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Die Stimme · 1936-06-09 · Heft 554 (9.6.1936) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 554 (9.6.1936)
Date
1936-06-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
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9k ^Stimme V. S. f>. 20 8 Mm* Nr. 554 JÜDISCHE ZEITUNG Wien, 9. Juni 1936 19* Siwftn 5696 9« Jahrgang ORBIS POLEN Abfahrten: 14. Juni vormittags und 27. Juni abends Anmeldungen: R eis e b Uro „O R B I S“ I., Kftrntneratrade 41, H 21-3-78 Österreichisches Verkehrs-Büro I., Frledrlchstr. 7, B 27-500, 1., Graben 20, U 29-0-36 Keine Kompromisse! Eine arabische „inoffizielle“ Abordnung ist unter Führung des Bürgermeisters von Jerusalem nach London abgereist. Da sich in London außer dem Präsidenten Weizmann auch Ben Gurion, der Leiter der palästinensischen Exekutive, befindet, glaubt man, daß dort eventuell vertrauliche Verhandlungen stattfinden werden. Es ist anzunehmen, daß sich unter den Arabern eine gewisse .Wendung in ihrem Verhalten vollzieht. Sie haben durch ihren Streik das Wirtschaftsleben des Landes empfindlich geschädigt und gestört, aber nicht zum Stillstand bringen können. Vor der ganzen Welt, auch vor ihren eigenen Volksgenossen im Orient, ist der Beweis der wirtschaftlichen Unzulänglichkeit der Araber voll erbracht worden, und es mag schon sein, daß die mit soviel Blutschuld beladene Führung dem Drängen der Mandatsregierung nachgibt und den Ort für Verhandlungen nach London .verlegt. Herr Wauchope wünscht endlich aus der Verantwortung entlassen zu werden, zumal seine Amtsführung ohnedies feiner Überprüfung unterzogen werden Wird. *. Die erste Voraussetzung für Verhandlungen aber, die Einstellung der Feindseligkeiten, ist bisher nicht erfüllt worden. Der Streik flaut ab, aber die heimtückischen Morde und Überfälle, das meuchlerische nächtliche Abbrennen der Felder und Wälder, dio Bombenwürfe und Sabotage an den Mitteln des öffentlichen Verkehrs dauern fort. Die Liste der jüdischen Todesopfer hat sich um drei weitere Märtyrer vei*mehrt. Die Araber setzen ihre Taktik fort, den Terror als politisches Druckmittel zu verwenden, und die Regierung, die über eine Truppenmacht, von 7000 Mann, über Flugzeuge und Geschütze verfügt, warnt und droht und beschwört — mit dem negativsten Erfolg, der überhaupt denkbar. ist. Die österreichische Regierung ist im Juli 1934 mit dem gleichen Truppenaufgebot in fünf Tagen des nationalsozialistischen Aufstandes Herr geworden. Das große England kämpft jetzt schon seit fast zwei Monaten gegen Banden von Dachschützen und Brandstiftern und läßt die Führer in Freiheit, kümmert sich nicht um die Herkunft der Mittel für den Streik, stellt aber die jüdische Presso unter Zensur. . Der Ursprung der Unruhen schreibt sich aus dem - italienisch-abessinischen Krieg her. Der schwere politische Echec Englands hat in den Orientvölkorn bedenkliche Gärungserscheinungen gezeigt, die zuerst in Syrien, dann in Ägypten, jetzt in Palästina und Spanisch-Marokko sichtbar und fühlbar geworden sind. Italien nutzt diese Situation selbstverständlich gründlich aus. Die Proklamierung der arabischen Sprache in Abessinien und die Anerkennung der muselmanischen Gerichte sind außerordentlich wirksame Züge der italienischen Politik, dio jedem Araber heute als stärkste Gegenmacht im Kolonialraum erscheinen muß, und so die Widersetzlichkeit gegen