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Die Stimme · 1936-05-15 · Heft 548 (15.5.1936) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 548 (15.5.1936)
Date
1936-05-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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^Stimme V.5.S. 20S vi' Nr. f 48 JÜDISCHE ZEITUNG Wien, XS. Mal 193* 23. IJar 3*99 9. Jahrgang Ckesbsv* * MORM$ VU’QtMÜX BRUCE TAYLOR. DER 'JUNGE1 ARZT MENSCHEN in WEISS [Uku. ALLE IN AU FF Ö HRUNC, BUK« KINO ORBIS m POLEN Abfahrt i 24. Mal Anmeldungen: Reis e b U r o „O R B I S" Kfirntnerstrafio 41. R 21-5-78 Österreichisches Verkehrs-Büro 1M Frledrlchfttr. 7, B 27*500, I., Graben 20, U 20-0*35 Die Krise des Völkerbundes Die Krise des Völkerbundes ist jetzt in ihrer glanzen Größe und in ihrer unheimlichen Bedeutung - sichtbar. Italien hat seine Delegation aus Genf zurückgezogen. Ob es diesem Schritt dann den formellen Austritt folgen läßt, iist im Augenblick noch zu bezweifeln. Mussolini hat wiederholt erklärt, daß er den' ößtafrikäkrieg nicht zum ehrobäisoheri Krieg ausarten laasen will. Die Sprengung des Völkerbundes durch den Austritt - der, siegesetoilzen Macht wäre aber schon , die etste faktische Vorbereitung der f' roßen Sintflut, und die englische Politik, . ie von allem Anfang an einen falschen Zug nachdem: anderen getan hat, ßteht nun in einer Sackgasse. Es ißt, wie Eden im Unterhäus eiriibekannte, ein kollektiver Mißerfolg gewesen, was für diie einzelnen, die a.n, dieser olla potriida mdtgekoeht haben, wahrlich kein Trost ist, und auch keine Rechtfertigung. In dem Augenblick, wo sie die Zerreißung des, Versailler Traktats durch Hitler Ohne sofortige direkte und-brüske Aktion _jjur Kenntnis nehmen, haben sie. alle dem Duce die Unterlagen für sein Unternehmen gelief ert. Eines ergibt sich aus dem früheren, und so ist der Völkerbund, dessen Fehler man heute kaum mehr aufzählen kann, in die-Gefahr der Auflösung geraten und damit sind auch alle die verheißungsvollen Ansätze internationalen Zusammenwirkens bedroht: die ’ Organisierung der geistigen Arbeit,' die Bekämpfung der Volksseuchen, 'des Rauschgift- und Frauemhandele.' Außerdem auch noch die Bestimmungen über den Schutz der Minderheiten und die Mandats- (Syst-eane. Es ist ein kaum in seinen'Umrissen au erkennendes Ohaos im Werden, und die einzige Hoffnung, die man noch hegen kann, ist die, daß doch die Erkenntnis siegen muß, daß der Völkerbund trotz aller seiner Mängel doch eine Notwendigkeit ist, die zwar dem: Schicksal der menschlichen Unzuläng- •Mehkeit unterworfen, doch ausgebaut und vervollkommnet werden kann, wenn der gute Wille dazu vorhanden ist. Er ist die Verkörperung der Idee des (internationalen Rechts, beruhend auf der Vorbedingung der Gleichheit der Menschen und Völker. Die Idee des Völkerbundes ist jüdisches geistiges Gut, und deshalb haben diie .Juden der ganzen Welt den Völkerbund bejaht, so mangelhaft er war imd so wenig er — zum Werkzeug von Kabmcttsintnigen •degradiert —' dem allgemeinen Vertrauen der Kleinen und Schwachen entsprochen hat. Er ist trotz allem eine kaum mehr ziu entbehrende Funktion des Gewissens, und diie bloße Tatsache seiner Existenz hat viele kleine und große Tyrannen in dem Nachkriegseuropa eingesohUchtert. Trotzdem ist eine Reform unausweichlich geworden. Sio würde aber wieder nur in die Irre gehen, wenn sie nicht auf den Grundgedanken des Bundes zurückgriffe, ein Bund der Völker zu sein, statt wie