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Die Stimme · 1936-04-21 · Heft 541 (21.4.1936) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 541 (21.4.1936)
Date
1936-04-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
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V. b. b. Preis 20 £ 9* Jahrgang Wien, gl. April 1936 2f. Nltaan 5696 Nr. 541 5Stimmet JÜDISCHE ZEITUNG Schwere Unruhen in Palästina Das ist also das Ergebnis der englischen | Mandatspolitik: blutige Zusammenstöße an verschiedenen Punkten Palästinas, Verhängung des Alarmzußtandes, Einsetzung, des Militärs... Die Nachrichten, die bis zur Stunde vorliegen, geben keine genügende Klarheit über die unmittelbaren Anlässe zu den Zusammenstößen, die mit Kundgebungen in Tel-Aviv begonnen zu haben scheinen, die sich dann auf Haifa und Jaffa ausgedehnt haben. * Ira englischen Unterhaus hat vor Monatsfrist der Kolonienminister erklärt, daß fiir den Fall des Scheiterns .des Rats-Projektes mit ernsten Ruhestörungen zu rechnen wäre-. Diese Äußerung ist als Spiel init dem Feuer und als ein Zeichen' der Schwäche der Mandatsregierung auf gef aßt worden, zugleich aber auch als eine politische U n k 1 u g h e i t,, die gewissen verhetzten Kreisen der Araber als eine gewichtige. Ermunterung dienen könnte. (Leider hat sich diese .Meinung bestätigt. Unter den Arabern Palästinas arbeiten nicht bloß die nationalistischem Extremisten, sondern' auch aus dem Dritten Reich entsendete Agenten, die einerseits antienglisch, anderseits antijüdisch wirken. Die Politik Englands, die auf ein schrittweises Zuriickweichen vor der arabischen Agitation eingerichtet ist, hat schwere Schuld auf sich geladen, indem sie das ruhige, nur auf Aufbau. und Arbeit eingej stellte jüdische Element vernachlässigt und| zurück drängen will. England ist gegen das Unwesen der arabischen Mordorganisationen zu schwach eingesohritten, deren Gefährlichkeit durch die Vorfälle bei Jenin (Gilboa) erwiesen wurde, und auch die Untersuchung wegen der Überfälle bei Nablus und im der Nähe von Haifa ist sehr lax geführt worden. Dies im Zusammenhang mit dem unnötig heraufbesohworenen Konflikt wegen des Gesetzgebenden Rates und des, Bodenv er k a ufsverbotes hat eine Situation geschaffen, im der auch ein geringfügiger Anlaß genügt, um einen schweren .Brand zu erzeugen und solche Maßnahmen, wie die Proklamiierung des Alarmzustandee, herbeizuführön. Sicherlich wird die Regierung jetzt alle ihre Machtmittel einsetzen, um Ruhe und Ordnung wiederherzustellen. Aber es ist notwendig, daß die volle Verantwortlichkeit für die Vorfälle festgestellt wird und daß insbesondere über die Ereignisse in Tel- Aviv, wo neun Personen ums Leben gekommen sind, viele schwer verwundet wurden, Aufklärung gegeben wird. Die englische Regierung wird aber auch dazu gebracht werden müssen, die Linie ihrer Politik zu ändern und den lichtscheuen Hetzern den Willen zu zeigeD, das Mandat zu erfüllen. Auf der jüdischen Seite wird aber alles daramgesetzt werden müssen, alle trennenden Parteiunterschiede auszurotten und eine geschlossene Front zu bilden, die die ungestörte < Einwanderung und Festsetzung im Lande sichert. Das ganze jüdische Volk ist in tiefe Trauer versetzt. Wieder sind Blutopfer auf dem Wege zu beklagen, und sie mußten, in Palästina gebracht