Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 517 (24.1.1936)
- Date
- 1936-01-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Salto 0 OIE STIMMI Nr. 517 — 24. Jänner 1936 EREZ ISRAEL Wasser! Wasser! Von Dr. Ing. A. Werber, Tel-Aviv Das jüdische Lehen und Verbleiben in Erez-Israel ist, das weiß jeder, eine Frage der Bodenbesohaifung. Der Drang nach Bodenbesitz ist daher begreiflich, aber Bodenbesitz allein ist bei der Enge der hiesigen Verhältnisse nicht, ausreichend. Es war ein fundamentales Versehen unserer Kolonisationspolitik, der einzelnen und kollektiven, daß man dem zweiten wichtigen Faktor, dem Wasse r, früher nicht die Aufmerksamkeit gewidmet hatte, die es verdiente. Es ist in letzter Zeit besser geworden; besser, aber noch lange nicht gut. Bewässerung bedeutet für uns nicht allein höhere Bodenerträge, intensiveren Ackerbau und Viehzucht, sondern mehr Menschen. Jeder bewässerte Dunam gleicht an wirtschaftlicher Bedeutung 5 bis 8 Dunam trockenen Bodens. Wo 100 bis 160 Dunam pro Familie nötig sind, können 20 bis 30 oft (bei intensiven hochwertigen Kulturen auch viel weniger) genügen. Das heißt, der jüdische Bodenbesitz, wie er ist, kann vervielfacht werden oder, wenn man die Schwierigkeiten der Wasserbeßchaffung in manchen Gegenden berücksichtigt, zumindest verdreifacht werden. Die jüdische landwirtschaftliche Bevölkerung kann auf dem vorhandenen Boden wenigstens auf 200.000 Seelen, also die Gesamtbevölkerung auf 600.000 Einwohner gebracht werden, eine gesunde wirtschaftliche Struktur vorausgesetzt. Es ist daher begreiflich, daß der Ruf nach Was66T nicht mehr allein der Ruf derjenigen wurde, die im harten Kampf mit der Trockenheit während der Hauptvegetatiouiszeit dan Mangel des wichtigen Produktionsfaktors am meisten empfanden, sondern es wurde der Ruf derjenigen, die die Geschicke der Judenheit leiten. Von der Kongreßtribüne erscholl mächtig dieser Ruf, verkörpert in visionärem Schauen von David Ben Gurion: Boden und Wasser! Nicht allein: mehr Boden, der Jahrzehnte die Parole war. Denn Boden ohne Wasser ist nicht halber, sondern ein fünftel Besitz. Dieser Ruf ging, verstärkt durch Beweise aller wirtschaftlichen Referate und Diskussionsteilnehmer in die weite Welt und weckte neue Hoffnungen. Denn nicht nur innerhalb der bestehenden engen Besitzgrenzen würde eine Ausdehnung erfolgen, sondern weite wertlose Bodenflächen können in die Kolonisationstätigkeit einbezogen werden. Nicht für weitere 100.000 bis 150.000 Menschen kann Betätigungsmöglichkeit in der Urproduktion geschaffen werden, sondern viele Hunderttausende können in neu zu erschließenden Gebieten angesiedelt werden. Ich bin weit davon entfernt, den geradezu ungeheueren Wert der Grundwassererschließungen durch Einzelanlagen für die bisherige Intensivierung der jüdischen Landwirtschaft, größtenteils auch der Ermögli ehu ng eines bis jetzt ausschlaggebenden Teiles (der Pardessim) zu unterschätzen. Ich zweifle nicht, daß solche Einzelanlagen, ja sogar kollektive Anlagen in einem gewissen Maße, besonders dort, wo eine andere Lösung nicht möglich oder nicht rentabel genug ist, auch in Zukunft viel Segen bringen werden. Aber es hat sich doch im Land, wo man, durch die Ungunst der Verhältnisse und die Naturenge gebunden, leicht zur Übertreibung neigt, eine Überschätzung der Bedeutung der