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Die Stimme · 1936-02-11 · Heft 522 (11.2.1936) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 522 (11.2.1936)
Date
1936-02-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. SM | Wien, II. Februar 1936 | | (»8. SchwatS696) | 9. Jahrgang Preis dieser Nummer SO g V. b. b. PURIMREISEN NACH PAIXSTINA VOM 19. FEBRUAR BIS 26. MÄRZ AUF HIN- UND RÜCKFAHRKARTEN 50% Ermäßigung für die I. und ii. Klasse 30% Ermäßigung für die Touristenklasse Auskünfte: Generalagentur, Wien, I., Kärntnerring 6 und alle Reisebüros JÜDISCHE ZEITUNG Heute, Dienstag, spricht Dr. Josef Kasteln im Rahmen einer Herzl-Feier im Großen Musikvereinssaal über „Das Geschichtserlebnis des jüdischen Menschen" Oberrabbiner Feuchtwans überPalästina Bei der am Sonntag , im Imperial-Kino in "Wien erfolgten Vorführung des Films „Land der Verheißung“, hielt Oberrabbiner Doktor F e u c h t w a n g einen Vortrag, in welohem er sich mit den aktuellen Palästinafragcn befaßte.- Er wies darauf hin, daß. vor genau 40 Jahren der „J u d e n s t a a t“ H e r z 1 s erschienen ist. „Die Juden der ganzen Welt“, sagte er, „verdanken wir Herzl alles, was aus Palästina geworden ist, und in Zukunft noch wird. Das Land ist u n s heilig, aber auch den Christen und Mohammedanern ist es heilig. Wenn es für uns das Mutterland ist, für das wir alle Opfer bringen wie das Kind für die Mutter, so besitzen auch die anderen Religionen dort ihre religiösen und hi'storisäen Heiligtümer, und wir wollen mit allen hi Eintracht und Freundschaft leben. (Beifall.) Herzl hat sein ganzes Loben eingesotzt, um gemäß deau Baseler Programm ,die öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte' des jüdischen Volkes .schaffen. Ohne die . Lebensarbeit Herzls wäre nie die Balfour-Deklaration erstanden, in der sich England zur Schaffung der Heimstätte verpflichtete, wobei w i e d ’ö r u m fostgestollt wurde, daß keine der anderen Nationen und Konfessionen in ihren R o c h t e n b.e e i u t r ä c ht i g t worden soll, aber ebensowonig die Juden in ihren Staatsbürgerrechten außerhalb Palästinas. Der Völkerbund hat dann das ,Mandat4 geschaffen, das alle Völker billigten, und das dann ganz besonders vom König Georg in dem Manifest bekräftigt wurde, als er Sir Herbert Samuel zum orsten Oberkomm issär in Palästina ein setzte. Damals hat. der jüngst verstorbene König seine Regierung verpflichtet, ,für das Wohl Palästinas zu sorgen und seinen Frieden und sein Go d oi h e n zu s ich or n.‘ In diesem Manifest des Königs wird gleichzeitig zugesagt, dio stufenweise Errichtung des nationalen Heims für das jüdische Volk in Palästina zu sichern. Wenn nun heute Pläne für ein P a rlament mit nichtjüdischer Majorität ln Palästina auftaucheu, so wendet sich mit vollem Recht das Judentum wie ein Mann dagegen, weit das in schroffstem Gegensatz stünde zum Inhalt der Balfour-Deklaration, zum Mandat und zum Manifest des Königs. (Beifall.) Den Gedanken an das zu errichtende autonome Nationalbeim, der völkerrechtlich anerkannt und in den Verträgen verankert ist, wird sich das Judentum nicht nehmen lassen. Das widerspricht durchaus nicht dem glühenden Patriotismus, den die Judeu in der ganzen Welt und in allen Ländern bewiesen haben, und nur Unverstand ’”'d Obelwollen kann da einen Widerspruch konstruieren. Die Schöpfung Herzls, die moderne Paiäslinabewegung, hat in diesen 40 Jahren , ein Kulturwerk geschaffen, das Seinesgleichen in der Geschichte nicht hat: .Zum Segen für die Juden selbst, für die Araber und. — wie jetzt schon anerkannt wird — nicht zuletzt auch für England, und dabei auch’ n i e m a’n d e m anderen zum Scbaden. Diese 40 Jahre wären keine Wüstenwanderung. . Sie stehen im Zeichen des Aufbaues und der Zuversicht für die Zukunft des Landes und des Volkes.