Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 510 (24.12.1935)
- Date
- 1935-12-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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f ITr. Slö — 24. Dezember 1935 DU 9TIMMI Seite 5 ÄNCSf UND SCHRECKEN REGIERT DIE STADT 8ey Die Wendung in England Anthony Eden ist britischer Außen mi/nister geworden. Seine Ernennung mußte logiscberweiso kommen. Da Hoaro mit dem in Paris vereinbarten Friodensvorsohlag ge »tilrat ist, war die Rückkehr zum Grund satz der kollektiven Sicherheit und zur Wiederherstellung der Völkerbundfront gegen Italien die notwendige Folge und so tritt der Minister in den Vordergrund, der die treibende Kraft bei der Aktivierung der Sanktionen war, und der nunmehr wahr scheinlich die Verhängung der Petroleum-, Kohle- und Erz-Sperre betreiben wird. Seine Ernennung, die den vollen Sieg der Jung konservativen bedeutet, hat nach Londoner Meldungen in ganz England Begeisterung hervorgerufen, die sich insbesondere in einem starken Zuwachs zur Völkerbundliga äußert. Die Mitgliederzahl ist in den letzten Tagen — seit dem Sturz Hoares — auf 15 Millionen gestiegen. Zugleich wird berichtet, daß England an die Völkerbund- Staaten die Frage stellt, ob sie gemäß dem so viel zitierten Artikel 16 des Paktes zur gegenseitigen Hilfe im Mittelmeer bereit sind. Es geht also in der Hauptsache darum, daß der englischen Flotte die französischen Mittelmeerhäfen, ferner die spanischen Balearen, die türkischen Dardanellen und die griechischen Inselhäfen zur Verfügung ge «teilt werden. Im Zusammenwirken mit den britischen Stützpunkten in Ägypten und Palästina würde somit Italiens Bewegungs freiheit vollständig unterbunden werden. Es ist möglich, sogar wahrscheinlich, daß Eng land auch die aktive Unterstützung der Seestreitkräfte dieser Staaten verlangen wird. Was dies bedeuten würde, ist von Rom aus wiederholt gesagt worden, und der Große Faschistenrat hat am letzten Samstag beschlossen, den Krieg bis zum Endsieg fortzivsotzen. Ob sich dieser Beschluß nur auf Abessinien bezieht, bleibt einstweilen ■unklar. In den politischen Gleichungen, die in den letzten Monaten dieses jetzt zu Ende gehenden Jahres durchgerechnet werden, gibt es eine Menge von Unbekannten. Da ist der plötzliche Besuch des französischen Botschafters Francois-Poncet bei Hitler, dem in der Vorwoche die gleich sensationell wirkende Vorsprache des Sir Phipps in Berlin sich anschloß. Es habe sich, wurde offiziös versichert, um Locarno, um Luftrüstungen und um den französisch-russischen Vertrag gehandelt. Aber die Nervosität, die dem ersten Besuch in London, dem zweiten in Paris folgte, deutete auf ganz andere Dinge hin. In der französischen Kammer führte RESTAURANT HOTEL STEFANIE (vorm. Opurer) u., l'aboratratte 12 Telephon U 46-6-6? «••pa Ausgiebige Braten-MeuUs S 1*00 'ü7-? „ Geflügel- „ s a*ao Ul£7J sowie b la Carle, Speisen um Rost Großer Saal mit Bühne für Veranstaltungen und Hochzeiten abzugeben. Rechte und Linke plötzlich die Rütli-Szene auf; Laval erhielt die Mehrheit für die Auflösung der Partoigarden. Inzwischen aber ist es damit wieder nichts und der Ministerpräsident steht am Donnerstag vor einer schweren Debatte, die vielleicht mit seiner Demission enden wird. Anderseits hat das englische Kabinett die Vereinbarungen Laval—Hoare vom 8. Dezember desavouiert. Die Aussprache im Unterhaus, so reich sie an dramatischen Akzenten war, hat das Dunkel