Grundwassererschließungen und Tiefbohnrngen breitgemacht, die bedrohlich wird und eine wirtschaftliche und kolonisatorische Bedrohung unserer Entwicklung werden kann. Man ist hier so weit gekommen, daß man unter Bewässerung hierzulande schlechtweg Bohrung meint. In all unseren Veröffentlichungen, Jahrbüchern und Mitteilungen mit oder ohne propagandistischer Tendenz wimmelt es von Bewässerung und Bohrung als Synonymen. Die Gefahr liegt dabei darin, daß man ganz an die naturgegebenen uralten und immer neuen Bewässerungsweisen vergißt, wie sie im ganzen Orient, in den anderen tropischen und Anlagen subtropischen Weltgegenden geübt werden, durch welche allein die Bewässerung großer Landstriche aus zentralen Speicher- und Kanalanlagen ermöglicht wird. Wenn man in Palästina jemals von einer Landbewässerung sprechen soll, so ist clas jetzige System der kleinen Einzelanilagen, diie in der übrigen Welt eine nur ganz untergeordnete Bedeutung besitzen und von denen man in neuester Zeit ganz abgekommen ist, unbedingt auf das von der Natur diktierte Maß einzuschränkon. Man darf nicht vergessen, daß Bolirbrunnen eine Angelegenheit für 10 biß 20 Jahre sind. Speicher und Kana 1anlagen werden für Jahrhunderte, ja Jahrtausende (siehe alte in Indien, China, Huerta de Valencia in Spanien) gebaut. Eine wirkliche Landbewässer u n g ist nur durch solche große Zentralanlagen möglich, von denen jede Hunderttausende von Dunam bewässern können. Wenn man in der Zeitung die Freudenbotschaft liest, daß da und dort „Wasser gefunden“ wurde und die Ziffern von 50, ja 100 Kubikmeter pro Stunde anführt, gewinnt der Late eine Vonstellung von irgend etwas ganz Gewaltigem. Auch ich empfinde über jeden Brief au§ Erez Israel Gegen die englische Einwanderungspolifik Die Londoner Meldung, claß die Palästinaregierung die Heraufsetzling des Kapitalistenminimums von tausend auf zweitausend Pfund, eine Beschränkung der Verwandteneinwanderung und eine Erhöhung der Touristengarantie vorsieht, hat in der jüdischen Presse des Landes starken Protest hervorgerufen. Der „Haarez“ fragt, ob wir denn unter der Regierung Wauchope die Tage Paßfields und des Weißbuches neu erleben sollen. „Man sagt, es gäbe im Lande eine wirtschaftliche Baisse, und eine Krise sei zu fürchten; also deshalb müsse die Immigration gestopt werden. Aber weder vom materiellen noch vom moralischen Gesichtspunkt aus kann man diese Logik mitmachen. In Wahrheit ist die jüdische Immigration für Palästina die einzige Quelle des Reichtums und die einzige Möglichkeit des Aufschwunges. Wenn man die Immigration aufhält, verstopft man die Quelle...“ Der Marke der Zitrusfrüchte Die Zitruspreise haben sich auf dem englichen. Absatzmarkt in den letzten Tagen wieder etwas erholt. Es ist zu hoffen, daß das günstige Rückwirkungen auf den palästinensischen Arbeitsmarkt haben wird. In einigen Pflanzungen, beispielsweise in Kfar Saba, hatte man die Ernte bereits unterbrochen. Die Landarbeiter führen Klage, daß eine Anzahl von Pflanzern keine in der Histadruth organisierten jüdischen Arbeiter . beschäftigen. Keine Nachteile der Sanktionen Die Sanktionen gegen Italien, an denen Palästina automatisch beteiligt ist, hatten bis jetzt für Palästina keine nachteiligen Folgen. Der Export von Palästina nach Italien war unbedeutend. Importiert wurden früher Baumwollgarbe in erheblicher