“ Die Rede fand stürmischen Beifall. Doktor Feuchtwang wurden langanhaltende Ovationen.. dargebracht. Auf die Rede folgte die Aufführung des Films, der einen tiefen Eindruck, machte-Der Saal war bis auf das letzte Plätzchen gefüllt. Mandatsland oder Kolonialland? ‘Professor’ W eizni am ii, der: Chef Jewish Agency, reist nach LdiJ/dön. Er wird der Zentnilregierung gegenüber den Standpunkt der gesamtjüdischeu Vertre-tiing zu den sich immer deutlicher zeigenden Paläßtinaab sichten des Kabinetts und seiner Jerusalemer Dependance auselnandersetzen und es ist nicht daran zu zweifeln, daß dies in den ernstesten und nachdrücklichsten Worten geschehen wird. Die Zurückstellung des Gesetzgebenden Rates deutet an, daß die Regierung de.ü Fehler Wäuchopes erkennt und den Weg für Verhandlungen offen lassen will, ehe eie die letzte Entscheidung trifft. Hervorragende Poli-- tike-r, wie Wedgwood und Archibald Sinclair, also Führer der Arbeiter und der Liberalen, haben ln energischen Erklärungen die moralische Belastung der englisch-zionistischen Beziehungen, die sich durch diesen Mißbrauch demokratischer Institutionen ergibt, hervorgehoben und der Widerstand des ganzen jüdischen Volkes hat sich unzweideutig geäußert. Aber vielleiclt ist diese Behandlung des Planes schon vorher erwogen gewesen. Vielleicht hatte mau angenommen, daß seine Zurückstellung diie Zionisten freundlicher stimmen werde gegenüber dem vom Oberkommissär verkündeten Projekt einer Reform der Bodenverkaufsbestimmimgen, Es soll ungeordnet worden, daß jeder arabische Verkäufer bei Verträgen mit jüdischen Partnern den für seinen Lebensunterhalt notwendigen Boden nicht verkaufen darf, respektive daß die Regierung darüber wacht, daß dies nicht geschieht. Die Regierung erhält also die Entscheidung über die Bodentransaktionen und sie erklärt dies aus ihrem Bestreben, dio Landlosigkeit arabischer Besitzer verhindern zu wollen, und dies deshalb, weit private jüdische Käufer auf diese Notwendigkeit, dem Bauern ein Stückchen Besitz zu erhalten, keine Rücksicht genommen hätten. Hier taucht also wieder das Gespenst der landlosen Araber auf, das uns Passfields Weißbuch nach den Augustunruhen des Jahres 1929 beschert hat Das Schlagwort von den landlosen Arabern beherrschte den Simpson-Bericht und es bedurfte star- Anstrengungon der Jewish Agency, bis gelang, die Lüge von den landlosen PäläStiüa.Tegibnihg festzustellen. Nun taucht die Lüge von den landlosen Arabern wieder aüf, obwohl doch bekannt cist, daß die Araber durch das jüdische- Aufbauwerk reich werden. Die angekündigte Reform sieht eich sehr sozial und demokratisch an. Sie ist darauf berechnet, in allen antijüdisohen Kreisen Eindruck zu machen und den Anschein zu erwecken, also ob die Zionisten darauf ausgingen, den kleinen Mann von Haus und Scholle zu .verdrängen. Das liegt , und kann nicht in der zionistischen Absicht liegen, die es vermeiden muß, gerade dio breite Masse der arabischen .Bauern ums Brot zu bringen, eine Tätigkeit, die bisher nur von den Effendis und den reichen Grundbesitzern betrieben wurde und die die jüdische Arbeit just wogen ihres sozialen Inhalts und wegen ihrer moralischen Auswirkung auf die Fellachen haßt und anfeindet. Weshalb soll jetzt in Palästina das vom Oberkommissär angekündigte Bodengesetz eingeführt werden? Weil, wieder eine Barrikade über den Weg zum jüdischen Natlonalheim gelegt werden soll. Bin Verkaufs