Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1936-03-27 · Heft 535 (27.3.1936) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 535 (27.3.1936)
Date
1936-03-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3053752-3054243-3054291--5773-3061546
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Frei« didftr Nummer 3W g Vs b. b. Großes Preisausschreiben der „Stimme“! Näheres Seite 3 JÜDISCHE ZEITUNG m Außerordentliche Ermäßigungen nach PAUKSTINA DiirimiAlcnn ■ Hinfahrt bis 31. März 1936, rUNimeiMJn . Rü^fahrt bis 31. Mai 1936, mit 50%, bezw. 30% Ermäßigung von $ 350.— aufwärts auf Hin- und Rückfahrkarten. Frühlingsreisen 23. Mai 1936, Rückfahrt bis 24. Juni 1936, mit 50% Ermäßigung auf Hin- und Rückfahrkarten von S 250.— aufwärts/ mit 20% Ermäßigung auf einfache Hinfahrt von S 200.— aufwärts. Auskünfte: Generalagentur Wien, 1. Bezirk, Kärntnerring 6, Teleplion-Nr. U 47-5-60, und in allen Reisebüros Nr. 535 { Wien, 17- März <936 Redaktion und Administration: Wien. I, Marc-Aural-8traBo 5. Toi.: U 22-3-91. RodaktionssehluO Montag und Mlttwooh vorm. I (4. Nissan $696) | 9« Jahrgang Jeden Sonntag ,Francopol'-Sonderfahrten nach Polen und Czernowitz Rückfahrten 15., 21. April, 5 u 19. Mai 1936 Spezielle Ermäßigung: 14 Tage Rundreisekarten In gans Polen nurS 50*- „Francopol“, Iü., Schwarzenbergpl. 7,Tel.: ü 16-4-90; „Cedok“, I., Kärntnerslraße Nr. 32, Tel.: R 23-4-88; „GerngroB“, Vü., Mariahilferstr. 42, Tel.: B 38-2-68. Unterhaus und Palästina Nun haben Oberhaus und Unterhaus zu der Palästinapolitik der englischen Regie rung Stellung genominen. In keinem der beiden Häuser hat sich ein Verteidiger der neuen Praxis gefunden. Es ist ein hohes und bedeutungsvolles Zeichen politischer Ein eicht, daß die Redner aller Parteien ausnahmslos den Standpunkt der Juden akzeptierten. Es sind drei Dinge, gegen die eich dae ge samte Judentum wenden muß: Der Plan des Gesetzgebenden Rates mit seinem Verhältnis von 7 Juden zu 11 Arabern, die Einwanderungsdroseelung und das Boden verkaufsverbot für den Fellachen. Diese drei Dinge stellen eine politische, soziale und wirtschaftliche Offensive der Mandatsverwaltung gegen die jüdischen Aspirationen dar und greifen wie Zahnräder ineinander. Die Maßnahmen sind nach keiner Richtung hin durch irgend einen aktuellen Anlaß geboten gewesen, auch wenn nicht das Mandat vorhanden wäre. Es ist nichts als eine ideale Konkurrenz von Antisemitismus und Araberfreundliohkeit, eine Opferung des politisch Schwächeren und in dier ganzen Welt angegriffenen Judentums zugunsten britischer Interessen. Dem Judentum soll die Überzeugung beigebracht werden, daß es in Palästina eine Minderheit bleibt, daß seine Einwanderung von den Launen britischer Kolonialbeamten geregelt wird, und daß es sich nicht iu geschlossener Siedelung vereinigen darf. Die Mündatsregierung nimmt keine Rücksicht darauf, daß das Mandat in (len Artikeln 2 und 6 ausdrücklich die geschlossene Ansiedhmg als Aufgabe der Regierung erklärt. Der Widerspruch zwischen dieser Stellung Englands zum Vertrag- und der Haltung Englands zu den Völkerbuudpakten ist zu auffallend, als daß er nicht auch in den Debatten in den englischen Parlamentskörperschaften heirvorgehoben worden wäre. Es wurde auch betont, daß der auf der ganzen Welt tobende und unter den Auspizien des Hitlerismus angewachsene Kampf gegen das Judentum den Regierungen und dem Völkerbund ganz besondere Verpflichtungen auferlege. Es sind die ungeschriebenen Gesetzo der Ritterlichkeit, gegen die England verstößt, und dieser Umstand hat die Erregung verursacht, die aus der Unterhausdebatte herausklang. Dio englische Öffentlichkeit kennt nicht die juristischen Spitzfindigkeiten ihrer Exponenten in Jerusalem, nicht die angeblichen Zusagen an die Araber, die bei jeder passenden Gelegenheit aus dem Archiv geholt werden —• das englischo Volk empfindet: Wir haben den Juden unser Wort gegeben und wir müssen es halten. Es liegt bis zur Stunde keine Nachricht über die Haltung der Regierung vor. Es verlautet jedoch, daß die ganze Fiage im Ministerrat neuerlich zur Erwägung gestellt worden ist. Es soll auch, wie der Oberkommissär in einem