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Die Stimme · 1935-12-24 · Heft 510 (24.12.1935) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 510 (24.12.1935)
Date
1935-12-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Preis dieser Nummer $0 g Die nächste Nummer der „Stimme“ erscheint infolge der Feiertage erst am Dienstag^ den 31. Dezember. JÜDISCHE ZEITUNG V. h. b. NACH PALÄSTINA mit den großen, vorzüglichen Salonschiffen »GALILEA«, »GERUSALEMME« UND »PALESTINA« der direkten Eillinie TRIEST—JAFFA—HAIFA Abfahrten jeden Mittwoch und jeden zweiten Freitag — Fahrpreis in der ausgezeichneten Touristenklasse samt vier vorzüglichen Mahlzeiten täglich bloß zirka ö. S 250'-. Zertifikat-Inhaber genießen weitestgehende Ermäßigungen. Auskünfte: Generalagentur, I., Kärntnerring 6 und alle Reisebüros in LLOYD TRIESTINO FLOTTE RIUHITE LLOYD TRIESTINQ-MARi'TTIMA ITAllAHA-SITMAft Nr. 510 IVSa« <* a narAMitiA« fflie I Redaktion und Administration > Wien, L Maro-Aurol-StraBo 5. ICH) a&BIHUC» I Toi.: U 22-3-91 RedektionssehluB Montag und Mittwoch vorm. | (28. Kfslew $696) | 9* Jahrgang Amerikanische Deutsche gegen Hitler New York, 19. Dezember. (2. T. A.) Etwa 7000 Delegierte deutscher Vereine in den Vereinigten Staaten versammelten sich in New York, um der Öffentlichkeit in Amerika zu demonstrieren, daß Deutschtum mit Hitlerismus nicht identisch ist. Die Losung der Konferenz lautete: „Hitler repräsentiert nicht das wahre Deutschlan d.“ Die Redner brandmarkten in schärfsten Worten die Barbarei des Hitler-Regimes. In der Hauptresolution wurde die Entschlossenheit des Deutschtums in den Vereinigten Staaten ausgedrückt, für die Befreiung Deutschlands zu kämpfen, damit das Reich seinen einstigen Glanz und sein Ansehen in der Kulturwelt zurückgewinnt. Weiter wurde beschlossen, eine Kampagne in ganz Amerika zur Bekämpfung des Nazismus durchzuführen. Präsident Roosevelt sandte der Konferenz, die von der „Deutsch-Amerikanischen Kultur-Liga“ organisiert wurde, ein herzliches' Begrüßungsschreiben. Hearst-Fresse gegen Hitler New York, 22. Dezember. (2. T. A.) Die Hearst-Preßße in den USA. veröffentlicht unter der Überschrift „Hitlers Krieg gegen die Religionsfreiheit ißt ein Krieg gegen die Menschheit“ einen heftigen Angriff gegen das Hitler- Regime, in clem ausgeführt wird, die „atavißtischen Angriffe“ gegen die Religionen und die „unvorstellbare Verfolgung •der Juden“, der Umstand, daß Männer wie Streicher und Kerrl über ein Sechziigmillionenvolk im Herzen Europas gesetzt werden, heiße ßo viel, wie eine „Höllenmaßchine auf das Fundament der modernen Zivilisation setzen“. Eine englische Stimme. London, 19. Dezember. (Z. T. A.) „Round T a b 1 e“, eine der bedeutendsten politischen Zeitschriften Englands, erklärt in ihrer Dezember-Nummer: Bedingung für eine englisch-deutsche Zusammenarbeit ist eine bessere Behandlung der Juden und Christen im Dritten Reich. Uns Engländern erseueint es nicht fair, andere Staaten, mit deren politischen Systemen wir weit mehr sympathisieren als mit dem System Deutschlands, zu drängen, ihren deutschen Minderheiten eine bessere Behandlung angedeihen zu lasen, als sie Deutschland seinen Minderheiten zuteil werden läßt. „Round Table“ nennt das Regime „brutalmaterialistisch“ und erklärt, die Unterbindung der Freiheit als primäres Regierungsziel sei dem englischen Charakter tief zuwider. Die Zertrümmerung der Gewerkschaften, die Degradierung der Juden, die politischen Morde, Geheimprozesse, Konzentrationslager, all dies erregt den Abscheu aller Kreise der Bevölkerung Englands. Wir dürfen unsere Augen solchen Dingen gegenüber nicht verschließen, sondern müssen alles, was in unserer Macht steht, tun, um eine Wendung herbeizuführen. Nachgiebigkeit bedeutet Untergang Von Dr. Oskar Grünbaum Am 1. Juli 1920 trat Sir Herbert Saimuel das Amt des Oberkoinmissärs in Palästina an. In Ere>z Israel begrüßten ihn die Juden mit dem Rufe: „J e ch i H am e 1 e c hl“, „Es liebe der König!