dieser Affäre nicht gelichtet. Hoare versicherte, man habe mit kriegerischen Warnungen Italiens zu tun gehabt. Baldwin wieder sagte, das Telephon Paris—London habe schlecht funktioniert, so daß er erst ajn Montag (den 0, fieaeffibör) beim föük 5g Flieger-Kino, Liechtensteinstraße DIE NEUE TONFILMREPORTAGE dez iutotifadtototycefi U* JUuzew* und der gewaltige Palästina-Tonfilm dcu £cwtd du Mocktifiuufy An beiden Weihnachts-Feiertagen 25. u. 26. DEZEMBER, Yormittags 1A11 und 3A12 Uhr. Karten bei MEJSTRIK, Wollxeile 6 (R 25453), LANYI, Kärntnerstr. 44 (B 26333), JüD. KUL¬ TURSTELLE, Franz Joiefskai 3 (R 28236), ZION. LANDESKOMITEE, Marc Aurelstraße 5 (U 22211), bei sämtl. Mitgliedern des Makkabi Hazair und an der Kinokasse (U 18152). I P H stück die Informationen Hoares vorfand. Das Kabinett ha/t dann, wie bekannt, Abänderungen vorgeschlagen, doch wurde die Einigungsformel nicht bekanntgegeben. Ara 11. Dezember aber teilte Paris amtlich mit, daß das Einvernehmen endgültig und feierlich bekräftigt worden sei: Ein wirres Durcheinander, das nur vermuten ließ, daß hinter den Kulissen sehr ernste Dinge Vorgehen. Man erzählte, daß Laval dem englischen Minister mitgeteilt habe, Italien wolle im Falle des Petroleumembargos einen riesenhaften Fliegerangriff auf die britische Flotte unternehmen. Gegen solche Romantik spricht doch, daß auch England im Mittelmeer eine große Luftflotte unterhält, die wohl nicht untätig in ihren Hangars bleiben würde. Aber da sprach Baldwin in seiner Unerhausrede über die kollektive Sicherheit und er sagte: „Wir wissen, daß wir das nächstemal das Gebiet einer solchen Aktion vielleicht näher bei uns haben werden, als dies jetzt beim Mittelmeer der Fall i s t.“ Und mm muß man sich wieder an die Berliner Besuche der Botschafter erinnern Denn zwischendurch erfuhr man, daß die französische Regierung im Besitze eines Geheimdossiers des deutschen Generalstabe.' ist, der die schönen Absichten des Dritten Reiches klarlegte, in dem ganzen Konflikt auf Beute auszugehen. Und hierin liegt wohl zu einem sehr großen Teil der Schlüssel für die vielen Rätsel dieser englisch-italienischen Verwirrung. Baldwins Rede hat die Situa tion ein wenig aufgeklärt. Hat eine Gefallt bestanden, so ist sie auf diesem Terrain wenigstens beseitigt. Daß die Berliner ihrer verzweifelten Lage durch ein kriegerisches Abenteuer entrinnen wollen, mag schon stimmen. Aber man ist auf sie aufmerksam. Man gibt ihnen weder Kredit, noch Kolonien Sie werden der Abrechnung mit ihrem Volk nicht entgehen. . 26 Schilling ist viel — 26 Schilling ist wenig.«« 26 Schilling ist viel für einen Haarhut - 26 Schilling ist wenig für einen Richard-Schwarz-Hut... Ich könnte billigere Haarmischungen bringen - aber die wären teuerer I . . . Mein 26- Schilkng-Hut hat die Fassonfestigkeit, die Linien und Farben, den gewissen Schwung, der den Richard-Schwarz-Hut zum Hut des Herrn gemacht hat. Der Richard-Schwarz-Hut um 26 Schilling ist mehr als „billig" er ist preiswert! RICHARD SCHWARZ der Hut des Herrn Kärntnerstraße 53 Adlergasse 4 Pie deutschen Flüchtlinge London, 19. Dezember. (2. T. A.) Wie der Jüdischen Telegraphen-Agenfcur von dem Generalsekretär des Oberkommissariats für die deutschen Flüchtlinge, A. Wurfbain, mitgeteilt wird, wird das Oberkommissariat seino Tätigkeit bis zur Entscheidung des Völkerbundrateis über die weitere Führung der Arbeiten fortsetzen. Diese Entscheidung wird voraussichtlich