Menge, doch deckt neuerdings eine in Kfar Atta bei Haifa errichtete jüdische Baumwollspinnerei einen großen Teil des palästinensischen Bedarfes. Die in Palästina produzierte Ware ist zwar etwas teuerer als die italienische, nach fachmännischer Behauptung jedoch besser. Wervolle Funde in EhTel In der Landwirtschaftsschule Mikweri Israel der „Alliance Israölite Universelle“ wurden eine Reihe fünftausend Jahre alter Tonwaren, Urnen und Schmuckstücke ausgestellt, die Mme. Krause-Marquet in El-Tel dem Boden entgrub. El-Tel liegt an der Stelle dos antiken Ai, das Josua nach dem Falle Jerichos eroberte. Früheste biblische Geschichte wird mit diesen Funden in ihrer Wahrheit bestätigt. Der High Commissioner, der sie besichtigte, erwähnte, daß diese Ai- Ausgrabung von dem verstorbenen Baron Rothschild angeregt worden sei. Das Louvre- Museum in Paris wird nun für die Fortsetzung der Arbeit durch Madame Krause- Marquet. die übrigens Palästinenserin ist, Sorge tragen. „Verteidigung Abessiniens" Im Jerusalemer Koptischen Patriarchat fand eine Sitzung des „Komitees für die Verteidigung Abessiniens“ statt. Eine ganze Reihe von geistlichen Würdenträgern verschiedenen Bekenntnisses nahmen an ihr teil. Der Scheich Mohammed Atiftazani, der der Leiter eines ägyptischen Derwischordens ist, starb am Vorabend der Konferenz. Der Scheich Atiftazani war im Klagemauerkonflikt einer der Zeugen vor der Mandatskommission des Völkerbundes gewesen. Hebräisches archäologisches Institut Morris Kutcher aus Windhoek, ein bekannter südafrikanischer Zionist, vermachte der Hebräischen Universität die Summe von 40.000 Pfund, die dazu verwendet werden sollen, am Jerusalemer Rockefeller-Museum eine Hebräische archäologische Sektion zu schaffen. Ferner sollen mit diesem Gelde Ausgrabungsarbeiten der Universität selbst finanziert werden. Die Studenten der Hebräischen Universität haben unter sich ein Exekutivkomitee gewählt. 563 Studenten bestimmten vier Mann der Liste „Arbeitendes Palästina“, einen Allgemeinen Zionisten, ©inen Revi sionisten und einen Vertreter der orthodoxen Richtung. Kunst in Erez Israel Fünfundzwanzig musikalische Araber schlossen sich zu einem Chor und Orchester zusammen, um im palästinensischen Rundfunk, mit dessen Eröffnung in Bälde gerechnet wird, den arabisch-musikalischen Programmteil zu bestreiten. Das Palästinensische Symphonieorchester spielte unter Leitung von Michael Taube bei einem Konzert in Jerusalem unter anderem die „Doktor Doolittle-Suite“ des in Tel-Aviv lebenden Komponisten Erich Walter Sternberg. Der Maler D. Leneman, der aus Warschau stammt und die letzten sieben Jahre in Paris lebte, stellte bei Steimatsky in Jerusalem Landschaften aus, die durch die Kraft ihrer Farben gefielen. Die „Now Galerie“ zeigte Frau Siebenschein und M. Lender. Den größten Erfolg aller palästinensischen Maler hatte allerdings Rubin — bei einer Ausstellung in New York. Zwei Amerikaner, die in der Geschichte der Malerei nicht allzu genau Bescheid wußten, kamen in die Aus-j Stellung und kauften noch und noch. „Rubens! Rubens!! Noch niemals hat es Rubens-Bilder so billig gegeben!