bisher eine Konferenz instruierter und gebundener Regderungsvertreter, die das Repht der Macht, nicht die Macht des Rechts anerkennen. Allo Völker müssen im Bund Sitz und Stimme haben. Auch das jüdische Volk, die Minderheit der Minderheiten. Dieses Volk, aus dessen ethischem : Gesetz der Völkerbund hervorgegangen ist, hat das Versagen der Genfer Institution am stärksten zu fühlen bekommen. Der Völkerbund hat das deutsche Gewaltprinzip gerade in seiner Anwendung auf die Juden in Danzig und in der Saar anerkannt, ßr hat die Juden ausgeliefert. Er hat den Flüchtlingen weder Schutz noch Hilfe a/ngodoihen lassen, er hat sich vor dem deutschen Revolver gebeugt. Er hat aber auch seine beste und edelste Schöpfung, die Aufrichtung des jüdischen Heimes in Palästina1, im Stiche gelassen und sio einer, wie sich eben jetzt ergibt, vollständig unfähigen und mißgünstigen Bureaukratie anvertraut, Hakenkreuzzentrate ln Palästina aussekoken Kairo, 13. Mai. (Privat.) Die ägyptische Presse meldet aus Jerusalem, daß in der deutschen Kolonie Sarona bei Tel-Aviv der dort seit längerem lebende Dr. Paul, der aus Deutschland zugereist war, verhaftet worden ist. Er hat im Auftrag des Berliner Außenpolitischen Amtes, (ft o sen herg) die nationalsozialistische Propaganda organisiert. In seiner Wohnung fand man Briefe mit der Aufforderung zum antijüdischen Boykott in den Kolonien Sarona und Wilhelma und in den besonders unruhigen Gebieten von Tul-Karem, Nablus und Jenin. Die Zeitung „La Reform d’Alexaitdrie“ teilt mit, daß die palästinensische Polizei die Untersuchung fortsetzt und hofft, auch die Komplizen des Dr. Paul verhaften zu können. In Nazareth besteht ein weiteres Zentrum der nationalsozialistischen Propaganda, das Unruhen und Streiks unter den Arabern organisieren soll. . * * * Sarona und Wilhelma sind zwei , deutsche Templerkolonien bei Tel-Aviv. Die dortigen deutschen Einwohner haben bis zum Jahre 1933 in bester Freundschaft mit den Juden gelebt. Sie setzen ihre landwirtschaftlichen Erzeugnisse, Milch, Eier, Butter, Geflügel, ausschließlich in Tel-Aviv ab. Seit der Machtergreifung Hitlers sind auch diese Orte in die anti jüdische Propaganda einbezogen worden. Die Kolonietein, die nach dem Kriege nur durch Intervention der zionistischen Exekutive ihr sequestriertes Eigentum von der Mandatsregierung zurüokerhalten haben, stehen heute vollständig unter dem Einfluß von reichsdeutschen Agenten. In Sarona und Wilhelma bestehen S. A.-Gruppen, die auch die Ausbildung arabischer Scouts nach deutschem Muster betreiben und besonders innige Verbindung zu den radikalen Arabern der > aus jüdischem Geld errichteten arabischen Landwirtsehaftsöchule in Tul Kerem unterhalten. An dieser Anstalt befinden sich arabische Hörer,1 die einige Zeit in Deutschland zugebracht haben. Diese Personen stehen an der Spitze der Banden, die bei Tul Kerem und Jenin die Mordüberfälle auf jüdische Autobusinsassen -verübt haben. Wie bekannt, sind die Araber dieser Gegenden mit nagelneuen deutschen Gewehren und mit deutscher Munition ausgerüstet. Die Waffen sind teils über Rumänien eingeschmuggelt worden, teils kommen sie mit deutschen Schiffen und werden in Jaffa und in Haifa zusammen mit nationalsozialistischer Literatur ans Land gebracht und durch arabische Pfadfinder verbreitet. Diese Flugschriften sind in arabischer Sprache gehalten und stammen aus Erfurt. Ausschreitungen ln Jerusalem Jerusalem, 14. Mai. Im Laufe des arabischen Streiks ist