Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 546 (8.5.1936)
- Date
- 1936-05-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3053752-3054243-3054302--5873-3061657- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 0 DIB STIMME Nt. 546 — 8. »Tal 1988 i i 4 ) 3. % I sf '■ i Du Zof du f üdistUcH muttu Im Augenblick, wo alte Nationen der Welt darangehen, den Gedenktag der Mutter zu feiern, will auch das jüdische Volk der Ehrerbietung für seine Mutter Ausdruck verleihen. In der Galuth wie in der neuen Heimat, überall dort, wo jüdisches Familienleben im Zeichen der Mutterliebe sich entwickeln kann, gedenkt man in diesen Tagen der jüdischen Frau und Mutter als dem Rückhalt des jüdischen Heimes. Seit altersher war die Familie der nie versiegende Kraftquell gerade des jüdischen Volkes und die Hingabe und Selbstlosigkeit der jüdischen Mütter beispielgebend und unerreicht. Die jüdische Mutter umgibt ihre Lieben nicht nur mit der ganzen Zärtlichkeit ihres Wesens, sondern sie ist ihren Kindern stets auch Führerin und Wegbahnerin, ist ihnen die Vorkämpferin für ihr künftiges Leben. Es gehört zur jüdischen Tradition, daß die Mütter in der selbstlosen und aufopferndsten Weise ihre Kinder pflegen und hegen, ihnen alte Sorgen abnebmen, jeden Wunsch von ihren Augen ablese-n. In allen Zeiten wußte aber auch die jüdische Frau die Pflicht ihrem Volke gegenüber zu erfüllen. Sie war es, die in erster Linie ihre Nachkommen zu bewußten Juden heranzog, die in ihnen jüdisches Denken und Fühlen großzog, ihnen die Liebe zum eigenen Volke, Geschichte und Überlieferung, Kultur und Religion einimpfte. Die jüdische Mutter war es, die ihrer Familie und ihrem Haus das jüdische Gepräge gab. Sie hat damit unendlich viel zur Erhaltung und Wahrung des jüdischen Eigenlebens beigetragen. Ihr natürliches Empfinden für die Wichtigkeit eines eigenen Heimes brachte die jüdische Frau auch zum restlosen und vollen Verständnis für die Notwendigkeit eines eigenen Herdes, einer eigenen Heimstätte für das ganze Volk. So ist es kein Wunder, wenn der Appell Herzls zur Schaffung eines Judenstaates gerade in den Reihen der jüdischen Frau lebhaften Widerhall fand. Aus ihrem Mutfcerinstinkt heraus begeisterten sich die jüdischen Frauen für die Idee, Land, Boden, Erde den Kindern Ihres Volkes zu sichern. So gilt denn auch ihre erste Arbeit zur Schaffung eines jüdischen Nationalstaates der Sorge um den Erwerb vorn Gmud und Boden in Erez Israel. Aus der Muttererde der alten Heimat sollte die Saat des neuen Judenstaates hervorschießen, stark und kräftig, so wie die jüdischen Mütter ihre Kinder aufwachsen sehen wollen. Begeistert von solchen Ideen finden wir schon in Zeiten der Gründung des Keren Kajemeth eine Anzahl von Frauen unter den Sammlern und Pionieren. Und wie im Laufe der Jahrzehnte unsere Bewegung immer größere Fortschritte machte, so verstärkte sich immer mehr auch die Anteilnahme der jüdischen Frau an ihr. Es entsprach dem einheitlichen Willen der jüdischen Mütter und Frauen, den sie durch die Gründung der zionistischen Frauenorganisation (W. I. Z. 0.) dem Ruf nach landwirtschaftlicher Sättigung in Erez Israel Ausdruck gab. War doch die Ausbildung von Frauen und Mädchen in der Land- und Hauswirtschaft ein Hauptziel der WIZO. Säuglingsfürsorge- und Mütterberatungsstellen, die die WIZO in Erez Israel eröffnete, bedeuten eine wertvollen Beitrag zum Aufbau der neuen Heimat und dokumentieren die segensreiche Fürsorge der jüdischen Mutter in der Galuth für die Mutter und die heranwachsende Generation in Erez Israel Die WlZO-Institutionen dokumentieren aber auch den Zusammenhalt der jüdischen Mütter in der ganzen Weit. Werden sie doch aus den Mitteln erhalten, welche aus allen Teilen der Erde zusammenströmen. Es verbindet ein einigendes Band alte Mütter, wo immer sie sich befinden. Ob im Norden oder GROSSFLEISCHHAUEREI flEGM. KORNMEHL ZENTRALE, IX., BERGGASSE NUMMER 19 TELEPHONNUMMER; A 17-3-99 und A 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen t.