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Die Stimme · 1936-04-24 · Heft 542 (24.4.1936) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 542 (24.4.1936)
Date
1936-04-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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V. b. b. Preis 20 % \Stimme MarlonDöulßs in Park-Hotel (3 x fäuten ...Ix Liebe) Uraufführung BURG-KINO Eine CosmopoHtan-Produktion der Warner Bros Nr« 54* Wien, 24« April 1936 2« l|ar 3696 9« Jahrgang Im Namen der Toten! Nach den letzten aus Palästina vorliegenden Meldungen kann man anuehimen, daß dti’ö Ruifoe wieder zurüokkebrt. Das Leben beginnt ■wieder normal zu werden. Der Ausnahimszustand ist nooh nicht aufgehoben, noch stehen an der Straße Tel-Aviv—Jaffa die Militärpo&ten, aber die Omnibusse, die nur kurze Zeit unterbrochen waren, fahren wieder. Der Verkehr ion Lande hat überhaupt nicht gelitten. Aber wenn auch der Alltag in sein früheres Geleise zu rückgekehrt ist, zittert doch die Erregung nach. Fünf Juden sind in Jaffa, 14 in Tel-Aviv ums Leben gekommen. In den Spitälern liegen noch etwa 100 Verwundete; der ganze jüdische Jiscbuw und mit ihm das ganze Volk ist in tiefe Trauer gesenkt. Tel-Aviv trägt schwarzen Fahnenschmuck, auf den jüdischen Dienstgpbäuiden ist die Flagge gesenkt. Hoffentlich ist die äußerliche Liquidierung der Ereignisse nachhaltig. Aber die politische Liquidierung muß jetzt begonnen werden. ' Die Vorfälle sind mit denen des Herbstes 1929 nicht in eine Linie zu stellen. Was sich jetzt vom 17. bis zuim 21. April in Palästina ereignet hat, war traurig genug und hat uns alle erschüttert. Aber die Berichterstattung hat die Tatsachen maßlos auf gebauscht. Aus nationalsozialistischen und kommunistischen Quellen kamen ganze Stöße von Meldungen, die niemals einen palästinensischen Draht gesehen hatten. Da waren in schauriger Romantik Tausende von brennenden Häusern in Jaffa, in Tel-Aviv^ in Haifa, in Jerusalem aufgemait, die „Rciolispost“, die doch etwas Bescheid wissen müßte, ließ sich über das bTonnende Judenviertel von Tel- Aviv und das Judenviertel Hajpiro in Jaffa: berichten, Reuter meldete aus Kairo telephonische Nachrichten aus Jerusalem, in denen gleichfalls die lodernden Flammen von Jaffa aufeehlug’ön. Alles zu dom Zwecke, Panik im Judentum zu’ erzeugen und die Sache so darzustellen, daß ein jüdisch-arabischer Krieg im Gange sei, bei dem natürlich die jüdische Minderheit und damit auch ihre Position in höchster Gefahr sei.. In Wirklichkeit aber hat es sich um zwei Explosionengehandelt: eine am Freitag in Tel-Aviv und eine am Sonntag in Jaffa, die sich dann noch bis Montag erweiterten. Was in Tel- Aviv geschehen ist, war ein unheilvolles Versagen der' Ordnungsgewalh Die _ Menge, die für Gerechtigkeit und Objektivität, demonstrierte, hat ihren Unwillen, darüber bekundet, daß sich' die Reihe der Mordfälle . vergrößert und daß die arabischen Mordbuben nicht gefaßt werden. Die Polizei vermag, t:— in dieser Angelegenheit. Autobusse werden in einer bestimmten Gegend angehalten, die jüdischen Passagiere ausgeraubt und erschossen, die berühmten ■Spurensucher und Hunde werden apgesetzt und dann ist wieder Stille. In der Gegend von Jenin, dem historischen