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Die Stimme · 1936-03-06 · Heft 529 (6.3.1936) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 529 (6.3.1936)
Date
1936-03-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Prdi die;« Nummer 20g V. t>. I». JÜDISCHE ZEITUNG £ V+ i.,* pr\ AuSerorHentllche Ermäßigungen noch PALÄSTINA fl Purlmrelsen: US* L*\ V/’** 11 Hinfahrt bis 31. März 1936, Rückfahrt bis 31. Mai 1936, mit $0%, bezw. 30% Ermäßigung von S 350.— aufwärts auf Hin* und Rückfahrkarten. Frühlingsreisen 23. Mai 1936, Rückfahrt bis 24. Juni 1936, mit 50% Ermäßigung auf Hin* und Rückfahrkarten von S 250.— aufwärts; mit 20% Ermäßigung auf einfache Hinfahrt von S 200.— aufwärts. Auskünfte: ßeneraiagentur Wien, 1. Bezirk, Kämtnerring 6, Telephon-Nr. U 47-5*60, und In allen Reisebüros Nr. 529 | Wien, «.März 1936 | Redaktion und Administration; Wien, i., Mirc-Aurel-8tr«Be 5. Tel. r U 22-3-91 RedaktionasehiuB Montag und Mittwoch vorm. I (12- Adar 5690) | 9. Jahrgang Mandat und Council Die Erklärung, die der englische Unfcerstaatssekretär Earl o! Plymouth über den Gesetzgebenden Rat für Palästina im Oberhaus abgegeben hat, ist ein auffallendes Eiugeständnis der Unsicherheit, die in der englischen Politik der Gegenwart so oft anzutreffen ist. Der Regierungsvertreter wußte eigentlich für die Begründung des Entwurfes nichts wesentliches anzuführen. Er hat sich gewissermaßen auf den Polizei- Standpunkt gestellt. Es würde in Palästina zu ernsten Unruhen kommen, wenn der Rat nicht eingesetzt würde. Kenner der tatsächlichen Verhältnisse bezweifeln dies. Es gibt gewiß unter den Arabern eine unruhige Stimmung, die aber nicht mit dem Plan eines ■Gesetzgebenden Rates in Verbindung steht. Sie ist aus den weltpolitischen Spannungen rings um das Mittelmeer entstanden und wird nicht im mindesten beeinflußt durch den Council oder durch ehe jüdische Opposition. ' Man kann auch die Araber selbst als Zeugen für diesen 'Einwand 'heranziehgn. Würde die Einsetzung des Rates den arabischen Wünschen entsprechen, so hätten die arabischen Führer doch sofort ihre Zustimmung erklären müssen. Dies ißt nicht geschehen. Dagegen haben die Araber eine endgültige Stellungnahme bis heute unterlassen und die Vorschläge des Oberkommissärs mit einer Reihe von Gegenforderungen beantwortet, die sich nicht gegen das Projekt, sondern gegen die Grundlagen des Mandates, also gegen Europa, richten. Die Bewegung unter den Arabern ist nicht im Lande entstanden, sondern von außen hineingetragen worden. Für ihre Ziele ist allerdings der Council eine nicht zu unterschätzende Hilfe. Er. schafft ihnen die Tribüne, von der aus sie ihre Forderungen mit der denkbar stärksten Resonanz verkünden lose! Kasteln t Die Dr. Josef Kaste in hat Mittwoch im Offenbachsaal seinen letzten ■ Wiener Vortrag gehalten. Der Vortragssaal war bis auf den letzten Platz besetzt. Die Zuhörer folgten den Ausführungen Kasteins mit gespannter Aufmerksamkeit, und die spontane Zustimmung, die ihn immer wieder unterbrach, zeigte, daß seine Worte auf fruchtbaren Boden gefallen waren. Es, war neu, was Kastein sagte — wie ja immer alles neu ist, was er mitzuteilen hat —, aber die klare und eindringliche Art seines Vortrags machte seinem Publikum . die neuen Gedanken sofort zu vertrauten Gedanken. Nach dem Vortrag fand im Klub des Aiten-Herren-Rings eine intime Abschiedsfeier statt. Der Präsident des Zionistischen Landesverbandes Dr. Oskar Grünbaum dankte Kastein für seine Vorträge und bat ihn, zur großen MakrÄabäerfeier im Herbst wieder nach Wien zu kommend In seinen Abschied.': worten gaty Kasteindas Versprechen. Den . Vortrag Kas.teins über „Die Wirklichkeit Palästinas“ veröffentlichen wir hier auszugsweise. ln unseren Tagen, wo Palästina in den Mittelpunkt der jüdischen Interessen gerückt ist, wo ein jeder es kennt und ein jeder darüber spricht, ergibt sich die seltsame Tatsache, daß Palästina ein völlig unbekanntes Land ist, ein