Brief an das arabische Komitee in Nablus mitgeteilt hat, eine neuerliche Untersuchung der sozialen Aufnahmsfähigkeit Palästinas vorgenommen werden. Jedenfalls kennt die englische Regierung jetzt das Nein des jüdischen Volkes und das Nein der englischen Parteien, während die Araber bisher ja und nein gesagt haben. Die Entscheidung und damit die Verantwortung liegt jetzt beim Kabinett Baldwin. Unterhaus gegen Gesetzgebenden Rat Aus London, 25. d. wird uns telegraphiert: Das Unterhaus hat vorgestern wieder eine Debatte über den Plan eines Gesetzgebenden Rates für Palästina abgeführt. Sämtliche Redner nahmen in der schärfsten Weise gegen den Antrag Stellung. Winston Churchill und Wedgwood wiesen eindringlich darauf hin, daß England nicht in der Zeit der deutschen Verfolgungen den Juden den Zugang zu Palästina versperren dürfe, und daß die Juden in Palästina nicht auf den Stand einer geduldeten Minderheit herabgedrückt werden dürfen. Die Juden hätten Großes geleistet, ihre Arbeit komme , . , n : melden Arabern und auch der Regierung zugute. Was den Juden zugemutet werde, verstoße gegen die Ehre Englands und gegen den Zweck des Mandates. Der Kolonienminister Thomas erklärte, daß die Regierung den Plan einer Verschärfung der Einwanderung für Kapitalisten fallen gelassen habe. (Es handelt sich um die Erhöhung des Nachweises von 1000 Pfund auf 2000.) In politischen Kreisen glaubt man, daß die Regierung den Parlamentsplan nunmehr zurückstellen wird. Debatte im jüdischen Nationalrat Palästinas Aus Jerusalem - meldet Palcor: Die letzte Plenarsitzung des Waad L e u m i in Jerusalem war der Lage des p o 1 n i ß c b e n J u d e n t u m s im Anschluß an die letzten Ereignisse und den Plan des Sobäohtverbotes gewidmet. Die Sitzung war zahlreich besucht und ihr Verlauf war ein würdiger Ausdruck der nationalen Solidarität gegenüber den schweren Erlebnissen und den ernsten Gefahren, die dem polnischen Judentum droben. An der Sitzung nahmen neben den Mitgliedern des Waad Leumi M. M. Ussischkin und Schalem Asch teil. Izchak G r ü n bäum referierte über die Lage der Juden im Polen. Der Prozeß der wirtschaftlichen Ruinierung der polnischen Juden, sagte der Redner, begann mit dem Gesetz über die Zwangssonntag sr u h e, kam später darin zum Ausdruck, daß man den Juden die Konzessionen für den Handel mit Waren der Regierungsmomopole entzog und allmählich. alle Wirtschaftszweige in dieses System einbezog, wodurch man den Juden fast jede Möglichkeit nahm, wirtschaftlich zu existieren. Mit dem Schächtverbot bezwecken die Antisemiten, den Juden in Polen das Leben unerträglich zu machen. Der Redner behandelte dann die Maßnahmen, die ergriffen werden sollen, um dem polnischen Judentum zu helfen sowie die Aufgabe der jüdischen Bevölkerung Palästinas und ihrer Vertretung, des Waad Leumi. Nach dem Referat des Herrn Grünbaium ergriff Schalom Asch das Wort, dessen Rede auf die Anwesenden einen sehr tiefen Eindruck machte. Schalom Asch sprach hebräisch. Das Schächten ist, so erklärte Schalom Aseli, keine ausschließlich religiöse Angelegenheit, es ist für die polnischen Juden auch eine nationale und menschliche Frage. Die Initiatoren des Schächtverbotes wollen den jüdischen Geist vernichten, weil sie glauben, daß dio Juden schwach und vogelfrei sind. Wir müssen den Beweis amtreten, daß ihre Rechnung nicht stimmt. Jedes Zeichen von Schwäoho unsererseits in dieser Frage würde bedeuten, daß wir unser eigenes Todesurteil unterschreiben. Die drei Millionen zählende jüdische Bevölkerung Polens ist nicht wie daß Häuflein Juden i n Deutschland. Die polnischen Juden kennen die Tradition des hartnäckigen Kampfes im zaristischen Rußland und werden ausharren. Sie haben auch nichts zu .verlieren. Alles, was sie besaßen, hat man ihnen bereits längst. genommen. Es ist daher unser, aller Pflicht, so schloß Schalom Asch seine Rede, die polnischen Juden zu ermutigen und ihnen in ihrem erbitterten Ringen mit den antisemitischen Kräften zu helfen, die dem ganzen Judentum den Todesstoß versetzen wollen. Einstimmig wurde beschlossen, daß der Waad-Leumi sich telegraphisch an die polnische Regierung mit einem Protest der jüdischen Bevölkerung Palästinas gegen die antisemitische Bewegung wenden soll. pm\\\\\\\\\\\\m |Nadi Palästina zu Pessach % und zur Levante-Messe! * p ■ Billigste Preise von allen Häfen . Kostenlose Auskünfte, sorgfältigste Beratung gj schriftlich und telephonisch, Prospekte durch | Dr.S.Tocktr, Wien, IX., Licchtensteinstr. 