*MPD*Fleli«h unter Aufsloht des Ehrwürdigen Rabbi nats der Israelitischen Kultusgemelnde Wien Autozustsllung kostenlos IX., Berggasse 15, XVIII., WähringerstraBe 71 Süden, ob in der Kleinstadt oder in der Metropole, ob im Palast oder in der Hütte des Armen, in einem bleibt sich die Mutter immer gleich, in ihrer unerschöpflichen Liebe und Obsorge für ihre Familie und ihr Heim — in ihrer Mütterlichkeit. Und wenn sich heute mit Tausenden und Abertansenden auch die jüdischen Frauen in dem Wunsche finden, daß ihrem Volke die alte Heimstätte wiedergegeben werde, so tun sie dies im Bewußtsein der untrennbaren Zusammengehörigkeit von Mutter und Heimat. Sie wollen damit sich und den Ihren den natürlichsten aller Wege bahnen helfen — heim zur Mutter. Dr. Amalie Kantor tttättutapsfeiu dujtfvzo-" Am 9. Mai d. J., um 20 Uhr 45, veranstaltet die WIZO im Offenbachsaal, IV., Treitlstraße 3, ihre diesjährige Muttertagsfeier zugunsten des Jüdischen Nationalfonds (K. K. L.) und des Palästina- Frauenfonds (Keren Hanaschim) mit folgendem Programm: Festredner: Br. David Bothblum; Rezitation: Maria Guttmann; jüdische Lieder: Duno Tendier; Anfang und Schluß: jüdische Lieder, gesungen vom Knabenchor des Stadttempels; Dirigent: Kurt F uchs g elb mit Begleitung Siegmund Wolfssohn. Muttertai Muitterwald Von Hadassah Chamizer Histadruth Na&him Zionioth Haifa. Erez Israeil ist das Land der Jugend. Es I bewundernswerter als hier im neuen Lande, bedarf keiner Statistik, sich davon zu über zeugen. Ein Blick in die Straßen der Städte, in die Siedlungen, Felder, Weingärten und Orangepflanzungen beweist es. Und wenn man ein Sinnbild des jüdischen JLsohuws geben will, so wählt man das Bild der arbeitenden und lachenden Jugend. Oft hörte man in der Galuth von der Überalterung der jüdischen Gemeinschaften sprechen, hier drückt die Jugend dem Lande ihren Stempel auf. So wie der Boden Erez Israels aus seinem jahrtausendelangen Schlummer unter Steinen und Trümmern durch jüdische Arbeit erlöst wurde, so ist das alte Land durch die Jugend des jüdischen Volkes neu belebt. Und so könnte man leicht in den Glauben versetzt werden, daß diese Jugend das alleinige Verdienst um die Wiederbelebung des Landes hat. Zu leicht verleitet solch ein Augenschein zur Überschätzung des eigenen Elements. So lange Religiosität und Tradition die Grundelemente des jüdischen Lebens bilden, waren solche Besorgnisse überflüssig. Jeder religiöse Jude wußte, daß das Gebot der Achtung der Eltern in den zehn Geboten gleich hinter der Forderung der Liebe zu Gott kommt, daß die Größten unseres Volkes sich ehrfürchtig vor ihren Eltern neigten, die Überlieferung weiß da Wundersames zu erzählen. „Ehre Vater und Mutter“, das mußte im Leben des frommen Juden täglich und stündlich bewährt werden. Die moderne Lebensauffassung hat das vielleicht etwas zu sehr in den Hintergrund und das Recht der Jugend zu sehr in den Vordergrund gerückt. Tatsache ist, daß fast zur selben Zeit, wo Ellen Key in Europa das Zeitalter des Kindes proklamierte, man dort den „Muttertag“ schuf, der sich dann im Laufe weniger Jahre Geltung auf der ganzen Welt verschaffte. Der zweite Sonntag im Mai ist im Abendland der Mutter gewidmet. Sie, deren ganzes Sinnen und Trachten der Familie gilt, für die sie immer den Alltag bequemer, den Festtag schöner machen will, sie ist an diesem einen Tag im Jahr der Mittelpunkt liebevoller Aufmerksamkeiten. Die Kleinen lernen Verse und bringen Blumen, die Größeren sparen und basteln, machen Aufführungen. Auch die