auf der Jänner-Sitzung des Völkerbundrates gefällt werden. Obwohl der Oberkommissar James G. Mac- Do n a 1 d sein Amt niedergelegt und bereits die Heimreise nach Amerika angetreten hat, wird das Amt des Oberkommissars weiter funktionieren, bis der Völkerbundrat zu dem Rücktritt MacDonalds Stellung genommen und eine Stelle mit der Weiterführung der Arbeit betraut haben wird. Auf Grund dor ihm von der Expertenkommission erstatteten Vorschläge wird der Völkerbundrat zunächst eine provisorische Regelung der weiteren Arbeit vornehmem, die für die Zeit bis zum Zusammentritt der Völkerbundversammlung im September 1986 gedacht ist. Die Völkerbund Versammlung wird sich erst endgültig darüber schlüssig werden, ob ein neues Völkerbundamt für Flüehtlingsfürsorge geschaffen oder die Arbeit zugunsten der Flüchtlinge aus Deutschland einem erweiterten Nanöea-Amt überlaasea werden aoJJ, Eine Anfrage im Unterhaus London, 19. Dezember. (2. T. A.) Im Unterhaus richtete Rhys Davids an den Minister des Auswärtigen die Frage, welche Beschlüsse dasvom Völkerbund eingesetzte Fünfer-Komitee der Experten betreffend die zukünftige Behandlung des Problems der deutschen Flüchtlinge gefaßt habe. Lord C r a n b o u r n e, der parlamentarische Unterstaatssekretär des Foreign Office, erwiderte, daß über die Schlußfolgerungen des Experten-Komitees noch nichts bekanntgegeben werden könne. Grand Cafö Central Wien, II., Taborstraße 8. Tel. R 47-5-80, R 47-5-81 Aufliegen attmtlioher jüdiaoher Zeitungen (deutsch, iiddisch, hebräisch) Der Bericht und die Schlußfolgerungen des Esi'ortenkomltees des Völkerbundes für die deutschen Flüchtlinge werden erst zur Zeit der Tagung des Völkerbundrates, der sich mit diesem Bericht und den Schlußfolgerungen befassen wird, zur Veröffentlichung ge langen. Heute ist nur bekannt, daß das Komitee zwei Wege empfohlen hat: entweder Errichtung eimter dem Nansen-Amt angeschlossenen a u t o n o m o n S e k t i o n für die deutschen Flüchtlinge ode*- Schaffung ....... ...w . y.CWh Nansen-Amt .völlig unabhängigen|he j,t det dftutgfibän Juden berück- Feiertage! üetMfittrn Sic Mc Wethe hev cMm Süchte — hie tittfcre Utffe ^hnett tnclrntiert, -- Sic nOo flammen ans beit gefeg» itetücn 'BUittbougegeiibeii - mtb merben iit bet 3ich linieret flcllcrcteit — mit üicbe unb iBcrfläitbtti« gepflegt unb auf» bewahrt. — -CanS /jeilinger ffcftmeiitc haben beiger beit un» f8)ö£barctt Warittg, — fiag Sic batttit überall (ff)« einlegenl Festweine 7/10 n. ilu«* 1034 Sbaugsborier guter 3ifd)loeitt .... — 1.20 1935 itiarferriborfer faftiger heuriger. '&ktn — 1.20 1936 fCotjftbDrfcr angenehmer miiber Tafelwein 1.20 1.00 193") $ürnftciiter grasgrün ftahüger '-lUctit . — 1.60 1933 Vabnet ©fteiinimarfe feiner eleganter Söeht .‘.. . 1.60 2_ 19.34 yticsitng fHuftberg Slusilefe, Wottre Stouternc 1.30 2.40 1930 ©teiittoeirt im SJoxbeutel — raifiget •ßerrenmeht .1.80 — 1929 iHhetnrteäiing, feiner alter SDtätWein . — 3.— 1934 SRimlelftcinet üorttc&mer SDettt, fdtencä SBouqiiet, fjmlid)« fjlaturfiifee .... 2.10 2.80 1934 (SumpolbMtrdpner ebelfteö Siiiftettgemädjä 2.40 3.20 1921 Slabacfonher, feicr alter llngarroetn . . 3.— 4.—• 1924 üofaher, feurig |ü&*bolI u. ebel, % Cher 2.—- 4.—. 1934 IRotcr Tiroler, angenehmer mtlber :)(ot» mein .— 1.60 1932 ,1taltetet*©ee, Iräftigcr, bunller iRolWetn, hohe Qualität. 1.60 2.—* 1929 jUarscmhiü, feuriger $cffcttwein, lief» bunfel, fiife . ... 8/10 fflaftTjc 2.