Gilbra,. sind vor einem Jahr bereits arabische Mordbanden festgestellt worden, die neben dem räuberischen auch noch den politischen Beruf hatten, Juden umzubringen. Ihre. Organisation war nach deutschem Muster angelegt, die Leute batten deutsche Gewehre und deutsche Munition. Aber obzwar die Behörde, die auch noch die Ermordung eines jüdischen Polizisten zu bestrafen hatte, dies alles selbst eruierte, ist keine Sicherheit geschaffen worden. Gerade in Jenin ist nooh am letzten Dienstag eine christliche Pilgergesellschaft überfallen worden. Gegen diesen Zustand hatto diie Bevölkerung von Tel-Aviv demonstriert, als sie von dom Leichenbegängnis eines in Tulkarm ermordeten Juden zurückkchrto. Ihre Erregung -ist verständlich und es ist ebenso verständlich, daß ■ sich der Zorn noch steigerte, als man erfuhr, daß noch ein zweites Opfer des Überfalles gestorben war. Es gab das bei solchen Mossenaufztlgon selbstverständliche Gedränge, wohl auch Handgreiflichkeiten, Tätlichkeiten und Widersetzlichkeiten und so krachten plötzlich drei Gewchrsalven auf Befehl eines Offiziers,, der die Nerven verloren hatte... Die Ereignisse in Jaffa "hat die amtliche Mitteilung des Oberkomraissärs genügend aufgeklärt. Eine bösartige Agitation, die von der angeblichen Ermordung zweier Araber in Raanana ausging, führte zu den arabischen Überfällen auf jüdische Passanten, Häuser, Autobusse. Selbstverständlich setzten sich die Juden zur Wehr und auch die Polizei griff ein. Es ist nunmehr wieder Ruhe eingetreten und die Sache geht an die Gerichte. Wir aber müssen nunmehr diese entsetzlichen Ereignisse im Zusammenhang mit der ganzen Lage betrachten. Wir müssen festste! len, daß am Beginn der Affäre ein Ausbruch des beleidigten Rechtsgefühls der Juden von Tel-Aviv gestanden ist. Dieselbe Polizei, die „Illegale“ wie Freiwild verfolgt, peitscht, in die Kerker sperrt, ist nicht in der Lage, gewöhnlichäten Straßenraub abzusteilen und Mordfälle aufzuklären. Das ist die Polizei der Mandatsregierung, die ihrerseits wieder vor den arabischen Großgrundbesitzern und Wucherern kriecht, ihnen durch einen Parlaments'örsatz eine Tribüne für ihre Hetzereien schaffen will, den Juden aber immer nur die kalte Schulter zeigt.. Das- Mandat, an dem diie Zukunft eines in aller Welt verfolgten Volkes hängt, wird in jedem einzelnen Buchstaben verletzt' und verleugnet, weil das die Araber so wollen, deren politische Linie, gegen das Mandat, gegen England, gegen Europa gerichtet ist. Der Oberkommissär berichtet selbst über die Lügenhetz’ö, die in Jaffa betrieben worden ist. In Jaffa hat sich du diesen kritischen Stunden der Mufti von Jerusalem befunden, den man aus den Jahren 1921 und 1929 kennt. Ist seine Tätigkeit überprüft worden? Bei den Vorfällen in Jenin im Vorjahre hat ein Muezzin gestanden, antijüdisahe und antienglische Instruktionen vom Mufti erhalten zu haben. Damals ist weiter nichts veranlaßt worden, der Mufti ist der geschätzte Teegast des Oherkommissärs, der geachtete Verhandlungspartner geblieben, der Führer der Araber, deren Mehrheit durch den Legislative Council festgelegt werden soll, und denen die Bestimmung über Wohl und Wehe der Juden, diie den Reichtum des Landes geschaffen