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Die Stimme · 1936-01-28 · Heft 518 (28.1.1936) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 518 (28.1.1936)
Date
1936-01-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Preis dieser Nummer 20 g V. b. b, .. A I «w- I Redaktion und Administration• Wien, l* Mere-Aurel*8traße S. Nf« $18 I W161lt 28» «HUiner *93® l Tal.: U 22-3-9» Redak»lon**«hiuB Montag und Mittwoch »orm. JÜDISCHE ZEITUNG Josef Kasteln, der am 11. Februar in Wien spricht T (4. Schwat 5696) | 9« Jahrgang Das Welt&ewlssen will nicht Der Völkerbundrat hat seine Järtnertag'uog abgeschlossen. Er hat eich fast nur mit der Danziger Frage und mit der Angelegenheit der Flüchtlinge befaßt und ißt in beiden Dingen. seiner Übung treugeblieben, kein Problem zu Ende zu führen. Die Behandlung der Danziger Beschwerden war zwar an sich eine politische Tatsache von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Es war zum erstenmal, daß die Genfer Körperschaft die nationalsozialistische Praxis zergliederte, ihre innere Unwahrhaftigkeit bloßlegte und ihr sogar scharfe Maßnahmen androhte; auch die Schiußresolution ist so gefaßt, daß sie andcutet, der Rat würde nicht mit sich spielen lassen. Es handelte sich darum, daß der Danziger Senat die ihm vom Haager’ Internationalen Gerichtshof erteilten Auftrüge, dias Strafgesetzbuch und die Strafprozeßordnung mit der vom Völkerbund erteilten Verfassung in Einklan:] bringen, nicht ausgeführt hat. Ferner hat der Rat angeordnet, daß. der besondere Ehrenschiutz für nationalsozialistische Verbünde aiufzuheben ist. Eden, der das Referat führte, nahm das Versprechen des Senatspräsidenten Greiser an, daß die Preßfreiheit wieder hergestellt wird. Aber er schätzte die Zusagen so ein, wie eben nationalsozialistische Zusagen zu werten sind und so erklärte der Rat, daß er es mit vollem Vertrauen dem Völkerbundkomraissär Lester überlassen kann, die Danziger Regierung bei der Durchführung der Maßnahmen zu beraten und zu unterstützen. Hiebei könne der Rat insbesondere auf die Hilfe. Polens rechnen. Das ist viel und es ist wenig. Der Völkerbund ist in Genf und Herr Lester ist in Danzig; in Danzig aber kommandiert der Gauleiter Förster. Bei allen Beschlüssen kommt es darauf an, ob hinter ihnen der Willen steht, ihre Beachtung zu erzwingen, und da der Rat zu seiner Energie erst durch die Feststellungen des Kommissärs Lester veranlaßt worden ist, nicht aber durch die schon vorher bekanntgewordenen Beschwerden, so machen die Beschlüsse den Eindruck eines Pelzwaschens, ohne die Hände naß zu machen. Der Präsident Greiser hat seine Zusagen erst nach langen telephonischen Unterredungen mit Berlin abgegeben. Ist dies dem Minister Eden nicht weiter aufgefallen? Es ist stillschweigend hingenommen worden, daß sich Berlin als entscheidende Instanz einsclialtete, und wenn von Berlin dem Herrn Greiser die Erlaubnis erteilt wurde, Versprechungen zu machen, so ist das einigermaßen bedenklich. Denn das Berliner System kennt die Psychologie des Völkerbundes sehr genau und weiß, daß wogen der Juden Danzings weder eine Exekution des Völkerbundes noch eino solche Polens geführt werden wird. Die Flüchtlinge können jetzt wieder hoffon. Dioser Tätigkeit geben sie sich nun bereits seit drei Jahren hin. James MacDonald ist gekommen und gegangen, und wenn nicht die Hilfsbereitschaft der Juden und die politische Absorptionskraft Palästinas gewesen wäre, so würden die Flüchtlinge noch itmnor in den Schubstationen sitzen und — hoffen. Der Rat hat beschlossen, den Flüehtlingsschutz auf die Völkorbundversanimlimg abzuschieben. Der noue Ofoerkwnimdßeär — der noch nicht bestellt ist, darf 