Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 536 (31.3.1936)
- Date
- 1936-03-31
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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leite 4 Ml 8TIMMI Nr. 536 — 81. Märt 1086 möglich, an dieser Stelle einen detaillierten Lehrplan zu bringen. Es darf nicht vergessen werden, daß unsere Schule nicht in einer jüdischen Umwelt existiert und daß daher fremde Einflüsse in uns wirksam sind. Unter voller Berücksichtigung der vaterländischen Belange muß die Tendenz der Schule aber so gerichtet sein, daß in ihr das Jüdische stofflidi und empfindungsmäßig im Mittelpunkte steht. Die Erarbeitung und Vertiefung der religiösen Begriffe, welche auch dem übrigen Unterrichte ihren Stempel aufdrücken sollen, vermag die Atmosphäre zu schaffen, die es jedem Kinde ohne viele Worte deutlich macht, daß die Wahl getroffen ist, die lautet: „J ti d i s ch-S e in!“ In vornehmlichster Weise führt zu diesem Ziele: die Feiern und Feste, die in der Schule gestaltet werden und die Durchdringung des gesamten Unterrichtsstoffes mit jüdischen religiösen Werten. Mit anderen Worten, der gesamte Unterrichtsstoff muß sich um diese fundamentalen Werte aufbauen. Das besagt gewiß keine Vernachlässigung der allgemeinen Bildungsgrundlagen, di e in d e r j ü dis c h e n S c h u 1 e mit gleicher Intensität wie anderwärts gepflegt werden sollen, •bedeutet aber eine Verschiebung des psychologischen Schwerpunktes, der für den Charakter jeder Schule ausschlaggebend ist. Es muß sich die Erkenntnis Bahn brechen, daß das jüdische Wissensgebiet in unserer Schule als durchaus gleichwertiger Partner an die Seite der allgemeinen Wissensgebiete zu treten hat. Dieses prinzipielle Bekenntnis zur Art und Form der jüdischen Schule sollte dem wahrhaft jüdisch denkenden Menschen für die Beantwortung der Frage „In welche Schule schicke ich mein Kind?“ entscheidend sein. Anekdoten des Raw Fishman Rmv F i s hm an, der vorige Woche in Wien gesprochen hat, gehört zu den witzigsten Rednern, Seine Vorträge würzt er mit zahllosen Anekdoten und Gleichnissen, die em Problem oft besser erfassen und ausdrücken, als manche lange Auseinandersetzung. Wir bringen hier Proben des Fishmanschen Witzes aus seiner letzten Wiener Rede, aufgezeichnet von Zizchak Teit eibau m. * Fishman, sprach vom Sprachenproblem in Erez Israel. Schalom Asch, erzählt er, war immer ein Anhänger des Jiddischen, das für ihn die natürliche Sprache des Juden war. Als er einmal mit einem hebräischen Lehrer über dieses Problem diskutierte, wurde schließlich eine Wette geschlossen: Asch wird einen Buben hinterrücks am Ohr nehmen. Wie würde der Bub reagieren? Asch meinte, er werde jiddisch ,Jtamme“ schreien, der Lehrer sagte, er würde hebräisch „Imma“ rufen. Es kam zur Tat. Ein spielender Bub wurde von Asch ins Öhr gezwickt. Der drehte sich um und, den unbekannten großen Mann vor sich sehend, schrie er ihn an: „Chamor!u Das ist aber bekanntlich hebräisch' und heißt — Esel. * Regel ableiteu zu wollen, wie der Über-Esra Hichler es tut. Noob schlimmer aber, ja geradezu verbrecherisch ist die v e r z e r r te „dichterische“ Darstellung, die in diesem Stück den Juden zuteil wird. Eine nichtjüdische Dame im Publikum empfand das Stück als antisemitisch und hatte mit ihrem Gefühl nicht unrecht. Die Juden kommen hier außerordentlich schlecht weg: sie sind allesamt kaltherzig, materialistisch, unehrenhaft, superintellektuell, der Natur entfremdet — Goebbels müßte einen Gefallen an diesem Stücke finden! Selbst Dr. Werner, der „Held“, ist doch nur ein hypernervöser, sentimentaler, leicht aufbrausender Schwächling, er liebt fast krankhaft die Nichtjuden, ja, er vergöttert sie, weil sie so grad und ehrlich, so echt