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Die Stimme · 1936-01-24 · Heft 517 (24.1.1936) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 517 (24.1.1936)
Date
1936-01-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Prt!« dliiif Hummer 20 g V. b. b. Josef Kastein spricht am 11. Februar im Großen Musik* vereinssaal JÜDISCHE ZEITUNG ÜsssllMkafimise nach Palästen* mit dm£uxu$*ekiff VULCAN1A 2.AP&IL AB N&APEJL FÜR DIERUDDFAHRT t I« KLASSE S 11SS.m TOURISTEnKLASSE * f22?> ODEß:wmFAHRT mitdermvulcaqia- RÜCKFAHRT Mir den SCHIFFEO »» LLOYD TRIEST/OO I* KLASSE S 1060.'fl /i£ TOUttlSTEDKLASSE * 673.” palesUH,e6xpre$s\i7(oiCia-Cosu,ltck or t h vöqneq wiEn i KARnTDERRine 6. WIEIVMIOHLMAftKT 8, U-26-A-29 ö U 47• S* 60 Nr. 5I7<^pi,^W^nr>2T,^änner 1936 | Redaktion und Administration; Wien, L, Maro-Aurel-Straßo 5. Tal.: U 22-3-91 Redaktionssehluß Montag und Mittwoch vorm. | (29* Teheth $696) jj 9* Jahrgang London/ Genf und Erez Israel Von Bruno Heilig Das dritte Jahr des Nationalsozialismus ist zu Ende, drei Jahr© furchtbaren neuen Leidens von Hunderttaueenden von Juden sind vollendet. Und wieder einmal tritt der Völkerbund zusammen, der Völkerbund, für den es längst heilige Pflicht gewesen wäre, sich um diese leidenden Menschen ernstlich zu kümmern. Was immer man über die Mängel des Völkerbundes sagen mag, er ist doch eine Macht und er hätte helfen können, wenn er nur gewollt hätte. Er hätte vieles verhindern können. Man et nie sich vor, Vas gewesen wäre, wenn sich die im Völkerbund vertretenen Staaten in einer geschlossenen Demonstration auf die Seite der deutschen Juden gestellt hätten. Man stelle sich vor, daß der Völkerbund einstimmig ein ähnliches Urteil über Deutschland abgegeben -hätte, wie es jetzt von seiten des Flüchte lihgskommißsärs James MacDonald gefällt worden ist. Man kann sieh ganz gut denken, daß es nicht zu den Nürnberger Gesetzen und auch nicht zu verschiedenen anderen Ereignissen gekommen wäre. Aber der Völkerbund hat die Frage, des Schicksals der deutschen Juden so behandelt, wie irgend eine jener Wald- und Wiesenangelegenheiten, die ihm zu Dutzenden vorgelegt werden und mit denen er nichts anderes anzufangen weiß, als sie in Kommissionen begraben und lang wellige Jahresberichte damit zu füllen. * Periculum in mora, diese drei Wörter schreiben die Ärzte, auf ihre Rezepte, wenn es um einen Kranken geht, für den die schleunige Verabreichung des Medikaments eine Frage von Leben und Tod ist. Gefahr im Verzug, so heißen dio drei' Worte auf deutsch. Das ist die Lage der deutschen Juden. Seit drei Jahren sind die deutschen Juden in der Lage des Schwerkranken, dem sofort geholfen werden muß Wir haben keine Statistik, was die Folgen des bisherigen Zauderns des Völkerbundes und aLler jener, die helfen könnten, gewesen sind. Aber wir können uns das vorstellen: die Berichte, die man aus Deutschland hat, zuletzt der Bericht James MacDonalds, sprechen genug deutlich. Wae wird jetzt geschehen? Wir sind nicht optimistisch. Aber diese unsere Stimmung kommt nicht etwa aus der Meinung, daß nicht geholfen werden könnte. Sie kommt aus der Besorgnis, daß die Bereitwilligkeit und die Bereitschaft zum Helfen fehlt. Wenn man bisher nicht helfen wollte, warum soll man sich plötzlich entschieden naben, es doch zu woLlen? Es hat leider kein Völkerbundstaat ein unmittelbares materielles Interesse daran, die deutschen Juden zu retten, und mancher Völkerbundstaat scheint sogar immer noch zu glauben, laß er noch etwas davon haben könne, wenn er die Nationalsozialisten gerade in diesem Punkt schont. Dazu kommen bei lern Staat, der in den Fragen der Judenheit der wichtigste ist, noch andere, nicht ganz durchsichtige Interessen, die es ihm augenblicklich geh« ten erscheinen lassen, von den Juden lieber