es mehrfach zu b 1 utigen Ausschreitungen ge ge n Juden gekommen. Dabei’ wurden innerhalb von drei Stunden zwei Juden ermordet. Einer von ihnen war Rabbiner. In beiden Fällen konnten die arabischen Täter entkommen, obwohl von den Behörden ein starkes Polizeiaufgebot eingesetzt worden ist. Es ist ferner in zahlreichen Fällen zu arabischen Terrorakten gegen arbeitswillige Arbeiter gekommen. So wurde in der Nacht auf Mittwoch auf zwei arabische Nachtwächter in einem Steinbruch von unbekannten Tätern Schüsse abgegeben. Der eine Nacht Wächter wurde getötet, sein Kamerad schwer verletzt. Nach der Aussage des Überlebenden dürfte es sich bei den Tätern um Araber handeln, da von arabischer Seite den Arbeitern in dem Steinbruch mit dem T o d e gedroht worden war, falls sie ihre Arbeit bei den Juden nicht niederlegen würden. Erklärungen Smilanskys Tel-Aviv, 12. Mai. (JTA.) Der Führer des jüdischen Bauernverbandes (Histadruth Haikarim), Mosche Smilansky, einer der besten Kenner des arabischen Lebens in Palästina, erklärt im „Bostenai“, er habe die Überzeugung, daß der Araberstraiik durch eine ausländische Macht unterstützt wird; die Araber seien weder organisatorisch noch finanziell in der Lage, einen Streik von aolchem Umfang durchzuführen und die hierzu erforderlichen Geldmittel aufzubringen. Smilansky führt weiter ans, der Streik schade weder der Regierung noch den Juden; die Juden werden jetzt sogar ihre Bemühungen, die eigene Landwirtschaft zu entwickeln, verstärken, um sich von der arabischen .Nährungsmittelproduktion vollkommen unabhängig zu machen. Gefährlich sei der Streik durchaus nicht, wohl aber die ihn begleitenden Gewalttaten. . Die arabischen StreikSübrer wieder in Freiheit Der Prozeß gegen die arabischen Streikführer Hassan Sidky D a j a n y und Salakh Abdou, die wegen Aufforderung der Regierungsbeamten zu Streik, unter. Anklage stehen, ist zu Ende gegangen. Das : Urteil wird demnächst bekanntgegebenen werden. Inzwischen sind die-, beiden Angeklagten i h F r e i h e i t g e s e t z t worden. Sie wurden von vier angesehenen arabischen Anwälten verteidigt. Als Zeuge trät auch der Vorsitzende des Arabischen Nationalen Komitees Auni Bey Abdiul Hadi auf. Säul Tschernichowsky leicht verletzt Der hebräische Dichter . Dr. Saul Tsehern icho wsky ist beinahe das Opfer eines arabischen Anschlages geworden. Er fuhr mit anderen Reisegefährten in einem jüdischen Autobus von Tel-Aviv nach Rechoboth. Auf dem Wege wurde der Autobus V on Arab ern b eschos s en. Keiner der Passagiere wurde verletzt, nur an' Tscbernichowskys Ohr fuhr eine Kugel vorbei, so daß sein Gehör durch den Luftdruck beeinträchtigt wurde, außerdem wurde er durch Glassplitter im Gesicht leicht verletzt. Drei Araber wurden als Schuldige verhaftet. Die Tagung des A.-C. Der Zionistische Landesverband. erhielt von der. Exekutive die Verständigung, daß die Sitzung des Aktions-Komitees am 23. Juni in Jerusalem stattfindet. Mit Rücksicht auf die Vorgänge in Palästina ist die vorzeitige Einberufung nur zu begrüßen, ebenso die Beibehaltung Jerusalems als Ort der Tagung. die ihren Auftrag leichtfertig und pflichtvergessen vernachlässigt hat. Sie. ist so geworden, weil die Mandatskommission und mit ihr der Völkerbund zu allen Taten und Unterlassungen Englands Ja und Amen gesagt haben. Wir haben zu fordern,1 daß sich dies ändert, und wir haben zu fordern, daß wir bei der Beratung jüdischer Fragen zugegen sind, ob sich dies nun auf Palästina