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Die Stimme · 1936-04-28 · Heft 543 (28.4.1936) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 543 (28.4.1936)
Date
1936-04-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
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r «Tr. 64S —28. April 1996 Dü ST1MMI Sofie 5 ,)Joc ZOO lakcen , . ." Österreich hat den großen Heerführer Eugen von Savoyen aus Anlaß der 200. Wiederkehr seines Todestages gefeiert. Prinz Eug enius, der edle Ritter, als Feldherr und Diplomat gleich hervorragend, war der eigentliche Begründer der Weltmacht der alten Monarchie. Er kam als armer Flüchtling im Jahre 1683, zur Zeit der Türkenbelag er mg, ins kaiserliche Heer. Heute würde man sagen, er war ein „Zugereister“. Noch 1690 bezeichnete ihn Kaiser Leopold als „Fremden“, machte ihn nicht zum Geheimen Rat und zog ihn nicht zum Abschluß der „Geheimen Familienverträge“ zu. Erst Me Nachfolger Kaiser Leopolds, Josef L, und Karl VI., waren ihm in Freundschaft zugetan, fetzt erst war er „bodenständig“. Prinz Eugen hat in seinen Kriegen einen genialen Helfer gehabt, dem sicher — wenn auch nicht auf direkt militärischem Gebiet — ein nicht geringes Verdienst am Erfolg des edlen Ritters zukommt; Der HoffaMor Samuel Oppenheimer, der Nachschub und Verpflegung der Armeen durch eine für die damalige Zeit bewundernswerte Organisation gesichert hat. Oppenheimers Betriebsamkeit war geradezu phantastisch. Er besorgte den Heeresbedarf für alle Kriegschauplätze, er war der Schöpfer der Donauflotte und er verstand es immer wieder, den leeren Staatssäckel zu füllen. Kein Wunder, wem der Jude Oppenheimer den Neid der „B öden ständig en“ erregte. Kar dinal Leopold Kollo nit s ch versuchte Oppenheimers Stellung zu erschüttern. Die von ihm geführte Partei versuchte, das Heereslieferungsgeschäft Oppenheimers in die Hand zu bekommen, erlebte aber schon nach wenigen Tagen ein Debakel, da sie weder Geld noch Kredit hatte. Aber was den Hassern Oppenheimers zu seinen Lebzeiten nicht gelungen (es verdienten viele hochgeborene Herrschaften an ihm dick), das gelang, als er am 3. Mai 1703 plötzlich starb. Man beeilte sich, über die Verlassenschaft Oppenheimers den Konkurs zu verhängen. Der damalige Hofkammerpräsident Graf Starhemberg erklärte, die Konkurseröffnung sei ,ßm so grundverderblicher Streich, daß Frankreich für sich und gegen den Kaiser nichts Kräftigeres hätte ersinnen können“. Bis zum Jahre 1763 wurde der Konkurs geschleppt und ein Mülionenvermögen verpuffte. Noch ein anderer „Zugereister“ hat sich in der Zeit Prinz Eugens ungeheure Verdienste erworben, der Jude Samson Wertheim, in dessetn Harne Prinz Eugen verkehrte. Oppenheimers und Wertheims Söhne kämpften vergeblich gegen den Niedergang ihrer Häuser. Oppenheimers Witwe Unterließ ein Vermögen von — 10 Gulden und 78 Kreuzern, und als Wertheims Sohn im Jahre 1763 starb, da Unterließ er eine Forderung an den Staat von 3,637.000 Gulden, die trotz Anerkennung ihres aufrechten Bestandes nie bezahlt wurde. Wer spricht heute noch von Oppenheimer und Werthehn, wer davon, daß sie die Schöpfer der Kupfer-, BaumwoU- und Tdbakindustrie in Österreich waren, daß eie für vier Millionen Gulden Heeresbedarf lieferten und dem Stadt von 1698 bis 1709 mindestens 78 Millionen Gulden vorgestreckt haben? Wäre ohne diese für ihre Zeit gigantischen Leistungen der Aufstieg Österreichs möglich gewesen? An diese „zugereisten“ Genies soll heute erinnert werden, wo man das Andenken des genialen Prinzen Eugenius feiert. Der „Hebräertag" in