und natürlich sind (im Gegensätze zu den Juden!). Aus jüdischem Selbsthaß ist unversehens eine Giftstaude emporgeschossen ... Das Problem der Liebe zwischen Juden und Nichtjuden dramatisch zu bewältigen, ist selbst Gerhart Hauptmann der Vorkriegszeit nicht geglückt — es harrt noch des weltumfassenden Dramatikers. Hichler aber hat sich, unbekümmert um das Ansehen des Judentums und um die Gesetze künstlerischen Schaffens, skrupellos eines Stoffes bemächtigt, der nach einem Meister schreit: er hat daraus eine traurige Farce gemacht! A. W. Das von der Zionistischen Bezirkssektion Leopoldstadt zu Ehren des Vizepräsidenten der Kultusgemeinde Rat der Stadt Wien Dr. Jakob Ehrlich für Donnerstag, den t April, im Festsaal „Continental“ anberaumte Bankett muß wegen eines Todesfalles in der Familie Dr. Ehrlichs entfallen. Aktion „Rettet d ic Jugend,/ Die von une eingeleitete Aktion hat I einen starken Widerhall gefunden. Wir ver-' öffentlichen nachstehend einige weitere Spende nketten. Dr. Alfred Löwy antwortet auf die Aufforderung Dr. Grünbaums mit S 5.— und lädt zu Spenden ein: 1. Dr. Paul Brach. 2. Dr. Paul Schönbaum. 3. Dr. Paul Eichenwald. 4. Dr. Josef Weidenfeld. 5. Apotheker J. Groß. 6. David Kleiner. 7. Dt. Oskar Stein. 8. Apotheker Dr. J. Becker. 9. Oberfinanzrat Dr. Hugo Benedikt. 10. General Emil Sommer. Karl Rephan antwortet auf die Aufforderungen Dr. Grünbaums mit S 3.— und lädt zu Spenden ein: 1. Dr. Leo Goldhammer, 2. Dr. Georg Weiner. 3. Dr. Siegmund Finkelstem. 4. Prof. Dr. Wilhelm Stein. 5. Prof. Dr. Berthold Löwenfeld. 6. Prof. Dr. K. Kupfer. 7. Rabbiner Dr. M. G. Mehrer. 8. Simon Picker. 9. Siegfried Stiaßny. 10. Dr. Paul Brüll. 11. Josef Hirsch. 12. Arnold Kerpen. 13. Saul Langberg. 14. David Rachmuth. 15. Dr. Erich Singer. 16. Oberkantor Samuel Neubauer. 17. Dr. Samuel Singer. 18. Dr. Max Stemsckuß. 19. Dr. Gustav Morgenstern. 20. Oberrabbiner Prof. Dr. Heinrich Weiß. 20. Dr. Leopold Bauer. Herr Isidor Weinreb antwortet auf die Aufforderung Dr. Grünbaums mit S 5.— und lädt zu Spenden ein: 1. Simon Friedländer. 2. Emil Friedländer. 3. Elias Friedländer. 4. Ing. Hermann Schiller. 5. Direktor Adolf Terner. 6. Nandor Lustig. 7. Erich Röger. 8. Leo Linker. 9. Ossias Fisohbach. 10. Langer und Co. 11. Sinai & Cohn. 12. Schein & Co. 13. Haasz & Co. 14. Rothmüller, Läufer & Co. 15. Mendel & Schönach, 16. Mährischl & Klauber. 17. Gebrüder Weinstock. 18. Markus Salzer. 19. Brüder Bänder. 20. Liftik und Prinz. 21. Jakob Wittei«. 22. A. Grünspan. 23. Brüder Seidler. 24. Brüder Donner. 25. Kleiner & Bruder. 26. Dickstein & Co. 27. I. Buxbaum. 28. Robinsohn, Rubin & Kallwill. 29. Holzer & Ra ko wer. 30. Leopold Selmeczi & Sohn. EREZISRAEL In elf Jahren wird in Erez Israel der 50jährige Bestand der Zionistischen Organisation festlich begangen werden. Ein Kolonist hat vor ewa 40 Jahren einige hundert Flaschen Wem vergraben, die er im Jubeljahr verschenken will. Der Mann kann es nicht erwarten, daß er seinen Wein los werde. Hunderttausende werden an dem Fest teilnehmen und es arbeiten schon jetzt Beamte der Jewish Agency an der Aufstellung der Listen jener Juden, die mit dem Schechel oder mit Spenden am Aufbau Erez Israels teilgenommen haben. Die Kinder Erez Israel werden in diesen Liefen die Kamen ihrer Eltern suchen und sie werden segnen, dessen Kamen sie finden, sie werden aber verfluchen, dessen Kamen sie nicht finden. „Beeilt euch', schloß Fishman, „das Ihr dann unter den Gesegneten seid und nicht unter den Verfluchten!" Der Fall Hichler Das fünfaktige Wiener Stück „Mischehe“ von Leopold Hichler, da« in den Karnmerspielen (zum großen Teil von jüdischen Schauspielern) aufgeführt wird, kann nur denjenigen in «einen Erwartungen enttäuschen, der die beiden bereits vorliegenden Wiener Judenromane des Autors nicht kennt. Hichler hat findiger- und sündigerweiise ein Problem von unerhörter Wichtigkeit und Aktualität: das eheliche Zusammenleben von Juden und Nichtjuden derart leichtfertig „gelöst“ („Was fremd Ist, gehört nicht zusammen!