2 Telephon A 14-604 „In die Welt“ Ä\\\\\\\\\\» Neuerliche Prüfung der Aufnahmefähigkeit Palästinas Aus Jerusalem wird gemeldet: Der Arabische Nationale Block in Nablus fragte in einem Schreiben den High Commissioner Sir Arthur Wauchope, wieviele Juden gegenwärtig in Palästina leben und wann der Zustrom neuer jüdischer Einwanderer eingestellt werden wird. Der High Commissioner antwortete, es sei ihm die Zahl der heute in Palästina lebenden Juden nicht genau bekannt. Was die zukünftige Einwanderung anbetrifft, so werde demnächst ein Spezialist aus London eintroffen, der d i e Absorptionsfähigkeit des Landes festeteilen soll. TU < H HA U S TABAK I./ SaUgrl«« Nr. 5 bringt wieder da» Neueste in Original englischen Herren- und Damenstoffen Nach Polen billig und bequem zu Ostern und sonstigen Terminen In Vorbereitung um S 50-- Zweiwochenfahrten in ganz Polen Auskünfte bei Dr. S. Todter „IN DIE WELT", IX., Liechtensteinstraße 2, Telephon A 14-504 Das Ritualmordbuch bleibt konfisziert Beim Landesgericht Graz war ein Verfahren gegen den Verlag des Buches „Gibt es jüdische Ritualmorde?" wegen Vergehens gegen die öffentliche Ruhe und Ordnung durch Aufreizung zu Feindseligkeiten gegen Religionsgenossenschaften anhängig; zugleich wurde von der Staatsanwaltschaft ein Antrag auf Verfallserklärung dieses Buches gestellt. Das Landesgericht Graz wies den Antrag auf Verfallserklärung ab. Auf Beschwerde des Staatsanwaltes befaßte sich der Oberste Gerichtshof mit der Sache. Das Urteil lautet auf Stattgeb u n g der staatsanwaltlichen Nichtigkeitsbeschwerde. Nach Ansicht des Obersten Gerichtshofes begründet der Inhalt des Buches den Tatbestand des Vergehens; der Inhalt des Druckwerkes biete keineswegs nur objektive Betrachtungen und wissenschaftliche Erörterungen, sondern ist geeignet, gegen die Religionsgenossenschaft der Juden zu Feindseligkeiten aufzureizen. Baw Fischmasm über die Lage ist Palästina Wien, 25. März. (2. T. A.) Raw Fischmann, Führer des Welt-Misrachi und Mitglied der Zionistischen Exekutive, empfing in Wien (len Vertreter der Jüdischen Telegraphen- Agentur, dem er u. a. erklärte: Die Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse in Erez Israel ist deutlich fühlbar geworden. Die Baubewegung beginnt sich zu beleben, die Arbeitslosigkeit geht zurück und die allgemeinen wirtschaftlichen Perspektiven zeigen wieder ein günstiges Bild. Die Krise war ja überhaupt keine palästinensische, sie . wurde vielmehr ausgelöst durch die bekannten internationalen Vorgänge, die insbesondere in der englisch-italienischen Spannung im Mittelmeer deutlich in Erscheinung traten. Die englische Palästina-Administration hätte übrigens die Möglichkeit gehabt, die Folgen der Krise viel rascher zu beheben, als es durch die natürliche Entwicklung geschieht. Sie hätte einen viel größeren Teil jüdischer Arbeiter zu den öffentlichen Arbeiten heranziehen müssen und hätte aus den ihr zur Verfügung stehenden enormen finanziellen Mitteln auch viel mehr Arbeitsmöglichkeiten schaffen können. Das alles haben nun die jüdischen Organisationen selbst in Angriff nelnnen müssen. Was die Möglichkeit der Erwerbung weiterer Bodenfläohen für die jüdische Landwirtschaft anlangt, so müssen wir orns tliehe Beschwerden gegen das englische Regime erhoben, das durch seine verkehrte Bodenpolitik die fortschrittliche Entwicklung des Landes künstlich hindert. Aber ich bin überzeugt, daß der Wille des jüdischen Volkes alle Widerstände besiegen wird. Der Keren K a j e m e t h hätte sogar lveuto noch große Möglichkeiten, in allen Teilen des Landes Boden zu kaufen, wenn er mit dem notwendigen Kapital ausgerüstet wäre. Der Aufbau Palästinas — das muß immer wieder gesagt werden — hängt in höchstem Maße von dem Willen des jüdischen Volkes ab.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.