Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 546 (8.5.1936)
- Date
- 1936-05-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 20 8 V.«. b. Nr. 546 Wien, 8. Mal 1936 16. IJar 5696 9. Jahrgang “Stimme JÜDISCHE ZEITUNG ORBIS W» POLEN Abfahrten s 10. und 24. Mai Anmeldungen: ReisebUro „ORBIS11 I., KfirntnerstraOe 41, R 21-S-7B österreichisches Verkehrs-Büro 1., Friedrichstr. 7, B 27*500, I., Graben 20, (J 29-0*35 „Times" über die poli* tische Lage London, 5. Mai. (Paleor.) Die „Times“ behandeln in einen* Leitartikel die Lage in Palästina. Militär und Polizei beherrschen die Lage, wenn unbedeutende Vorfälle, wie das Werfen von Steinen, auch andauern. Die Hälfte der arabischen Führerschaft wünsche den Streik abzubrechen, während die andere bezwecke, die englische Regierung durch den Beweis der Stärke und Einigkeit der Araber zu beeindrucken. Dies sei ein überflüssiges Manöver, denn das Vorhandensein einer starken nationalistischen Stimmung sei offenbar. Die arabischen Führer bezwecken ferner, das Verbot jüdischer Einwanderung zu erzwingen, was eineUnmöglichkeit sei. Die englische Politik und Englands Verpflichtung seien vor wenigen Tagen vom Kolonialminister Thomas klar im Unterhaus festgestellt worden, als er sagte: „Die Regierung wird sich durch Aufruhr oder Drohungen nicht beeinflussen lassen, ihre Politik zu ändern.“ Was die Araber tatsächlich fordern, sei die Aufhebung der Balfour- Deklaration, welche von sämtlichen ■Regierungen Englands seit ihrer Proklamie- “rung bestätigt und zum Vorteil beider Völker durchgeführt worden ist. Der Artikel schließt mit den Worten: „Gerade jetzt, da zahlreiche internationale Verpflichtungen gebrochen und Juden aus einem gewissen Lande vertrieben und der Verzweiflung preisgegeben werden, ist es kaum an der Zeit, daß die britische Regierung Zweifel an ihrem festen Entschluß, das 1917 gegebene Versprechen zu erfüllen, aufkommen läßt.“ „Manchester Guardian" gegen Konzessionen an die Araber London, 5. Mai. (JTA.) „Manchester Guardian“ nennt die Politik des Arabischen Nationalen Ausschusses in Palästina eine „Politik der Chan tage und Erpressung“ und fordert die englische Regierung auf, den arabischen Forderungen auf keinen Fall nachzugeben. Der Legislative Council, schreibt die Zeitung weiter, sei faktisch tot; dies nicht etwa infolge der arabischen Gegnerschaft zu ihm, sondern darum, weil die englische Öffentlichkeit jetzt eine solche Institution nicht für aktuell hält, Man darf es nicht erlauben, daß ein System von Grausamkeit und Erpressung gegen das Mandat eingesetzt wird. Hü! HLIBIi IN IHRER GLANZROLLE r NACH DER GLEICHNAMIGEN 1 0PEREJTE#VQN CÄRL/VUlltfCKER APOLIO >>^TEL*A*B4«5-50.* BEGINN•• 7%10‘ Ausnahmszustand in Palästina aufgehoben Jerusalem, 4. Mai. Offiziell wurde heute bekanntgegeben, daß in der Nacht der Ausnahmezustand nunmehr auch für die Außenbezirke von Jaffa und Tel-Aviv aufgehoben worden sei. In diesen Bezirken sei die Ruhe gesichert; doch dauern — so wird weiter mitgeteilt — in anderen Teilen des Landes die Brandstiftungen fort. Zu Beginn der dritten Streikwoche erließ der arabische Ausschuß zur Führung des Generalstreiks einen Aufruf zur Fortsetzung des Streiks bis zur Erreichung der Streikziele: Einstellung der jüdischen Einwanderung und des Boden Verkaufs an Juden. Gleichzeitig mit der Veröffentlichung dieses Aufrufs wurde der Streikterror verschärft. Den arabischen Ladenbesitzern wurden von den Streikposten die Ladenschlüssel abgenommen, damit sie ihre Läden nicht öffnen können. Auf diese Weise sind viele Waren, insbesondere Lebensmittel, dem Verderben preisgegeben. In den jüdischen Vierteln Jerusalems und Haifas sind alle Geschäfte geöffnet und das Leben geht normal vor sich. Polizeiposten patrouillieren durch die Straßen. Die aus Zivilisten gebildete Bürgerwehr steht bereit, um überall da einzugreifen, wo die Sicherheit es erfordert. Arabische Führer verhaftet London, 6. Mai. (Palcor.) Über die Vorgänge, die der Verhaftung der Führer im Streik der Araber, Hassan Sidky Dajani und Saleb Abdu, vorausgingen, wird gemeldet: Die Araber