Väter beschenken und ehren die Gattin und Mutter. Alle Zeitungen bringen Aufsätze und Gedichte, Künstler entwerfen Plakate und Postkarten, denn sehr bald wollte man nicht nur die Mutter in der Familie ehren, sondern auch die hilflose Mutter, die kranke, verlassene und arbeitsunfähige, und sammelte zu diesem Zwecke auch. Nun wollen wir auch hier unsern Muttertag federn. Wo wäre diese stille Heldin wo noch alles im Werden begriffen ist, wo gerade von der Mutter auf Schritt und Tritt gefordert wird, daß sie sich in den Dienst dieses Asufbaus stellt, dessen Vollendung sie vielleicht nicht sehen wird? Auf den schwachen Schultern der Mutter liegt sie nicht zum wenigsten, diese schwere Aufgabe des Aufbaues. Mit der hebräischen Sprache fängt es an. Wieviele Mütter müssen sie trotz der schweren, täglichen Arbeit erlernen, um Schritt mit ihren Kindern zu halten. Und dann all die neuen Wege der Jugend, die der Mutter kaum noch Platz gewähren. Nur geben darf sie, und helfen und da sein, wenn man sie ruft. Und sie tut es freudigen Herzens. Aber doch gibt es manchmal trübe Augenblicke, wo sie fühlt, dß sie zur Seite steht, daß sie wohl zaun Geschlecht der Wüste gehört, das das Wegziel nicht mehr sehen wird. Da hat dann der Muttertag ganz andere Aufgaben für uns hier als für die Völker der Welt. Wie die andern, wollen wir ihn auch durch Blumen und Geschenke feiern. Aber wir werden Tozereth Haarez schenken. Was jüdische Arbeit im jüdischen Lande schuf, wird der jüdischen Mutter als Zeichen der Liebe und Dankbarkeit doppelt willkommen sein. Aber ein anderes, ein größeres soll noch hinzukommen. Das jüdische Volk hat, wenn es seine Liebe, seine Dankbarkeit seinen Führern, den Großen seines Geistes, Fürsten und Freunden unseres Aufbaues großzügig beweisen wollte, Wälder, die ihren Namen trugen, gepflanzt, vom Herzl-Wald bis zum King- George-Wald. Zum ersten Male soll jetzt ein solcher Wald für einen „namenlosen Soldaten“ in der Armee unserer Kämpfer für den Aufbau, für die jüdische Mutter, erstehen. Der K. K. L. wird den Boden geben und die Aufforstung leiten, und die WIZO hat es auf sich genommen, die Mittel dazu zu schaffen. Und sie glaubt, daß das sehr schnell gelingen wird. Denn gibt es einen jüdischen Menschen, jung oder alt, arm oder reich, stehe er religiös oder politisch, wo er wolle, sei er kurz hier im Lande oder hier geboren, der nicht mit Freuden zu diesem schönen Werk sein Scherflein beitragen wird. Der Wald der Mutter wird sehr bald in unserem Land erstehen, denn niemand kann sich diesem Rufe entziehen. Jeder hat eine Mutter, sei es im Lande, sei es überm Meer oder gar dort, wo man ihr nicht mehr danken kann, die man durch eine Gabe an diesem Tage ehren will, deren Andenken mit in diesem Wald weiter grünen wird. Bei jeder Seelenfeier gelobt der Jude eine Gabe zum Andenken seiner verstorbenen Mutter, wieviel schöner ist es, die lebende durch solche Spende zu ehren und dabei gloicfc zeitig unserem Lande zu nützen. Denn wir wissen ja alle, daß unser Land durch die Wälder roicher wird, und seine Anpflanzung jüdischen Händen Arbeit gibt. Und man kann sich vorstellen, daß der Mutterwald ein Symbol für unser Land wird. Rachels Grab ist ein solches. Nach den Worten des Propheten steigt Mutter Rachel daraus empor und weint um ihre Kinder. Wäre es nicht herrlich, wenn als Gegenstück zu dieser heiligen Stätte ein mächtiger Wald aufwachsen würde, dessen grüne Gipfel auch Mutterstimmen wiedergeben: der Mütter derer, die das Land neu aufbauen mit ihrer Hände Arbeit. Vielleicht wird dann in mitternächtlichen Stunden das so oft besungene Klagen der Mutter Raehel abgelöst durch das freudige Rauschen des Mutterwaldes. Wenn jene um ihre vertriebenen Kinder weinte, so wird dieser das Heimkehren ankündigen und begrüßen. Und so wollen wir denn den Muttertag, den Lag beomer, in unsern Kalender einreihen, freudig helfen, sein Symbol, den Mutterwald, zu schaffen. Viele schwere und harte Tage gibt es, entreißen wir einen der ehernen Kette der Notwendigkeit und schmücken wir ihn fröhlich zu Ehren der Mutter. MEIEREI SILLER Zionistische Bezlrkssektlon und Wlzo Meidling mamh. « Mittwoch, 13. Mal I. J.f %9 Uhr abends _LAG - B’OMER - FEIER _ ES WIRKEN NAMHAFTE KÜNSTLER MIT _ Restaurant M08ER XX., Dreadneretr. 