England verstärkt.' Die Palästina-Frage ist. ein Teil des Mittolmeorproblems, und wenn wir dies jahrelang vernachlässigt haben, so wird uns diese Tatsache heute nachdrücklich zum Bewußtsein gebracht. Wir müssen unsere Stellung in Palästina verstärken und niemals aus den Augen lassen, daß das Mandat nicht für Palästina, sondern für das jüdische Volk erteilt wurde. Das ist Sinn und Zweck des Mandats und der MacDonald-Brief vom Februar 1931 an Weizmann hat das bekräftigt. Die Araber haben, als das Mandat ins Leben trat, sich mit der gegebenen Tatsache abgefunden. Erst die Schwäche Herbert Samuels, der Transjordanien abtrennte, um der Familie des Scherifs von Mekka ein Emirat zuzuschanzen, der nach den Unruhen von 1921 die jüdische Einwanderung untersagte, hat die arabischen Gegenströmungen zum Erstarken ge- An Sonntagen fffFranCOpOl,f*Sonderfahrten nach Polen und Czernowitz Nächste Abfahrt: 14. Juni; Rückfahrt 7. Juli 1936. Poln. Verkehrsbüro „Francopol“ lll„ Schwarzenbergplatz 7, Tel. U 16-4-90. „Cedok“, I., Kärntnerstraße 32, R 23-4-88. Gerngroß, VII., Mariahilferstraße 42, B 38-2-68 bracht, und so ist dann die Clique der um ihre soziale Hegemonie besorgten Grundbesitzer und Bodenwucherer zum aktiven Widerstand übergegangen. Der Ausgang des abessinischen Krieges, die Minderung des englischen Prestiges und Geld und Organisation aus dem Dritten Reich haben dann zusammen die Lage von heute geschaffen. Wird nun auch England die Fragen des Mandats, des jüdischen Volkes als den Ort des schwächsten Widerstandes behandeln und auf diesem Gebiet Konzessionen machen — oder wird es das Mandat so schützen, wie dies ein ehrlicher Vertragspartner tun muß? Die Juden haben durch ihre kulturelle Leistung auch den Arabern Gutes gebracht. Viele tausende Araber, Arbeiter, Kaufleute, leben von der jüdischen Siedlung; jüdische soziale Institutionen haben auch auf die Araber, die vorher nichts von Jugendfürsorge, von Hygiene, von Krankenkassen wußten, ausgestrahlt. Zum Dank brennen die Araber die Ernte nieder, reißen Jungwald aus der Erde und versuchen, den jüdischen Geist mit Gewehren zur Kapitulation zu zwingen. Dieser Zweck wird und kann nicht er- IRUT. » Angenehme Ferienreisen nach POLEN. RUMÄNIEN (Czernowltz) Beliebige Aufenthaltsdauer bis September Niedrige Fahrpreise — Anmeldungen: REISEBÜRO »IRUT«, Karlsplatz 1 (Refer. Rosenkranz) — Telephon II 44-5-79 reicht werden. Der Jischuw ist heute schön zu fest und zu sicher verankert. Aber da das Mandat dem jüdischen Volk gehört, muß das jüdische Volk den Jischuw stärken, muß ihm Geld, Menschen und Material zur Verfügung stellen. Vor allem aber muß das jüdische Volk seine moralische Kraft vertausendfachen und denen in Genf, in London, in Jerusalem zum Bewußtsein bringen, daß es sich Palästina, sein letztes und höchstes Gut, nicht entreißen, nicht schmälern und nicht vermindern läßt. Die Toten, die in Palästinas heiliger Erde liegen, sind nicht für einen ebglisch-arabischen Ausgleich unter der Ägide Hitlers gestorben, sondern für das Recht und die Zukunft des jüdischen Volkes. Diese Toten und neben ihnen die jüdischen Männer und Frauen, deren harte Arbeit auf den Feldern von Banditen zunichte gemacht wurde, stehen, hinter den jüdischen Vertretern in London. Polen Regelmäßiger Reisedienst .. -nafh billig, und. bequem, wie immer Nächste Reise 27. Juni 1936. Ferienreisen . ab 5. Juli 1936. Besondere Gelegenheit am 14. Juni nach Krakau tour-retour samt Visum S 52“— Ausk. Dr. S. Tocker, Reisebüro „In die Welt“ (W. M. Renner) IX., LiechtenBteinBtr. 