— 2.40 1928 'JJhiScat hochfeiner fii&et fSefferttocin, ebel, golbgelb. 2.70 3.60 1930 SMtto Slcrtnoulh, feiner ScffcrtWetn, buttfcl . 1.80 2.40 1929 SBermouth ©ianco, ftitantcr EeffcrtWcln, helT . 2.40 3.20 1903 '.Malaga, feiner öltet Scfferttocin, tief» bmtfd»boflfüfj .3.— 4.—» 1926 '.Uiarfala, fehlfeiner gejehrter 2/effert» toein.3.— 4.-» 1920 '-Portwein, alt auSgereift, fdhWcr unb ebel 6.— 8.— 1022 ©herrt), feiten fein, golbgelb, jdjtm uttb gelehrt .6.— 8.-- 2>ic Ifcreiie berftehen fidh ohne 34afd)e»(£infaö, her Slafdje 20 Örofd/eit. SUir finb 3hneit gerne — Bei ber SluiWafjl Sf^reS SSeineä behtlflid) —- lommen ©ic unberbitiblid) in eiite§ mtferer Sfflein« häufet — unb probieren Sie foftettlog — alle biefe herrlidhett SBeinc . . .! ®et Marne ^ciltnocr ift bie SSürgfdjaft für Gtht“ heit unb hertiorragenbe /Qualität . . . Z E I L I N G E R Sanbftr. $auf»tffr. 17 iUlariahUfcrgürtct 27 SBaHenfteinftrajje 4g Söinfdmannftr. 22 gohnftrafie 30 S3cfteH5üro Sei. R 35=040 ficngroä.abteilung: XIX., $ciUgenfi(ib(crfIra6( 33, Teichhon B 11=0=07 Amtes mit einem eigenen Kommissär an der Spitze, dem die Behandlung der deiutschen Flüchtlinge obliegen soll. Dr. Rupptns Vorschläge in Genf Jerusalem, 19. Dezember. (2. T. A.) In einer Pressekonferenz machte Doktor Arthur R u p p i n Mitteilungen über die von ihm der Expertenkommission des Völkerbundes für Auswanidererfürsorge in Genf unterbreiteten Vorschläge. Er wies vor der Kommission darauf Mn, daß er auf dem XVIII. Zionistenkongreß die Auswanderung von 200.000 Juden aus Deutschland im Laufe von zehn Jahren als notwendig bezeichnet hatte. Die Hälfte dieser Auswanderer solle in Palästina, die andere Hälfte in anderen Ländern Aufnahme finden. In den seit diesem Kongreß verflossenen 8 Jahren bat Palästina die ihm bei dieser Lösung zugedachte Aufgabe erfüllt. 27.000 Juden aus Deutschland sind nach Palästina eingewandert. Die übrigen Länder jedoch sind ihrer Aufgabe nicht gerecht geworden. Nur 10.000 Juden konnten das Niederlassungsrecht in den neuen Aufenthaltsländern erhalten. 30.000 Juden aus Deutschland, die in verschiedenen Hauptstädten Europas leben, stehen dauernd vor der Gefahr der Ausweisung. In Deutschland selbst sind von etwa einer halben Million im Jahre 1933 435.000 Juden zurückgeblieben. Schon allein infolge des der jüdischen Bevölkerung jährlich um 6000 bis 7000 kleiner. Wenn noch in den nächsten zehn Jahren jährlich 20.000 Juden aus Deutschland auswandern, dann worden 1945 nur noch 200.000, zum größten Teil alte Leute, übriggeblieben sein. Dies stelle zwar eine ungenügende Lösung dar, aber eine bessere sei nicht möglich. Von den jährlich auswandernden 20.000 Menschen werde Palästina die Hälfte oder etwas mehr absorbieren können. Die Mitglieder der Expertenkommission stellten Fragen über die Lebensmöglichkeiten der Einwanderer in Palästina. Darauf antwortete Dr. Ruppin, daß Palästina noch weit davon entfernt sei, seinen Bedarf, sogar clon an landwirtschaftlichen Produkten, selbst zu decken; noch weniger sei dies in bezug auf Industrieerzengnisse der Fall. Ein großer Teil dessen, was Palästina jährlich für Millionen Pfunde im Auslände kauft, könnte im Lande selbst hvsrgestellt werden und deshalb könne das Land noch oine große Einwanderung aufnehmen. Besonderen Nachdruck legte Dr. Ruppin auf folgende zwei Punkte: a) die Kommission dürfe sich nicht nur mit der Frage der bereits Ausgewanderten befassen, sondern müsse die Gesa in t-