81 Zionistische Bezirkssektion ZurlschenbrUcken Dienstag, 12. Mal 1936« Uhr abend«: Werbeversammlung ES SPRECHEN: Dr. Oskar GRÜNBAUM, Präsident des Zionistischen Landesverbandes für Österreich, Frau Dr. Henriette UCHTE NSTEIN-R APPAPORT, Kultusvorsieher Dr. Isidor KLABER: „Zeitgemäß e jüdische und zionistische Fragen“ Dr. Henny Lichtenstein-Rappaport: Simon ben Jochai An die Namen zweier Männer knüpft Überlieferung und Sitte die Feier des 33. Tages im Omer: An Rabbi Akiba und Rabbi Simon ben Jochai. R. Akiba, der große Lehrer und Streiter, der im Kampfe gegen Rom dien Heldentod erlitt, hatte Tausende von Schülern. Dreiunddreißig Tage lang wütete eine schwere Seuche unter ihnen und raffte •viele hinweg. Am 33. Tage, es war dies am: 18. Ijjar, fand die Seuche ein Ende. Daher gilt die Omer-Zeit, die Wochen zwischen Pes-i sach und Schewuoth, als Trauerzeit; der 18. Ijjar aber unterbricht die Trauertage. Er gilt als Halbfeiertag, an dem Feste und Feiern erlaubt sind. Vor allem sind es die SdhuL kinder, die, in Erinnerung an die Schüler R. Akibas, den Tag fröhlich begehen und einer alten Sitte gemäß, im Freien, mit Bogen und Pfeilen bewaffnet, spielen. Diese Sitte deq Bogenschießens leitet aber bereits zum zwefo ten Helden des Festes über: za R. Simon ben Jochai. Denn nicht um knabenhaftes Kriege spiel handelt es sich hier, sondern um Sym* bolisderung eines mystischen Vorganges, dar im Bogen seinen Ausdruck findet. Am 18. IjjaT starb T. Simon ben Jochai. W$g es heißt, war zu seinen Lebzeiten der Regen« bogen nie am Himmel erschienen. Und so bet deutet denn der Bogen den Tod R. Simons« Überdies enthält auch das Buch „Sohar^ das der Sage nach auf R. Simon zurüekgehty den Ausspruch, daß vor dem Erscheinen des Messias ein Regenbogen in bunten Farben auL leuchten würde. So also kommt das Spiel mit dem Bogen einem Gebet um das Ersehet nen des Messias gleich. Besonders festlich wird R. Simons Todestag am Lag Beomer im Meron bei Safed, wo er leibte und lehrte, begangen. Am Vorabend des Festes strömen Tausende Juden aus Palästina und den orientalischen Ländern der Galuth zu seinem Grabe. In einem kupfernen Bocken wird ein Feuer entzündet, das von öd, Kleidern, Tüchern, Schleiern und Stücken Stoffes genährt wird. Weithin leuchtet die Feuersäule. Während d!i© Flamme lodert und immer neue Nahrung empfängt, tanzen die Männer und singen ein vielstropbiges Lied zu Ehren R. Simons. Auch die Frauen nehmen an dem Feste teil und erzählen einander von den Wundertaten des Rabbis. Am nächsten Morgen aber wird einer alten Sitte gemäß, den Knaben zum ersten Male das Haar geschoren. Wer war nun dieser Simon ben Jochai, dessen Andenken in so seltsamer Weise geehrt wird? Er gehörte zu den hervorragendsten Schülern R. Aikibas und war gleich diesem ei» Gegner Roms. Im Talmud wird er oft als maßgebende Autorität genannt, er war selbst Vorsteher einer Gelebrtensclmle, und in seinen Auslegungen des Gesetzes stets bemüht, die Vorschriften der Torah auf ihrenv vernunftgemäßen Sinn zu prüfen und danach zu urteilen. Dabei war er ein Mann von mystischen Spendet Me, Kleider und Einrlchtunggegenitfinde für unsere Chuluzim! Anfällige Spenden werden vom Büro des Landeskomlteee, Wien, I., Maro-Aurel*traße 5, Telephon U 22-2-U, abgeholt