare Palästina. Nie haben wir ein anderes Ziel gehabt und nie werden wir ein anderes haben; nie werden noch können wir jemals in Palästina einen jüdischen Ansiedlungsrayon anerkennen, unter welchen Namen immer er vorgeschlagen werden möge. Nie werden wir in Palästina ein Ghetto erstehen lassen. Wir. bleiben auf unserem Recht bestehen, das in unseren nationalen Hoff; nungen, in unseren Gebeten begründet ist und das wir uns mit unserer Arbeit erworben haben. Dieses Recht ver? teidigen wir gegen die ganze Welt und darin ist heute das ganze jüdische Volk eines Sinnes und eines Willens — bis auf eine verschwindende Minderheit jüdischer Neider und Nörgler, die nichts gelernt und alles vergessen haben, bis auf ein paar Dutzend ehrloser kommunistischer Agenten, die mit asiatischen Mordbrennern gemeinsame Sache machen gegen ihr jüdisches Volk, gegen den Zionismus, dem allein sie es verdanken, daß sie nach Palästina haben ein wandern können. Dieses Verrätergesindel, das sich eingeschmuggelt hat, wird bis in seine letzten Schlupfwinkel aufgespürt werden müssen. Palästina ist den jüdischen Hoffnungen ein fester Halt geworden. Es bedeutet uns heute unendlich mehr als noch vor zwanzig Jahren. Es ist eine Tatsache. Es besteht. Und dadurch ist es auch zur Verpflichtung für uns alle geworden. Die Araber sind verhetzt, die Engländer miß- Jerüsalem, 14. Juni. Angesichts der sich immer mehr häufenden Anschläge auf Eisenbahnlinien und Drahtverbindungen dn Palästina hat die britische Mandatsregierung diese Sabotageakte gestern durch ein Dekret unter Todesstrafe gestellt. Die Verordnung, die auf Grund des Notstand sgesetzes erlassen, wurde; gibt den Zivilgerichten die Vollmacht, alle Personen, die Eisenbahnzüge angegriffen oder Telegraphen- und Telephonleitungen durchschnitten haben, zum Tode zu verurteilen. Weiterhin erhalten die Bezirkskommissare das Recht, der Bevölkerung von Ortschaften oder ganzen Gegenden, in denen unaufgeklärte Anschläge Vorkommen, Kollektivgeldstrafen aufzuerlegen und zu deren Eintreibung Beschlagnahmungen vorzunehmen. Die neuen Maßnahmen der Mandatsregierung haben ihren Grund darin, daß die Araber ihre Kampftaktik jetzt geändert und das Schwergewicht ihres Widerstandes auf Sabotageakte gelegt haben. Fortdauernde Kämpfe Jerusalem, 14. Juni. (Reuter.) Zum drittenmal innerhalb weniger Tage wurden jüdische Kolonisten, die im östlichen Teil der Ebene von Esdrelon an- Jerusalem, 10.: Juni. (Palcar.) Eine aus etwa 50 Arabern bestehende Bande wurde in ihrem Vorhaben, KfarJecheskie 1 und Kwuzath Chug.im au.überfallen, durch einen jüdischen Polizeiwagen, welcher auf Patrouillendienst wa<r, gestört. Die Araber schossen auf das Auto. Die Insassen, zwei jüdische Polizisten und zwei Siedler aus Kfar Jecheskiel, stiegen aus, nahmen Stellung und erwiderten das Feuer. Mit Hilfe einer Militärpatrouille, welche in einem Lastauto gerade an dem Ort vorbeifuhr, . gelang es, die Angreifer in Flucht zu solllagen. Gleichzeitig wurde vom Berge Gilb.oa von drei Richtungen her auf Kwuzath : Ohiujgim geschossen. Die Siedler von Tel-Joseph verteidigten erfolgreich die Siedlung, als eine Rotte von etwa 50 Arabern unter heftigem Schießen nachts in das Wirtschaftsgehöft ednbrach. Einer der Angreifer wurde verletzt; von den. Siedlern wurde niemand getroffen. Eine Abordnung der Dorfältesten des arabischen Dorfes Katra ersuchte die Siedgtinstig, die übrige Welt teilnahmslos. Für uns ist es die erste und größte