verbot dieser Art verhindert das Entstehen geschlossener jüdischer Siedlungen. Das ist der Sinn der Verordnung. Sie ist, was nicht so ohne Bedeutung ißt, zuerst den arabischen Führern durch den Oberkommissär in einem Schreiben in Aussicht gestellt worden, das sich auf Instruktionen. aus London bezogen hat. Diese schriftliche Mitteilung schafft ß-chon an eich eine politische, Tatsache, indem sie .eine Festlegung der Regierung darstellt. Dies ist wohl dafür maßgebend gewesen, daß sich Präsident; Weizmann entschlossen hat, in London solbet die Besprechungen aufzunehmen. Es muß darauf hingewiesen werden, daß nunmehr drei ineinandergreifondc Akte Englands vorliegen: der Gesetzgebende Rat, das Verkaufs verbot und die angekündigte neue Einschränkung der Einwanderung jüdischer Kapitalisten und Touristen. Dazu steht ein Gesetz bevor, das der Regierung die Vollmacht gibt, den Ausnahmszußtand zu verhängen und die Preßsezen-sur zu verschärfen. Rechnet man noch die neuen Prügelpatento gegen die „Illegalen“, so zeigt sich deutlich, daß von einer Mandatsausübung im Sinne des V öl k erb im db esohlusses heute kaum mehr Arabern durch amtliche Erhebungen der leine Spur isfc> Palästina wird eo behandelt, Billige Reisen nach 1 POLEN u. CZERNOWITZ Abfahrten: 12., 19. Februar 1936 Rückfahrten: 5. März 1986 mit D Zug in geheizten Puljmannwagen unter bewährter Führung Poln. Verkehrs Büro „Francopol“. III., Rennweg I, Tel. U 16-4-90 wie etwa Sansibar oder die Sälomonsinseln. Vor den Novemberwahlen hat, wie noch erinnerlich, der SohatzminLster N e v i 11 e Chamberlain’ in einer öffentlichen Kundgebung erklärt, daß es die Politik der Regierung bleibt, daß Mandat dem: B u ch* s taben und de iti Ge is te nach zu verwalten. Erklärungen' sind eine Sache, Talen eine andere. Aber es ist doch Mandatsgebiet und kein anderer als Lloyd George hat am letzten Mittwoch im Unterhaus erklärt,' daß die unter dem Vertrag von Versailles an England gegebenen Gebiete nicht als Besitzungen an England gegeben worden seien, sondern an den Völkerbund, wobei dem Völkerbund alle Rechte zu stündCn, (Austen Chamberlain ruft dazwischen: Nein!)-Jedenfalls befänden sich diese Gebiete in einer anderen Re c h t s I a ge als die übrigen Besitzungen des Britischen Reiches. Man sei übereingekommen, diese Gebiete England nur als Mandate zu übergeben und nicht als g e setz liehe r Besitz. Er glaube nicht, daß es. Frieden in der Welt geben werde, bevor nicht das Problem der Mandate neu erwogen worden sei. Diese Worte sind außerordentlich wertvoll und Professor Weizmann wird an sie anknüpfen können. Vielleicht wird man jetzt auch die tieferen Gründe erfahren, weshalb gerade jetzt die Juden der Politik Englands geopfert werden. Weizmann kann sicher sein, daß in der Frage des Bodengesetzes alle Zionisten hinter ihm stehen werden. Wir müssen diesen Kampf außfec-hten. Der Anschlag, der von Waucbopo hier versucht wird, geht gegen den Wort», laut und Sinn des Mandatsvertragee, der England verpflichtet, die geschlossene' Andedluing von Juden zu erleichtern. In diesem Kampf darf es kein Zurück weichen geben. Die besten Wünsche aller Zionisten begleiten Weizmann nach London. Herzl- Jubiläumsnummer der ,/Stimme" Unsere nächste Nummer erscheint in verstärktem Umfang und erhöhter Auflage als Jubiläumsnummer aus Anlaß der 40. Wiederkehr des Tages, an dem Theodor Herzls Buch „Der Judenstaat" erschienen ist. Eine Reihe von Aufsätzen in dieser Nummer bringen neues Material über die Entstehung des „JudenstaeAs". Die Herzl-Beilage iti reich illustiiert.

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