Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 513 (9.1.1936)
- Date
- 1936-01-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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V. b. b. Preis dieser Nummer 30 g Max Brod spricht am 18. Jänner Im Oflenhach * Saal, Treltlstraße Nr« 3, Über Individuum, Volk und Menschheit JÜDISCHE ZEITUNG ija Gütertransporte 9^ und Übersiedlungen ULLMANN RINK & CO. Wien, I., Judenplatz 5, Tel. U 22-2-54 Frachtvertretung derPalestineShipping Co. Ltd.D. „Tel Aviv" und der „Atid Navigation Co." Nr. SIS I Wien» 9» Jänner 1936 Redaktion und Administration; Wien; \ Msre-Aursl-StraBe 5. Tel.: U 22-2-91 Redsktlonssdhlul Montag und Mittwoeh vorm. (14* Tebeth 5696) | 9* Jahrgang Täuschung und Erkenntnis Von Staatsrat Dr. Desider Friedmann Bei der Eröffnung des neuen zionistischen Berns im Prater wurde der folgende Brief des Präsidenten der lsr. Kultusgememde Stmtsrat Dr. Friedmann verlesen: Die Eröffnung1 eines neuen zionistischen Heimes in einem jüdischen Bezirk, irre dem Ihrigen, hat eine über den Tag -hinausreiohenide Bedeutung. Sie ist ein Beweis für das Vorhandensein beachtenswerter, der Sammlungzustreibender zionistischer Kräfte, die sich in einem neuen örtlichen Mittelpunkt den würdigen Rahmen für eine zielbewußte, nach aufwärts gerichtete Tätigkeit schaffen. Solcher Mittelpunkte,; in welchen unsere Energien zusammenströmen,- bedürfen wir in den heutigen Tagen mehr'denn je. Denn das Wachstum unserer Bewegung, däis zum Teil" in den letzten Jahren einer beispiellosen, in ihreäi Raffinement, ihrer walttätigkeit und Grausamkeit nicht zu überbietenden Judenverfolgung und in dem Zunahmen des Judenhasses ihren erklärlichen Grund findet, verpflichtet uns, die Neuhinzugekommenen in ihrem jüdischen Bewußtsein zu stärken, ihre innere Verbindung mit der zionistischen Idee zu kräftigen und sie zu wahren Trägem unserer Ideale zu erziehen. Wir müssen uns darüber klar sein, daß der Antisemitismus und die natürliche Reaktion auf' die Verfolgungen, die - der einzelne empfindet, keine aufbauenden und positiven Kräfte schaffen, sondern bestenfalls den durch die Assimilation herbeigeführten Zersetzungsprozeß in seinem weiteren Ablauf zum Stillstand bringen. Viele, die glauben, unter dem äußerlichen Druck unserer Tage zum Judentum zurückgefunden zu haben, geben sich einer Täuschung hin, denn wahrhaft jüdische Gesinnung hat ihre Wurzeln nicht allein in dem beleidigten Stolz und in dem Empfinden, daß uns Unrecht geschieht, sie kann sich nur auf richten und zur Entfaltung kommen in u Erkenntnis, daß wir die ungeheure, über uns'hereingebrochene Not nicht anders überwinden können, als daß wir an der Lösung der von den Zeiten unabhängigen positiven Aufgaben unserer. Gemeinschaft mit unserem ganzen Herzen und unserer ganzen Kraft schaffend mitarbeiten. Der Zionismus in seiner Zielsetzung ist seit dem Beginn der Diaspora die zentrale L eben saafgabe des jüdischen Volkes gewesen. Nur dadurch, daß uns in den Jahrhunderten unserer Galuthexistenz diese Überzeugung und Erkenntnis vielfach verloreugegangen Ist, daß wir den Ewigkeitswert des Bestandes utnd der Aufrechterhaltung unseres Volkstums gegen zeitbedingte, wie sich nunmehr mit Klarheit erweist, trügerische und vergängliche Vorteile einer miß vors tan denen, mit der Abstreifung unseres Volksüharakters verbundenen Emanzipation