werden. Den Familien dieser Märtyrer der jüdischen Freiheit wendet sieh das Mitgefühl der ganzen Nation zu. die entschlossen ist das Andenken der Toten durch vermehrte und verdoppelte Arbeit zu ehren. Die uns bisher vorliegenden Meldungen besagen: Der Beginn der Unruhen in Tel-Aviv; Tel-Aviv, 18. April. Heute yormittags fand hier das Leichenbegängnis des am Donnerstag bei Tul- Kerem von Arabern ermordeten Einwanderers aus Saloniki, Israel C h a s a n, statt. Auf dem Friedhof hatten sich Tausende von Menschen eingefunden, um dem Ermordeten die letzte Ehre zu erweisen. Nach . dem Leichenbegängnis bildete sieh ein r i esiger Zug von Demonstranten, die zunächst zur großen Synagoge zogen. Dort hielt ein junger Mann aus Saloniki eine Rede, in der er die Versammelten aufforderte, nach Jaffa zu ziehen. Von dort gingen die Leute zum Gemeindeamt. Vom Balkon des Rathauses richteten der Vizebürgermeister Ing. R o k e a c h und das Präsidialmitglied Dow-Hoss beruhigende Ansprachen an die Menge. Sie erklärten, eie fühlten sich eins mit den Leidtragenden und würden dafür sorgen, daß trotz des traurigen Vorfalles die Einwanderung und der Aufbau Palästinas nicht gestört würden. In diesem Sinne würden die Interventionen bei der Regierung erfolgen. Eine inzwischen eingetroffene Polizeia b t e i 1 u n g forderte die Menge aqf, gich zuentfernen." Es entstand ein riesiger Tumult. Es wurden; Steine, geworfen und die Polizei, machte , von den Gummiknütteln Gebrauch. Dann wurde nichtjüdische Polizei eingesetzt, die mit beispielloser Roheit vorging und mehrere Salven abgab. Dreißig Personen wurden verwundet, unter ihnen auch der Redakteur des Haaretz“, S a m e t. Ein junger Mann, der die mit Trauer umflorte Fahne eines zionistischen Vereines trug, wurde derart geschlagen, daß er bewußtlos liegen bl i e b. Die Demonstrationen dauerten an verschiedenen Punkten der Stadt fort Man rief: „W e n n uns die Polizei nicht schützen kann, so werden wir uns selbst schützen.“ Die Aufregung in der Stadt wuchs noch, als bekannt wurde, daß im Krankenhaus auch ein zweiter bei Tul-Kerem verwundeter Siedler namens Zwi Tannenberg aus Tel-Aviv gestorben war. Es kam wieder zu Zusammenstößen mit. der Polizei, wobei auch jüdische Polizisten durch Steinwürfe verletzt wurden. Drei Gewehrsalven Die United Press meldet aus Jerusalem, 20, April. Im Laufe des gestrigen Tages ist es in Palästina wiederum zu blutigen Kämpfen zwischen Juden und Arabern gekommen, die bisher neun Todesopfer gefordert haben. 55 Personen wurden bei den Unruhen verletzt. Sieben der Getöteten sind Juden, zwei Araber. Über die Städte Jaffa und Tel-Aviv wurde gestern abends um 7 Uhr der kleine Belagerungszustand verhängt. Starko Polizeiabteilungen patrouillierten die ganzo Nacht über durch die Straßen der beiden Städte, in denen die Juden einen großen Teil der Bevölkerung ausmachen. Ein amtliches Coramuniqud besagt, daß drei Gewehrsalven abgegeben worden seien, um den mörderischen Angriffen Einhalt zu gebieten. Es wird nicht raitgeteilt, von welcher Seite die Angriffe ausgegangen sind. Unter der jüdischen Bevölkerung brach eine Panik aus, als die Araber sich nach Tel-Aviv in Marsch setzte n, um dort die Kämpfe gegen die Juden, fortzusetzen. Auf ihrem Wege dorthin hielten die Araber jüdische Autobusse an, von denen sie drei in Brand steckten. Ein Berichterstatter der United Press, der im Auto von Haifa kam, wurde vor der Weiterfahrt gewarnt. Er setzte die Fahrt trotzdem fort, und dicht hinter Jenin, das etwa 100 Kilometer nördlich von Jerusalem gelegen ist, wurde sein Wagen mit einem Steinhagel überschüttet. Der Korrespondent selbst wurde verletzt. In den späten Abendstunden war noch kein Nachlassen der Spannung zwischen der jüdischen und der arabischen Bevölkerung zu beobachten. 