“)» daß auch skeptische Beurteiler der Miechehe es für töricht Der Untergang von Sodom und Gomorrha Der technische Leiter der Kali- Werke am Toten Meer, Ing. M. A. Novomeysky, hielt im Anglo-Palestine Club in London einen aufschlußreichen Vortrag über die Mineralschätze des Toten Meeres und ihre Gewinnung. Das Tote Meer ist im Zuge einer Schichtverlagerung entstanden, die unter gewaltigen Erdbeben einen von der Gegend des Tanganyikasees in Afrika bis nach Kleinasien reichenden Riß bewirkte. Es gibt genügend wissenschaftliches Material zur Erhärtung der biblischen Geschichte vom Untergang Sodom« und Gomorrhas. Die neuesten geologischen Untersuchungen haben erwiesen, daß Sodom und Gomorrha am Südende des heutigen Toten Meeres lagen. Die Asphaltdämpfe, die bei dem katastrophalen Erdriß aufgestiegen sein müssen, können außerordentliche Höhen erreicht und sich wolkenartig zueammengeballt haben. In dem biblischen Bericht von dem Feuer- und Schwefelregen über den beiden Städten ist offenbar Me Erinnerung an die Schwefelschwaden aufbewahrt, die bei dieser Naturkatastrophe auftraten. Der Untergang der Städte muß vom Hermon aus zu sehen gewesen sein. Die Schätze des Toten Meeres Nachfolgende Erdbeben haben den Riß weiter vertieft. Heute wird das Tote Meer zu 75 Prozent durch das Wasser des Jordan aufgefüllt. Das übrige Wasser stammt aus anderen Zuflüssen, darunter auch unter- Jordan zugeführt, in dem diese Salze in nach der Jahreszeit wechselnder Konzentration elöst sind. Die Zuflüsse des Tiberias-Sees aben wenig MiDeralbestandteile, dagegen wächst der Salzgehalt des Jordans nach dem Ausfluß des Tiberias-Sees und Aufnahme der Thermalquellen von Tiberias auf 28 Prozent. Bei dem Lauf durch das Jordan-Tal wird das Flußwasser weiter mit Salzen angereichert. Der Salzgehalt des Toten Meeres ist siebenmal größer als der des Mittelländichen Meeres und erreicht fast den Sättigungsgrad. Diese Konzentration herrscht in allen Wasserschichten des 1300 Fuß tiefen Sees. Seine Mineralschäfcze sind somit unerschöpflich. Gewisse Salze sind in solchen Mengen vorhanden, daß sie für den Weltbedarf von Hunderttausenden von Jahren ausreichen. Zum Schluß beschrieb der Vortragende im einzelnen die Gewinnungsmethoden und betonte, daß zu den Endprodukten die wichtigsten Düngemittel, Phosphate, Salpeter und Kali, gehören, die in der ganzen Welt Absatz finden. Führend in der Verwendung künstlicher Düngemittel ist Holland. England verbraucht jetzt zwar dreimal mehr an Kunstdünger als bis vor kurzem, trotzdem beträgt der englische Verbrauch erst ein Sechstel des holländischen. Friedliche Arbeit mit den Arabern In den Werken am Nordufer des Sees] sind etwa 150 Araber und 250 Juden beschäftigt. Bei den Werken, dio jetzt am Südendo des Sees errichtet worden, sind vorwiegend arabische Arbeiter beduinischer Herkunft beschäftigt Bemerkenswert ist, daß e« niemals zu irgend welchen Streitigkeiten zwischen jüdischen und arabischen oder beduinischon Arbeitern gekommen ist, obwohl es wiederholt Auseinandersetzungen und unberechtigt erachten, aus einem weder irdischen am Ostufer und heißen Quellen. Der Mineralreichtum des Toten Meeres wird tHßteelttft typefe MftgQn&fifin JBlUgftltoti littijtaa mit Ausnahme der Bromide duroh zwischen Juden untereinander einerseits und Arabern untereinander anderseits gab. Im nördlichen Betrieb sind alle Arbeiter gut untergebracht, zufrieden und leben gut mit^ einander. Dasselbe ist im Süden der Fall. Die dortigen beduinischen Arbeiter benützen allerdings ihr Ersparnisse dazu, sich eine Frau und dazu ein Gewehr, Munition und ein Kamel zu kaufen. 