einzutauschen bestrebt waren, sind wir auf die schiefe Bahn der Entwicklung geraten. Das Verdienst des Zionismus in jenor Form, wie -er von Theodor Völkerbund und Flüchtlingsfrage Der Londoner Korrespondent der „Neuen Zürcher Zeitung“ berichtet, man glaube in London allgemein, daß der Völkerbundrat sich jetzt nicht länger weigern kann, die Flüchtlingsfrage vom politischen Standpunkt ans zu behandeln. Es ißt damit zu rechnen, daß die englische öffentliche Meinung ihren ganzen Einfluß aufbieten wird, um die Führer des Deutschen Reiches von der Unhaltbarkeit der Nürnberger Gesetzgebung zu überzeugen. Legalisierung der „Illegalen"? Jerusalem, 5. Jänner. (2. T. A.) „Doar Hajom“ will aus guter Quelle erfahren haben, daß die Regierung in kurzer Zeit ein Gesetz erlassen wird, wonach alle bis zum 31. August 1935 in Palästina illegal Eingewanderten, auch diejenigen, die sich jetzt noch in Haft befinden, Straferlaß erhalten und im Lande bleiben dürfen. Jeder von ihnen wird eine Einwanderungsgebühr in Höhe von einem Pfund nebst einer kleinen Geldbuße zu zahlen haben. Eine Naturalisierung dieser illegalen wird aber erst nach einer Frist von zwei Jahren möglich sein. Keine staatliche Dotierung des jüdischen Kultus Das Hu n desfmanzgesefcz für das Jahr 1936 liefert im Kapitel „Kultus; und Unterricht“ folgende bemerkenswerte Daten: Katholischer Kultus: S 15,412.200; Evangelischer Kultus: S 497.900; Sonstige Kultusausgaben: S 14.600.- Was unter der Post „Sonstige Kultusausgaben“ zu verstehen ist, wissen wir nicht. Fest steht aber jedenfalls, daß der jüdische K u 11 u s leer ausgeht. Das geschieht, obwohl die Wiener Jüdische Gemeinde durch die Erhaltung eines eigenen Spitals, eines eigenen Altersheimes und durch eine ausgedehnte Fürsorgetätigkeit den Bund und die Gemeinde Wien in sehr beträchtlichem Maße entlastet. Die 'in der Verfassung verankerte Gleichberechtigung läßt es als unumgänglich notwendig erscheinen, daß der jüdische Kultus die gleiche Förderung erfahre wie die anderen Glaubensbekenntnisse. Die Juden Österreichs haben in ihrer Eigenschaft als Bürger und Steuerzahler sicherlich nichts gegen' die Dotierung des katholischen und evangelischen Klerus durch den Bund einzuwonden. Sie verlangen aber ebenso eine entsprechende Dotierung des jüdischen Kult u s. Dieser gerechten, im Gesetz begründeten Forderung muß zum Durchbruch verholten werden. Die G1 e i c h be r e c h tigung der Juden muß in den Ausgabeziffem des Kultusbudgets Ausdruck finden. 315.000 Jaden in Erez Israel Jerusalem, Anfangs Jänner. Amtlich wird für das Jahr 1934 folgende Bevölkerungsstatistik veröffentlicht: Die Zahl der Geburten sank in der muslimischen Bevölkerung von 49 auf 46 pro Tausend, , bei den Christen auf 33, während H e r z 1 wiedererweckt wurde, prägt sich darin aus, daß er uns aus dem Wirrnis der Täuschung auf die Bahn wahrer Erkenntnis zuriiekgeführt, unserem Leben neuen und doch zugleich alten Inhalt gegeben, die Grundwahrheiten des Judentums unseren Augen eröffnet und uns den Weg gewiesen hat, der allein zur Lösung der jüdischen Frage führt. Denn die Judonfrage ist nichts anderes, als das Problem der Entwurzelung, Zionismus die Verwurzelung des jüdischen Volkes im jüdischen Lande. Wir haben als die Träger einer auf Recht und Sittlichkeit aufgebauten Weltanschauung in den Jahrhunderten uns einen kostbaren Schatz