Wien Samstag, den 11. April, fand im Heimo der Histadruth unter großer Beteiligung der dies* jährige „Hebräertag** statt. Es begrüßten die Tagung: Dr. Rosenberg ln Vertretung der Kultusgemeinde, Dr. Plokhols in Vertretung de« zionistischen Landesverbandes, Prof. P a p o in Vertretung der jüdischen Volkshochschule und des Verbandes der Religionsiehrer, Rod. M. Hönleoh In Vertretung des Binjan Haarez, und Prof. Q e 1 e r n t e r in Ver tretung des Ohajes-Realgymnasiums. Ober- Tabbinor Dr. Peuobtwang sandte ein längeres hebräisches Begrüßungsschreiben, in welchem er die Heiligkeit der hebräischen Sprache und deren Wiederaufleben im Munde des Volkes würdigte. Begrüßungen sandten ferner: Der Vorsitzende der Unterrichtskommission der K. G. Dr. K1 a b e r, die Organisation „Hechaluz“ und die „Neu-zionistische Organisation“. Der Präsident der Histadruth Dr. David R o t h b 1 u m gab in einer großangelegten Rede eine Übersicht über die hebräische Bewegung in der Welt, und M. Ungerfeld referierte über die hebräische Arbeit ln Wien. Samstag, den 18. d., referierte Dr. Chaim Tartakower über das hebräische Buch im letzten Jahre. Seine Ausführungen wurden mit Beifall aufgenommen. In der Diskussion sprachen als Vertreter der hebräischen Lehrerschaft Dr. Fränkel und Gottfried. Zum Schlüsse wurde eine Resolution angenommen, in welcher die Genugtuung über die von der Kultusgemeinde begonnene Arbeit auf dem Gebiete der hebräischen Erziehung zum Ausdruck kommt und gleichzeitig die Aufforderung gestellt wird, alle Hebräischschulen und -kurse unter ihre Obhut zu nehmen, bis zur gänzlichen Durchführung der Hebräisierung der jüdischen Jugend in Wien. In einer zweiten Resolution werden die zionistischen Organisationen in Österreich aufgefordert, ihr Bestes für die hebräische Arbeit in Österreich zu leisten. Sdilomoh Auerbach über Tschernichowski Im Rahmen der Vortragsreihe der Zionistischen Bezirkssektion IX entwarf der bekannte Hebräist Schlomoh Auerbach ein packendes Bild über das Leben und Wirken des Dichters Saul Tschernichowski. Der Vortragende schilderte zunächst den Werdegang Tschernichowskis, der außerhalb des russischen Ansiedlungerayons in einer Umgebung seine Jugend zugebracht hat, die naturnahe und reinem Menschentum zugänglich, von der allgemeinen Bedrückung des jüdischen Ghettolebens einigermaßen verschont war. In dieser Atmosphäre der inneren und äußeren, wenn auch temporären Freiheit vermochte die aufstrebende Dichtersecle über das bedrückende 1. Preis: Eine Reise Triest—Haifa—Triest. 2. Preis: Eine Reise Triest—Ragusa—Triest. 3. Preis: Donaureise Wien—Engelhartszell— und quälende seines Judentums hdnauszuwachseo. Die europäische Bildung, die er eich mit der Zeit angeeignet hat, brachte ihn in Berührung mit der Welt des alten Griechentums, in welchem die kongeniale Seele des jüdischen Dichters eine unerschöpfliche Quelle der Begeisterung fand. Die Dichtungen Tschernichowskis, die den griechischen Motiven gewidmet sind, Insbesondere das berühmt gewordene Poem „Vor der Statue Apollos“, begründeten Beinen Ruhm als Dichter von höchster Qualität. Tschernichowski drang vorwiegend unter dem Einfluß der russischen Haskala, die auf ihn in Odessa einzuwirken begonnen hat, ins Judentum. An Hand von vielen Zitaten aus den Werken Tschemiohowskis, die Auerbach souverän beherrscht, erbrachte der Vortragende den Beweis, wie organisch die dichterische Persönlichkeit Tschemiehowskis die Brücke zum Judentum schlug, bis er einer seiner repräsentativsten Dichter geworden ist. Aktion „Rettet die Jugend" Die Israelitische Kultusgemeinde Baden antwortet auf die Aufforderung des Herrn Hermann Glück miit S 10.