2. Tel. A 14-504 Vertrauliche Verhandlungen in London? London, 5; Juni. Die Palästina-Korrespondenz“ meldet aus Jerusalem: Eine arabische „inoffizielle“ Delegation, die von dem Jerusalemer Bürgermeister Doktor.Chaldi geführt wird, ist nach London abgereist. - Nach London ist, wie bekannt, auch außer Professor Weizmann der Leiter der Zionistischen Exekutive in Jerusalem Ben Guridu gekommen. Die Ankunft der Vertreter beider Streitteile wird mit vertraulichen Verhandlungen über die Beilegung der Zwistigkeiten in Verbindung gebracht. Die Führung der Geschäfte der Stadt Jerusalem hat wieder der Vizebürgermeister Dr. Auster übernommen, der ein Absolvent der Wiener Juristenfakultät ist. «f Der Streik ist illegal f# London, 5. Juni. Die „Palästina-Korrespondenz meldet aus Jerusalem: Die Palästinaregierung hat sich die juristische Handhabe zum schärfsten Vorgehen gegen den Streik geschaffen, indem sie den Streik als illegal erklärte. Sie begründet die „Widergesetzlichkeit“ mit der Gefährdung der Nahrungsmittelzufuhr und des Gesundheitswesens. Den Agitatoren wurde auf Grund dieser I r *r *_ _.... Ein historischer Augenblick Dieses Bild zeigt die Hissung der zionistischen Fahne von Tel-Aviv. Die Anlage besteht zunächst nur aus einem Steg. Aber jüdische Tatkraft und jüdische Begeisterung haben sehen mehr geschaffen als einen Hafen. Das Bild wurde von Herrn l.eo Hilfreich aus Tel-Aviv an . seine Verwandten geschickt, die es der „Stimme“ zur Verfügung gestellt ■ haben. Erklärung Kerkerstrafen bis zu einem Jahr angedroht, wenn sie „auf frischer Tat“ ertappt werden, und den englischen Offizieren das Recht der Verhaftung gegeben. Proklamierung des Kriegsrechtes? Die Palcor erfährt aus verläßlicher Quelle, daß Vorbereitungen zur Einführung des Kriegsrechtes - im Notfälle energisch betrieben werden. Es steht bereits fest, daß Air Vice-Marshal Richard Peirse, Kommandant des palästinensischen Flieger-Corps, mit der Durchführung der im Falle der Ausrufung des Kriegsrechtes vorzunehmenden Maßnahmen betraut werden wird. Für Verbrechen wie das Durchschneiden von Telephondrähten, Sabotage an Eisenbahnen und Einschüchterung ist die Todesstrafe, für Verkehr mit Agitatoren 10jährige Gefängnisstrafe vorgesehen. Die Bildung von Kriegsgerichten wird im Notfälle sofort vorgenommen werden. Herzl - Grabgang Sonntag, den 14* Juni, um 10 Uhr vormittags am Döblinger Friedhof. Palästina neuerlich vom Verkehr abgeschnitten London, 5. Juni. Wie die „Palästina- Korrespondenz“ meldet,.. war . das ganze Land in der Mittwochnacht neuerlich vom Telegraphen- und Telephonverkehr nach allen Seiten hin ab geschnitten da viele Drähte zerstört worden waren. Bei Jerusalem waren auch sechzig T o 1 egraphenstangon ab gesägt worden. Die Täter wurden nicht ergriffen. Vorzensur der jüdischen Zeitungen . London, 5. Juni. Sämtliche palästinen sische hebräische Zeitungen wurden unter Vorzensur gestellt und erscheinen mit w e i ß e n F1 e c k e n, während die arabischen überhaupt nicht erscheinen. Konfisziert wurdo auch eine Rede des Cberrabbinors U s i e 1 in Tel-Aviv, der gesagt hatte, es könnten auch die j ii d ischen Gewehre einmal .losgehen, wenn BnmJWungen und Bombenwürfe weiterdaiioi'u.

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