“ Seither hat die jüdische Begeisterung für den „Zionisten“ Herbert Samuel beträchtlich nachgelassen. Am 1. September 1922 veröffentlichte Sir Herbert Samuel die Order, womit ein „Gesetzgebender Rat“ (Legislative Council), der aus 11 Beamten und 12 gewählten Mitgliedern (8 Mohammedanern, 2 Christen und 2 Juden) bestellen sollte. So stellte sieh der jüdische Oberkommissär die Basis für ein „jüdisches Nationalheim“ vor. Glücklicherweise sabotierten die Araber den „Gesetzgebenden Rat“ und die Juden konnten erleichtert aufatmen. Die Order über den „Gesetzgebenden Rat“ verschwand in der V ersenkung. In der Natur geht nichts verloren, in der Politik aber auch nicht. Im August 1929 gab es die blutigen Unruhen in Palästina. Es kam Passfiel ds Weißbuch. Weizmann demissionierte. Englands Arbeiterregierung trat unter der Wucht des jüdischen Weltprotestes und angesehener Engländer, wie Lloyd George, Sir John Simon und Lord Hailsham den Rückzug an. Sir Herbert Samuels unglückselige Idee vom „Gesetzgebenden Rat“ wucherte aber weiter. Nun soll der „Gesetzgebende Rat“ ins Leben treten. Vergeblich waren alle unsere Proteste. Die Mandatarmaeht erachtet sich den Arabern gegenüber durch ein Versprechen für gebunden. Englands „d i v i d o et ■impera-Schaukelpolitik schlägt wieder einmal zugunsten der Araber aus. Die Verpflichtungen Englands aus dem Mandats vertrag — jüdische Masseneinwanderung, Beiistellung von Stautsländereien, „Wiedererrichtung“ der nationalen jüdischen Heimstätte — scheinen ein geringeres Gewicht zu besitzen. Wieder war es Sir Herbert Samuel — wer ruft noch: „Jeohi Hamelech?“ — der sich bemerkbar machte. Vor einigen Wochen erzählte er in London jüdischen und engli- BILLIGE REISEN NACH Polen u. Czernowitz Abfahrten 2„ 21. Jflnner 1036. — Rückfahrten 5., 7. Jänner, 12. Februar 1036. — Auskunft auch Uber PalSstlnarelsen bei Dr. S. Tocker, X., LIECHTENSTEINSTRASSE 2, — TELEPHON A 14-604 (Reisebüro „In die Weil“, W. M. Renner) sehen Gentlemen, er könne bestätigen, daß mit der Erlassung der Balfour-Deklaration die Errichtung eines Judenstaates keineswegs beabsichtigt war. Das war der — bestellte odeT nicht bestellte — Auftakt zur Verlautbarung der neuen Order über den „Gesetzgebenden Rat“. Sir Herbert Saimuel ist sicher ein ehrenwerter Gentleman, ebenso wie der derzeitige Oberkommissär General Wauchope. Wir akzeptieren aber weder ihre Meinung, noch die Englands über die Auslegung des Palästinamandates in Ansehung des „Gesetzgebenden Rates“. Wir sagen, daß wir den „Gesetzgebenden Rat“ als eine flagrante Verletzung des Mandatsvertrages ablehnen und ihn nicht beschicken werden. Und wenn man sägen sollte, unsere Haltung sei überheblich, so verweisen wir auf die jüdische Geschichte. Hätten wir uns dem politischen Druck der jeweiligen Machthaber gebeugt — es gäbe heute kein jüdisches Volk mehr. Der „Gesetzgebende Rat“ ist die Schlinge, die dem Jischuw um den Hals gelegt werden soll. Der Jischuw und das jüdische Volk aber wissen, worum es geht. Wir müssen wie ein Mann aufstehen und England zurufen: „Nein, nein, n iemals!