50.000 Francs zur Erfüllung seiner Aufgabe verwenden.. Das ist gerade keine imponierende Summe Aber was ist die Aufgabe? Sie besteht darin, die Mitarbeit der Regierungen für die Erledigung dee Problems und für die Einberufung einer internationalen Rechtschutzenquete zu gewinnen. Eine tatsächliche, autoritative Hilfe wird nicht geleistet. Die ganze Frage läuft wieder in ein juristisches Spiel mit Paragraphen aus und keinem einzigen Flüchtling wird ein Dach über dem Kopf und ein Stück Brot gewährleistet. Der Völkerbundrat kann auch anders. Er hat die Umsiedlung von 200.000 Assyre-rn aus dem Kurdengebiet nach Syrien und dem Irak unter seine Patronanz genommen und sieht für diesen Zweck die Aufbringung eines Betrages von 20 Millionen SchO ling vor, die zu gleichen Teilen vom Völkeybund, von Frankreich (als dem MarwiacsVerwalter Syriens) und dem Irak aufgebracht werden sollen. Aber hier geht es um Assyrer, denen die Kurden die Hälse absohneiden wollen. Für die halbe Million Juden, die von den europäischen Kurden bedroht sind, für die etwa 70.000 jüdischen Flüchtlinge aus dem Dritten Reich, hat der Rat nur Wohlwollen. Es erstreckt sich auch auf die Saar- Juden, denen . der Gauleiter Bürckel zum 1. März alle Wohltaten der deutschen Gesetzgebung angekündigt hat. Der Rat des Völkerbundes, der diese 3000 Juden vor der Abstimmung mit einer Schonzeit bedacht hat, unternimmt auch jetzt nichts. Das Nansenamt wird ihnen Pässe ausstellen und sie ansonsten dem guten Willen der Regierungen überlassen. Es heißt, daß Österreich, Estland, Ungarn und die Türkei derartige Pässe anerkennen wollen. Aber es ist nicht anzunehmen, daß die Saar-Emigranten diese Gastfreundschaft in Anspruch nehmen werden . . . Die Behandlung der mit Juden in Zusammenhang stehenden Probleme ist ein schändliches Spiel mit Hoffnungen, mit der Ver-i zweiflung von Menschen, die nur ihrer nationalen und konfessionellen Abkunft wegen bestraft wurden. Es ist gewiß nicht zu. verkennen: Das Weltgewissen, das der Völkerbund repräsentiert, sucht ununterbrochen einen Weg. Es versucht die kompliziertesten Methoden. Aber die einfache Maßnahme, auf Grund der schon vorhandenen Tatsache Palästina, das Problem zu lösen, ist dem Völkerbundrat bisher noch nicht eingefallen. Palästina hat bereite in die vielen Tausende jüdischer Flüchtlinge aufgenommen und sie ohne sonderliche Schwierigkeiten eingegliedert. Die Judenschaft versichert, daß sie noch lange nicht am Ende ihrer Aufsaugungsfähigkeit steht, Südpalästina kann besiedelt werden, die Krondomänen sind noch immer nicht freigegeben worden, der Irak wünscht jüdische Einwanderer. Ein Wort des Völkerbundes würde genügen und auch die Geldmittel wären zu beschaffen. Aber Juden sind keine Assyrer. Das Weltgewissen will nicht. Verschiebung des Legislative Council um ein Jahr? Jerusalem, 26. Jänner. (2. T. A.) „El Liwaa“, das offizielle Organ der arabisch-palästinensischen Partei (Partei des Großmufti), veröffentlicht die aufsehenerregende Meldung, daß die Einsetzung des Legislative Council, für Palästina auf ein Jahr zurückgestellt wurde. Das Blatt behauptet, es habe seine Informationen aus Regierungskreisen erhalten. Daß die Einsetzung des Legislative Council aufgeschoben wurde, sei auf eine Verständigung zwischen dem Außenminister Anthony Eden und dem Minister für die Kolonien J. H. Thomas zurückzuführen. Rooseuelt für Palästina-Auswanderung Der Präsident des amerikanlsch-jüdische-n Kongresses, Dr. Sfcefen Wise, teilte über eine Besprechung mit dem Präsidenten Roosevelt mit, er habe ihm eine Darstellung der Lage der Juden i n Deutschland und des Schicksals der Flüchtlinge gegeben. Präsident Roosevelt hat sich sehr