Sache des Herzens. In Palästina lebt wieder das jüdische Volk; dort findet es zum Boden zurück; dort klingen seine neuen Lieder in der alten Sprache der Richter und Propheten; dort blüht eine neue Jugend auf. In Palästina ersteht das jüdische Zentrum. Wir lassen nicht von ihm — das ist der stille Schwur gewesen, der am Sonntag an Herzls Grab geleistet worden ist. »IRUT« Angenehme Ferienreisen nach polehrunAnien (Czernowltz) Beliebige Aufenthaltsdauer bis September Niedrige Fahrpreise — Anmeldungen: REISEBÜRO »IRUT«, Karlsplatz 1 (Refer. Rosenkranz) — Telephon U 44-5-79 i gesiedelt sind, Opfer eines Angriffes arabischer Plünderer, die aus Gewehren und > Maschinengewehren das Feuer eröffneten. Die Truppen, die die verschiedenen Kolonien bewachen, erwiderten daä Feuer. Militärflugzeuge überflogen die Kampfplätze. Die Araber ergriffen schließlich die Flucht und man glaubt, daß sie Verluste erlitten haben. In verschiedenen Teilen Palästinas wurden Militär- und Polizeipatrouillen ebenfalls beschossen, An der Eisenbahnlinie wurden neuerlich Sabotageakte unternommen. Es explodierten mehrere Bomben, die aber keinen Schaden anrichteten. Die Häftlinge einer Strafanstalt bei Athlit verweigerten die Arbeit. Zur Verstärkung der Wächter wurden Truppen angefordert. Der arabische Bürgermeister und die Gemeinderäte der Stadt B e i s a n sind in einen zehntägigen Streik getreten. Für jede Angabe, die zur Ausforschung der Mörder von 32 Juden, 3 Arabern, eines britischen Polizeiagenten und eines Österreichers führt, die seit Beginn der Unruhen in Palästina getötet wurden, wurde eine Belohnung von 500 Pfund ausgesetzt. (Bekanntlich hat sich die Wiener „Reichspost“ aus Jerusalem berichten lassen, daß der Österreicher Karl Kreidinger „von dem Juden“ erschossen worden ist.) ler von Gedera, Einwohner des Dorfes in der Siedlung zu beschäftigen. Die Siedler lehnten diese Bitte ab. Jerusalem, 15. Juni. (Tel.) Gestern abends wurden, bei der jüdischen Kolonie Tel Joseph am Fuß des Berges Gilead Flugzeuge und Maschinengewehre eingesetzt. Teile der Ortschaft wurden mit Schützengräben gegen den drohenden arabischen Angriff befestigt. Das Signal für den Überfall der Araber erfolgte durch eine Leuchtrakete, die In der Kolonie plötzlich aufstleg und dem Angreifen die Richtung zeigte. Zwei englische Flugzeuge beleuchteten den Kampfplatz mit Scheinwerfern und griffen mit Maschinengewehren in das Gefecht ein. Die Araber zogen sich zurück, unternahmen aber in kurzer Zeit einen Angriff auf die Ortschaft Aincharod, wurden aber auch hier zurückgeworfen. Jerusalem, 12. Juni. (Palcor.) Die Bewohner von Sejera in Galiläa hatten eine stürmische Nacht: das bereits gedroschene Korn von 200 Dunams wurde verbrannt; der Brandstifter, ein arabischer Lastwagen- Chauffeur, wurde, bis nach Tiberias verfolgt und dort verhaftet; 250 Bäume wurden aus- Kriegsrecht gegen Terror Überfälle auf Kolonien abgewehrt ai s«M«« „Francopel" •Sonderfahrten nach Polen und Czernowitz Nächste Abf.: 27. Juni abends; Rückf.: 7. Juli 1936 Poln. VerkehrsbUro „Francopol“ HL, Schwarzenbergplatz 7, Tel. U 16-4-90. „Öedok“, I., Kärntnerstraße 32, R 23-4-88. Gerngroß, VII., Mariahilferstraße 42, B 38-2-68 gierodet, darunter 16jübrige Olivenbäume; Mandelbäume und 250 Dunam Kornfeld wurden völlig vernichtet. Auch in anderen Orten kam es während der Nacht zu Kugelwechseln, als. Araber Überfallversuche aus dem Hinterhalt machten. Bombe gegen Eisenbehnzug: 17 Verletzte Jerusalem, 13. Juni. (Palcor.) Heute morgens wurde ein Bombenanschlag auf einen Eisenbahnzug in Richtung Haifa— Lydda verübt. Die Bombe gelangte zur Explosion, als der Zug aus dem Bahnhof in Kalkilia herausfuhr. 