abzurtlcken: Wir meinen natürlich England, das im letzten Jahr die Führung der Völkerbundpolitik an sich gbrissen und bewiesen hat. daß es dort, wo es will, alles durchsetzen kann, was es will. Dieses selbe Land hat darüber hinaus die Möglichkeit in der Hand, auch Unterkunft zu geben für die Juden, die mit Hilfe des Völkerbundes aus dem Lande herauszubringen wären, ir. dem sic zum Untergang verurteilt sind. * Wie man das Problem anpackt und von welcher Seite man es prüft, immer kommt man zu dem Schluß: Man müßte nur wollen, dann kann geholfen werden. In Erez Israel haben noch sehr viel Juden Platz. England und der Völkerbund müßten nur die Verpflichtungen erfüllen, die sie im Mandatsvertrag im Interesse der Errichtung des jüdischen Nationalheims übernommen haben. Die Juden brauchen keine Gnade, weder die deutschen Juden, noch die anderen. Die Welt hat nur zu tun, was man sonst in allen Dingen für ein Gebot der Ehre hält: Übernommene Verpflichtungen, feierlich unterschriebene Verträge einzuhalten. Auch ohne die Katastrophe der deutschen Juden hätte England sich in seiner Palästinapoütik ganz anders verhalten müssen, als es das tatsächlich tut. Es hat das Mandat übernommen und mit diesem Mandat die Verpflichtung, aktiv mitzuwirken am Aufbau des jüdischen Nationalheims. Die Katastrophe der deutschen Juden hat clie Verpflichtung Englands und des Völkerbundes, der hinter dem Mandatsvertrag steht, noch erhöht. Die Juden müssen aus Deutschland heraus. Bei der Jüdische Trauer um König Georg V. London, 22. Jänner. (2. T. A.) Die jüdische Bevölkerung des Britischen Reiches trauert um König Georg V.; diese Trauer gilt nicht nur dem Hingang des Reichsoberhauptes, sondern auch dem Herrscher, dessen Name für immer mit den Vorbereitungen zur Verwirklichung des jahrtausendealten Traumes von der Wiedererrichtung der jüdischen Heimstätte in Palästina verbunden ist. Der Ehrenpräsident der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency, Nahum Sokolow, veröffentlicht eine Kundgebung in der es unter anderem heißt: Die Weltjudenheit trauert um den verehrten und geliebten Herrscher, der, gesegneten und geheiligten Andenkens, als ein zweiter „Cyrus der Große“ in die Geschichte des jüdischen Volkes eingehen wird. Das jüdische Volk schuldet ihm ewige Dankbarkeit. Das Jüdische Nationalheim wird für immer mit seinem verehrten Namen verbunden bleiben. Der Vorsitzende des Board of Deputies of British Jews, Neville Laski, übergab der JTA die folgende Kundgebung: Gemeinsam mit ihren Mitbürgern, den Mitgliedern aller Konfessionen im ganzen British Empire, trauern die britischen Juden über den Hingang eines Monarchen, der in seinem öffentlichen wie in seinem Familienleben für sie der Inbegriff alles Ehrenwerten war. Unsere Dankbarkeit für ihn wird nie erlöschen. In allen Synagogen Englands werden Trauerfeiern anläßlich des Ablebens des Königs abgehaltenj nachdem erst während der letzten Gottesdienste Gebete um seine Wiedergenesung gesprochen worden waren. Auch unter der Judenschaft der Dominions hat die Nachricht vom Ableben des Königs erschütternd gewirkt. Die Exekutive der Jewish Agency und die Zionistische Exekutive haben an die Königin von England im Buckingham-Palast ein Beileidstelegramm gerichtet, in welchem der Königin namens der Jewish Agency und der Zionisten der ganzen Welt ,,tiefes respektvolles Mitgefühl“ ausgesprochen wird. Genf, 22. Jänner. (2. T. A.) Der Vertreter der Jewish Agency beim Völkerbund, Dr. Nahum Gold mann, hat dem hei der Völkerbundtagung anwesenden englischen Außenminister Anthony Eden das Beileid anläßlich des Hinscheidens König Georgs V. ausgedruckt. Beileidskundgebung des Zionistische» Landesverbandes Der Zionistische Landesverband hat aus Anlaß des Todes des Königs Georg V. von England an den