haben, überantwortet werden sollte. Diese Politik ist am Freitag in Tel-Aviv zusamimeogebroohen. Wir aber geben jetzt erst recht an die Arbeit. Der Jiscbuw in Palästina ist nicht in Panik geraten. Er hat die Ruhe gewahrt und wenn da und dort die Absicht beständen hat, das Judentum Palästinas zu taktischen Unklugheiten zu verleiten, so ist dies mißlungen. Das Judentum’ Palästinas weiß, daß Opfer notwendig sind. Der greise Bürgermeister von Tel-Aviv, Di zeug off, hat in seiner erschütternden Leichenrede, in der er von den toten Märtyrern der Freiheit Abschied nahm, gesagt: „Wir haben die Probleme des Aufbaues im Heiligen Lande in Ruhe und Frieden lösen wollen, und nicht wir waren es, die ORBIS @ POLEN Abfahrten s 10. und 24. Mai Anmeldungen: ReisebUro „O R B i S“ I., Kärntncratraße. 41, R 2f-5-79 österreichisches Verkehrs-Büro I., Friedrichstr. 7, B 27-600, I., Graben 20, U 29-0-35 zur Gewalt gegriffen haben. Es sind wieder blutige Opfer gefallen, und es werden vielleicht noch Opfer fallen müssen. Aber wir gaben uns das Versprechen: Die Opfer fallen nicht umsonst. An ihre Stelle treten immer neue Verteidiger Unserer heiligsten Rechte, und solange noch ein Jude lebt, wird er diesen Boden mit seinem Körper verteidigen. Wir werden unsere Arbeit fortsetzen, in Frieden, wenn man es duldet, in Abwehr, wenn man uns zwingt, solange, bis Volk und Land erlöst sind.“ Das. ist die Stimme des Volkes. Die beste Art, in der wir diese letzten und die vielleicht-noch kommenden Attentate abschlagen, ist: Mehr Geld, m eh r M e n - sehen, mehr Boden. Wir weichen vor keinem Terror, wir beugen uns keiner Gewalt. Was wir aber weiter aus den Vorfällen lernen müssen ist, daß wir nunmehr und für alle Zukunft nur unserer eigenen Kraft vertrauen dürfen. ln Palästina wieder Ruhe Aus Jerusalem, 23. April wird der* ..Stimme“ gemeldet: In öffentlichen Kundgebungen der Palästina-RegiCrüng Und der Jewish Agency wird festgestellt, daß jetzt Überall in Palästina Ruhe herrscht und; daß seit den blutigen Ereignissen am Montag zwischen Jaffa und Tel-Aviv und den am Montag in einigen Teilen des Landes vorgekommenen Überfällen auf Verkehrsautobusse ke i n e weiteren Zusammenstöße erfolgt sind. In der Mitteilung der Jewish Agency wird festgestellt, daß die Zwischenfälle auf Jaffa beschränkt blieben und daß im übrigen Land keine Angriffe auf die jüdische Bevölkerung zu verzeichnen waren. Die Jewish Agency stellt weiter fest, daß von jüdischer Seite nichts getan worden sei, was den Arabern einen Anlaß zu einer blutigen Auseinandersetzung hätte geben können; es handelte sich bei den zwei blutigen Angriffen auf die jüdischen Einwohner in Jäffa und in Tel-Aviv um Taten, die durch arabische Agitatoren provoziert wurden; die antijüdische Propaganda gewisser arabischer Kreise sei für das viele vergossene Blut verantwortlich. Vom Gebäude der Jewish Agency in Jerusalem wehen schwarze Fahnen. Auch andere jüdische Institutionen in Jerusalem und Tel-Aviv. haben Trauerfahnen ausgehängt. Der High Commission er Sir Arthur Wauchope erließ eine Kundgebung, in der er ausdrücklich feststellt, daß die Gerüchte, Araber seien von Juden getötet worden — Gerüchte, die den Anlaß zu den Ausschreitungen in Jaffa gaben — erfunden