eingehend nach allen Einzelheiten erkundigt und seine Befriedigung darüber ausgesprochen, daß für den 1. Februar die Vertreter des gesamten amerikanischen Judentums nach Washington zu einer Tagung einberufen wurde, um über die Details der Hilfeleistung und deren Durchführung zu beschließen. Der Präsident versprach seine vollste Unterstützung für die Auswanderungsaktion, namentlich das Palästinaprojekt, und wird sich auf der Tagung vertreten lassen. Die Trauer der Zionisten um König Georg Das Hauptbüro der Zionistischen Organisation teilt mit: Der Präsident der Jewish Agency und der Zionistischen Organisation, Dr. Chaim Weizmann, hat aus Jerusalem an das Privatsekretariat des Königs Beileidstelegramme zur Übermittlung an die Königin und an die königliche Familie gerichtet. Ferner richtete er eine Beileidskundgebung an den Minister für die Kolonien zwecks Weiterleitaing an die britische Regierung. Das Sekretariat der Jewish Agency hat an den High Commissioner Sir Arthur W a uc h o p e ein Beileidsschreiben gerichtet. Auch der W a a d L o u m i, das Präsidium des Jüdischen Natioualfonds, des Koren Hajossod, das palästinensische Oberrabbinat und andere jüdische Organisationen und Institutionen sandten an den High Commissioner Beileidstelegramme. Die Exekutive der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency sandte an die Königin-Witwe gebung: die folgende Kund- „Im Namen der Jewish Agency for Palestine und der Zionisten in der ganzen Welt sprechen wir Eurer Majestät respektvoll unsere tiefe und achtungsvolle Sympathie aus. Gemeinsam mit allen Völkerschaften des British Empire nehmen wir Teil an Eurem Schmerz um den unersetzlichen Verlust.“ Die Hauptbüros der Zionistischen Organisation in London und Jerusalem haben eine sehr große Zahl telegraphischer Kundgebungen von zionistischen Körperschaften aus allen Teilen der Welt erhalten, in denon die Trauer des jüdischen Volkes zum Ausdruck gebracht wird. 4> Anläßlich des Todes König Georgs haben die Zionistische Vereinigung für Deutschland und das Palästina - Amt der Jewish Agency in RötÜh m diplomatische Vertretung in Berlin ein Beileidsschreiben gesandt. * Die Zionistische Föderation Skandinaviens widmet dem Andenken des verstorbenen Königs Georg zehn Bäume im König- Georg-Jubiläumswald in Palästina. * Der Oberrabbiner Dr. , Koretz in Saloniki besuchte au der Spitze einer Delegation, der der Präsident der Jüdischen Gemeinde Saloniki und die Führer des griechischen Zionismus angehörten, den englischen Konsul und übermittelte ihm den Ausdruck des Beileids der griechischen Juden anläßlich des Ablebens von König Georg V. König Georgs Beziehungen zum Zionismus Jerusalem, 23. Jänner. (2. T. A.) „Haarez“ erinnert an eine Mitteilung des Präsidenten der Jewish Agency Dr. Chaim Weizmann über seine Audienz bei König Georg V. anfangs 1918, kurz nach Verkündung der Balfour-Deklaration. Die Audienz dauerte dreiviertel Stunden. Der König fragte, ob wirklich das ganze jüdische Volk die zionistische Bewegung stütze und fügte gleich hinzu: ,.Es steht doch in der Heiligen Schrift geschrieben, daß die Juden nach Palästina zurückkehren werden; ich bin froh darüber, daß meine Regierung an dieser Rückkehr mit wirk t.“ Der König fügte hinzu, er werde den Fortschritt des jüdischen Aufbaus in Palästina mit Interesse verfolgen. Zwei luden im französischen Kabinett Dem neugebildeten Kabinett Sarr a u t gehören zwoi Juden au. Es sind dies der Post-minister Georges M a n d e 1, der diese Stelle auch im Kabinett L a v a 1 inno gehabt hat, und Jaqu-es Stern, dem als Portefeuille für die Kolonien übertragen .wurde., _

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