“'Kein Jude darf die Schwelle des Gesetzgebenden Rates überschreiten. Ohne die jüdische Beteiligung ist der „Gesetzgebende Rat“ ein Koloß auf tönernen Füßen, der ziisammenbreclien und zu Staub zerfallen muß. Wir stehen an einem Wendepunkt unserer Geschichte. Die Zukunft Erez Israels steht auf denn Spiel. Nachgiebigkeit bedeutet Untergang. Diese Erkenntnis wird unsere Kraft vertausendfachen und wir wissen: Es wird der Tag kommen, wo man wieder „Jechi Hamelech!“ rufen wird, aber ohne spätere Reue. „Bedrohte Rechte in Palästina" Aus der ,,Reichspost“, erfährt man, daß es seit April 1933 in Brüssel ein Komitee zur Verteidigung der katholischen Interessen in Palästina gibt. Es hat eine palästinensische Sektion unter dem Vorsitz des lateinischen Patriarchen von Jerusalem mit der besonderen Aufgabe, die katholische Welt über die Lage der religiösen Interessen in Palästina stets auf dem Laufenden zu halten. Dieses Komitee erklärt, wie die „Reichspost“ weiter berichtet, daß es keine Anklagen zu erheben hat, immerhin wünscht es, daß die Mandatemacht im eigenen Interesse eine Erklärung abgebe, durch welche die den Katholiken traditionell zustehenden Rechte offiziell anerkannt werden, und der Völkerbund solle diese Anerkennung zu einem Bestand des internationalen Rechtes machen. Die profunde Unkenntnis aller mit Palästina zusammenhängenden Fragen ist zu bewundern. Immerhin hätte doch irgend jemand sich die Mühe nehmen müssen, das Mandatstatut nachzu lesen, das in einer ganzen Reihe von Artikeln Vorsorge für die religiösen Rechte der Christen, insbesondere der Katholiken, trifft. Dieses Statut ist vom Völkerbund beschlossen und damit zu einem Bestand des in te rnationalen Rechtes gemacht worden. Der Wunsch des Brüsseler Komitees und seiner Jerusalemer Sektion ist erfüllt,, noch ehe er ausgesprochen worden ist. Jedenfalls hat — und dies ist von der zuständigen jüdischen Stelle dem Vatikan wiederholt mündlich und schriftlich notifiziert worden — kein Jude irgend etwas gegen die Sicherung der Rechte der Christen einzuwenden, zumal jeder Jude weiß, was Gewissensfreiheit ist. Aus dem Artikel der „Reichspost“ klingt deutlich die feindliche Stellung gegen die Ansprüche der Juden heraus. Das Blatt er-, klärt, daß infolge der zunehmenden jüdischen Einwanderung und infolge der starken Zunahme auch der mohammedanischen Bevölkerung der Einfluß der Christen immer geringer werde. Seit 1922 trete eine Benachteiligung der Katholiken in allen Streitfragen mit den anderen Konfessionen zutage. Das ist völlig neu und soweit wir wissen, Für wenig Geld das gute Buch W|| j} I |AH Buchhandcu ng a PI Ul I61 g VII.,Siebensterngasae 13 Unser Schlager: S Romane guter Autoren nach Wahl (Liste gratis) in Kassette zusammen S 8*80 GroBes Jugendschriftenlager 1 iüds BESTE QUALITÄTEN ANTHRAZIT KOHLE KOKS BASCH IV, ARGENTINIERSTRASSE 22 TEL SERIE II0-5-40 TANZINSTITUT RABENSTEINER l.f Parkring 16 (Eingang Hegelg. 8) Telephon R 21-8-20 Tanzkurs für Anfänger Beginn 14. Jänner 1936, 7 Uhr abends (sämtl. alte und moderne Tänze) Kursdauer 3 Monate, 2mal wöchentlich, Dienstag und Donnerstag, je 2 Stunden Honorar f.Kursdaucr S12.-, Einschreibgeb. S2.< Studenten und Stude Tanzkurs für Fortgeschrittene Kursbeginn Freitag, 17. Jänner 1936 Kursdauer 3 Monate (u. a. Englischer Turnierstil) Honorar f. Kursdauer S 6.«, Einschreibgeb. S 2.« ntinnen Ermäßigung Den geehrten Vereinen und Gesellschaften stehen unter obiger Adresse für Nachmittags- und Abendveranstaltungen schöne geräumige Säle (Fassungsraum 360 Personen) gegen mäßiges Entgelt, mit oder ohne Musikbeigabe, zur Verfügung

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