16 Juden und ein Araber wurden verwundet. Vor Explosion der Bombe sollen die Araber aufgefordert worden sein, den Zug zu verlassen. Zwölf der Verwundeten wurden nach dem Hadassah Hospital nach Tel-Aviv geschafft; fünf davon sind schwer verletzt, und zwar: Frau Miriam Firestein aus Haifa und ihre 6jährige Tochter, David Ben Rachel aus Ganigar, Hannah Rechtshalter aus Nesher, und Abraham Sabe aus Herzlia. Augenzeugen berichten, daß die Bombe durch ein Fenster hineingeschleudert #urde; infolge der starken Explosion wurde der Eisenbahnwagen zertrümmert. Zehn der Verwundeten befinden sich im Krankenhaus in ärztlicher Behandlung, ihre Gesichter sind schrecklich verstümmelt; der Zustand von Frau Firestein ist ernst. Der Oberkommissär im Emek-Jesreel Jerusalem, 11. Juni. (Palcor.) Oberkommissar Wauehope bat heute in Begleitung von 8 h e r t o k Haifa und eine Anzahl von Siedlungen besucht. In Mischmar Haemek ging Wauchope, umringt von den Siedlern (Mitglieder des Haschomer- Hazair), in den Wald, um den gestern abgebrannten. Teil zu besichtigen. Von 20.000 Bäiimen, welche einen großen Rüg e lab h ang bedeckten, ist nichts übriggebliebem Die Siedler' wiesen darauf Km, daß dies, bereitsder elfte Fall von Brandstiftung in ihrem Wälde sei, von dessen 200.000 Bäumen nicht weniger als 30.000 vernichtet worden seien, und verlangten die Belegung sämtlicher arabischer Dörfer in der Nähe mit Regelmäßiger Reisedienst nach KO80I1 b i 11 i g u n d bequem,, wie immer Nächste Reise 27. Juni 1936. Ferienreisen ab 5. Juli 1936. Anskünfte u. Prospekte auch über den Reisedienst nach Bulgarien, England, Italien, Jugosiavien, Palästina, Ungarn und andere Länder sowie über alle Autobustouren Ausk. Dr. S. Tooker, Reisebüro ,ln die Welf1 (W. M. Renner) IX., Llechtensteinstr. 2, T.: A14-504 schweren Kollektivstrafen als Vorbeugungsmittel. Shertok stellte dem Oberkommissar Vertreter der benachbarten Siedlungen vor, darunter einen Rabbiner aus Polen, einen alten Juden aus Kurdistan und zwei Jugendliche, welche mit der deutschen Jugend- Alijah ins Land gekommen sind. Alle forderten die Verstärkung der lokalen Verteidigungskräfte durch Rekrutierung geeigneter Siedler als Hilfspolizisten, welche entsprechend bewaffnet werden müssen. Shertok brachte diese Forderungen vor und fügte die Bitte um Genehmigung eines Freiwillig en-Sohutzdienstes im ganzen Lande hinzu; er bemerkte, daß die Ereignisse der letzten zwei Tage in der Gegend von Ain H a r o d einen solchen Dienst ganz besonders dringend erscheinen lassen. Der Oberkommissar besuchte ferner die neue Siedlung Jokneam und besichtigte den neugepflamzten Obstgarten auf einer großen, der Wüste abgerungenen Fläche, welcher fast inseinerGesaiptheitvernichtet wurde. Jüdische Pollzeitruppe gefordert Jerusalem, 12. Juni. (JTA.) Die Leitungen der großen jüdischen Institutionen Palästinas überreichten dem High Commissioner ein Memorandum, in welchem endlich. durchgreifende Maßnahmen zum Schutze der jüdischen Bevölkerung, des jüdischen Vermögens und der jüdischen Arbeit im ganzen Lande gefordert werden. Als eine dieser Maßnahmen wurde vorgeschlagen, eine große Polizeieinheit als Sonderpo'izei, die sich aus-

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