“ protzten sie hinterher vor ihren Freunden. Erich Gottgetreu. Wassertropfen, der auf jüdischen Siedlungen entspringt, große Freude. Abor mein technisches Gehirn fragt .sich gleich beunruhigt; wissen denn die Leute nicht, daß die K u rdaniqiiclle allein 7200 Kubikmeter pro Stunde ergibt, also ihr Wert gleich 72 Brunnenbohrungen (ä 100 Kubikmeter pro Stunde!) ist? Der J a r k o n hat, so betrachtet, den Wert von 264 Brunneubohrungen, die Hulequelleri östlich 36 Brunnenbohrungen, und ebensoviel westlich, der Jarclen (im Durchschnitt des Jahres von der Einmündung in den Tibcriaßsee) über 520 Brunne nb o h r ii n g e n. Ich glaube, die Überraschung de« Laien wird noch größer sein, wenn ich hier anführe, daß ein mittlerer Wadi (zum Beispiel der W a d i Handaj) in einem normalen Regenjahr 10 Millionen Kubikmeter abführt, was der Leistung von 40 Normalbrunnen g 1 e i c h k o m m t. Und Wadis mit einer solchen Wasserführung gibt es hunderte. Es gibt Wadis, die biß 50 und 100 Millionen Kubikmeter in einer R c g e n e a i s o n dem Meere zuführe n! In denselben Zeit, da man kostspielige und sehr oft nicht sichere Brunnenbohrungen durchführt, in ewigem Zittern und Bangen, wae mit dem Wasser später geschehen wird, wo man sich vergebens abmiiht, tiefe Grundwassevhorizonto in „wasserloeen“ Gegenden aufzuschlicßen, in derselben Zeit fließen in (ließen wasserlosen Gegenden Hunderte von Millionen Kubikmetern u n ausgenützt zum Meere, ejn ewiger Verlust für die Wirtschaft des Landes. In der Zeit, wo man für Wasserensohließung durch Tiefbohrungen bestimmt nicht weniger als eineinhalb Millionen Pfund ausgegeben hat, ist vielleicht ein Prozent dieser Summe für Anlagen mit Speisun g aue Oberflächenwässer ausgei geben worden. Für die Nutzung des Oberflächenwassers, dem in allen Gegenden der Welt die erste Funktion in der Versorgung des Bodens zukommt, ißt hier .so gut wie nichts geschehen, denn die kleinen Anlagen in Dagania, Kinereth, teilweise in Emek, am Jarkon, so groß auch ihr Wert für diese Wirtschaften ist, bedeuten vom Standpunkt einer Landbewäßserung gar nichts. Am allerwenigsten, besser gesagt gar nichts, wurde auf dem Gebiete der Sammlung des Wassers zu Zeiten des Überflusses für die Zeiten des Bedarfes geleistet. Und einzig und allein hievon hängt es ab, daß wir zu Waßsermengen gelangen, die eine Bewässerung großer Landstriche und die Gewinnung neuer ermöglichen soll. Nicht weniger als eine M i 11 i a r d o Kubikmeter jährlich könnte in Palästina in Speicher werken gesammelt und für zweiMillionen Dunam (ein Drittel der jetzigen kulturfähigen Fläche) die dauernde Bewässerung durch n a t ü r 1 i c he Aufleitung des Wassers (nicht mit Pumpen) gesichert werden! Aber es müssen ernsto Schritte unternommen werden, um diesem Problem beizukommen. Abor in derselben Zeit, wo für umfassendo geologische geophysische und andere sicher wertvolle Untersuchungen des Grundwassers Taußendo von Pfunden geopfert werden, ißt für die Erforschung der Oberlläohenwasser so gut wie nichts geschehen. Es krampft sich einem das (technisch) fühlende Herz zusammen, wenn man über Land reist und fast nirgends die primärsten Behelfe zu hydrologischer Beobachtung sieht: dio Zahl der Pegel für Waßsorsfandsmessungen im Lande kann man an den Fingern (vielleicht auch nur einer Hand) .abzählen, was eine wahre Schmach für das Land ist. Von systematischen Quell- und Wassermessungen in ständigen und periodischen Wasserläufep nicht die Rode! Der Keren Kajemeth steht und fällt mit seinen Mitarbeitern! Werdet daher Seflbstlkoittgi*a.;kr des Keien Kaiemefhl