12 Tote Aus London, 20. April, meldet die Telegraphen-Kpmpanie: Wie aus Jerusalem gemeldet wird, haben neue Zusammenstöße zwischen Arabern und Juden Sonntag abends zu einer förmlichen Schlacht auf der Straße z wi s c h e n Ja f f a und Tel-Aviv und zum Eingreifen englischer Truppen geführt, nachdem die verfügbaren englischen Polizeikräfte sich vergeblich bemüht hatten, die Ordnung wiederherzustellen. Zugleich mit dem Einmarsch einer schottischen Kompagnie in Jaffa wurde in dieser Stadt sowie in Tel-Aviv der Belagerungszustand aussrernfon. Sämtliche Läden in Tel-Aviv sind geschlossen. Das Telephonamt pteht unter militärischer Bewachung. Bei den Zusammenstößen wurden neun Juden und drei Araber getötet. Außerdem erlitten 40 Juden und 15 Araber schwere Verletzungen. Alarmzusfand Paris, 19. April. Die . „A g e n c e Havas“ meldet aus Kairo: Nach den aus Palästina hier eingegangenen Nachrichten hatten die Zusammenstöße, die in mehreren Orten in Palästina zwischen Arabern und Juden stattfanden, einen sehr ernsten Charakter. Die Hauptzusammenstöße ereigneten sich in Haifa, wo vier Juden und zwei A ru. b e r g e t ö t e t wurden. Ein Offizier der englischen Polizei wurde schwer verwundet. Die Geschäfte der Stadt haben geschlossen. Der gesamte Handel liegt still. Der Unmut in der Bevölkerung nimmt zu. Die Bewegung droht auf Tel-Aviv überzugreifen, wo man Repressalien seitens der mohammedanischen Elemente gegen die jüdische Bevölkerung befürchtet. (Dies ist unverständlich, da es in Tel-Aviv kaum eine mohammedanische Bevölkerung gibt. — Red.) Die Behörden von Palästina haben den Alarmzustand verhängt. Zusammenstöße In Jaffa? Paris, 19. April. Wie in den Abendstunden aus Jerusalem gemeldet wird, haben sich in Jaffa blutige Zusammenstöße zwischen Juden und Arabern ereignet, wobei mehrere Personen getötet worden sein sollen. Die Behörden haben Militär zu Hilfe, gerufen. Die Lage gilt als sehr ernst. Der Mord in Nablus Die Kundgebungen in Tel-Aviv wurden, wie oben mitgeteilt, durch die Ermordung eines Juden bei Nablus ausgelöst Die Palcor meldet über diesen Vorfall: Ein frecher Straßenraub wurde gestern abends auf der Straße T u 1 k a r ra—N a b- 1 u die von der Jerusalemstraße abgeht, verübt Ein griechischer Jude wurde getötet, einer schwer und ein anderer leicht verwundet. Die Verbrecher raubten ihre Opfer erst aus und gaben dann Schüsse auf sie ab. Im ganzen wurden zehn Fahrzeuge aufgehalten; Ein arabischer Versuchsballon Aus Jerusalem meldet die JTA.: Die arabische Zeitung „Al Liwa“ bringt in sensationeller Aufmachung die Mitteilung, daß Professor W e i z m a n n einen Brief an den High Commissioner Sir Arthur W a u c h o p o gerichtet habe, in dem er die Bedingungen für die Annahme des Legislative Council durch die Juden bekanntgibt. Diese Bedingungen sollen nach „Al Liwa“ sein: 1. Legalisierung der illegalen Einwanderer vor den Wahlen zum Council. 