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Die Stimme · 1936-05-29 · Heft 552 (29.5.1936) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 552 (29.5.1936)
Date
1936-05-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
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9tc \Stimme v. «.«. 20 g Nr. S52 JÜDISCHE ZEITUNG Wien, 19. Mai 1936 8. Siwati 5696 9. Jahrgang Die Mandatskommission tagt In Palästina ist nooh immer keino Beruhigung eingetreten. Die Regierung beherrscht zwar die Situation, mußte jedoch noch weitere Truppen aus Ägypten heranziohen, denen der Schutz der Verkehrswege und der abseits liegenden Orte anvertrant wird. Inzwischen dauert aber der langsam unerträglich werdende Zustand fort, daß Tatar ennaoh.rioh.ten, die niemals in Palästina entstanden sein können, in die Welt gesendet werden und einerseits dem Nervenkitzel des Publikums dienen, anderseits aber eine für das Mandat und den Ablauf der Dinge gefährliche Stimmung erzeugen, aber au eh den antijüdischen Instinkten immer neues Futter liefern. In dieses Kapitel gehört zum Beispiel ein Eigenbericht der Wiener „Reichspost“, der die Ermordung des Wiener Chauffeurs Breitinger als einen jüdischen Racheakt darstellt und die Sache so schildert, als sei der Berichterstatter bei dem Vorfall zugegengewesen. In Wirklichkeit wurde der unglückliche Chauffeur tot aufgefunden, und es konnte bisher keine Spur dos oder der Mörder eruiert werden. (Der Bericht der „Reichspost“ stimmt übrigens auffallend mit einem Brief“ überein, den das Organ der betont Nationalen, die „Wiener Neuesten Nachrichten“ sich von Angehörigen des Ermordeten haben zur Verfügung stellen lassen.) Die „Telegraphen-Kompagnie‘‘, ein reiohsdeubsoh.es Unternehmen, berichtet unter dem 26. Mai aius Jerusalem, daß es auf der vom Haien von Nablus nach Jettin führenden Straße z/u Schießereien gekommen sei, und die „Reichspost“, der mam doch sozusagen eine berufsmäßige Kenntnis der Topographie des Heiligen Landes zusohreiben dürfte, druckt den Unsinn nach, druckt auch nach, daß der Emir Abdalla — der Beherrscher von Transjordanien — ein Führer des Streikkomitees ist. In anderen Blättern finden sich Meldungen der „United Preß“, einer hinter englischem Namen getarnten deutschen Agentur, daß bewaffnete arabische Banden eine jüdische Siedlung längere Zeit unter heftigem Feuer gehalten haben sollen, wobei die Siedlung nicht genannt wird.; Mit diesen Bemerkungen soll gewiß aber nicht beschönigt werden, daß in Palästina sich die Dinge bis zu einem Grad entwickelt haben, der für das Ansehen Englands gefährlich wird. Sechs Wochen lang dauert schon die Rebellion der arabischen Führer, die freilich schon nicht mehr die Führer zu sein scheinen. Die illegal eingewanderten Haunan-Drusen zusammen mit den anderen durch den Streik arbeitslos gewordenen Elemente handeln bereits auf eigene Faust. Was sich gegenwärtig in Palästina abspielt, ist kein politischer Vorgang mehr, kann aber wieder zur Politik werden, wenn die Manckitsverwaltung ihr System der Glacehandschuhe nicht bald auf-1 gibt. Denn an der Nordwie an der Ostgrenze gibt es genügend Anrainer, die stets zu Revolte und Brandstiftung geneigt sind und denen Grenzen nichts bedouten. Daß solche Erscheinungen eich herausgebildet haben, ist auch eine schwere Kompromit-, tierung der arabischen Führer, die heute nicht mehr von der Erkämpfung politischer liechte reden dürfen. Sie haben Geister ge- , rufen, dio sie nicht bannen können, und sio haben damit bewiesen, daß von einer demokratisch-parlamentarischen Selbstverwaltung bei ihnen keine