hatten angekündigt, daß sie den Streik durch fünfzig Tage fortführen und die großen Städte aus bu ngern wollen. Tatsächlich machten sich einige Schwierigkeiten in der Versorgung mit Landesprodukten bemerkbar, so daß in Tel-Aviv Preiserhöhungen der Lebensmittel eintraten, die aber b ehördlich verboten wurden. Das Streikkomitee nahm aber den arabischen Kaufleuten die Schlüssel ihrer Läden ab, um sie am Verkauf zu hindern. Daneben nahmen die Brandet ift u n- Keine Einstellung London, 6. Mai. Kolonienminister Thomas erklärte heute in Beantwortung einer Anfrage im Unterhaus, daß ihm nichts davon bekannt sei, daß die Unruhen in Palästina von Italien oder einem anderen Lande gefördert worden seien. Zur gegenwärtigen Lage in Palästina bemerkte der Minister, daß im allgemeinen zwar Ruhe herrsche, daß es aber immer wieder zu vereinzelten Zusammenstößen komme. Der Streik der Araber, der nun schon zwei Wochen dauere, werde immer schärfer durchgeführt. Obwohl den arabischen Händlern und Transportarbeitern schwere Verluste entständen seien, sei leider mit der Möglichkeit zu rechnen, daß der Streik noch weitergeführt werde. Der Minister gab auch bekannt, daß der Oberkommissär gegen den. Vorsitzenden und den stellvertretenden Vorsitzenden des arabischen Streikausschusses eingeschritten sei, weil der Ausschuß einen Aufruf veröffentlicht habe, in gen auf dem Lande so zu, daß zahlreiche Verhaftungen erfolgen mußten. Vorgestern brannte in einer Kolonie die Ernte im Umfang von hundert Dunam ab. Ferner waren im ganzen schon an hundert Autos beschädigt worden, viele durch N ä g e 1 auf den Fahrstraßen. So wurde auch das Auto des Hochkommissärs General Wauchope unbrauchbar. Einen Ratschlag des Emir Abdullah zum Abbruch des Streikes beantwortete das Komitee mit verschärfter Agitation. Schließlich forderte vorgestern Professor Weizmann in einer Audienz schärfste Maßnahmen, die General Wauchope zusagte. der Einwanderung dem alle, Beamten zur Arbeitsniederlegung aufgefordert' wurden. Der Kolonienminister erklärte weiter: „Ich bin davon überzeugt, daß diese Unruhen der Ausfluß der arabischen Unzufriedenheit sind. Die Araber haben ja auch damit gedroht, den Ausstand, so lange fortzusetzen, bis die jüdische Einwanderung eingestellt sei. Wie ich bereits bei einer früheren Gelegenheit betont habe, kann sich die englische Regierung durch keine Drohungen von ihrer Politik abbringen lassen und die Einstellung der jüdischen Einwanderung kann unter keinen Umständen in Frage kommen. Falls die Araber die Einladung der Regierung, einen Ausschuß nach London zu entsenden, annehmen, dürfen sie davon überzeugt sein, daß ihre Wünsche von der englischen Regierung mit voller Aufmerksamkeit geprüft weiden.“ Waffen für die Kolonien Tel-Aviv, 4. Mai. (Palcor.) Auf Grund einer Forderung der Jewish Agency hat die Palästina-Regierung den neuen Siedlungen eine genügende Anzahl von Gewehren zur Verteidigung im Falle von Angriffen übergeben. Die Waffen samt Munition liegen in Kisten, die erst im Falle der Gefahr geöffnet werden dürfen. Die alten Kolonien erhielten schön früher solche Abwehrwaffen. Ferner hat die Regierung mit der Einstellung von 200 neuen jüdischen Polizisten begonnen, 100 „regulären“ und 100 provisorischen. Sie werden auf die Städte Jaffa, Tel- Aviv, Jerusalem und Haifa verteilt. London, 4. Mai. (Priv.) Die „Palästina-Korrespondenz“ meldet aus Jerusalem: Die Regierung hat eine Übersicht über die Schäden an Gut und Blut veröffentlicht, die bis zum 1. Mai festgestellt wurden. Danach sind 17 Juden bei den Zusammenstößen getötet worden oder ihren Verwundungen erlegen, 79 wurden mehr oder weniger schwer verwundet. Von den Arabern sind bei Zusammenstößen mit der Polizei sieben getötet oder tödlich verwundet worden, rund hundert wurdet verwundet. Die Zahl der Verhafteten beträgt 267} die meisteu sind Araber. Die Sachschäden durch Brandlegung, Verwüstung von Orangenpflanzungen und Zerstörung von Automobilen sind noch nicht genau erhoben, gehen aber in die tausende Pfund. Landung der Olim nur mehr in Haifa Wie uns mitgetedlt wird, werden von nun ab