20.000 neue jüdische Intensivwirtschaften Aus Jerusalem, 25. März, wird gemeldet: Mosche S m i 1 a n s k i, der Präsident des Jüdischen Kolonistenverbandes, arbeitete einen Plan aus, der die Schaffung von 20.000 neuen jüdischen Intensiv-Wirtschaften auf nationalem Boden in Palästina vorsieht. Es gibt, abgesehen von städtischem Boden, rund 1,250.000 Dunam landwirtschaftlichen Bodens, von dem mindestens eine Million sich für intensive Bearbeitung eignet, aber nur 150.000 Dunam intensiv bewirtschaftet werden. Die restlichen 850.000 Dunam harren noch der intensiven „Erlösung“. Davon kann man rund 500.000 Dunam für neue Kolonisation reservieren und auf diesem Boden 20.000 Wirtschaften zu je 25 Dunam intensiv bewirtschaften. Die Landwirtschaft heute müsse rationell sein, sonst hat sie keine Existenzberechtigung. Smilanski schlägt vor, daß der Boden für private Kolonisation parzelliert wird; jeder Wirtschaft sollen die nötigen Bauten und ein gutes Bewässerungssystem zur Verfügung gestellt werden. Der Boden soll ein nationaler, das heißt dem Keren Kajemeth unterstellt, sein. Ein großes Pinanzinstitut soll die Finanzierung inne haben. Die Häuser sollen an die Kolonisation zu einem entsprechenden Preis vermietet werden, so daß der Kolonist von der Investierung toten Kapitals befreit ist. Eine spezielle Gesellschaft für Wasserbau soll die Bewässerung zentral durchführen. Auf diese Weise werde jene neue große Kolonisation durchgeführt werden können, auf die das Land und das Volk warten. All-zionistische Konferenz in Palästina Aut» Jerusalem, 26. d., meldet Paleor: Eine Partei-Konferenz aller zionistischer Parteien in Palästina wurde gestern durch die Exekutive der Jewish Agency einbemfen. E« wurde beschlossen, einen vorbereitenden Council am 19. April abzulialten, der aus den Vertretern der Parteien und den Palästina-Delegierten de« Kongresses bestehen soll, um einen Plan für eine Vereinigte Zionistische Federation in Palästina zu entwerfen und die Wahlen für eineall-zionistis.che nationale Konferenz, die sich mit der jüdischen Weltlage und anderen wichtigen Fragen beschäftigen soll, vorzubereiten. Neill Malcolm in Palästina Jerusalem, 26. März. (Z. T. A.) Der Oberkommissar des Völkerbundes für die deutschen Flüchtlinge, General Sir Neill Malcolm, traf in Palästina ein. Zu Besuch in Palästina weilt jetzt der geschäftsführende Präsident der Reichs Vertretung der Juden in Deutschland, Dr. Otto Hirsch. Jüdische Kinder in Erez Israel In der Brandusschen Verlagsbuchhandlung, Berlin, erschien kürzlich ein Photobuch von Nachum Gidal. Es enthält 20 wundervolle Photos von Kindern aus Palästina. Das blühende, glückliche Erez Israel spiegelt sich in diesen 20 künstlerischen Bildern, von denen keines „gestellt“ ist. Das Vorwort von Bertha-Badt-Strauß ist ein feinsinniges Essay über das Kinderproblem in Palästina. Dieses Photobuch verkündet besser als dicke Bücher den Segen des zionistischen Aufbauwerkes. Vereinigung Transjordaniens mit Syrien? Wie der Pariser „Excelsior“ aus J e r usalem meldet, habe der Emir des englischen Mandatsgebietes Transjordanien A bd u 11 a h, der ältesto Bruder des verstorbenen Königs Feisal, an dio britischen Behörden die Aufforderung gerichtet, das unter französischem Mandat stehende Syrien mit Transjordanien zu einem unahh ä n g ig o n Staat zu v e r e ini g o u. Die englische Regierung möge Frankreich bewegen, diesem Plan zuzustimmen. In Paris ist dieser Tage eine Abordnung der syrischen nationalistischen Opposition eingetroffen, um ihre Forderungen der freuzößisebem Regierung vorzulegeu,