Grundlage vorhanden ist. Sie haben durch ihre Bedenkenlosigkoit ihr politisch-nationales Streben ad absurdum geführt und sind in keinem Fall mehr als gleichwertige Verhandlungspartner anzusehon. Dieser Tatsache muß a/uoh die Mandatsregierung Rechnung tragen. In London wird vielfach auch in den Ilegierungskreisen die Vermutung ausgesprochen, daß es den Drahtziehern darum ging, die Juden aus der Reserve herauszulockeri und zu einem aktiven Vorgehen zu provozieren. Dies ist bisher nicht gelungen, und es steht zu hoffen, daß die. nüchterne Auffassung dos Jischuw auch weiter Vorhalten wird. Das Judentum Palästinas setzt die Arbeit fort und lehnt es ab, sich mit Aktionen zu belasten, die verhängnisvoll wirken müssen. Mit derselben Kühle wird es aber a/uoh zu verhindern wissen,, daß die Mandatsregierung oder das Londoner Kolonialamt einen Ausgleich mit den Arabern auf Kosten der jüdischen Rechte abschließt, und daß das System, aufdem Wege von vollzogenen Tatsachen die Verpflichtungen des Mandates abzuschwächen, von neuem fortgesetzt wird. Daß 4500 Zertifikate bewilligt worden sind, wird als große Konzession hingestellt, aber es sind von der Jewish Agency 11.000 angefordert worden, und selbst von den bewilligten werden 1000 auf „Illegale“ und Touristen, die im Lande bleiben wollen, zurückbehalten. Demgegenüber muß die Haltung der zionistischen Führung fest bleiben auf den Forderungen, die sich aus der allgemeinen Lage und aus den jetzigen Verhältnissen in Palästina ergeben: Erhöhung der Einwanderung bis zu einem Grade, wo das .Judentum numerisch so stark ist, daß ein Angriff von vornherein als aussichtsloses Unternehmen unterbleibt. Es kann für uns keinen Kuhhandel und kein Feilschen um ORBIS W POLEM Abfahrt: 7. und 27. Juni Anmeldungen: R eis e b Ur o „ORBI S“ I., Kflrntnerstrafle 41, R 21-9-78 Österreichisches Verkehrs-Büro I., FrledrJchstr. 7, B 27-500, I., Graben 20, U 29-0-35 unser Recht geben und wir können heute weniger als je einem gesetzgebenden Rat oder einem Bodenverkaufsverbot zustimmen und wir können auch der königlichen Kommission, falls sie zustande kommt, keinen anderen Bescheid geben als den, daß hinter den 400.000 Juden des Jewish das 17-Millionen-Volk steht, das seinen vom Völkerbund unterfertigten Besitztitel unter keinen Umständen schmälern läßt und nur ihn als unverrückbare Grundlage anerkennt, auf der die unumgänglich notwendigen Versache ist und bleiben muß, GEMERAfc SUTTER 1 N MllllONEN Fll “ iüiil 0 ff « IMPtRIALl lÖWtNm MflRIATHEREJ vii FUECER handlungen zwischen Juden und Arabern geführt werden können. Die Berichte über Palästina liegen der Mandatskommission vor, die in Genf zusammengetreten ist und unter dem Vorsitz des Marquis Theodoli, eines Italieners, ihre Beratungen begonnen hat. Am 6. Juni wird über Palästina diskutiert werden. Hoffentlich ist bis dahin die Ruhe im Heiligen Land wieder hergestellt, so daß die Kommission an eine normale Prüfung der Lage gehen kann. Ihre Beratung ist diesmal von ganz besonderer Bedeutung. Ihr Ausgangspunkt kann nur das Mandat und das Recht der Juden sein, das, wie der „Temps“ ausführt, eine vollzogene, unabänderliche Tat- Die neue Sdiedule Jerusalem, 24. Mai. (Palcor.) Die Exekutive verteilte heute die aus 2000 Zertifikaten bestehende erste Rate der neuen Schedule, welche von der Regierung morgen zur Verfügung gestellt werden wird. Der Rest gelangt im Juli in den Besitz der Exekutive. Von den ersten 2000 sind 1500 für sofortige Chaluz - Immigration reserviert, unter anderem 650 für Deutschland und deutsche Flüchtlinge in anderen Ländern, 50 für