bewahrt. Wir sind, ein verfolgtes, aber kein armes Volk. Denn keine Gewalt der Erde kann uns jenen göttlichen Funken rauben, der in dem Herzen jedes einzelnen schlummert. Viele von uns mögen mit leeren Händen in das Land unserer Väter zurückkehren, aber jeder von ihnen bringt eine köstliche Gabe mit sich, den Splitter des Volksbewußtseins, den wir uns bewahrt haben und diese Splitter sind die Tragbalken, auf denen wir unsere neue Heimat bauen. Möge das Heim, dem Sie heute seine feierliche Weihe geben, dazu beitragen, den Vielen, die seit Jahren in Ihren Reihen stehen, neuen Ansporn für erhöhte Arbeit und Leistung zu geben, denen, die zu uns kommen, den wahren Sinn des Zionismus einzuprägen, solche, die noch zaudernd abseits stehen, für unsere Ideale zu gewinnen, allen vermehrte Kräfte zu geben, für die Arbeit an unserem großen Werke. BESTE QUALITÄTEN ANTHRAZIT KOHLE KOKS BASCH IV, ARGENTINIERSTRASSE 22 TEL SERIE U 47-5-40 die der Juden ein wenig stieg. Die Todes« fälle unter den Mohammedanern stiegen von 24 auf 26 pro Tausend (Uberschuß 20), bei den Christen von 14 auf 16 (Uberschuß 17), unter den Juden von 9.3 auf 9.5. Die Säuglingssterblichkeit stieg bei den Mohammedanern und Christen und fiel bei den Juden, und zwar betrug sie 175, respektive 152 und bei den Juden 78. Von 19.120 ansteckenden Krankheiten gingen 1614 letal aus. (Gegen 12.947 mit 1393 Todesfällen.) Die in Palästina lebende Gesamtbevölkerung beziffert das Amt mit 1,171.158, wovon 807.180 Muslimen, 253.700 Juden, 99.532 Christen aller Bekenntnisse und 10.746 Andere sind. Die Zahl der Beduinen änderte sich nicht seit der Volkszählung von 1931. Das Zahlenverhältnis hat sich durch die große jüdische Einwanderung des letzten Jahres verschoben, so daß heute die jüdische Bevölkerung mit rund 3' bß00 Seelen mehr als ein Viertel der Gesamt^.jvölkerung betragen dürfte. Öffnung Tramjordaniens? Jerusalem, 5. Jänner. (2. T. AJ Aus Amman wird gemeldet, daß in der letzten Sitzung des Gesetzgebenden Rates Transjordaniens der Antrag gestellt worden sei, Juden die Niederlassung in Transjordanien zu gestatten. Es verlautet, daß der Gesetzgebende Rat sich zu diesem Antrag zustimmend verhalten habe. Bisher konnte nicht festgestellt werden, was an diesen Gerüchten wahr ist. Wedgwood warnt London, 5. Jänner. (2. T. A.) In einem Brief an die „Times“ greift das bekannte Mitglied des Unterhauses Josiah Wedgwood scharf den Plan des Legislative Council for Palästina an und erklärt, ein Council würde nur die Differenzen zwischen den verschiedenen Gemeinschaften Palästinas verschärfen. Jetzt sei es noch Zeit, den Plan noch einmal gründlich zu erwägen und aus den Fehlem zu lernen, die man in Ägypten und anderswo durch vorzeitige Einrichtung von Selbstverwaltungen gemacht hat. Palästinabeilage der „Stimme“ „Die Stimme“ enthält heute zum erstenmal eine ausführliche Palästinabeilage. Wir werden eine solche Beilage von nun ab jede Woche einmal veröffentlichen. Unsere Leser werden darin über die Entwicklung in Erez Israel eingehend informiert. Artikel unserer Korrespondenten in Jerusalem und Tel-Aviv schildern alles, was der Jude über sein Land wissen will, in politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Beiträgen. Außerdem enthält die Beilage reichliches Nachrichtenmaterial. Die Beilage ist mit Originalaufnahmen unserer Korrespondenten illustriert.