2. Jüdische Einwanderung in den nächsten fünf Jahren von mindestens 50.000 jährlich. 3. Kontrolle der Kapitalisten-Einwanderung durch, die Jewish-Agency. 4. Jüdische Siedlung in Transjordanien. 5. Verringerung der Zahl der nominierten Mitglieder und Erhöhung der Zahl der Vertreter des Handels; die Gesamtzahl der Council-Mitglieder soll auf 24 reduziert werden, von denen 11 Juden sein sollen. 6. Wahl auf Grund individueller anstatt allgemeiner Kandidatenliste. 7. Verteilung der öffentlichen Arbeiten gemäß MacDonald-Brief. 8. Rassische und nationale Fragen sollen vom Legislative Council nicht erörtert werden. Eine offizielle Bestätigung oder ein Dementi dieses Berichts von „El Liwa“ ist bisher nicht erfolgt. Wie die JTA. erfährt, hat Prof. Weizmann bei seinem letzten Besuch beim High Commissioner am 13. April neuerlich die Opposition der Juden gegen den Council nachdrücklich betont. Der Brief erftmden Die Jewish Agency erklärt offiziell, d a ß der von „El Liwa“ veröffentlichte Brief Weizmanns jeder Grundlage entbehrt. Zwischen Weizmann und Wauchope hat eine weitere Diskussion über den gesetzgebenden Rat nicht stattgefunden. Die arabische London-Delegation In London verlautet, daß die Partei des Großmufti beschlossen habe, einer Schaffung des Legislative Council zuzustimmen, wenn die Regierung einige ihrer Vorschläge im Sinne der Forderungen der Araber verbessern werde. Hinsichtlich der Zusammensetzung der arabischen Delegation zum Colonial Office wird ein heftiger Kampf der verschiedenen arabischen Pa r t e i e n. erwartet. Während Nash a sh i bi, der als Gegner des Mufti bekantat ist, an der Delegation teilnehmen soll, hat Au.ni Abdul Hadi, der für Noneooperation eintritt, die Teilnahme abgelehnt. Wie die JTA erfährt, beabsichtigt auch der Mufti, von einer Teilnahme an der Delegation Abstand zu nehmen. weitere Passagiere wurden jedoch nicht tätlich angegriffen, sondern nur ausgeraubt. In Tel-Aviv ist am Freitag auch der zweite Schwerverwundete, Zwi Tannenberg, gestorben. Truppen- Verstärkungen London, 20. April. (Privat.) Zur Sicherung der Ruhe in Haifa sind englische Truppenverstärkungen abgegangen. Die aus Tel-Aviv einlangenden Meldungen lauten beruhigend. Die Verbindungen zwischen Tel-Aviv und Jaffa sind unterbrochen. Die Behörden haben einen Aufruf erlassen, in dem zur Ruhe ermahnt wird. Bei den Zusammenstößen in Tel-Aviv wurden neun Juden getötet, zehn schwer und 29 leicht verletzt. Unruhen in Syrien Paris, 20. April. (Privat.) In Syrien sind neue Unruhen ausgebrochen. Französische Truppen, Flugzeuge und Artilleriematerial sind in Bairuth eingetroffen. In der syrischen Bevölkerung herrscht starke Erregung; man zeigt sich über die neuen Maßnahmen beunruhigt, weil die gegenwärtige syrische Abordnung in Paris mit dem französischen Außenministerium über die Proklamation der Unabhängigkeit des Landes unter französischem Mandat verhandelt. Zwischen den Truppen und der Bevölkerung in Damaskus und Aleppo soll es zu blutigen Zusammenstößen gekommen sein. sere Leser nur: er Fahrschulen Wien, VIII., Neudeggerg. 18 Tel. B 46-5-72 undlnxersdorf (Nleder-Österrdich) PrUfungserleichterung,durch!! Laufendes Auto im Lehrsaal!! •V :!!- ■’h ■; j.!;|

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