oder auf irgend einen Staat bezieht, in dem die Juden unter: der Garantie dier: Minderheitenbestimmungen leben. Vor allem aber gellt es uns um unser' Problem' in1 Palästina. * , * Dort werden die Zustände nachgerade zu einer Schande für die Mandatsregierung. Der arabische Nationalismus hat zur Durchsetzung seiner politischen Fordeningen — Einstellung der jüdischen Einwanderung, Bodenverkaufsverbot,: nationale Regierung und Parlament — die abscheuliche Methode des Kleinkriegs aus dem Hinterhalt gewählt. Immer wieder Mordüberfälle auf ahnungslose jüdische St-raßonpassantou, auf Autobusse, Steinwürfe; Brandstiftungen in einsamen Gehöften und . abgelegenen Äckern, Obstgärten oder Jungwäldern. Das Sicherheitssystem der Regierung ist vollständig zusammengebrochen.. In Jaffa mußte wieder -der Ausnabmszustand, in Jerusalem der kleine Belagerungszustand verkündet werden, Truppen kommen, mit Tanks, und leichten Geschützen, Patrouillen sichern die wichtigen Straßen. Über ihren Waffenbereiob hinaus ist Englands. Autorität erloschen. Den Schutz, der Kolonien besorgen nunmehr die Juden selbst. Sie sorgen mit dem Gewehr in der Faust für Ordnung und Sicherheit von Leben, Arbeit und Besitz. Das große, mächtige England scheint willens zu sein, vor einer Handvoll Hetzer arabischer Nationalität oder reichsdeutscher Rasse zu kapitulieren. Der Oberkommissär hat die Araberführer in energischem Ton zur Ordnung gemahnt; die Antwort war die Proklamieriing des Steuerstreiks — der allerdings .effektiv kaum viel Schaden stiften kann. Die Führer , des Streiks wurden verhaftet, aber nach zwei Tagen wieder freigegeben, so daß sie sich der Aufgabe widmen können, das flache Land in ihrem Sinn zu bearbeiten. Und obzwar es sich ergibt, daß die arabischen Kommandeure die Sabotage offen betreiben, verhandelt man mit ihnen als politischem Faktor. Der Kolonienmimster Thomas — vielleicht ist er . nicht mehr lange Minister — hat die englische Öffentlichkeit über die Vorgänge falsch informiert. Er hat wieder besseres Wissen an seinen Berichten festgehalten und kann zur Entschuldigung nur anführen, daß er aus Jerusalem doppelt, das heißt zweideutig, unterrichtet worden ist. Ein solches Vorgehen im Mandatsland und an der Zentralstelle ist unwürdig. Aber dabei hat der Minister, der eben noch erklärte, Englands Regierung weiche keinem Druck, die arabische Delegation nochmals nach London berufen, um über — die jüdische Einwanderung mit ihr zu sprechen. Unsere Antwort als selbstbewußte Nation kann nur von uns selbst gegeben werden. Wir haben den Arabern, die von unserer Leistung leben, zu beweisen, daß w nicht Zu Sdiewuoth nach Polen Bequem und. billig.'Reservierte Plätze. ln Vorbereitung billige Ferienreisen. ... Rähere Auskünfte Dr. S. TOCKER IX., Liechtensteinstraße 2, Telephon A 14.504 „ln die Welt“. weniger entschlossen sind als sie. Nicht ihre' Mittel sollen angewendet werden, sondern unsere: Mehr Geld, mehr Menschen! Wir sind heute 400.000, wir müssen in erreichbarer Zeit eine Million werden, so daß es jedem Araber — und jedem britischen Chefsekretär — klar wird, daß wir nicht unterzukriegen sind und daß der Vergleich mit uns gesucht werden muß. Geht es in Frieden, so gut. Wenn nicht, dann soll unser Willen nicht. unterschätzt werden. Der Jischuw steht in imponierender Ruhe vor den Dingen, hinter ihm das jüdische Volk. VU *' ISEBSTRASSE 123 ★ IX., ALSERSTRASSE 6 ««wafey in«

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