alle Olim in Haifa landen. Die Landungen in Jaffa wurden eingestellt, was sich wegen des arabischen Streiks als notwendig erwiesen hat. ' Von jüdischer Seite bemüht man sich, die Palästinaregierung dahin zu beeinflussen, daß alle ihre Institutionen, wie Zollabteilungen und AUjah-Abteilungen nach Tel- Aviv verlegt werden. Nach den letzten Ereignissen ist die Erfüllung dieser Forderung besonders dringend geworden. Die Verlegung der Ausschiffung der Olim nach Haifa soll übrigens nicht eine vorübergehende Maßnahme, sondern eine ständige Einrichtung werden. imiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiniiiiiiiiiiiiiiniiimiiiiiii Weitere Nachrichten aus Palästina und Bilder von den Unruhen auf Seite 8 JEAN HARLOW WIUlAM PO WEIL FRANCHOT TONE »6t ROMAN EINER HEMMUNGSLOSEN FRAi» OPERN t 5TAFA *». VOTIVPARK «. Weltpolitische Änderungen Der Negus hat seine kämpfenden Truppen verlassen, Italien ist in Addis Abeba einmarschiert, Mussolini hat das Ende des Krieges proklamiert. Die militärischen Operationen haben jetzt nur mehr die Okkupation zu vollenden. Dagegen tritt wieder die Politik in ihre Rechte und es steht eine diplomatische Kampagne bevor, die aber nicht mehr die Fortsetzung des Sanktionenkampfes sein kann. Die Hissung der italienischen Trikolore auf dem Palast des Negus ist ein Sieg Italiens über England, und das bedeutet eine Wendung der Geschichte. Die Wucht dieses Ereignisses beginnt sich schon geltend zu machen. Es ist ein anderes Italien — und ein anderes England. Die Eroberung Abessiniens gibt die Möglichkeit, durch die Verbindung des Somalilandes mit Erythräa ein neues afrikanisches Reich zu schaffen, das, zusammen mit Libyen und Tripolis, ein Kolonialgebiet von über drei Millionen Quadratkilometer darstellt, das fast zehnmal so groß ist wie das europäische Italien, und dessen Reichtum an Erzen und anbaufähigem Boden Italien in die erste Reihe der Großmächte stellt. Und diese Macht steht nun am Roten Meer, aan Weg nach Indien, und sie ist nach einem dramatischen Kampf gegen England mit der Gewalt der Waffen durchgesetzt/worden, der einzigen Gewalt, die der Okzident und auch der Orient anerkennen. Und dieser Sieg ist ein Sieg über Englands Prestige, über die Politik, die in einer steten, geradlinigen Entwicklung von der Unterstützung Deutschlands — die in Paris und in Rom das gleiche tiefe Mißtrauen geweckt hat — bis zu dem jetzigen Engagement geführt hat. Und der Sieg Italiens hat ganz direkt auch noch andere Komplikationen für England gezeitigt. An der ganzen Front des Empire steht die britische Diplomatie in einem schweren Kampf. Schon ist die japanische Expansion bis an die Grenzen des ohinesichen Jangtsetales vorgedrungen, - wo die britischen Interessen bisher vorherrschten. Deutschland ist mit der Hilfe der Kurzsichtigkeit Englands dazu gelangt, die Kolonialfrage zu stellen, und von nun ab hat England auch noch mit der Anziehungskraft des neuen italienischen Kolonialreiches auf Ägypten und dem vorderen Orient zu rechnen. Mussolini hat in einer Unterredung mit Ward Price, dem bekannten Hitler-Interviewer, energisch bestritten, daß er Absichten auf Ägypten und den Sudan hege. Er hat sich weiter ebenso energisch gegen den Vorwurf verwehrt, daß er in die Auseinandersetzung zwischen Juden und Arabern in Palästina eingegriffen haben soll. Er habe dort keinerlei politisches Interesse. Dies ist auch ohneweiters zu glauben. Italien hat eine sehr starke arabische Bevölkerung, die nunmehr auch noch durch die etwa 200.000 Muselmanen in Abessinien verstärkt wird, und da es den Krieg als ein Unternehmen der weißen Rasse aufgezogen bat, besteht kein Interesse, arabische Tendenzen zu ermutigen, die in Libyen und Tripolis Resonanz finden könnten. In dieser Hinsicht ist die Linie der faschistischen Politik eindeutig. Auch auf diesem Gebiete ist eine, gelinde gesagt, Unklarheit des englischen Kurses zu konstatieren, der entgegen jeder Staatsräson im Mandatgebiet Palästina arabische Begehrlichkeiten geweckt und genährt hat in der Hoffnung, durch Prets- VII-, KAISERSTRASSE 123 * IX., AtSEBSTBASSE 6