seien. In der Kundgebung wird festgestellt, daß im ganzen übrigen Lande Ruhe herrscht. Amtliche Mitteilung über die Vorfälle Jerusalem, 20. April. Am Sonntag, den 19. April ist in J e r usalem das folgende amtliche Coinmuniquö ausgegeben worden: „Der High Cominissioner muß zu seinem Bedauern mitteilen, daß heute vormittags in Jaffa Unruhen vorkamen, die eine Reihe von Todesfällen zur Folge hatten. Infolge falscher, sofort offiziell dementierter Gerüchte, wonach Araber getötet worden seien, versammelten sich etwa um 11 Uhr vormittags im Stadtteil Manschie in Jaffa Menschenmassen, und es entstanden Unruhen, in deren Verlauf mehrere Überfälle auf Juden gemacht wurden. Die Polizei griff sofort ein und vermochte am frühen Nachmittag die Ordnung wiederherzustellen. Die Behörden sind völlig Herr der Situation. Soweit bekannt, sind folgende Todes, fälle zu verzeichnen: VH., KAISERSTRASSE 123 * IX., AISERSTRASSE 6 7 Juden getötet (inzwischen ist die Ziffer auf 10 gestiegen, 11 schwer und 28 leicht verletzt. 2 Araber getötet, einer schwer und 14 leicht verletzt. Es wurden drei Salven unter direkter Verantwortung des obersten Polizeioffiziers abgefeuert, nachdem zuvor die entsprechende Warnung gegeben worden war, und zwar die eine Salve, als die Menge sich weigerte, sich zu zerstreuen, und zwei Salven zu dem Zwecke, um einen bereits vor sich gehenden Mordüberfall zu verhindern. Der Tod der zwei Araber ist auf die Schüsse zurückzuführen. Als Vorbeugungsmaßnahme wurde der A. u s n a b m e z u s t a n d proklamiert, der den High Commissioner ermächtigt, Notstandsverordnungen in Kraft zu setzen. Für Jaffa und Tel-Aviv wurde angeordnet, daß die Einwohner zwischen 7 Uhr abends und 5 Uhr früh in den Häusern sein müssen. In anderen Teilen des Landes sind keine Zwischenfälle vorgekommen.“ Welzmann bei Wauchope Tel-Aviv, 23. April. Präsident Weizmann hatte gestern eine längere Unterredung mit dem Oberkommissär Wauchope. Der Oberkominissär versicherte, daß die Ruhe und Ordnung im ganzen Land aufrechterhalten wird. Bei -dieser Gelegenheit sprach Wauchope der jüdischen Bevölkerung seine Anerkennung dafür aus, daß sie ihre Haltung bewahrt und rieh keiner Panik hingegeben hat. Liste der gefallenen Juden Tel-Aviv, 23. April. Bis jetzt sind folgende Namen der jüdischen Todesopfer des arabischen Aufruhrs am Sonntag bekanntgeworden: Der 25jährige Jisrael Przygoda, ein Advokaturskanzlist; der 40jährige Eliezer Bistszycki, Fabrikant; Shitkowicz; der Maurer Chaim Kornfeld, geltet auf seinem Arbeitsplatz in Jaffa; Mordechai . F r i edmann, Schüler aus Mikweh Jisrael; David Schmakadal, Elektromonteur, getötet auf seinem Arbeitsplatz in Jaffa; Chaim Sztszegoda; Israel Frankel; Chaim Chazkewitsch; Schlomo Marson; Selig Lewinsohn aus der Tel-Aviver Vorstand-Schechunat-Tikwa; der 60jährige Jehuda S i m a n t o r; der 36jährige Chaim K 1 s c h l e r; der jemenitische Jude Schlomo G a r b i. Die Polizei konnte den Araber, der Eliezer Bistszycki ermordet hat, feststeilen und verhaften. Nach amtlicher Mitteilung sind 18 Juden und 10 Araber getötet worden. Verwundet sind 53 Juden, davon sieben schwer, und 56 Araber. —»»äk*- -r.-fiölPB*—'•

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