Land, das man vollkommen neu entdecken und beschreiben muß. Der Grund dafür ist sehr einfach. Je mehr Menschen zu Palästina Beziehung bekommen, desto stärker stützt sich das Urteil über das Land und seine Zustände auf persönliche Meinungen und persönliche Interessen. Ein jeder sieht genau das, was seinen Ideen entspricht und was ihnen widerspricht. Darin liegt eine außerordentliche Gefahr. Es ist. durchaus nicht gleichgültig, wie \t Palästinas man das jüdische Aufbauwerk ansieht, denn in der historischen Situation von heute ist dieses Werk die Angelegenheit aller und nicht einzelner interessierter Juden. Den uninteressierten Juden wird gar nichts anderes übrig bleiben, als sich für Palästina zu interessieren. Die nächsten hundert Jahre jüdischer Geschichte werden sich in Palästina abspielen, und die Gestaltung dieses geschichtlichen Prozesses hängt entscheidend davon ab, wie der Jude das Land und seine Vorgänge betrachtet. Die Fragestellung ist eine kurze, sachliche, unsentimentale, ob der jüdische Aufbau gelingt oder ob er mißlingt. Zwischen diesen beiden Möglichkeiten gibt es keine Mittelform. Wir wollen in Palästina keine Ausweichstelle für die jüdische Not der verschiedenen Diaaporaländer schaffen, sondern primär eine jüdische Heimstätte aufbauen, und wir wollen das nach einem Maßstab, der die letzten seelischen,und geistigen Ansprüche von hunderttausend Gläubigen erfüllen kann. Wir bekennen uns uninteressiert an einem Aufbau, der einer Million Juden die Möglichkeit zu guten Geschäften gibt. Wir bekennen uns interessiert, an einem. Aufbau, der imstande ist, aus einem amorphen Haufen von Menschen ein Volk und aus dem bunten Wirrsal privater Interessen eine soziale Gemeinschaft zu machen. , Wir wollen uns weder durch die wirtschaftliche Not der Juden in der Welt noch durch das wirtschaftliche Gedeihen des Juden in Palästina überrennen lassen und weder von der Idee noch von den Forderungen der Idee auch nur das kleinste aüfgeben. Es ist heute schon nötig, wieder daran zu erinnern, daß der jüdische Aufbau schließlich ein Werk des Zionismus ist und daß der Zionismus kein Transportunternehmen ist, sondern eine historische Bewegung mit einer uralten Motivierung. Seit zweitausend Jahren haben wir heute zum ersten Male die Chance in der Hand, aus uralten Motiven die jüdische Geschichte in aktiver Gestaltung fortzusetzen, wieder ein Volk zu formen, wieder eine jüdische Kultur zu schaffen, wieder produktive Menschen zu werden und wieder unseren Platz in der Welt einzunehmen. Das ist das Prinzip der Dinge, uni die es heute geht. Alles andere ist nur Technik der Ausführung. Wir sind uns darüber klar, daß bei dieser Technik der Ausführung die Idee immer einen Rabatt an die Wirklichkeit zahlen muß. Die Frage ist nur — und das ist die eigentliche Thematik dieses Vortrages — ob dieser Rabatt nicht so groß ist, daß von der Idee nichts übrig bleibt. Und dabei ist wieder eine Einschaltung nötig: wenn es sich um die Rekonstruktion irgend eines beliebigen Volkes handelte, dann möchte es genügen, daß man mit einer Parole hinüb ergeht, die dehnbar ist und die man nur bei feierlichen Gelegenheiten hervorholt, während man eich im übrigen nur darum kümmert, daß die Wirtschaft gut gedeiht. Wir sind nicht in dieser bequemen Lage. Wir haben eine Vergangenheit, die uns verpflichtet, wir haben eine geistige Erbschaft, von der wir uns nicht frei machen können. Wir bauen für die Ewigkeit berechnete Luftschlösser, nach denen wir unseren Alltag formen möchten. Wir sind die unrettbar Gläubigen uralter messianiseher Träume. Es kann an dem, was wir an uns selber kritisieren, keine Rücksicht genommen werden. Den Zionisten muß gesagt werden, ■ daß die Zeiten der Partei- und der Verein spoli- ' tik vorbei sind, und daß es wieder Zeit ist, können. Jerusalem ist eine Weltmetropole, und was von dort aus gesprochen wird, wirkt auf Millionen Menschen in Europa, mehr aber npeh im Orient, der sich im Zustand