Österreich (um 19 mehr als letzthin), 550 für Polen, 130 für Rumänien, 60 für Litauen, 40 für Lettland. Das Einwanderungs-Departement der Jewish Agency hat diePalästina-Ämterinstruiert, die Chaluzim für die sofortige Abreise nach Palästina bereitzustellen. Guerillakampf mit den Banden Jerusalem, 28. Mai. Die Aktionen der Banden sind wieder lebhafter geworden. Aus verschiedenen Teilen des Landes kommen Nachrichten über Angriffe, die die Banden aus dem Hinterhalt auf Polizisten und Soldaten ausführen. In Jerusalem wurde ein Polizist auf dem Heimweg aus dem Dienst hinterrücks erschossen. Acht Kilometer vor Jerusalem kam Polizei ins Gefecht mit Arabern. Sie verwendete dabei Panzerautos. Auch auf der Straße zwischen Jerusalem und Jaffa gab es ein Gefecht. In Jaffa, Haifa und Safid wurden neue Bombenattentate verübt. Bei Ambatia fielen in einem Feuergefecht zwei Araber. Militär und Polizei setzen die Aktionen mit aller Energie fort. Der Hafen von Tel-Aviv Tel-Aviv, 24. Mai. (Palcor.) Das neue Frachtschiff „Richard Burkhardt“ (2500 Tonnen), welches der jüdischen Schiffahrtsgesellschaft Atid gehört, traf heute mit einer Ladung Zucker und Mehl aus Hamburg im Hafen Tel-Aviv ein. Es führte fünf Motorboote aus Ägypten mit, welche für den Verkehr innerhalb des neuen Hafens bestimmt sind. Als sich das Schiff acht Meilen von Jaffa befand, näherten sich ihm zwei arabische Boote, aus welchen Schüsse abgefeuert und eine Bombe geschleudert wurde; letztere fiel ins Wasser. Eine andere Bombe explodierte in einem der Boote. Das jüdische Schiff erlitt keinerlei Schaden und konnte seine Fracht in Tel- Aviv ausladen. Es nahm eine Ladung von palästinensischen Produkten auf, darunter Strümpfe der Fabrik Lodzia und Orangensaft, welcher für Indien bestimmt ist. Dank neuer Verbesserungen und zusätzlicher Boote geht die Arbeit im Hafen Tel- Aviv ln viel schnellerem Tempo vorwärts. Wegen der Bombenwürfe wurden später in Jaffa zwei arabische Hafenarbeiter verhaftet. Die drei jüdischen Schiffahrtgesellschaften: die Palestine Shipping Company, Palestine Maritime Lloyd und Atid haben zwecks Schutz der gemeinsamen Interessen den Verband jüdischer Reeder gebildet. Am 28. Mai wird eine Seefeier in der Nähe des Messegeländes stattfinden. Die jüdischen Schiffe, einschließlich des Dampfers „Tel-Aviv“, werden Parade abhalten. Regierungsämter nach Tel-Aviv Verschiedene Regierungsämter sind heute nach Tel-Aviv überführt worden; in Jaffa sind jetzt nur nooh die Departements für Forstwirtschaft und Hafenangelegenheiten sowie, das Gesundheitsamt. An Sonntagen ,Francopol'-Sonderfahrten nach Polen und Czernowitz Nächste Abfahrt: 7. Juni; Rückfahrt 9. Juni, 7. Juli 1936. Poln. Verkehrsbüro „Francopol“ III., Schwarzenbergplatz 7, Tel. U 16-4-90. „Cedok“, I., Kärntnerstraße 32, R 23-4-88. \ VII., Mariahilferstraße 42, B 38-2-68 Eine Bilanz Die Zahl der Verluste seit dem 19. April beträgt: 1 Europäer getötet, 17 Europäer verwundet, und zwar 7 Polizisten, 2 britische Soldaten und 8 Zivilpersonen. Unter den Nichteuropäern zählt man 48 Tote und zwar 24 Juden, 22 Araber und 2 Christen, sowie 331 Verwundete und zwar 182 Araber, 105 Juden, 44 Christen. 969 Araber und 275 Juden wurden verhaftet, . zum größten Teil wegen Brandstiftung. 493 Araber wurden verurteilt, die übrigen wurden freigesprochen oder sind noch in Untersuchung. Von den Juden wurde der Großteil der Verhafteten freigesprochen oder erwartet noch das Urteil. Ausladung des ersten Schiffes in Tel-Aviv VII., KAISERSTRASSE 123 * IX., ALSERSTRASSE 6

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