— und lädt zu Spenden ein: Israelitische Kultusgemeinde Wr.-Neustadt. Israelitische Kultusgemeinde Graz, Israelitische Kultusgemeinde Linz, Israelitische Kultusgemeinde Innsbruck, Israelitische Kultufigemeiimde St. Pölten, Israelitische Kultusgemeinde Klagenfurt, Israelitische Kultusgemeiinde Neunkiirchen, Israelitische Kultusgemeimde Mödling, Israelitische Kultusgemeinde Groß-Enzersdorf. Herr Arthur K o h n antwortet auf die Aufforderung des Herrn Dr. Friedmann mit S 10.— und lädt zu Spenden ein: Generaldirektor Moritz Altstadt; Generaldirektor Kom.-Rat Ludwig Klausner; Rudolf Böhmer; Richard Langfelder. Herr R. Schidkoweki antwortet auf die Aufforderung des Herrn Hermann Glück mit S 3— und lädt zu Spenden ein: Dr. Hans Deutsch; Oskar Lichtenberg; Berthold Schnek; Walter Glück: Ignatz Ödenburger; Ludwig Pfeiffer, Emil Deutsch. Herr Dr. M. Rosler antwortet auf die Aufforderung des Herrn Hermann Glück mit S 5.— und lädt zu Spenden ein: Med.-Rat Dr. Monitz Bauer; Med.-Rat Dr. Adolf Gero; Goldhammer Nathan; Grünfeld Salomon; Dir. Albert Knopf; Frau Dr. Kroo; Oberbaurat Ing. Karl Meisl; Rosenwald Julius. Wien. 4. Preis: Ein Radioapparat Ferner werden für richtige Lösungen 25 Bücher verteilt .Ausschneiden -. 6. Kreuzworträtsel 1 2 8 Hl 4 5 6 7 |8 9 . 10 H 11 12 18 BK 15 16 ■ 17 ■ 18 y 19 20 ■ 21 22 H 23 24 mm H wmm 25 26 27 28 29 80 MH 31 ■ 32 38 M 34 ■ 85 Waagrecht: 1. Das heutige Merkwort 4. Recht, Gericht (ehbr.). 7. Hebräischer Buchstabe. 10. Vorwort. 11. Schokoladebonbon. 14. Ohern. Z. für Neon. 15. Männl. Bibelgestalt (Neffe Abrahame). 17. Verctändigung, Mitteilung. 18. Stadt in Holland. 19. König von Israel. 21. Staat in Hinterindien. 23. Gebetswart. 25, Sohn Jakobs, 27. Nicht gescheit. 29. Kuchen (bebr., ch 1 Buchstabe). 32. Ber. finnischer Läufer. 33. WehJaut. 34. Prophet unter König Josia. 85. Tierlaut. Senkrecht: 1. Schwarze Juden in Abessinien. 2. Ifcal. Ziffer. 3. Abk. für Reichs-Patent. 4. König der Juden. 5. Fluß in Zentralasien. 6. Jüdischer Kalendermonat (orthographisch nicht genau). 7. Initialen eines weltberühmten jüdischen Mathematikers und Physikers. 8. Abk. für international. 9. Statthalter in Judia. 12. Seiten. 13. Nein (franz.). 16. Geistesgestört. 18. Fluß in Sibirien. 20. Rohstoff zur Bierbereitmng. 22. Stadt in Abessinien. 24. Wasser (franz.). 26. Stadt in Noultalien. 28. Röm. Zahl ihr 2001. 80. Umlaut. SS. AJbk. für „nächsten Jahres“. M. Kr. Die Serie umfaßt 19 Rätsel. In Jedem Rätsel Ist ein Merkwort enthalten. Liest man die Merkwörter in der Reihenfolge dos Erscheinens, eo ergibt sich eine markante Stelle aus einem berühmten zionistischen Werk. Die Diagramme sind auszufttllen, auszußchnoiden, aufzubewabren und am Schlüsse der Serie gesammelt an die Redaktion der „Stimme“ zu senden. Die Zuteilung der außgeaetzten Preise erfolgt durch das Los unter Ausschluß jedes Rechtsweges. Näheres wird rechtzeitig mitgeteilt. Worauf freut sich der Wiener am Sonntag? Auf den „Morgen" mit dem „Blauen Montag"! „Die. (ftcwzef' Premiere im Jüdischen Kulturtheater Das Schicksal der ßechshunderttausend deuti sehen Juden ißt in letzter Zeit mehrmals von Dramatikern behandelt worden, so von Ferdiin mand Bruckner in dem Stück „Die Rassen“, von Friedrich Wolf in „Professor M&mlock“. Das neue Stück „Die Grenze“ von Morten Cederland und Niels Dahlberg (deutsch von Albert Ganzert) schildert ßchüoht, ohne Pathos das nicht außergewöhn-< liehe Schicksal von einem halben Dutzend, Menschen: Juden, Mischlingen, Ariern, im entmenschten Deutschland. Von den klassischen Forderungen, die ans Drama gestellt wurden, sind hier mit elfschüttemder Präzision zwei erfüllt. Die Hand-, lumg ist brutal einheitlich 1 Hane-Jochen, der achtzehnjährige Sohn eines getauften Juden, des Gheftierarztes Dr. Karl Leist, und einer Nichtjüdin, erfährt am Boykott-Tag (1. April. 