einer tiefgehenden Erschütterung befindet und begierig jede Gelegenheit der Kritik und Opposition gegen Europa wahrnimmt. Und diese Tribüne errichtet England selbst, das im Auftrag Europas auf dieser Landbrücke steht. Das ist eine zumindest interessante Politik. Für uns aber bedeutet sie unendlich mehr. Sie ist eine Gefahr. Es kommt dabei gar nicht so sehr darauf an, ob dieser Rät überhaupt aktionsfähig sein kann,, wenn der Oberkommissär immer das Vetorecht besitzt. Die Idee, die dieser Institution zugrunde liegt, ist die Beiseiteschiebung der jüdischen Hoffnungen. Der Oberkommissär sieht vor sich die jüdische Bevölkerung als die Minderheit der Einwohnerschaft; er betrachtet sie als eine von Europa losgelöste Gemeinschaft und will sie auf dein Status der Minorität festhalten. Der Regierungsvertreter' springt ihm bei und erklärt im Oberhaus, daß die Vorschläge weder dem Wortlaut, noch dem Geist des Mandates zuwiderlaufen. Aber das Mandat verlangt zuerst die Errichtung des jüdischen Nationalheims und die Ermöglichung der geschlossenen jüdischen Siedlung und sieht die . Einführung der Selbstverwaltung erst für einen späteren Zeitpunkt und auch dies sehr hypothetisch vor. Das Mandat kann keine andere Bestimmung haben, als das Judentum in den Stand zu setzen, sich zu einem freien Volk zu entwickeln. England hat sich darum beworben, die hiezu notwendige Hilfe zu leisten, und es ist hiefür, auch nach dem Mandatstext, dem Völkerbund verantwortlich. Wenn heute der Council zustande käme und Juden wie Araber in dem Verhältnis von 7 zu 11 dort einander gegenüberstehen — wird nicht dann mit mathematischer Gewißheit die Verschärfung der Gegensätze eintreten, an die der Oberkommissär nicht glauben will? Palästina hat sich zu seinem heutigen hohen Stand entwickeln können, ohne daß ein Parlamentlein hiebei mitgeholfen hätte. Dagegen hat das Parlament im Irak und den sonstigen Orientländern nicht die geringste positive Tätigkeit entfalten, können. Es ist unnötig, zu sagen, daß die Orient Völker für dieso Demokratie nicht reif sind, daß aber ihre gesetzgebenden Körperschaften nur Werkzeuge nationalistischer Strömungen geworden sind. Daß Araber und Juden in einzelnen Fachkörperschaften harmonisch miteinander arbeiten, ist gewiß zu begrüßen, gibt aber noch immer nicht den Beweis für die Zweckmäßigkeit einer rein politischen Institution, die vom ersten Augenblick an nur auf Gegensätzlichkeit eingestellt sein muß. Im Oberhaus ist der Antrag gestellt worden, daß die Regierung den Plan nochmals erwäge und sich einen Termin von zehn Jahren für die Vorbereitung der Selbstverwaltung setze. Dieser Antrag ist dann zurückgezogen worden, aber nicht, wie es in den ersten Berichten hieß, weil der Antragsteller von der Antwort der Regierung be- Nach Palästina zu Pessach und zur levante-Nesse! Billigste Preise von allen Hüten, billige Bahnarrangements Kostenlose Auskünfte schriftlich u. tefephon. Prospekte durch Dr. S. locker, Wien, lUieihfeniteiosiraDeZ Telephon A 14-5-04 ... i „i n die Well” «—■— ■■■ friedigt sei. Im Gegenteil, hat Lord Snell sein Bedauern über die Regierungserklärung ausgesprochen, und er hat seinen Vorschlag zurückgezogen, weil er nach der Erklärung der Regierung nichts ändern könne. Die Vertreter aller Parteien haben sich gegen den Council-Plan gestellt. Wenn die Regierung trotzdem dabei bleibt, dem Oberkommissär die Zustimmung zu seinem Projekt zu geben, dann muß sie mit dem schärfsten Nein des ganzen jüdischen Volkes rechnen und damit, daß sie selbst die Freundschaft von 17 Millionen Juden zerschlägt. Und das ist doch auch für eine englische Regierung keine geringe Angelegenheit. Zum Einweichen zum Waschen EFOCOl Alle ins Cate Weghuber (HINTER DEM DEUTSCHEN VOIKSTH EATER) KAPELLE ISY GEIGER GESANG: OTTO HAUSER Jeden Samstag und Sonntag * Konzert, Tanz- und Stimmungsmusik Beginn > Halb 9 Uhr abends Besucherkarte: S -*60

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