Gesandten Englands in Wien folgendes Schreiben gerichtet: W i e n, am 22. Jänner 1936. Sr. Exzellenz Herrn Gesandten W. Selby, per Adr. kgl. englische Gesandtschaft W i e n, III., Metternichgasse 6. Euro Exzellenz! Der Zionistische Landesverband für Österreich hat mit aufrichtiger Trauer die Nachricht vom Hinsolfeiden Sr. Majestät König Georg V. vernommen. Die österreichischen Zionisten erinnern sich dankbar daran, daß unter der Regierung des nunmehr verewigten Königs die Balfour-Dekkiration erlassen wurde, die dem jüdischen Volke die Wiedererrichtung seiner nationalen Heimstätte in Palästina zusichert. Im Aufträge des Zionistischen Landesverbandes für Österreich bitte ich Eure Exzellenz, den Ausdruck des aufrichtigsten Beileids der österreichischen Zionisten der Regierung Seiner britischen Majestät König- Edward VIII. zu übermitteln. Genehmigen Euere Exzellenz den Aus-1 druck meiner vorzüglichsten Hochachtung: Zionistischer Landesverband für Österreich Der Präsident Dr. Griimbaum. heutigen Lage in den meisten Ländern der Erde wird es schwer sein, größere Massen von Juden anderswo als in Erez Israel imterzubringen. In Europa sehen wir überhaupt kaum Möglichkeiten. Es b’eibt kaum noch eine Hoffnung auf die südanmrikanischen Staaten. Der Jude geht natürlich am liebsten nach Erez Israel, und es hat sich nach dem Scheitern verschiedener anderer Versuche, Judenstaaten zu bilden, endgültigerwiesen, daß der Jude keinen anderen Staat, als seinen alten Staat haben will, und daß er in diesem Land zu den höchsten Leistungen W fähigt ist. Nach Erez Israel muß der Hauptstrom der deutschen Auswanderer gelenkt werden. Darüber kann es kaum mehr eine Diskussion geben unter Menschen, die über das Problem ernsthaft sprechen und nicht an ihm vorbeireden wollen. Wohin zielt, so muß man.anläßlich dieser Völkerbundtagung, auf deren Programm las Problem der deutschen Juden steht, wiederum fragen, die englische Mandatspolitik? Eine Sabotierung der zionistischen Sache ist nicht mehr möglich. In Erez Israel ist schon zuviel geschehen, als daß die Sache des jüdischen Nationalheims noch rückgängig gemacht werden könnte. Es ist zuviel geschehen durch die Juden. Sie haben gezeigt, daß sie zu erobern verstehen. Wir haben Stücke des Landes erobert, wie noch nie ein Volk etwas erobert hat. Mit Arbeit, mit eigener Arbeit, mit einer verschwenderischen Investition von Menschen, Energie un I Ideen. Wir haben niemandem etwas genommen, wir haben Land, das kein Land gewesen ist, weil es seiner natürlichen Bestimmung entzogen war, erst zu dem gemacht, wozu Gott alles Land bestimmt hat. Wir haben einen unvergänglichen RceM.stitt'l auf dieses Land erworben, zu lern historischen Rechtstitel, den wir schon gehabt haben. Es ist ein heiliger Rechtstitel, der einzige Rechtstitel, den. man auf ein Land tatsächlich geltend machen kann. Ein Land, das man mit Gewalt genommen hat, kann einem größere Gewalt wieder nehmen Aber wir sind in dem festen Glauben, daß ein Land, das so erobert wurde, wiu wu: ein Stück von Erez Israel erobert haben, unveräußerlicher und unvergänglicher B isitz des Eroberers ist. Man hat uns natürlich nicht zugetraat, daß wir solche Leistungen vollbringen können. Man hat nicht envariet, daß wir die Sache von Erez Israel so blutig ernri, nehmen. Man hat nicht g'-glaubt, daß wir seit zweitausend Jahren in vollem Erlist gebetet haben: „Nächstes Jahr ln Jerusalem.1* Man hat nicht geglaubt, mit welchem Fanatismus wir dann an die Verwirklichung dos Gebets gehen würden. Alle Welt war überrascht, was die ,feigen B ASCH IV., ARGENTINIERSTRASSE 22 TEL.: U 47-5-M KOHLE «KOKS ANTHRAZIT .ALLEINIGE LIEFERANTIN DER „ASCA" "BUND JÜDISCHER FRONTSOLDATEN KEREN KAJEMETH JÜDISCHE KULTUR STELLE

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