1933) von einem antisemitischen Lümmel, daß sein Großvater väterlicherseits Jude ist Seine Abstammung hatte man ihm verheimlicht —< auf einer Lüge wollten die Eltern ihm sein Glück aufbauen, nun zerbricht er an der Wahrheit, sein Weltbild ist zerstört. Sein Vater, Frontkämpfer und Invalide, wird als Judenstämmling vom Posten gejagt; der Großvater Levi Leist, Kommerzienrat, Begründer eines großen Industrieunternehmens und' einer- Stadt, wird schimpflich vor das Gericht geladen, das ihn, den verdienten alten Mann, der bis vor kurzem noch Vizebürgermedster und hochgeehrt gewesen, verleumde« riech des Diebstahls bezichtigt; der Vater der, Freundin Hans-Jöckerns, hoher Offizier, muß wegen jüdischer Abstammung zurücktreten. Judensoblcksal? Tragödie der Assimilation?! Worte, Worte, sinnlos angesichts solcher Menschenopfer! Sind die „Arier“ besser daran? Leidet Christa, die Gattin des Dr. Leist, nicht etwa' vehementer als die anderen? Um ihren Sohn zu retten, der als Haibjude fortan geächtet würde, nimmt sie Zuflucht zur Lüge, behaup-i tet dessen reinrassige — uneheliche — Alx stammung. Es nützt nichts. Sie bricht zusam-i men, eie stirbt, die Gemeinheit der Welt ist stärker als Liebe und Opfermut! Dr. Strobl wird verhaftet, weil er sich gegen dire Un« gerechtigkeit des Judenhasses öffentlich ausgesprochen hatte, Hans-Jochen, weil er, außer; Rand und Band geraten, in die vor dem Hause johlende und tobende Menge feuern will, Großvater Leist begibt sich in seinen Beimatsort, stellt Bich dem Gericht... Unerträglich wäre der Pessimismus dieses Stückes ohne die Gestalt dos alten Kammer-: zienrates, der so felsenfest am diie Fortexistenz, an die Lebenskraft des Judentums glaubt, an jene Zähigkeit, welche Goethe als eine der hervorstechendsten jüdischen Eigenschaften gepriesen hat. Don alten Leist spielt Rudolf Müller — ein genialer Sohiauspieler! Erschütternd ist die Mütterlichkeit der Alice Koch, ihre SeeJeupein, ihr Zusammenbruch. Bedeutsam sind aber auch die übrigen Darstellungen, Rudolf Weiß als Dr. Leist, Marcel L e r n e r als Sohn, Fritz Links als Dr. Strobl und in kleinerem Rollen Silvia Gr oha, Ruth Walter und Günther Caro. Sehr lobenswert ist die maßvolle Regie Walter Steiners. Dr. Alfred Werner. FUSSBAUMATCH HAKOAH GEGEN MAKKABI, BRATISLAVA Freitag, den 1. Mal 1936, 2 Uhr nachmittags, findet ein FußbaUmatch Hakoah gegen Makkabi, Bratislava auf dem Hakoah-Platz, Krieau, statt. Vorher Vorspiel, Leichtathletik. Dieses Match wird von dem Fußballklub Hakoah gemeinsam mit der Zionistischen Bezirkssektion Prater veranstaltet. Beim Vorspiel Hakoah Reserve—Hasmonäa wird Dr. N. Frey als Schiedsrichter fungieren. Außerdem werden turnerische Vorführungen des Makkabi Wien zur Schau gelangen. Karten sind Im Heim der Zionistischen Bezirkssektion, Stuwerstr 1 (Tr* R 40-1-86L), im Klubheim der „Hakoah**, I., Uraniastr. 2 *Tel. B 51-0-90), Optiker Seidner, I., Kai 33 (Tel. U 28-9-66), Papierhandlung Drimer, I., Schottenring 33 (Tel, A12-7-78), sowie Parfümerie M. Federbusch, XIX., Döblinger Hauptstr. 34 (Tel. A15-9-31), und XIX., Silberg. 7 (Tel. B10-2-60), erhältlich EU

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